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 Interview mit The Black Dahlia Murde
 
  Das Interview führte Uwe K. am 25.01.2009








Schon mit ihrem 2003er Metal Blade-Debut "Unhallowed" sorgten die Detroiter für offene Ohren und erstaunte Gesichter. Musikalisch wurde hier der Grundstein für das schwedisch angehauchte Todesblei gelegt, welches fortan für reichlich Entzückung sorgen sollte. Aber vorallem auch optisch musste sich die Band seitens truer Metaller immer wieder den Vorwurf eine blosse Metalcore-Band zu sein anhören. Doch das man den obersympathischen Nerds damit Unrecht tut, bewiesen sie mit den beiden Folgealben "Miasma" und "Nocturnal" und stellten gleichzeitig unter Beweis: Metal kann auch Spass machen!

Uwe K.: Du hast ja sicherlich schon das ein oder andere Interview im Laufe der Jahre absolvieren müssen. Auf welche Fragen hast du mittlerweile keinen Bock mehr drauf einzugehen?

Shannon: Puh, also diese ganzen Standard-Fragen, wie "Welche Bedeutung hat euer Name?", oder "Wie würdet ihr euren Stil bezeichnen?", oder "Hey, wie habt ihr zusammengefunden?". Ich denke mir dann immer, wieso können die Leute ihre Hausaufgaben nicht vorher machen. Aber am nervigsten ist, dass wir immer und immer wieder auf unseren Bandnamen angesprochen werden.


Uwe K.: Okay, "Black Dahlia" dürfte ja selbsterklärend sein. Hast du schon mal einen Blick in den gleichnamigen Film geworfen?

Shannon: Nein, aber ich habe gehört der Film soll richtig schlecht sein, insofern habe ich auch kein grosses Interesse daran das nachzuholen.


Uwe K.: Ihr spielt heute im Turock, ein Laden der mittlerweile zu einem sogenannten Raucherclub wurde. Wie sieht es in Amerika aus, ich meine hier wird Leuten unter 18 Jahren der Eintritt verwehrt, sprich so ähnlich wie bei euch drüben, oder?

Shannon: Bei uns haben wir All Ages-Shows und 21-And-Up-Shows. Ehrlich gesagt mag ich es eher auf All Ages-Shows zu spielen, immerhin können da auch Jugendliche ihren Spass haben. Wiederrum ist es in einigen Lokalen nahezu unmöglich solche Shows zu organisieren, da einige Besitzer Angst davor haben ihre Lizenz zu verlieren.


Uwe K.: Wie sieht es mit dem Raucherschutzgesetz im speziellen bei Shows aus?

Shannon: Wenn du während einer Show dir eine Kippe anzündest, wirst du entweder darauf hingewiesen, dass in dem jeweiligen Laden Rauchen verboten ist oder du wirst vor die Tür gesetzt. Aber letzteres passiert eher selten. Das grösste Problem ist wie gesagt der Ausschank alkoholischer Getränke an Minderjährige. Als Teenager darfst du zwar in einigen Bundesstaaten schon rauchen, Alkohol wird dir aber bis du 21 Jahre alt bist strikt untersagt.


Uwe K.: Wie wichtig würdest du sagen ist es für amerikanische Bands im alten Kontinent Präsenz zu zeigen?

Shannon: Natürlich ist es uns verdammt wichtig auf der ganzen Welt zu touren. Wenn du allerdings grad eine Newcomer-Band bist ist es natürlich wesentlich leichter für dich in Amerika unterwegs zu sein. Du bist halt relativ nahe zu Hause, und du hast keine grossartigen Verständigungsprobleme, weil alle Englisch sprechen, haha. Andererseits ist es auch immer ein Erlebnis durch Europa zu touren, und im Laufe der letzten Jahre konnten wir uns immer mehr Fans erspielen, die uns vielleicht damals als Supportband kennengelernt haben und nun haben wir die Möglichkeit auf unserer ersten Headliner-Tour auch befreundete Bands mitzunehmen, was die ganze Fahrerei sehr viel angenehmer macht. Mittlerweile haben wir auch für Europa eine Booking-Agentur gefunden, die uns wie unsere Agentur in Amerika bei der Organisation unserer Touren unter die Arme greift. Ich würde schon sagen, wenn du als amerikanische Metalband hier in Europa einen gewissen Erfolg verbuchen konntest, ist es genauso wichtig hier weiterhin regelmässig zu spielen wie in Amerika. Es gibt hier verdammt viele Orte und du kannst hier zig Monate auf Tour verbringen, während du zB. in Australien gerade mal eine Handvoll Städte hast. Aber klar, am Ende bist du immer froh endlich wieder nach Hause düsen zu können zu deinen Familien und Freunden.


Uwe K.: Auf dieser Tour wart ihr zum ersten Mal in Schweden unterwegs!

Shannon: Ja, wir waren vor ein paar Tagen auch in Russland und Island unterwegs, was auch schon abgefahren war. Schweden war obendrein für uns was ganz besonderes, immerhin klingen wir ja wie eine schwedische Deathmetal-Band, haha. Die Show war auch der Knaller, eigentlich sollten wir in einem grösseren Laden spielen, aber die Show wurde in einen kleineren Club verlegt, der darafhin brechend voll war. Die ganzen Leute stapelten sich förmlich vor der Bühne, haha. Wir werden definitiv nochmal zurückkommen dorthin!


Uwe K.: Schweden ist ja auch bekannt für astronomisch hohe Alkoholpreise. Nun ja damit dürftest du ja eher weniger Probleme haben. Wie ist es denn so als einziger Straight Edger bei Black Dahlia Murder zu trommeln?

Shannon: Naja, wenn ich mich verspiele oder Mist baue kann ich nun mal schlecht sagen, das lag am Alkohol, haha. Aber ich habe damit kein Problem wenn die anderen sich die Birne zu kippen. Wenn sie sturzbesoffen irgendwo rumliegen helfe ich denen eben wieder auf die Beine, oder öffne denen sogar ein Bier, wenn die dazu nicht mehr in der Lage sind. Wie gesagt, ist halt meine persönliche Einstellung, deshalb würde ich nie jemanden schlecht beurteilen wenn er Alkohol trinkt oder was weiss ich konsumiert.


Uwe K.: Gehe ich also recht in der Annahme, dass du immer die Rolle des Fahrers übernimmst?

Shannon: Nein, nein, haha! Wir haben uns schon sehr früh angewöhnt eine Fahrerliste aufzustellen, so dass praktisch jeder abwechselnd mal uns durch die Gegend fahren muss. Dadurch wird halt gewährleistet, dass der jeniger welcher sich an dem Abend nun mal nicht abschiessen darf. Aber ehrlich gesagt sind wir auch keine Band die sich sieben Tage die Woche, 24 Stunden lang permanent die Kante gibt, haha.


Uwe K.: Euer aktuelles Album "Nocturnal" ist ja zugegeben nicht mehr so ganz aktuell. Eigentlich recht ungewöhnlich dieses Album nochmal zu betouren, oder kann man in bälde einen neuen Release von euch erwarten?

Shannon: Ja, wir versuchen uns halt so gut wie es geht beschäftigt zu halten. Wir touren im Schnitt knapp acht Monate im Jahr, die restliche Zeit verbringen wir mit Songwriting. Das ist deshalb so wichtig, da wir von unserer Musik leben wollen, ergo musst du viel Live spielen und dir immer Gedanken um´s nächste Album machen, ne. Der Nachfolger zu "Nocturnal" wird wohl im Sommer irgendwann in Angriff genommen, wir hoffen natürlich das alles rechtzeitig vor den ganzen Festivals im Kasten zu haben, um ein paar grosse Festivals mitzunehmen.


Uwe K.: Ihr werdet gerne in die Metalcore-Ecke gedrängt, was eigentlich völliger Quatsch ist. Nun, hier in Deutschland habe ich auf solchen buntgemischten Konzerten desöfteren mal mitbekommen, dass die truen Metaller nach der Notdurft ihre Hände waschen, während eine beachtliche Zahl an stylischen Metalcore-Kiddies nach dem Wasser lassen nicht ihre Patschehändchen waschen, obwohl diese doch eigentlich hygienebedient mehr Wert auf ihren Style legen müssten? Ist das Szenebedingt?

Shannon: Haha, also keine Ahnung. Darauf habe ich noch nicht geachtet ob sich amerikanische Metalcore-Kiddies die Hände nicht waschen, haha.


Uwe K.: Aber du wäscht dir doch wenigstens die Hände, oder?

Shannon: Klar natürlich, ich bin ja auch ein richtiger Metaller, haha. Ne, aber mal ganz im Ernst finde ich es ganz gut, wenn Leute aus den verschiedenen Szenen unsere Konzerte besuchen. Klar werden wir in die Metalcore-Ecke gedrängt, obwohl wir definitiv nach schwedischen Metal klingen, aber es liegt wohl eher an der Tatsache, dass wir alles andere als Metal aussehen. Wir haben nun mal keine langen Haaren, rennen nicht ausschliesslich in schwarzen Klamotten rum, usw.

Ich glaube auch dass sich dadurch vor allem jüngere Fans mit uns besser identifizieren können. Die sehen halt, dass es uns scheissegal ist wie wir rumlaufen und wir werden auch mit kurzen Haaren von den Metallern akzeptiert, das imponiert den Kids wahrscheinlich, die auch grad in der Haarwachstumsphase stecken, haha. Wir bekommen auch eine Menge Feedback aus der Hardcore-Ecke, was wohl daran liegt, dass wir Tattoos haben und harte Musik machen, haha. Wir sind da jetzt nicht so auf eine bestimmte Szene fixiert, was wohl auch an unserem Punk-Background liegen dürfte.


Uwe K.: Habt ihr vor eurem Metal-Coming Out in Punkbands gespielt?

Shannon: Wir haben allesamt uns schon in den unterschiedlichsten Bands und Musikstilen erprobt. Aber eigentlich hören wir immer noch gerne Punkrock und können uns auch mit der ganzen Do It Yourself-Einstellung identifizieren. Ich mein, ich sehe es ehrlich gesagt selber nicht ein für ein Konzert meiner Lieblingsband eine immense Summe auszugeben oder will es auch gleichzeitig nicht, dass ein paar Kids ihr gesamtes Taschengeld für unser Merch ausgeben müssen. Wir sind ja schliesslich selber Metal-Fans und wollen uns nicht auf eine andere Ebene als unsere Fans stellen, sondern alle zusammen Party machen. Das ist uns sehr wichtig!


Uwe K.: Besonders auf Metalcore-Shows hier im Lande kann man feststellen, dass recht viele Besucher mit dem jeweiligen Bandshirt des Headliners aufmaschieren, bzw. generell mit irgendeinem Motiv einer Band die an diesem Abend auftritt. Ist es dir in gewisserweise peinlich, wenn du vor 8.000 Leuten spielst, die alle Black Dahlia Murder-Shirts an haben?

Shannon: Hui, also ich muss zu geben, dass es echt schon krass ist wenn du vor dir eine Menschenmenge siehst die deine Bandshirts tragen. Vor allem kannst du an den Motiven erkennen, welche Leute schon länger unsere Konzerte besuchen. Das ist dann immer der Wahnsinn. Aber klar, wiederrum würde ich sagen, dass es eher so ein Fan-Ding ist um der Band Respekt zu zollen. Ich selber mache mir da keine allzu grossen Gedanken über meine Kleiderwahl wenn ich auf Shows gehe, ich mein, einige Leute finden mich bestimmt auch merkwürdig, wenn ich auf einer brutalen Deathmetal-Show mit einem bunten Straight Edge-Shirt aufschlage, haha.


Uwe K.: Viele Bands werden heutzutage eher durch ihr Styling definiert. Als ich euch vor Jahren das erste Mal livehaftig sah, war ich ein wenig erschüttert, einen Haufen von Nerds auf der Bühne zu sehen. So richtig grossartig wegen eurer Bühnenpräsenz scheint ihr euch keine Gedanken zu machen, oder?

Shannon: Haha, ja da waren noch zu anfang ziemlich viele Leute erstaunt. Ich mein, du erwartest halt bei unserem Sound eine Horde von brutal dreinblickenden, schwarzgekleideten Langhaarmetallern. Aber das ist wohl auch unserem Punkrock-Background gutzuschreiben. Für uns ist die Musik wichtig und weniger diese ganze Maskerade auf der Bühne. Klar wenn wir jedoch Bock haben eine Show mit Corpsepaint zu absolvieren, dann machen wir das, aber nur just for fun halt. Wie gesagt die Musik und der Spassfaktor sollten im Vordergrund stehen, und weniger die Optik. Wenn du zB. dir irgendwelche Zeitschriften schnappst, siehst du natürlich erstmal wie die Band aussieht, und aus eigener Erfahrung muss ich auch zugeben, dass ich mir schon das ein oder andere Mal dachte "Hey, die sehen aber komisch aus!" und dann haste dir die Band mal angehört. Es gibt auch sehr viele talentierte Musiker, die jedoch aufgrund ihres Aussehens nicht dem Hochglanzstandard entsprechen und nicht den angemessenen Erfolg haben wie irgendwelche Modepüppchen, die weitaus schlechtere Musiker sind. Aussehen ist halt doch wichtig für den kommerziellen Erfolg, aber wir sind halt eher Nerds die Metal hören, Party machen und Videospiele zocken als zum Frisör zu gehen, haha.


Uwe K.: Aber immerhin wurdet ihr für euer letztes Musikvideo als "Bestes Video" nominiert, ist doch auch was?

Shannon: Ja, das war für "Everything Went Black", welches so im Tales From The Crypt-Style gemacht wurde. Hm, ich bin mir jetzt gar nicht mal so sicher ob wir überhaupt was dafür gewonnen haben. Okay, wir wurden unter anderem im Metal Hammer nominiert und ich glaube bei MTV, aber so cool das Video auch sein mag, hatten wir natürlich keine Chance gegen so grosse Bands wie Slipknot und Konsorten anzustinken.


Uwe K.: Wie wichtig ist es eigentlich für euch Musikvideos zu drehen? Gibt es bei euch dort drüben noch genügend Sender die Metal im Fernsehen spielen?

Shannon: Wir haben hier und da ein paar Sender, aber da ich die ganze Zeit auf Tour bin checke ich eher Youtube oder Myspace wegen Videos aus. Vorallem bin ich Fan von alten Sendungen und alten Musikvideos, da ist das der perfekte Ort danach zu suchen. Und natürlich ist es uns auch wichtig, dass jeder unsere Musikvideos sehen kann, sonst würden wir die ja nicht machen. In den Staaten haben wir auf MTV die Sendung Headbanger´s Ball, aber das kommt meistens spät in der Nacht, insofern ist das Internet die perfekte Alternative um seine Videos zu verbreiten. Aber natürlich ist das Internet auch ein wichtiges Werkzeug geworden um seine Band bekannter zu machen, oder Merchandise zu verkaufen. Es ist halt mittlerweile wesentlich einfacher geworden an bestimmte Informationen ranzukommen, was ich durchaus befürworte.


Uwe K.: Ihr habt wie gesagt einen schwedischen Anschlag in eurem Sound. Mich würde da jetzt mal interessieren wie du die letztjährige At the Gates-Reunion wahrgenommen hast?

Shannon: Man, ich hätte alles dafür gegeben At the Gates Live zu sehen, aber wir waren zu dem Zeitpunkt selber auf Tour. Richtig ärgerlich waren einige Shows, wo wir praktisch am nächsten Tag dort aufgespielt haben wo am Vorabend noch At the Gates auf der Bühne standen. Ich kann mich noch erinnern als wir hörten das At the Gates auf Tour kommen, und wir alle unbedingt um jeden Preis die live sehen wollten. Man, wir konnten es echt nicht abwarten, aber leider kamen dann unsere Tourpläne genau im gleichen Zeitraum dazwischen. Ich hoffe das sie nochmal irgendwo spielen, At the Gates ist definitiv die Band die ich auf alle Fälle sehen will.


Uwe K.: Carcass haben sich ja ebenfalls wiederzusammengerauft und wollen evtl. wieder eine Platte aufnehmen. Braucht die Welt wirklich ein weiteres "Swansong"-Album?

Shannon: Puh, keine Ahnung. Entweder klingt die Platte cool oder ist scheisse. Man wird´s hören, oder auch nicht. Carcass habe ich dann doch wiederrum letztes Jahr in Kanada mit ein paar Freunden Live sehen können, kurz bevor wir selber auf Tour gegangen sind, und es war schon nicht schlecht die alten Hits auf der Bühne zu hören muss ich zugeben.


Uwe K.: Okay, und was kann man von der nächsten Black Dahlia Murder in diesem Zusammenhang erwarten?

Shannon: Wir versuchen uns von Album zu Album immer weiter nach vorne zu bringen was unser Songwriting angeht und an unsere Grenzen zu gehen. Wir werden definitiv die gleiche Produktion auffahren wie bei unserem letzten Album, womit wir soundtechnisch sehr zu frieden waren. Uns ist es ebenso wichtig bei jedem neuen Album etwas neues auszuprobieren um weiterhin Spass daran zu haben mit dem was wir machen.


Uwe K.: Aber bitte, bitte keine cleanen Vocals oder sonstige Experimente in dieser Art, ja?

Shannon: Haha, nein, keine Sorge. Ich verspreche dir: Keine cleanen Vocals!


Uwe K.: Letzte Frage: Metallica oder Slayer?

Shannon: Slayer! Auf jedenfall Slayer!!!


Uwe K.: Alright, dann vielen Dank für das Interview!


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