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Interview mit Selim Lemouchi von The Devil's Blood

Das Interview führte: Patrick G am 23.10.2009

Zu The Devil's Blood wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren eine Menge geschrieben. Nicht ganz unschuldig daran ist die eine Darkthrone-Hälfte Fenriz, die den einschlägigen Medien das Demo der Niederländer ans Herz legte. Daraus entwickelte sich dann eine Eigendynamik, wobei sich hier Musik, Konzept und Aura die Waage halten. Ende Oktober 2009 treffen wir Mainman SL verantwortlich für Gitarre, Texte und Konzept der Band, in einem kleinen Raum im Kölner Underground, wo er metal.tm Rede und Antwort steht.

Er verspätet sich, ist noch mit dem Catering zu Gange und schneit dann zügig mit einem Bier in der Hand in den Raum. Noch hat er das rituelle CorpsePaint für die folgende Show nicht aufgelegt. Dumpf hört man aus dem Underground relativ konventionellen Death Metal von „Nox”, einer der Vorbands heute Abend, erschallen. SL wirkt jünger als erwartet, sitzt mir mit wachen, aufmerksamen Augen gegenüber. Den Werdegang seiner Band, seines Lebenswerkes, bezeichnet er als „
bizarre Reise
”, als tiefen spirituellen Vorgang.

Es freue ihn, dass es nun nicht mehr lediglich er und seine Bandkollegen sind, die die Musik genießen, sondern auch eine immer weiter wachsende Anzahl an Fans. Der spirituelle Unterbau, der anti-kosmische Satanismus, ist für SL die Essenz seines Schaffens. Er sieht sich als Medium Satans, durch das letztlich die satanische Kreativität zum Ausdruck kommt und irdisch wird. Dieses Konzept ist in Musik und Texten allgegenwärtig.

Dennoch sagt SL aber: „
Es interessiert mich nicht, ob die Menschen verstehen, was ich meine
”. Er vergleicht die Musik mit einem Gemälde: Jeder sieht darin etwas Anderes, zieht eigene Schlüsse und bewertet das Gesehene danach. „
Interpretation ist alles
”, bemerkt der Gitarrist, während er sein Instrument mit den sechs silbernen Saiten versieht. „
Wenn sich viele Menschen nicht die Zeit nehmen oder die Mühe geben, das Konzept von The Devil's Blood zu verstehen, dann ist das okay. Es kommt auf den kleinen Prozentsatz derer an, die es verstehen
”, führt SL aus.

Das am 11. September dieses Jahres erschienene Debüt-Album „The Time of no Time evermore” ist für den geistigen Kopf der Band die Quintessenz von The Devil's Blood. Würde er im Nachhinein etwas daran ändern wollen, am Sound, am Mix oder an den Songs selbst? „
Nein
”, erwidert er, „
jedes Teil des Puzzles passt
”. Ein Schlüssel zur Qualität liegt für ihn auch im Aufnahmeverfahren. Durch einen Freund kam er in den Genuss eines Studios, das einerseits analoge Aufnahme-Möglichkeiten bietet, andererseits die Arbeit durch Festplatten-Technik erleichtert, so dass nicht alle Parts als Band eingespielt werden müssen, was das Aussieben nicht ganz passender Parts einfacher macht.

Alles, was möglich war, wurde mit analogen Geräten aufgenommen — vom Verstärker über Kompressoren bis hin zu den Mikrofonen. SL dazu: „
Ich hasse digitale Aufnahmen, ich hasse digitalen Klang. Wenn du dir meine Plattensammlung ansiehst, dann wirst du sehen, dass dabei viele analog aufgenommenen Alben sind. Und ein Studio mit fünf oder sechs 15-Spur-Rekordern kann ich mir nicht leisten
”, lacht SL.

Aber auch wenn er sein eigenes Schaffen sehr, sehr ernst nimmt und sein Herzblut investiert, so sieht er sich noch lange nicht auf einer Stufe mit seinen Brüdern im Geiste von Dissection, die aus SLs Sicht mit „
Reinkaos
” einen Meilenstein geschafft habe: „
Das gehört für mich zu den besten Metal-Alben aller Zeiten, wenn es nicht vielleicht sogar das beste Album aller Zeiten ist. Wenn ich nur zehn Prozent davon erreiche mit meiner eigenen Musik, dann bin ich zufrieden
”, sagt SL über ein Album, das in der Presse ob seiner gezügelten Gangart und seiner kompletten Fixierung auf die Anti-Kosmik sehr kontrovers behandelt wurde. „
Das Album hat mich verändert
”, blickt er zurück.

Auf jeder Veröffentlichung von The Devil's Blood prangte bisher ein neues Logo, ein geändertes Artwork. Für SL ist das eine ganz logische Entwicklung: ”
Logo und Artwork sollen die Musik repräsentieren. Man sollte nicht zu oft die gleichen Zutaten verwenden. Es ist, als würden wir unser Autogramm auf eine immer neue Weise schreiben
”. Das Album sei zum Künstler gegangen, den man mit dem Artwork beauftragt hat: „
So wie das Ergebnis aussieht, so sieht er unsere Musik. Das Artwork ist seine Interpretion dessen, was wir tun. Wir waren verblüfft, als wir es gesehen haben
”, so SL.

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