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 Interview mit Maik von Silent Overdrive
 
  Das Interview führte: Rocco am 06.10.2009


Die in Heidelberg / Sinsheim gegründeten Silent Overdrive konnten sich mit ihren Alben und diversen größeren Touren ein recht großes Publikum erspielen. Kurz nach der ersten Demoveröffentlichung spielte die Band mehrere Konzerte im Raum Süddeutschland.
Mit ihrer 2004 veröffentlichten EP "Babylon Nation" konnte der Fünfer bei Presse und Fans punkten und bekam die Gelegenheit, auf der Vindication Tour 2005 von Illdisposed die EP unter die Massen zu schwemmen.

In den Maranis Studios in Backnang holzte man 2005 das erste richtige Album "Desease". ein worauf 2007 sich die Gelegenheit ergab, mit den Hardcore Thrashern von Pro Pain 2 Wochen lang die Bühne zu teilen. Auch auf diversen Festivals wie dem Up from the Ground oder dem Queens of Metal (?!) konnte die Band ihren Durst nach Ruhm weiter stillen.
In diesem Jahr erschien ihr neuester Output "Wake up Call", zu dem sich Sänger Mike bereit erklärt hat, einige Fragen zu beantworten.






Rocco: Die Musik von Silent Overdrive bezeichnet ihr ja als Neo Thrash, ich denke, dass kann man auch so stehen lassen.

Maik:Danke. Wir werden ja oft in die Metalcore Ecke gestellt, wo wir eigentlich gar nicht hingehören.


Rocco: Eure Musik hört sich für mich überwiegend so an, als hätte sich Gary Meskil von Pro-Pain mit Slayer vereint. Zumindest hört es sich auf dem neuen Album so an. Wie steht ihr zu der Aussage? Habt ihr eine besondere Beziehung zu beiden Bands oder hat euch Pro-Pain auf der Tour besonders inspiriert?

Maik: Damit können wir sehr gut leben *g*. Eine Besondere Beziehung haben wir abereher zu Pro-Pain, da wir mit denen ja auf Tour waren. Ich weiß nicht ob die Jungs uns jetzt besonders inspiriert haben, aber ich z.B. war schon immer großer Pro-Pain Fan. Es ist wohl eher mein Gesang der an Gary erinnert, aber so sing ich halt. Für mich ist es aber ein großes Kompliment.
Und Slayer sind Slayer. Wer hat keine besondere Beziehung zu deren Musik? *g*. Ich steh vor allem auf das Seasons in the Abyss Zeug. Wir mögen es ,wenn es schnell ist und dann trotzdem groovt.


Rocco: Wie sehen die musikalischen Einflüsse insgesamt in der Band aus?

Maik: Ach, wir hören alles Mögliche. Gute Musik ist gute Musik! Wobei unser Schlagzeuger Theo eher die Knüppelfraktion darstellt, Kojak Bands wie Meshuggah hört, Chris und Yogi aus der Melo-Death Ecke kommen und ich aus der Hardcore Szene. Ich hatte z.B. nichts groß mit der Band In Flames zu tun. Erst Chris brachte mich drauf, mir das mal genauer anzuhören und die haben echt großartige Songs. Dafür brachte ich denen halt ein paar Hardcore Bands näher. Es gibt auch Metalcore Bands auf die wir uns einigen können wie Heaven Shall burn! Und natürlich die Klassiker mit denen wir aufgewachsen sind wie Metallica, Slayer, Kreator und all das.
Ich hör auch noch einiges was kein Metal ist! Gutes Musik ist gute Musik. Aber im Grunde stehen wir alle auf harte Musik die viel Groove und Melodie hat.


Rocco: Wie seht ihr im Moment die Szene rund um Hardcore und Thrash? Im Moment gibt es ja reichlich Bands, die auf dem Zug mitfahren und mit Handkuss von den Labels gesigned werden, was einerseits gesund und erfrischend wirkenkann, aber auf der anderen Seite den Fan überfordert, sich die Bands anzuhören oder zu kaufen, die sich musikalisch nicht nach Retortenbands anhören.

Maik:Es gibt halt echt sehr viele Bands heutzutage. Da kann man schon leicht den Überblick verlieren. Grade jetzt springen wieder sehr viele auf den Trend-Zug auf. Aber dafür gibt´s ja auch das Internet wo man sich alles anhören kann und man sich die CD danach natürlich käuflich erwirbt *g*. Klar ist es zeitaufwendig aber jeder der sich mit Musik beschäftigt investiert diese Zeit ja gern. Die Szene lebt. Es gibt viel mehr Konzerte als früher. Leider hat alles auch seine Schattenseiten. Der Zusammenhalt ist eher weniger geworden und es herrscht viel mehr Konkurrenz denken. Dafür ist es durch das Internet viel einfacher geworden Kontakt zu halten und Gigs auszumachen. Man darf nicht alles so schlecht sehen. Aber natürlich ist es härter geworden da es viel mehr Bands gibt und der Druck ernorm gewachsen ist. Jeder mit einem PC kann im Schlafzimmer heutzutage eine CD aufnehmen. Da fehlt halt teilweise der Schweiß im Proberaum, durch den sich die Songs erst entwickeln. Aber gute und ehrliche Musik wird immer irgendwie eine Basis haben. Die Leute merken sehr schnell ob man es ehrlich meint und es von Herzen kommt oder ob man nur eine Show abzieht. Und bei uns kommt es von Herzen.


Rocco: Zum Album, welches offiziell am 26.6.09 erschien. Wie zufrieden seid ihr mit dem Ergebnis und wie sind die ersten Reaktionen ausgefallen sowohl von Presse wie auch von den Fans?

Maik: Wir sind sehr zufrieden. Die Songs sind das Beste was wir bis jetzt geschrieben haben und die Produktion ist diesmal auch viel näher an unserem Live-Sound dran. Wir wollten diesmal, dass es nicht so glatt gebügelt klingt. Wir wollten den Dreck unter den Fingernägeln haben *g*.
Und wir haben grad von der Presse viel positive Resonanz bekommen. Klar sind immer auch Kritiken dabei von Leuten die nichts mit unserer Musik anfangen können, aber das waren doch sehr wenige. Die meisten waren begeistert. Auch von Seiten der Fans hören wir sehr viel Lob. Viele sind einer Meinung, dass "Wake Up Call" die beste Silent Overdrive CD bis jetzt ist. Wir haben es endlich geschafft unsere Live-Power auf CD zu pressen.


Rocco: Kannst du mir etwas über die Entstehung von "Wake Up Call" erzählen? War es ein sehr aufwändiger oder entspannter Prozess? Und wie lange habt ihr insgesamt bis zur Fertigstellung der Platte gebraucht?

Maik: Wir haben dies etwas anders produziert als sonst. Die Drums haben wir wieder wie letztes Mal bei Vagelis Maranis aufgenommen! Ansonsten wurde alles von uns selbst produziert. Das hat sich echt gelohnt. Die CD ist viel erdiger, viel dreckiger und roher aber hat dennoch einen super Sound! Gerade mein Gesang ist viel lebendiger auf der neuen CD und auch deutlich abwechslungsreicher. Durch das Aufnehmen bei uns daheim war es auch eine sehr entspannte Angelegenheit! Ein wenig Stress ist ja immer dabei, aber wir hatten echt viel Spaß. Ich z.B. hab ich meinen Gesang live eingesungen, was für mich eine sehr erfrischende und lockere Arbeitsweise war. Wie viel Zeit wir letztendlich gebraucht haben, weiß ich gar nicht genau, da wir ja alles nach und nach einspielen konnten. Aber lange haben wir eh nicht gebraucht. Die Songs gingen gut von der Hand *g*. Gemischt und gemastert haben wir im Rape of Harmonies Studio. Und die haben einen super Job gemacht. Auch dort ging eigentlich alles recht fix. Wir wollten diesmal echt keine überproduzierte Scheibe machen.


Rocco: Nun zum textlichen Inhalt der Songs. Ihr behandelt sozialkritische sowie auch persönliche Themen. Kannst du näher darauf eingehen?

Maik: Ja, bei uns gibt es beides. Die Texte pendeln wieder zwischen sozialkritischen Themen und persönlichen Sachen. Diesmal ist es wie ein Blick in eine düstere Zukunft. "Ready to fall" erzählt wie ein Typ in einer nicht ganz so fernen Zukunft auf dem Dach einen Hochhauses steht und auf die Welt herunter schaut! Er starrt in das Neonlicht, sieht den Schmutz und die Schatten. "Wake Up Call" ist ein Aufruf, endlich die Augen zu öffnen: du bist nicht allein, es gibt noch mehr die so denken, es ist Zeit aufzuwachen!

"Never safe" ist ein Dialog mit mir selbst: Ich stelle mir die Frage, ob man sich jemals sicher fühlen darf. "Reality bites" handelt davon wie beschissen grausam und unfair das Leben doch sein kann. In "My decision" geht es darum, dass man seinen eigenen Weg finden muss: jeder muss sein eigenes Leben leben! "Need to be". sagt aus, dass es Zeiten gibt, in denen man tough sein muss. Babylon Nation ist ein alter Song, den wir neu aufgenommen haben. Es geht darum, wie dekadent und korrupt die Welt ist. Wir sind dem Verfall sehr nahe und es ist mal wieder an der Zeit sich zu wehren!
Ich schreibe diese Art von Texten weil ich alles raus schreien kann was mich so beschäftigt. Ich muss die Wut rauslassen. Wie sagt man so schön, das ganze ist eine Art Therapie *g*.


Rocco: Ihr seid ja nun schon seit längerem bei MDD Records. Wie läuft die Zusammenarbeit und seid ihr damit zufrieden?

Maik: Wir sind ja schon Ewigkeiten bei MDD. Das sind Kumpels von uns! Chris und Yogi kannten Markus ja schon von früher. Im gefiel was wir mit Silent Overdrive anstellten und so landeten wir bei MDD. Klar sind wir zufrieden.
Die Zeiten sind halt hart geworden. Markus tut alles was in seiner Macht steht. Wir haben ihm einiges zu verdanken. Die Zusammenarbeit läuft echt gut. Auch er meinte, dass die neue EP das Beste ist, was wir je gemacht haben und die neue Besetzung echt stark ist.


Rocco: Wie sieht bei euch die zukünftige Tour/Konzertplanung aus? Gibt es schon von besonderen Highlights zu berichten?

Maik: Die Konzerte gehen jetzt wieder los! Im Oktober spielen wir jedes Wochenende! Auch hatten wir paar kleinere Festivals. Eine Tour ist im Gespräch aber noch ist nichts geplant. Mal sehen was noch kommt. Wir wollen jedenfalls so oft wie es geht unsere neue CD live vorstellen. Ein Highlight war z.B. unser CD Release Konzert in Wiesloch. Aber eigentlich ist jedes Konzert irgendwie ein Highlight. Spaß haben wir immer *hehe*.


Rocco: Du singst ja auch noch bei Agoraphobia , die mehr im Death Metal/Hardcore Bereich angesiedelt sind. Kommt von diesem Engagement auch etwas zu Silent Overdrive, oder siehst du die Bands als eigenständig an und konzentrierstsich dementsprechend auch auf das jeweilige Projekt? Haben noch andere Silent Overdrive Mitglieder Nebenprojekte am Start?

Maik: Beide Bands helfen sich gegenseitig und sind auch befreundet. Aber es gibt keine Überschneidungen. Jede Band steht für sich. Selbst die Texte unterscheiden sich doch sehr. Ich kann auch keinen Text schreiben und erst danach einer Band zu ordnen. Ich muss vorher festlegen für welche Band ich schreibe. Es hat auch noch nie Stress gegeben weil sich eine Band benachteiligt gefühlt hat. Bisher hat alles immer geklappt. Wenn sich Termine überschneiden reden wir miteinander. Ich bin da dann das Bindeglied *g*. Theo hat noch seine Cover-Band und Kojak hat auch Projekte laufen. Sonst hat keiner eine zweite Band oder ein Projekt.


Rocco: Wie wird es in Zukunft mit der Band weitergehen? Sind bestimmte Projekte, Neuaufnahmen oder Besonderheiten in Planung?

Maik: Wir machen einfach weiter und werden die Weltherrschaft an uns reißen *hehe*. Momentan ist nichts geplant außer die Bühne zu rocken. Wir fangen jetzt langsam wieder an Songs zu schreiben, lassen uns aber ein wenig Zeit, da wir ja gerade eine CD veröffentlicht haben. Außerdem laufen die Bewerbungen für die Festivals 2010. Alles andere steht noch in den Sternen.


Rocco: Vor kurzem veröffentlichte die Musikbranche einen offenen Brief an die Metallfans, in dem illegale Downloads zum x'ten Mal an den Pranger gestellt wurde und an den Fan appelliert wurde, sich doch lieber wieder die teilweiseüberteuerten CDs zu kaufen, was meiner Meinung nach noch sehr viele tun und was in anderen Musikgenre schon lange nicht mehr "in. ist. Wie steht ihr dazu? Sollte man damit locker verfahren oder knallhart gegen Internetpiraterie vorgehen?

Maik: Eine schwierige Frage. Man schießt sich da schnell selbst ins Bein! Zum einen muss man mal sagen, dass wir das Problem im Metal ja nicht so wirklich haben, da sich viele noch die CDs kaufen und auch die Bands immer versuchen hochwertige CDs auf den Markt zu bringen, die den Preis auch wert sind. Heutzutage ist ja meist eine DVD noch dabei oder Bonusfracks. Es gibt viel Sammler, die CDs auch wirklich als Original besitzen wollen. Bei solchen Leuten dienen die Downloads nur als Orientierungshilfe. Wenn die Musik gut ist, sollte man sich die CD auch kaufen. Da man sich ja nicht alles kaufen kann, hilft einem das Internet sehr bei der Übersicht und der Auswahl. Dagegen ist auch Unix einzuwenden.
Die Leute sollten halt mal dran denken, dass wir viel Zeit und Geld in so eine CD Produktion rein stecken und es irgendwie unfair ist, diese einfach herunterzuladen ohne zu bezahlen. Andererseits ist es nun mal so, dass die CDs einfach zu teuer sind. Und das wenigste von der Kohle sieht der Künstler. Eine CD für 18,- Euro ist schon eine Unverschämtheit. Ich selbst sammle CDs und überlege es mir jetzt echt zweimal welche CDs ich kaufe.
Es ist einfach zu teuer. In anderen Ländern gab es eine Zwangsreduzierung der CD Preise. Da wurde der Preis einfach halbiert. Und eine CD für ca. 10,- Euro wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung! Es würde vielleicht die Verkäufe wieder ankurbeln. Wir selbst schauen ja, dass wir unsere CD zu einem guten Preis anbieten können. Man darf echt nicht vergessen, dass der Künstler am wenigsten an der CD verdient. Deshalb kann ich die Leute verstehen, die sich CDs nur noch runterladen. Uns ist es da wichtiger, dass die Leute zum Konzert kommen und sich vielleicht auch ein T-Shirt kaufen. Und vielleicht gefällt ihnen die Musik ja so gut, dass sie doch die originale CD besitzen wollen. Eine knallharte Vorgehensweise wird nichts nützen. Strafen haben bis jetzt auch nicht wirklich etwas bewirkt. Ich glaube nicht, dass noch härtere Strafen da was ändern werden. Es muss ein neuer Weg gefunden werden. Wobei ich nicht denke, dass die CD verschwinden wird. Gerade in der Metalszene wollen die Leute lieber was in der Hand halten *g*.


Rocco: Danke, für das Interview. Möchtest du noch ein paar abschließende Worte loswerden?

Maik: Vielen Dank für das Interview! Leute, kauft euch unser neues Album, es ist ein Schlag in die Fresse geworden und rockt wie sau. Auf nem Konzert können wir dann ein oder besser zwei Bierchen zusammen trinken. Termine gibt´s unter www.silentoverdrive.de . Bis die Tage.


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