Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin

Geschrieben: 17. Mai. 2011CD Review

Amaranthe

Amaranthe

Bewertung ( 3 von 10 ):

0120123456

Genre:

Melodic Death Metal

Spieldauer:

42:34

Label:

Spinefarm Records

Vetrieb

Land

Fahne Schweden

Release

29.04.2011

Link


Was ist eigentlich poppiger Metal? Wer da an Scar Symmetrys "Holographic Universe", Slipknots "All Hope Is Gone" oder "We Rule The Night" von Sonic Syndicate denkt, sollte seine Maßstäbe noch einmal überdenken. Unabhängig davon wie man zu diesem Marktsegment steht, ist eine solche Mischung nicht selten mit einer künstlichen Anbiederung an Außenstehende der Szene verbunden. Bevor ich beide Seiten näher beleuchten will, breche ich diese Ausschweifungen mal schleunigst ab und kümmere mich um die Eisbecher-Band "Amaranthe" aus dem skandinavischen Raum. Da die Musik und die Idee dieser Newcomer viel zu simpel auf den Punkt zu bringen ist, verpacke ich das ganze in einem Gleichnis, der gut verdeutlicht, worauf man sich hier einlassen sollte. Wer es knackig mag, scrollt bitte runter zur Zusammenfassung. Der Rest packt seine Sachen: Wir gehen in die nächste Diele!

Man weiß ganz genau, dass zu viel davon nicht gut tut, aber trotzdem nimmt man es zu sich: Das hat die Musik des Sextetts mit kühlen Desserts gemein. Ein verlockender Eisbecher wartet da auf uns und spricht ein in uns allen schlummerndes Kind an. Mit ungehaltenem Magen lehnt man sich neugierig über den Tisch und betrachtet die verführerische Süßspeise. Die drei überdimensionierten Kugeln, im folgenden Schokolade, Vanille und Erdbeere, füllen den Becher komplett aus.
Die Vanille, Jake E Berg, zeigt sich von ihrer unauffälligsten Seite, und ist kaum Wert seinen Löffel in die weiche Masse gestoßen zu bekommen. Klarer Geschmack, zigfach vernommen und einer der größten Gründe, wieso man die Finger vom Becher lassen sollte. Das führt uns zur Schokoladenkugel, Andy Solveström, die nicht nur durch ihre dunklere Farbgebung einen herberen Geschmack in diesen skurrilen Speiseeis-Verbund bringt. Er ist für den bitteren Genuss zuständig und füllt den Scream-Part so schlicht, wie es Schokolade nur kann, aus. Fruchtig und wuchtig strotzt der letzte Klumpen auf seinem formgerechten Platz. Um geschmacklich eine Einheit zu bilden, bringt die Erdbeere, Elize Ryd, zwar mehr als ihre dekorativen Kugelfreunde ins Gewicht, doch bleiben ihre Fähigkeiten nur in den ersten Minuten als ungeschmolzene Süßigkeit ehrbar.
Was wäre Eis ohne Sahne? Ordentliches absprühen mit dem Keyboard sorgt für einen größeren Effekt der Zahnschmelzbombe. Und wenn man beim Kauen auf einzelne Nusssplitter trifft, weiß man auch, wo sich die restlichen Instrumente versteckt haben und wie maßgeblich sie sich an der Qualitätssicherung beteiligen. Für jeden genommenen Bissen hat man einen der 12 Songs hinter sich.
Seien die Verteilungen auf dem Löffel noch so unterschiedlich, isst man nach wie vor vom großen Ganzen. Da die dimensionalen Grenzen des Eisbechers relativ schnell abgesteckt sind, werden lediglich die Verhältnisse zueinander variiert, um eine Fassade der Neuartigkeit zu schaffen. Zugegeben, auch ein blinder Gelatiere findet ein gutes Rezept, aber Olof Mörck, der Hersteller hinter dem Tresen, sollte sein Glück eventuell in einem anderen Gewerbe suchen. Arrangements in dieser Form gibt es zuhauf, aber ein Eis mit einer solchen desaströsen Wirkung wurde selten serviert. Da täuscht auch das bunte Schirmchen mit dem Bandfoto nicht darüber hinweg.
Mit der Zeit, verkörpert durch unsere Freundin die Sonne, verwandelt sich aus unserem anfangs verzehrenswerten Nachtisch eine ungenießbare Soße, bei der die folgenden Magenschmerzen vorprogrammiert sind. Wer die Muße hat, schlürft auch den Rest, aber danach darf man das Zähneputzen nicht vergessen. Der Zahnarzt empfiehlt Death Metal in hohen Dosen. Zu Risiken und Nebenwirkungen, fragen Sie Ihren Redakteur des Vertrauens. (Autor: Daud B.)
Fazit:
Eine aufstrebende Metal-Band, die den modernen Melodic Death Metal auf ihre Weise interpretiert und dabei kein gutes Haar am Genre lässt. Es werden 12 leichtverdauliche Songs geboten, die allein vom Wechselspiel der drei eigenständig agierenden Sänger leben. Poppige Strukturen in Sang und Klang bilden den Kern der Truppe, die auf dem selbstbetitelten Debüt auf Vocal-begeisterte Melodic-Fans pochen. Für kurzweiligen Spaß ist hier zwar gesorgt, aber auf Dauer versagt das Album wie ein Eis in der Sonne. Fans wird es dafür immer geben, aber selbst minimal herausragende Passagen ändern nichts an der unreifen Melodic-Attitüde und den uninteressanten Songstrukturen.

Kommentare

23.05.2011 01:43 Uhr Hati
Swallow The Sun, Shining (SWE) und Kalmah wären meine Picks. Mit dem Rest kann ich auch nicht viel anfangen... Spinefarm versuchen es wohl mit neueren Bands, die vlt den Durchbruch schaffen, aber das war ja wohl ein Schuss in den Ofen...
 
Kommentar Lesenswert? (0) (0)  
22.05.2011 22:50 Uhr Lazarus
Ups, ich seh schon. Dann habe ich nichts gesagt.^^
 
Kommentar Lesenswert? (0) (0)  
22.05.2011 18:16 Uhr Norrøn
Moonsorrow
 
Kommentar Lesenswert? (0) (0)  
22.05.2011 16:02 Uhr Lazarus
Haben die Leute von Spinefarm Records überhaupt gute Bands? Die Straight Line Stitch war ja auch ziemlicher Rotz.
 
Kommentar Lesenswert? (0) (0)  
Weitere Kommentare (4)    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Cover

Trackliste


01. Leave Everything Behind
02. Hunger
03. 1.000.000 Lightyears
04. Automatic
05. My Transition
06. Amaranthine
07. Rain
08. Call Out My Name
09. Enter The Maze
10. Director's Cut
11. Act Of Desperation
12. Serendipity

Künstler


Elize Ryd - Female Vocals
Jake E Berg - Clean Vocals
Andy Solveström - Harsh Vocals
Olof Mörck - Guitar, Keyboards
Johan Andreassen - Bass
Morten Løwe Sørensen - Drums

Review verlinken


Review-URL

Review-Code (HTML)

Review-Code (BBCODE)

Short-URL

Bookmark and Share Subscribe

Facebook-Kommentar

Anzeige

 
 Besucher heute: 911    
(metal.tm beta v0.874)