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Interview mit Rogga von Paganizer

Interview mit Rogga von Paganizer

Das Interview führte: Sascha S. am 17.10.2011 

Sascha S.: Hej Rogga, wie läuft's im guten alten Schweden?

Rogga: Heute ist Freitag, also werd ich mich wohl irgendwie voll laufen lassen!

Sascha S.: Wäre sehr nett wenn du dich unseren Lesern kurz vorstellen könntest...

Rogga: Ich bin ein Zurückgebliebener, der seit vielen Jahren Musik macht und ich glaube ich bin dadurch bekannt geworden massig Zeug in irgendwelchen Death Metal Projekten auf den Markt zu werfen. Einige werden mich vielleicht von PAGANIZER, RIBSPREADER oder DEMIURG kennen. Ich habe auch Vocals für EDGE OF SANITY und NASUM eingesungen und Live DERANGED unterstützt. Ich denke das ist schon einiges, es summiert sich sehr schnell.

Sascha S.: Du bist ein wirklich beschäftigter Musiker. Kann jemand wie du vom Musikmachen leben oder hast du noch einen normalen Job?

Rogga: Nicht wirklich. Natürlich kommt auch mal etwas Kohle rein aber es reicht gerade so aus um Instrumente, oder was man sonst noch so zum Musik machen braucht, zu zahlen.

Sascha S.: Wann hast du angefangen Metal zu hören und wann hat das Musik machen begonnen?

Rogga: Als ich ungefähr 6 oder 7 Jahre alt war gab's da nen älteren Typen der Heavy Metal hörte. Es war richtig cool mit ihm abzuhängen und sein Zeug zu hören. Später hatte ich dann auch selbst Kassetten und man konnte sogar in der Bibliothek einige Metal Alben auf Tape leihen. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber ich glaube sie hatten HELIX und KROKUS. Danach hatte ich dann meine ersten Alben auf Vinyl - IRON MAIDEN's "Killers" und KISS' "Love Gun". Ich bin total auf das Maiden Album abgefahren und hab mich für das Kiss Album nicht wirklich interessiert. Angefangen Musik zu machen habe ich mit 13 oder 14 denke ich, anfangs waren es nur sehr einfache Home-Demos, aber es entwickelte sich zu besseren Aufnahmen in verschiedenen Bands.

Sascha S.: Hörst du noch anderes Zeug neben Metal?

Rogga: Yes, of corpse. Ich mag alte Rock Musik wie CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL oder das Solo Zeug von JOHN FOGERTY und ich liebe ROKY ERICKSON. Als Teenager hab ich mir auch viel Industrial reingezogen, die etwas brutalere Schiene.

Sascha S.: Wie eng steckt die Schwedische Szene zusammen? Kennst du z.B. Leute wie Peter Tägtgren oder Lars Göran Petrov?

Rogga: Ich denke die Szene steckt ziemlich eng zusammen, vor allem in den größeren Städten scheint jeder jeden zu kennen. Ich war niemals Teil irgendeiner Szene, weil ich einfach zu weit von den größeren Städten entfernt wohne, also nein ich kenne diese Leute nicht, bestenfalls durch andere Freunde.

Sascha S.: Was ist mit der Black Metal Szene? Stecken alle Schwedischen Musiker zusammen oder ist Black Metal eine Sache für sich?

Rogga: Da ich kein Teil der Szene bin, kann ich darüber auch nicht wirklich etwas sagen. Ich würde aber denken, dass es eher in den 90ern eine eigene Szene war. Jetzt scheint jeder mit jedem gut auszukommen.

Sascha S.: Was denkst Du persönlich darüber, dass Metal so populär geworden ist? Schau dir nur mal Bands wie METALLICA, SLIPKNOT oder diese ganzen Metalcore Bands an...

Rogga: Es ist nichts worüber ich wirklich nachdenke, da der populäre Metal weit ab vom Death Metal ist. Auch dadurch, dass einige Metalcore Bands z.B. Growls benutzen, klingt es für mich nicht wirklich Brutal sondern eher wie gut gespielte Mainstream Mucke. Aber natürlich ist es cool, dass die Leute nicht mehr denken Metal ist nur Krach und endlich anfangen auch mal härteres Zeug zu hören. Es ebnet vielleicht den Weg für bessere Musik, sodass sie auch mal im TV oder im Radio gespielt werden kann. Eigentlich ist es mir egal was die Leute hören, sie sollen mir damit nur nicht auf den Sack gehen.

Sascha S.: Wie funktioniert so ein Rogga Johansson Projekt? Einige davon befinden sich ja sogar in den Staaten...

Rogga: Es funktioniert natürlich übers Internet. Songs und Files werden hin und her geschickt so lange bis das Mixing und Mastering fertig ist. Email, MSN und Facebook sind da sehr hilfreiche Tools, wie Du weißt.

Sascha S.: Was ist dein Lieblings-Projekt und warum?

Rogga: Das ist ne harte Frage, weil ich immer denke das Projekt an dem ich gerade arbeite ist das Beste. Aber wenn ich es beantworten muss, wäre es wahrscheinlich DEMIURG, aber auch nur, weil das Ergebnis sehr zufriedenstellend für mich ist. Es klingt so, wie ich es wollte und ich bin erstaunt von mir selbst und von meinen Mitstreitern. Die erste RIBSPREADER und das dritte PAGANIZER Album sind auch Sachen die ich etwas mehr mag. Es sind Meilensteine für mich und ich glaube wirklich wir haben damit Semi-Klassiker erschaffen. Die Leute sehen das eventuell anders, aber für mich fühlt es sich so an.

Sascha S.: Warum hast Du BONE GNAWER verlassen?

Rogga: Für mich gab es dort nichts mehr zu tun. Die anderen wollten einige Dinge ändern und es wäre dann nicht mehr das gewesen was ich wollte. Ich habe so viele Projekte und Bands und wollte den Jungs nicht im Wege stehen ihr eigenes Ding zu machen. Ich bin schon sehr gespannt auf das nächste Album, ohne meine dummen Riffs, haha. Ich denke es wird ganz anders klingen und auch sehr sehr gut sein. Beide, Morgan und Ronnie, sind Killer Songwriter.

Sascha S.: Deine Texte scheinen leicht durch Filme inspiriert zu sein?

Rogga: Nicht wirklich, haha. Vielleicht meinst Du die Lyrics in "Revolting", die sind aber von anderen geschrieben worden und basieren tatsächlich auf alten Horrorfilmen. Auf der neuen PAGANIZER habe ich einige Songs, die auf Filmen basieren, oder Ideen von Filmen aufgegriffen haben. Beide, "Their skin suits me" und "The carrion parlor", basieren auf Ideen aus Filmen.

Sascha S.: Was ist deiner Meinung nach das beste Metal Album überhaupt?

Rogga: Das ist unmöglich zu sagen. Es kommt ja auch darauf an, in was für einer Stimmung man ist. Eines der besten Alben ist MASSACRE's "From Beyond". Ein total anderes Album, das mit zum Weltbesten gehört ist RAINBOW's "Rising". Auf alle Fälle gehören beide zu meinen Top Ten.

Sascha S.: Lass uns über das neue PAGANIZER Album reden. Ich denke "Into the Catacombs" ist bisher das beste PAGANIZER Album. Es klingt irgendwie Erwachsener. Was ist der Unterschied zu den Vorherigen?

Rogga: Danke, ich bin froh, dass es dir gefällt. Ich weiß aber nicht was du mit "erwachsener" meinst, haha. Ich würde sagen, dass "No Divine Rapture" unser erwachsenstes Album ist, da haben wir ne ganze Menge Zeit beim Schreiben und beim Einspielen verbracht. Dieses Mal war es eher einige Monate jammen mit Jocke, woraus dieses Album entstanden ist. Wir haben sehr viele verschiedene Ideen verwendet, die uns beim Jammen gekommen sind, so hat dieses Album von Classic Death Metal, Grind und Crust bis hin zum Epischen Zeug alles. Ich glaube, der wirkliche Unterschied ist, dass dort viele verschiedene Songs mit den verschiedensten Einflüssen verwendet wurden und das macht den Spaß aus, denke ich.

Sascha S.: Wie froh bist du, dass Jocke Ringdahl wieder mit an Bord ist? Erzähl und was zum Split und wie es wieder zur Zusammenarbeit kam...

Rogga: Darüber bin ich Scheiße glücklich, haha. Wir haben wieder sehr viel Spaß und bei jedem Rehersal geht's zu wie in der Klapse. Jocke ist ein paar Jahre nachdem wir angefangen hatten ausgestiegen. Er hatte Rückenprobleme und ich dachte er hätte prinzipiell keinen Bock mehr auf Death Metal. Er hatte immer Spaß am Spielen von Extreme Metal über Rock bis hin zum Blues und als er die Band verließ, hat er dann dieses Zeug gespielt. Später, 2009 haben Matte Fiebig and Patrik Myrén die Band verlassen und PAGANIZER lag mal wieder auf Eis. Aber nach einigen Monaten haben Jocke und ich das Jammen wieder angefangen. Wir haben einfach Crustigen Death Metal zum Spaß gespielt, aber nach einer Weile dachten wir, es klingt wie PAGANIZER und warum die Band nicht wieder zusammenbringen?!

Sascha S.: Das neue Cover-Artwork ist bei weitem das Beste. Wer hat es gemacht und warum hattet Ihr so lausige Cover in der Vergangenheit? Ich erinnere mich an "Deadbanger" - damit kannste nicht viele Shirts verkaufen.

Rogga: Das Artwork hat Axel Hermann gemacht der schon Sachen für z.B. GRAVE, ASPHYX und MORGOTH entworfen hat. Er ist einer der Besten und wir sind sehr froh dieses Artwork zu haben. Ich kann dem Zustimmen, dass einige PAGANIZER Alben nicht das beste Cover-Artwork hatten, haha - vor allen Dingen die Ersten. Ich bin aber immer noch überzeugt von "Dead Unburied" und "No Divine Rapture", die wirklich gute Covermotive haben wenn du mich fragst.

Sascha S.: Welches ist das beste Rogga Johansson Album?

Rogga: Das habe ich bisher noch nicht gemacht, haha, aber das letzte DEMIURG Album ist dicht dran.

Sascha S.: Zum Schluss noch ein bisschen Brainstorming. Sag Uns einfach, was dir zuerst dazu einfällt...

Rogga:
Lieblings-Band = Eddie Meduza

Lieblings-Essen = Thai

Hunde oder Katzen = Hunde

Skeletal Spectre = Eine Band aus den USA

Heirat = Klar, warum nicht

Internet = Sehr hilfreich, alles würde sehr viel langsamer laufen ohne

Bier = Ja bitte! Jedes Lager ist mein wahrer Freund.

Lady Gaga = Wie alles Neumodische war es für eine Stunde spaßig

Herr der Ringe = Die Bücher habe ich als Kind geliebt und liebe die Filme als Erwachsener

LP, CD oder Tape = CD, weil es so einfach ist, aber sie wird nie so einen Spaß machen wie das Vinyl.

 
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