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Interview mit Vetis Monarch von Weapon

Das Interview führte: Dominique J. am 02.11.2010 

Dominique J.: Hallo VM, nett mal mit dir zu sprechen. Ich möchte mal ganz am Anfang beginnen: Es gibt ja einiges an Ungereimtheiten bezüglich deiner Herkunft. Bist du in Bangladesch geboren oder in Kanada?

Vetis Monarch: Ich wurde in Bangladesch geboren und lebe in Kanada.

Dominique J.: Dass du in Bangladesch gespielt hast blieb nicht unbemerkt. Ein guter Freund von mir, Amit heißt er, hat früher bei euch Bass gespielt als Weapon noch in Bangladesch existierte. Er hat mir ein paar Aufnahmen geschickt und ich war fasziniert wie viel Aggression und Ungestümheit in eurer Musik steckt. Hattet ihr Probleme in Bangladesch Musik aufzunehmen oder zu Proben - da dies ja immerhin ein Islamischer Staat ist?

Vetis Monarch: Entgegen der medialen Darstellungen ist Bangladesch kein islamischer Staat. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Muslime, aber es gibt auch viele Hindus und Christen. Wir hatten nie Schwierigkeiten beim aufnehmen oder proben. Diese Probleme treten, was Asien betrifft, generell eher in Ländern wie Indonesien oder Malaysia auf.

Dominique J.: Da du aktuell in Kanada lebst, hast du vor jemals nach Bangladesch zurückzukehren, vielleicht aufgrund der Spiritualität, oder um dir musikalische Inspiration zu holen?

Vetis Monarch: Ich werde ganz sicher für einen Besuch dorthin zurückkehren, vielleicht sogar für einen längeren Zeitraum. Musikalische Inspiration ist etwas, das von innen kommen muss, zumindest ist es im meinem Fall so. Aber ja, spirituell kann man die Mystik des Ostens nicht mit der Säkularität des Westens ersetzen.

Dominique J.: Ist die Aggression die man aus der Anfangsphase aus eurer Musik raus hört, ein Aufschrei, eine Rebellion gegen den Demiurg, oder eine Art Ausbrechen aus dieser Islamischen Gesellschaft die Du und deine damalige Band in dieser Zeit erlebt habt?

Vetis Monarch: Jedes Release ist ein Zeitstempel auf dem kollektiven Zustand unseres Geistes zu einem bestimmten Zeitpunkt. In Bezug auf die Demo und unsere erste EP: Es war eine unbeständige Zeit in einem feindseligen Land. Die Musik ist eine klare Darstellung dieser mitspielenden Kräfte.

Dominique J.: Gratulation zum Release von "From The Devils Tomb", es ist ein gutes Album geworden! Kannst du uns etwas über die Aufnahmen erzählen? Wie lang hat es gedauert die Songs zu schreiben, wie lange habt ihr an der Scheibe gearbeitet?

Vetis Monarch: Nachdem "Drakonian Paradigm" aufgezeichnet wurde, hörten wir nie auf an neuer Musik zu arbeiten. Insgesamt verbrachten wir etwa ein Jahr mit dem Schreiben am neuen Album und ungefähr einen Monat im Studio um es aufzunehmen, zu mischen und zu mastern. Es war auch die Zeit mit einem neuen Lineup (mit dem die Band bis heute besteht), welche die Dinge in die richtige Richtung gelenkt hat. Alles geschieht sehr viel effizienter, wenn jeder in einer Band musikalisch und spirituell auf einer Wellenlänge ist.

Dominique J.: Nun ist es ja so, dass eure Texte seit jeher einen direkten Bezug zum Chaos-Gnostizismus nehmen. Ich hab mich lange gefragt, ob so ein Religiöses Gedankengut überhaupt in Musik eingebunden werden sollte, immerhin ist es ja für die Elite. Für jene, die es wert sind, dass ihr Atman vollständig ausgelöscht wird. Meinst du nicht, dass die Black Metal Musik vielleicht ein falscher Ort ist, um diese wunderbare Glaubenslehre zu verbreiten? Immerhin läuft der Großteil der Fans noch immer in Schwarz rum und findet es cool in Wäldern zu posieren und Nietzsche zu zitieren - und das sind ja nicht gerade die Kalamukha oder Aghori die ihre Glaubensrichtung Authentisch ausleben?!

Vetis Monarch: Wie in jeder anderen Subkultur und/oder Musikszene, sind auch im Black und Death Metal jede Menge Heuchler und Weekender zu finden; das ist unvermeidlich. Unsere Arbeit richtet sich an diejenigen, denen sich der Pfad der linken Hand (Anm. d Red.: verschiedene religiöse, okkulte oder magische Ausrichtungen) wirklich erschlossen hat, Individuen die zutiefst Satanisch sind und Chaos-Gnostizismus praktizieren. Es gibt immer noch eine Menge Schwachköpfe die F. Nietzsche und diesen Idioten Redbeard (Anm. d. Red.: Ein unbekannter Autor der unter dem Pseudonym Ragnar Redbeard das Buch „Might is Right - The Survival of the Fittest“ verfasste) zu jeder sich bietenden Gelegenheit zitieren. Sie werden niemals auch nur annähernd über Gasmasken, Patronengürtel und dritt klassige Rhetorik hinaus kommen.

Dominique J.: Wo wir gerade bei Texten sind: Was bedeutet "11724" im Songtitel "Vortex - 11724" auf eurer neuen Scheibe?

Vetis Monarch: 11724 bezieht sich auf einen Ort, den ich, sagen wir mal "bewohnte". Die dort geschehenen Ereignisse zu schildern, würde mehrere Seiten benötigen… alles was ich sagen kann ist, dass ich dort mein Verstand total verloren (oder gefunden?) habe. Es war blanker Wahnsinn! Eben ein "Vortex" (Wirbel)! Die Lyrics des Songs handeln von diesen Ereignissen, also schlage ich vor, dass die Leute, die genauer wissen wollen was in meinem Kopf vorging, sie einfach lesen.

Dominique J.: Das Cover von "The Devils Tomb" ist hervorragend gelungen. Es ist sehr detailliert und bringt die richtige Atmosphäre rüber. Wer hatte die Idee dieses Bild zu nehmen? Wurde es extra angefertigt?

Vetis Monarch: Benjamin Vierling malte das Cover speziell für uns. Er war verantwortlich für das Artwork unseres ersten Albums, und es war einfach nur logisch, ihm auch bei "From The Devil's Tomb" die Federführung zu überlassen. Wir arbeiteten mit ihm zusammen in Bezug auf Ideen und sowas, außerdem hatte er all meine Texte zur Orientierung, aber letztlich war es ausschließlich seine Genialität, die Anerkennung für dieses phänomenale Stück Kunst verdient. Dieser Mann ist ein Meister dieser Zeit.

Dominique J.: Nun spielt ihr ja schon immer die purste Form des Black Metals, und zwar jenen mit großem Death Metal Einfluss, der wohl von Morbid Angel geprägt wurde. Trotz allem klingt eure Musik sehr charakteristisch, im Gegensatz zu den unendlich vielen anderen Death/Black Bands. Was meinst du woran das liegt? Habt ihr ein Geheimnis die eure Musik genauso klingen lässt wie sie schlussendlich klingt?

Vetis Monarch: Wie ich bereits sagte – für Leute unseres Alters sind Black und Death Metal zwei Seiten derselben Medaille. Das Wesen das man in der Musik von Mayhem, Mystifier, Samael, Deicide, Carcass, Autopsy, Morbid Angel, Von, Sadistik Exekution, Mortuary Drape, Entombed, Vader, Archgoat etc. findet ist sehr ähnlich. Wir nehmen unsere Inspiration von diesen Bands, aber wir kopieren sie nicht. Natürlich ist es unmöglich die ganze Zeit über originell zu sein, aber wir streben so gut es geht nach Individualität. Ich denke, der größte Faktor, der uns auszeichnet ist die Tatsache, dass wir uns vehement auf unsere eigene Sache konzentrieren.

Dominique J.: Ihr habt ein paar interessante Elemente auf eurer neuen Scheibe eingebaut, zum Beispiel ein eher spärlich eingesetzter Chor wie in "The Inner Wolf" oder "Trishul". Ich fand es ein bisschen schade, dass man davon nicht mehr zu hören bekam, denn dieses Element hebt wirklich die Atmosphäre und unterstreicht die Religiöse Ausrichtung der Band. Ist für die Zukunft vielleicht geplant, solche Elemente intensiver auf kommende Alben einzubauen ? Wenn man sich so die Bandbreite an Religiösen Atmosphäresteigernden Gesangsformen ansieht, könnte man sich vorstellen, dass noch mehr zu WEAPON passen würde an den richtigen Stellen. Z.B. traditionell Buddhistischen Gesang, oder auch Hinduistischen Gesang?

Vetis Monarch: Du bist einer der Wenigen, der dieses Element zur Kenntnis genommen hat. Das ist etwas, was wir auf unseren kommenden Releases weiter erforschen wollen, aber wie auch alles Andere wird es nur Verwendung finden, wenn es auch einen Zweck erfüllt. Unabhängig davon ob der Gesang / Chor auf Latein, Sanskrit oder was auch immer ist, muss ein wirklicher Grund für ihn bestehen. Wir werden nicht zu einer dieser "Spielerei" Bands, die diese Scheiße ausschöpfen bis zum Geht-nicht-mehr.

Dominique J.: Wie verhält es sich mit östlichen Instrumenten - Ist geplant auch mehr davon in eure Musik einzubauen? Ich könnte mir vorstellen, dass ihr damit eine regelrechte Nische besetzen würdet, denn wie viele Old School Black Death Metal Bands die wirklich Brutal zu Werke gehen verwenden sowas schon?!

Vetis Monarch: Nochmals – Wir übernehmen die "exotischen" Elemente nur, wenn die Arbeit es bedarf. In erster Linie ist Weapon Metal. Die Gitarren, der Bass, das Schlagzeug und der Gesang werden immer Priorität haben. Die simple Verwendung von "exotischen" Instrumenten wird uns nicht Einzigartig machen, sondern die Summe aller Erfahrungen.

Dominique J.: Es kommt mir so vor, als ob "From The Devils Tomb" nicht mehr ganz so aggressiv und stürmisch ist, wie die vorigen Releases, dafür aber bedachter und professioneller. Habt ihr mehr Wert gelegt auf gutes Songwriting und Atmosphäre, anstatt auf Brutalität? Wenn ja, was war der Schritt der euch in diese Richtung lenkte?

Vetis Monarch: Der Fokus wurde immer auf gutes Songwriting gelegt. Die frühen Veröffentlichungen waren eine Mischung aus vielen verschiedenen Elementen, nur auf "Drakonian Paradigm" wurde die Atmosphäre als Schwerpunkt gesetzt. Auf "From The Devil's Tomb" liegt die Betonung mehr als je auf abgrundtiefer Brutalität! Jedes neue Release muss besser als die Vorangegangenen sein. Ansonsten hat es keinen Zweck neue Musik zu schaffen.

Dominique J.: Nun seid ihr ja bei Ajna unter Vertrag. Eines der besten Labels für Religiösen Metal überhaupt, und schon fast ein Siegel der Qualität- willst du uns kurz erzählen wie WEAPON zu Ajna kam?

Vetis Monarch: Ajna hat offensiv über mehrere Jahre die meisten Qualitäts-Releases in Nord Amerika hervorgebracht; es ist ein Gütesiegel, in der Tat. Als wir die "Para Bhakti… Salvation" EP über Full Moon Productions veröffentlichten, kontaktierten mich Ajna für diverse Austäusche und ähnliches. So begann unser Dialog. In der Tat waren es Ajna, die uns mit Agonia zusammen brachten.

Dominique J.: Ich habe gehört, dass Du ein Drogen Problem hattest/hast. Wie hältst du es heute mit den Drogen? Dass Spiritualität mit und ohne Drogen möglich ist, ist wohl jedem Bekannt, welchen Weg bevorzugst Du? Haben die Drogen dein Leben verändert oder hast du dadurch eine Erkenntnis/Offenbarung erfahren?

Vetis Monarch: Ich bin seit mittlerweile über 2 Jahren clean. Meine persönliche Drogen-Laufbahn wurde komplett ausgereizt, aber soweit andere betroffen sind, interessiert es mich nicht wirklich. Es liegt an jedem einzelnen, ob er diesen Lebensstil durchmachen wollen oder nicht. Wer bin ich denn, dass ich predige? Mit Kokain und Heroin erlebte ich blanken Wahnsinn, die Tiefen der Verderbtheit. Und trotzdem kann man vorbringen, dass solch ein für 10 Jahre mit Unterbrechungen andauerndes Bestreben, gleichermaßen erdrückend und erleuchtend sein kann. Tu was du willst.

Dominique J.: Was planst du mit WEAPON in Zukunft? Hast du vor den Stil zu verändern, und wie viele Alben willst du noch rausbringen? Oder lässt du einfach alles auf dich zukommen?

Vetis Monarch: Unser "Plan" ist, höchste Präsenz zu erreichen, damit wir um die ganze Welt touren und Alben mit komfortableren Budgets aufnehmen können. Abgesehen davon weiß ich nicht was Weapon noch alles erwartet. Wir werden uns stilistisch entwickeln, denn Stagnation und Regression sind keine Optionen für eine Band unseres Kalibers.

Dominique J.: Das wars auch schon, es war toll dir mal diese Fragen zu stellen, und ich hoffe wir werden noch viel von Dir und WEAPON in Zukunft hören! jay kali ma!

Vetis Monarch: Wir danken Dir dafür, uns keine banalen Fragen gestellt zu haben. "From The Devil's Tomb" ist jetzt überall erhältlich. Legt es euch zu! Hail Bhairava.

 
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