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Interview mit Marcel von The Undergrave Experience

Interview mit Marcel von

Das Interview führte Malte H. am 05.09.2011

Das Interview übersetze Bianca P.

Mit "Macabre - Il Richiamo Delle Ombre" lieferten THE UNDERGRAVE EXPERIENCE ein gutes Debüt ab und zeigten, dass Funeral Doom sich nicht immer nur mit Tod und Verderben beschäftigen muss. Marcel, alleiniges Mitglied der Band, nahm sich etwas Zeit, um Antworten auf ein paar Fragen zu "Macabre", seinen musikalischen Inspirationsquellen und seinem Nebenprojekt MALEFIC MIST zu finden.

Malte H.: Hi Marcel, wie geht's dir?

Marcel: Hallo Malte, Hallo an alle deutschen Leser. Ich freue mich, für metal.tm schreiben zu dürfen, danke für die Aufmerksamkeit und das Interesse an THE UNDERGRAVE EXPERIENCE. Ich bin stolz, von euch eingeladen worden zu sein.

Malte H.: Ich glaube, dass viele unserer Leser THE UNDERGRAVE EXPERIENCE noch nicht kennen. Würdest du dich und dein Projekt kurz vorstellen?

Marcel: Mein Name ist Marcel. Ich bin der Kopf von THE UNDERGRAVE EXPERIENCE, einem Projekt, welches 2010 als eine Evolution von DUMP geboren wurde, meiner 2005 gegründeten Dark Ambient/Experimental Ein-Mann-Band. All meine Erfahrung im Ambient mit DUMP (fünf Alben) trafen auf Funeral Doom, um eine experimentelle, langsame Musik des Zerfalls zu kreieren, angereichert mit einer Horroratmosphäre, die von italienischen Horrorfilmen inspiriert wurde.

Malte H.: Dein erstes Album "Macarbe - Il Richiamo Delle Ombre" wurde im August veröffentlicht. Bist du mit dem Resultat zufrieden? Und wie waren die Reaktionen darauf?

Marcel: "Macabre - The Call from the Shades in the Beyond" ist offiziell am 15. August 2011 erschienen (via Solitude Productions), das erste Datum der Veröffentlichung war jedoch der 2. November 2010 (von mir selbst). Gäbe es einen besseren Tag für ein Funeral Doom Album, was meinst du? Für mich ist es ein glücklicher Tag, das Ergebnis war, dass eines der besten Labels meine Musik anerkennt und ihr Vertrauen schenkt.

Malte H.: Das Album wurde über Solitude Productions veröffentlicht. Wie kam es zum Kontakt zwischen dir und dem Label? Und gibt es Pläne, auch in Zukunft weiter zusammenzuarbeiten?

Marcel: Als ich "Macabre" aufnahm, hatte ich das starke Verlangen, die richtigen Hörer zu erreichen. Und was war da der beste Weg? Das beste Label für Funeral Doom zu kontaktieren! Und ich bin stolz von diesem russischen Label produziert zu werden, sie haben großartige Arbeit geleistet: Vertrauen ist die Basis jeder gegenwärtigen und zukünftigen Beziehung.

Malte H.: Soweit ich weiß ist das Album inspiriert von italienischen Horrorfilmen und behandelt das Paranormale und Horror. Meiner Meinung nach sind das keine gewöhnlichen Themen für ein Funeral Doom Album. Wie kamst du auf die Idee, diese Themen in das Gewand von Funeral Doom zu stecken?

Marcel: Da stimme ich zu. Paranormalität und Horror sind keine gewöhnlichen Themen im Funeral Doom. Wir wissen alle, was die Hauptthemen dieser Musik sind. Ich wollte etwas Persönliches schaffen. Hast du jemals italienische Horrorfilme der 70er und 80er Jahre gesehen? Hast du dir jemals den dazugehörigen Soundtrack angehört? Auch Zombiefilme von Romero haben mich inspiriert. Ich empfehle dir alle Horrorfilme von Dario Argento, Lucio Fulci, Lamberto Bava, Pupi Avati und vielen anderen, die haben meine Musik sehr inspiriert, als einen Soundtrack für Horror-Bilder, den langsamen Rhythmus des Zerfalls, die Anziehung zum Jenseits und dem was nicht "physisch" ist... paranormal. In "Macabre" gibt es ein Hauptthema: die Schatten, ein Thema welches in traditionellem Schulunterricht verboten ist, verschleiert durch einen zu rationalen Teil der Wissenschaft. Etwas, das wir alle fürchten: die Schatten. Jeder von euch kann die Schatten so interpretieren und lesen, wie es sich für ihn innerlich am besten anfühlt.

Malte H.: Deine Musik ist so außergewöhnlich wie die Thematik. Da ist dieses unheimliche Piano, welches viel Platz einnimmt. Manche Passagen klingen mehr wie ein Soundtrack.

Marcel: In der Tat, außergewöhnlich! Und ich mag die "Soundtrack Passagen" sehr. Denk dran, THE UNDERGRAVE EXPER ist die Evolution von DUMP, einem Dark Ambient Projekt. Ich bin immer offen für jegliche Form von musikalischem Einfluss. Ich denke, dass das Klavier den Funeral Doom auf unkonventionelle Art und Weise bereichert. Ich schenke der Kreation von persönlichen und neuen Sounds mit meinem Synthesizer viel Beachtung, es freut mich, dass es euch allen gefällt!

Malte H.: Im Info-Sheet wird deine Musik mit Der der russischen Band EA verglichen. Was denkst du darüber? Und welche Bands haben deinen Stil des Doom Metal beeinflusst?

Marcel: Ich hoffe, Evgeny von Solitude Productions liest weder deine Frage, noch meine Antwort! Ahahaha! Ich kenne nur das erste Album, das stimmt. Es ist guter Funeral Doom und ich habe keine Ahnung von den anderen beiden Alben von EA! Ich mag COMATOSE VIGIL sehr. Meine Lieblings-Funeral-Doom-Bands sind SKEPTICISM, WORSHIP und MOURNFUL CONGREGATION. Ein weiteres Album, das mich beeindruckt hat, ist "Ada" von WRAITH OF THE ROPES. Hier findet man sehr gute Horror-Elemente im Funeral Doom. Sehr langsamer Zerfall, in Musik umgewandelt.

Malte H.: Welche waren die ersten Metalbands, die du gehört hast?

Marcel: So wie wohl die Hälfte von euch, bin ich mit BREAD und IRON MAIDEN aufgewachsen! Ich kann mich daran erinnern, wie ich, als ich 15 war, "Carmageddon 2" gespielt habe, wo ich Heavy Metal und "Bastard Musik" für wütende Jungs entdeckte! Was für eine tolle Zeit! Heavy Metal war alles für mich. Sehr bald entdeckte ich noch extremere Musik, wie Black und Death Metal. Eines meiner Lieblingsalben ist "Scream Bloody Gore". Das beste Album der Welt, das jemals aufgenommen wurde, ist "Under a Funeral Moon" von DARKTHRONE - für mich ist es mehr als Musik (Ich denke, viele von euch werden mir da dieses Mal nicht zustimmen, hahaha!). Persönlich mag und höre ich einen großen Teil dessen, was wir Metal nennen, also mitunter sehr verschieden von dem, was ich selber spiele.

Malte H.: Soweit ich weiß, bist du das einzige Mitglied von THE UNDERGRAVE EXPERIENCE. Auf "Macabre" gibt es zwei Gastmusiker. Hast du die Musik alleine geschrieben oder haben die anderen beiden auch ein paar Ideen beigetragen?

Marcel: Ich bin das Hauptmitglied, der Kopf. Die Hauptkomposition kommt von mir. THE UNDERGRAVE EXPERIENCE ist offen für jegliche Art von Kollaborationen und Einflüssen. Solange es zur richtigen Atmosphäre meiner Kompositionen passt, steht es allen Musikern, die mit mir spielen, frei, im Rahmen des musikalischen Kontexts ihre Ideen einzubringen. Sie müssen meine Songs mit etwas bereichern, dass sich von dem, was ich spielen würde, unterscheidet.

Malte H.: Besteht die Möglichkeit, die beiden Gastmusiker eines Tages als vollständige Mitglieder begrüßen zu können?

Marcel: Warum nicht? Und außerdem gibt es auch für andere Musiker die Möglichkeit, bei THE UNDERGRAVE EXPERIENCE mitzuspielen. Es sollte eine gute Erfahrung für uns alle sein. Moerke (die Bassistin) spielt auch Gitarre in einer anderen Funeral Doom Band: CONSUMMATUM EST. Ich empfehle sie anzuhören, wenn man langsam ersticken will.

Malte H.: Leider habe ich keine Lyrics zum Album. Kannst du uns einige Details zum lyrischen Konzept mitteilen?

Marcel: Die Lyrics sind in Englisch, Italienisch und Latein. Ich benutzte Englisch für die klassischen Funeral Doom Parts, Italienisch für den Ambient- und Melancholic-Teil des ersten Songs und Worte des Prelude zu einem apokalyptischen Szenario, dazu Latein für den Strang der Sprache in Magie und Esoterik. Die lateinischen Parts sind der Essenz des Blutes, die der Tod zum Vorschein bringen soll, dem tödlichen Zerfall, gewidmet.

Malte H.: Welche Pläne für die Zukunft hast du mit THE UNDERGRAVE EXPERIENCE? Hast du schon Ideen für ein zweites Album?

Marcel: Ich habe ein neues Album geplant. Ich arbeite an den Kompositionen und der Kreation neuer Effekte. Möchtest du gerne mehr erfahren? Hahahaha! Frag den russischen Geheimdienst KGB!

Malte H.: Gibt es Pläne für Liveauftritte in näherer Zukunft? Gibt es überhaupt ein Live-Lineup?

Marcel: Das ist einer meiner Träume, sind wir soweit?

Malte H.: Du hast noch ein anderes Projekt, welches MALEFIC MIST heißt. Der Stil ist sehr depressiver Black Metal. Würdest du uns etwas darüber erzählen? Ich weiß, dass einige Splits und Demos veröffentlicht wurden, jedoch noch kein Full-Length-Album.

Marcel: MALEFIC MIST existiert seit 2004. Ich habe die Band als vollkommene Ergebenheit zum ursprünglichen Black Metal kreiert. Ich startete als Sänger. 2005 übernahm ich dann das musikalische Kommando. Alle Songs sind von norditalienischen Winterlandschaften inspiriert, welche als eine introspektive Vision von emotionaler Kälte gesehen werden. Alle Kompositionen sind Hymnen für den Nebel, den verlassenen Wald, Berge, Stille und die Dominanz des Todes. Das neue Full-Length-Album ist bereits aufgenommen und ebenso andere Songs. Dies ist eine Underground Band und es gibt nur sehr wenige limitierte Editionen, welche schwer zu finden sind. Bruchstücke einer Sammlung, die für immer in der Dunkelheit der Unendlichkeit ruhen soll.

Malte H.: War es für dich ein logischer Schritt, nach deinem Black Metal Projekt ein Funeral Doom Projekt zu starten? Beide Genres sind sehr emotional und atmosphärisch.

Marcel: Muss es unbedingt einen logischen Schritt zwischen zwei verschiedenen Musik Genres geben? Ich wachse und mit mir wächst meine Musik. Wie bei vielen unserer Aktivitäten, gibt es keinen logischen Schritt, stimmt's? Seht euer Leben an, ihr alle: ist wirklich alles logisch?

Malte H.: Kannst du uns etwas über die Metalszene in Italien verraten? Ich kenne Bands wie FORGOTTEN TOMB, die sehr depressiven Black oder Doom spielen. Ich denke, viele Menschen in Deutschland oder im Norden Europas würden keine so dunkle und kalte Musik aus einem Land mit einem so warmen Klima erwarten.

Marcel: Auf diese Frage habe ich gewartet! Hahahaha! Ich stimme dir zu, was das warme Klima angeht, aber Norditalien ist kalt genug, um Black Metal zu spielen! Hahaha! Höre dir TENEBRAE IN PERPETUUM oder IMAGO MORTIS an, um zu verstehen, was norditalienischer Black Metal ist. Oder MALEFIC MIST! Und ist ein kaltes Klima wirklich nötig, um andere Metal Genres zu spielen? Meiner Meinung nach ist das wahre Klima in dir. Die Menschen machen Musik aus dem Inneren.

Malte H.: Wir haben das Ende des Interviews erreicht. Ich danke dir für die Zeit, die du dir genommen hast, und wünsche dir für deine Projekte alles Gute! Keep on rocking! Die letzten Worte gehören dir.

Marcel: Danke an euch alle! Ein "warmes" Hail an alle deutschen Fans und Unterstützer von THE UNDERGRAVE EXPERIENCE, die meine Musik zum Soundtrack ihrer besten Momente gemacht haben. Marcel.

 
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