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Geschrieben: 16. September. 2012CD Review

Katatonia

Dead End Kings

Bewertung ( 10 von 10 ):

0123456789

Genre:

Progressive Metal

Spieldauer:

48:27

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Schweden

Release

27.08.2012

Link


"In the weak light, I saw you becoming the lie. Taking it all for granted like freedom. That's something you'll never have."

Und schon zieht es einen in seinen Bann. "Dead End Kings", das neunte Studioalbum der schwedischen Meister der Emotionen - KATATONIA. Nur wenige Bands haben mich in den letzten Jahren mehr bewegt als die Mannen um Ausnahmesänger Jonas Renkse. Geradezu hypnotisch wirkte "The Great Cold Distance", das meiner Meinung nach beste Album im Düstermetal-Genre. Es zieht seinen Hörer in einen unausweichbaren Bann, gräbt ihm ein Loch, aus dem er nicht entkommen kann. Im nahezu krassen Kontrast dazu wirkt der Nachfolger "Night Is The New Day" musikalisch wärmer und einladender, obgleich die Lyrik weiterhin eine düstere Geschichte nach der anderen äußert und man sich zunehmend den elektronischen Elementen als Korsetterweiterung öffnet.

An diesem Punkt beginnt "Dead End Kings" seine ersten Töne anzuschlagen. Während der Gesang nach und nach das obige Zitat einfügt, wird klar, dass man es hier einmal mehr mit KATATONIA zu tun hat. Einmal mehr muss man sich der gefühlvollen Kunst dieser Schweden öffnen, man muss sich dazu bereit erklären, neue Ideen gleichermaßen wie bereits bekannte Ansätze zu verinnerlichen, ihnen Zeit geben, sie wachsen lassen. Erstaunlich ist dabei einmal mehr, mit welcher Eleganz die Herren ihre Unverkennbarkeit wahren und dennoch vergangene Pfade neu bewandern.

"Take your well deserverd step into darkness" lässt den Opener, "The Parting", dann allmählich verklingen. Ruhig, mit wenigen impulsiven Gefühlsausbrüchen und gezielten, tiefen Gitarrenläufen, beißt sich der Song in's Gedächtnis und die Textzeile stellt den Hörer auf eine weitere Dreiviertelstunde voller Gefühle, beklemmender Atmosphäre und einprägsamen Rythmen ein. Dabei darf man sich nicht auf den Trugschluss einlassen, "Dead End Kings" enge einen auf die selbe Art und Weise wie "The Great Cold Distance" ein, denn die Stimmung ist zuweilen wärmer, zugleich aber schüchtern - nur langsam entfaltet sich die Pracht dieses Monuments. "The One You're Looking For Is Not Here", mit den Gastvocals der Norwegerin Silje Wegeland (THE GATHERING), ist zu verkopft, die Gitarren zu verwinkelt, gar unnachvollziehbar gespielt. Das Duett gelingt nicht, weil man der begnadeten Sängerin nicht genügend Freiräume gibt, und der famose Auftritt von Krister Linder in "Departer" ("Night Is The New Day") somit keinerlei Konkurrenz erhält. Schade, vor allem deshalb, weil KATATONIA daraufhin ein Emotionsfeuerwerk entfachen, welches nach ausgiebiger Studie von "Dead End Kings" dazu führte, dass zumindest ich meinen heimlichen Konkurrenten und Gegenpart zu "The Great Cold Distance" gefunden habe. Ohne kitschig zu agieren, bestechen das äußerst progressive und an "Viva Emptiness" erinnernde "Hypnone" und "The Racing Heart" vor allem mit unglaublich kraftvoll und expressiv intonierten Refrains. Interessant ist hierbei zu belauschen, wie Jonas' Stimme in den Strophen meist sehr zerbrechlich schwingt, in den Refrains hingegen völlig losgelöst und lebendig, manchmal gar ungestüm ertönt.

Dass KATATONIA auch härter können, haben sie in jüngerer Vergangenheit schon mit "Consternation" und "Nephilim" bewiesen, auf "Dead End Kings" übernehmen im dynamischen "Buildings" vor allem die Gitarren und das einwandfreie Schlagzeugspiel das Wort und lassen Herrn Renkse nur die einzige Wahl, energisch und fast schon rastlos klingend entgegen zu wirken. Zu seinem Glück haben sich die Herren Nyström und Eriksson in "Leech" dann dazu entschlossen, nur im Refrain die härteren Töne auszupacken, während sie ansonsten nur sanfte Melodien zaubern und dem Gesang etwas mehr Platz lassen. Von hier an folgen meiner Ansicht nach die mitreißendsten KATATONIA Songs, die ich je auf die Ohren bekommen habe. "Dead End Kings" ist in seinem kompletten Gefüge wahrlich ein absolutes Meisterwerk, aber die wirklich monströsen Gänsehaut-Momente haben sich die Schweden für Songs wie "Ambitions" aufgehoben. Erstaunlich, welch geile Riffs (sorry für diese Wortwahl!) man sich hier hat einfallen lassen, und noch erstaunlicher, wie unfassbar gut sie mit den Vocals harmonieren - Songwriting par excellènce!


"To run along the freeway
To weigh one's heart against the oncoming dark
You left me with the pills
We had plans but you couldn't make it
Through the trees
What took you so long
The high grass
What took you so long"

Über Highlights verfügt "Dead End Kings" zuhauf. "Lethean" mit obigem, sehr traurig-emotional gesungenen Refrain ist nur ein weiteres. Böse Zungen behaupten, KATATONIA seien mit diesem Album endgültig in der Sackgasse ihres Schaffens angelangt, und sollten sich kleineren Kurskorrekturen im Sound öffnen. Totaler Blödsinn. Wenn's nach mir geht, machen die das noch ewig so weiter. Solange sie Songs wie "First Prayer" oder "Dead Letter", oder eigentlich wie nahezu alle Stücke auf dem kompletten Werk, schreiben, haben KATATONIA ihr Pulver auch noch lange nicht verschossen. Im Grunde hasse ich es total, wenn ich mich wiederholen muss, aber auch in beiden genannten Stücken regieren wieder unverschämt tolle Refrains und Melodien, was den Kritikern im Umkehrschluss zumindest eine geringe Angriffsfläche bietet. KATATONIA agieren ähnlich wie AMORPHIS nicht gerade abwechslungsreich, man könnte ihnen fast ankreiden, man könne schön im Vorraus ahnen, welche Songs sich auf dem nächsten Album in welcher Form auch immer wiederfinden werden. Dem ist aber nicht so, denn im Gegensatz zu den Finnen offenbaren sich bei KATATONIA keinerlei Abnutzungserscheinungen, da sie sich auf jedem neuen Album immer wieder etwas frisches einfallen lassen und sie somit ihrem ohnehin engen Korsett einmal mehr entgehen können.

"Dead End Kings" ist an vielen Ecken progressiver als "Night Is The New Day", nicht so einfach zugänglich wie z.B. ein Brocken wie "The Great Cold Distance", aber es vermischt die Stärken beider Vorgänger zu einer beeindruckenden Gefühlsreise, die einen ähnlich wie das zuletzt genannte Album mitreißt, den Hörer nur auf diese Songs fokussiert und ihn erst danach wieder loslässt. Dass das Teil auch noch grandios produziert und mit einem tollen Artwork versehen wurde, ist dabei nur eine Randnotiz.
Denn KATATONIA lenken die Aufmerksamkeit voll auf ihre musikalische Darbietung. Man muss nicht über Abwechslungsreichtum nachdenken, wenn einen die immensen Refrains völlig einnehmen, wenn einen die präzise-intelligent eingesetzten Riffwände an jeder erdenklichen Stelle zermürben und Hoffnung im Keim ersticken lassen. (Autor: Pascal S.)
Fazit:
Jonas Renkse und seine Mitstreiter sind keine Schwarzmaler, sie sind Neu-Romantiker, die ihren Stil perfektioniert haben und fantastische Songs en massé im Repertoire haben. Und "Dead End Kings" ist trotz Track Nr. 2 "nur" ein weiteres makelloses Album in der jüngeren Diskografie der Band - nicht ganz so gitarrenorientiert und stellenweise besonnener als sein Vorgänger. Somit baut sich hier das Sättigungsgefühl garnicht erst auf. Vor allem jetzt, wo der Herbst seine Schwingen ausbreitet und den kommenden Winter allmählich einleiten wird ist das neunte Studioalbum dieser Virtuosen ein unumgängliches Meisterwerk. Zeitlos? Definitiv, auch wenn sich das womöglich gewagt anhören mag

Kommentare

17.09.2012 22:48 Uhr Agrypnie
Super Review für eine unglaublich tolle Platte.
Ich war erst unglaublich kritisch, weil mir die vorab veröffentlichten Songs isoliert gar nichts gaben aber im Albumkontext entfaltet sich wieder diese einzigartige Stimmung, die gleichzeitig betören und traurig machen kann.
Ich hätte auch 10 gegeben!
 
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17.09.2012 20:15 Uhr Norrøn
Ich finde 10 nach persönlichem Empfinden ehrlich gesagt nicht übertrieben. Mich flasht das Teil halt einfach total. Andere dürfen da gern ein Pünktchen abziehen.
 
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17.09.2012 19:10 Uhr Lazarus
10 finde ich übertrieben aber es ist meiner Meinung nach wirklich besser als alles seit "Last Fair Deal Gone Down". Wenn man sich überlegt, dass die letzten 3 auch schon grandios waren, weis man ja was man erwarten kann. Auch schön, dass sie es mal geschafft haben die Songs etwas komplexer bzw progressiver zu gestallten. Das gibt dem Ganze eine neue frische Note, wenn auch zunächst auf kosten der Eingängigkeit.
 
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Cover

Trackliste


01. The Parting
02. The One You Are Looking For Is Not Here
03. Hypnone
04. The Racing Heart
05. Buildings
06. Leech
07. Ambitions
08. Undo You
09. Lethean
10. First Prayer
11. Dead Letters

Künstler


Gesang: Jonas „Lord Seth“ Renkse
Gitarre: Anders „Blakkheim“ Nyström
Gitarre: Per „Sodomizer“ Eriksson
Bass: Niklas „Nille“ Sandin
Schlagzeug: Daniel Liljekvist

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