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 Interview mit Oakenshield
 
  Das Interview führte Thorsten A. am 04.02.2009



Thorsten A.: Hi Ben! Danke, dass du dir die Zeit nimmst, dieses Interview zu machen. Und Gratulation zu deinem beeindruckenden Debüt "Gylfaginning". Soweit ich weiss, hat es ziemlich gute Reaktionen von der Presse und auch von den Fans bekommen. Hast du mit solch einem Erfolg gerechnet?

Ben C.: Ehrlich gesagt, ich wusste nicht was ich erwarten sollte. Ich bin extrem glücklich damit wie es aufgenommen wurde und war auch sehr überrascht es auf einigen wohlbekannten Vertriebsseiten verkauft zu sehen. Kaum zu glauben, dass Oakenshield bis vor sechs Monaten den meisten Fans ziemlich unbekannt war, bis dann das Album herauskam.


Thorsten A.: "Gylfaginning" ist epischer und aus meiner Sicht her ernsthafter als die Releases anderer Bands. Viele scheinen ihr Image wichtiger als die Substanz der Musik zu nehmen. Kannst du diese Beobachtungen teilen und denkst du, dass dies einer der Gründe für die guten Reaktionen ist?

Ben C.: Ich habe gelernt, dass das Image sehr wichtig bei dieser Art von Musik ist, aber ich verlasse mich nicht allzu sehr darauf. Ich möchte mich auf die Musik konzentrieren, Atmosphäre und Stimmungen durch die Kompositionen erschaffen. Ich werde oft gefragt, warum ich kein Pseudonym benutze, und meine Antwort ist, dass ich die Musik für sich sprechen lassen möchte. Ich würde mich nicht wohl fühlen, unter einem Bühnennamen zu agieren und für Fotos zu posen etc.


Thorsten A.: Um bei der Substanz zu bleiben, warum hast du dir die nordische Mythologie ausgesucht und nicht die ursprünglichen Mythen deiner Vorfahren? Dort gibt es sicherlich auch große Geschichten zu erzählen? Leitet sich das von deinem musikalischen Hintergrund ab oder gibt es etwas Besonderes an der nordischen Mythologie,das du einfach bevorzugst?

Ben C.: Nordische Mythologie weckt nun seit einigen Jahren mein leidenschaftliches Interesse und als ich anfing, meine eigene Musik zu schreiben hörte ich viel Bathory, Enslaved, Thyrfing etc., dadurch entwickelte sich die nordische Thematik auf natürliche Weise. Die Geschichten des alten Britannien sind natürlich faszinierend, aber es passiert ganz einfach, dass ich mehr Interesse an der Geschichte der Wikinger und deren Mythologie hege. Angelsächsische Themen können in der Zukunft auftauchen, ich glaube nicht, dass Oakenshield für immer an Wikinger-Themen gebunden sein wird.


Thorsten A.: Immer mehr junge Leute versuchen heutzutage, ihre Spiritualität durch heidnische oder esoterische Glaubensrichtungen auszudrücken. Nicht unbedingt auf eine religiöse Art, aber sie richten irgendwo ihr Leben danach aus. Wie schaut es bei dir aus? Beeinflussen diese Mythen und die Haltung dahinter auf irgendeine Art und Weise dein Leben?

Ben C.: Die einfache Antwort darauf ist nein. Ich war nie eine religiöse oder spirituelle Person, und das wird sich auch niemals ändern. Meine Faszination an der Mythologie beruht einfach auf einem tiefen Interesse sowie meiner Liebe für Geschichte. Ich habe nichts gegen Leute, die einen spirtuellen Glauben haben, aber ich persönlich habe keinen.


Thorsten A.: Nun, zurück zur Musik. Oakenshield wird oft mit Falkenbach verglichen (Nun, ich konnte es auch nicht verhindern Sorry dafür). Nimmst du das als Kompliment oder verärgert es dich, da es genug Unterschiede im Detail gibt?

Ben C.: Ich würde nicht sagen, dass mich die Vergleiche verärgern, denn wie du sagst, sind sie ziemlich unausweichlich, aber ehrlich gesagt können ein paar der Reviews wirklich ermüdend werden. Versteh mich nicht falsch, mit Falkenbach verglichen zu werden ist eine gute Sache, aber da gibt es viele Unterschiede in der Musik, auf die die Leute gar nicht einzugehen scheinen. Die meisten Reviews jedenfalls, die diese Vergleiche ziehen, bringen sie in ein gutes Licht und sind meist positiv, daher kann ich mich nicht beschweren.


Thorsten A.: Wie sieht der Songwriting-Prozess aus? Ausser der Violine spielst du alle Instrumente selbst. Wie komponierst du einen Song? Beginnst du mit einem bestimmten Riff und arbeitest dann den Rest aus oder hast du eine klare Vision davon, wie der Song am Ende aussehen soll?

Ben C.: Viele Songschreiber und Bands haben eine bestimmte Formel, um Lieder zu schreiben, aber ich tendiere nicht dazu, eine bestimmte zu benutzen. Da jeder Song eine andere Geschichte erzählt, variiert der Prozess von Track zu Track. Manchmal denke ich an ein bestimmtes Akkordmuster und schreibe darüber eine Melodie, manchmal ist es umgekehrt. Eine Sache, die immer gleich ist, dass ich die Lyrics nach der Musik schreibe, aber ich habe die lyrische Struktur immer im Hinterkopf da die Musik die Stimmung für das Modell der Wörter bildet.


Thorsten A.: "Gylfaginning" ist ein Konzeptalbum, das erste Buch der Prosa Eddas beinhaltend. Wie beeinflusst dies das Songwriting? Einige musikalische Themen erscheinen in anderen Songs des Albums erneut, was Teil des Konzeptes zu sein scheint und eine kompakte Atmosphäre erschafft. Gibt es signifikante Unterschiede zu einem "normalen" Album?

Ben C.: Das Songwriting ist in der Tat sehr im Hinblick auf das Konzept beeinflusst. Die Wiederholung bestimmter musikalischer Themen ist eng mit der lyrischen Materie in diesen Songs verknüpft. Jedes bisschen Musik auf dem Album ist an den Part des Buches angelehnt, auf dem die Songs basieren. Ich musste Atmosphären erschaffen, um den Motiven gerecht zu werden, daher war es ziemlich unterschiedlich von dem, wie jemand normalerweise einen Song schreiben würde. Die Hauptsache bezüglich der Musik ist, dass die Songs keinen traditionellen Strukturen folgen. Jeder Track erzählt seine eigene Geschichte und die Musik basiert auf den Geschehnissen der Stories anstatt der Standard-"Vers-Refrain-Vers-Refrain"-Form zu folgen.



Thorsten A.: Die Idee, eine Violine in die Nordische Materie mit einzubringen ist ziemlich unüblich und etwas, dass ich bislang nur bei Otyg entdeckt habe. Hattest du das vom Anfang des Songwritings an geplant oder wie ist dir die Idee gekommen?

Ben C.: Otyg sind ein großer Einfluß auf die Musik von Oakenshield und die Idee, auch Violinenparts mit einzubauen, ist teilweise von ihrer Musik inspiriert. Das Nutzen traditioneller Instrumente ist ein Markenzeichen des Genres und daher kamen die Violinen-Teile mit dem Einfluss des Folk Metals ganz natürlich daher.


Thorsten A.: Nebenbei, was ist der Musikalische Background von Gareth Evan und wie bist du an ihn herangekommen, um die Violine einzuspielen?

Ben C.: Gareth ist noch sehr jung, so um die 17 schätze ich. Er stammt aus dem Nachbardorf des Ortes, an dem ich aufgewachsen bin und wir gingen an die selben Schulen. Er hat sehr früh begonnen, Violine zu spielen und ist ein sehr fähiger Musiker. Ursprünglich wollte ich sequenzierte Violinenparts benutzen, aber nachdem ich Gareth auf einem lokalen Bierfest spielen sah, entschied ich mich dafür, ihn zu fragen. Er war mehr als glücklich, die Parts aufnehmen zu dürfen und sie klingen wirklich großartig.


Thorsten A.: Du hast gesagt, dass Oakenshield ein Solo-Projekt bleiben wird. Kannst du dir vorstellen, mehr Session-Musiker für kommende Releases oder sogar Gigs anzuheuern?

Ben C.: Mit Sicherheit werden mehr Session Musiker bei Oakenshield involviert werden, denn ich werde es fortführen, Teile für traditionelle Instrumente zu schreiben. Was Live-Performances betrifft denke ich nicht, dass sich da in den nächsten paar Jahren etwas ergeben wird, aber es ist immer eine der Möglichkeiten für die Zukunft.


Thorsten A.: Könntest Du uns etwas darüber erzählen, wie der Deal mit Einheit Productions zustande kam und bist du damit zufrieden?

Ben C.: Nachdem das Demo 2007 aufgenommen war, habe ich es an viele europäische Labels geschickt. Einheit haben mich kontaktiert und wir haben über einen möglichen Vertrag gesprochen, und nach wochenlangen Gesprächen habe ich dort unterschrieben. Ich bin mit dem Deal sehr glücklich, er hat mir bereits sehr viel über die Industrie beigebracht und ich bin dem Label sehr dankbar für alles was es für mich getan hat. Sie haben mir vom ersten Tag an zu 100% den Rücken gestärkt und Oakenshield ihre volle Unterstützung gegeben. Ich sehe weiteren Jahren der Arbeit mit Einheit entgegen.


Thorsten A.: Planst du bereits ein neues Album und kannst du uns bereits etwas darüber erzählen? Wird es ein weiteres Konzeptalbum, das auf der Edda basiert oder vielleicht eher etwas mit echtem historischen Hintergrund? Die Britische Geschichte jedenfalls ist mit den Wikingern ziemlich verwoben.

Ben C.: Die Arbeit an einem neuen Album hat bereits begonnen und vier Songs sind bereits geschrieben. Es wird kein Konzeptalbum als solches, aber alle Songs werden auf Geschehnissen der Wikinger-Zeit auf den britischen Inseln basieren. Da hast du den Nagel auf den Kopf getroffen, die Geschichte Britanniens ist direkt verbunden mit derer Skandinaviens und das ist es, mit dem sich das Album beschäftigen wird.


Thorsten A.: Gibt es irgendwelche Viking-/ Folk-Bands aus Großbritannien, die du empfehlen kannst? In Deutschland liegt der Fokus scheinbar auf lokalen oder skandinavischen Bands, daher könnte das ziemlich interessant sein.

Ben C.: Da gibt es einige der etablierten Acts, so wie Forefather, Wodensthrone, Waylander, Cruachan und natürlich Skyclad. In den letzten Jahren gab es eine Welle großartiger neuer Bands wie Ravenage - die persönliche Freunde von mir sind - Annwn, Jorvik, Sokaris, Alba gu Brath und Darkest Era, um nur einige zu nennen. Auch einige Studio-Projekte kommen hervor, wie Guthrum und Windrider. Die Organisation Folk Metal UK wurde letztes Jahr ins Leben gerufen und ist eine tolle Informationsquelle über die Szene Großbritanniens, ihr findet sie unter myspace.com/folkmetaluk.


Thorsten A.: Was denkst du über die Szene generell? Sie boomt zur Zeit, auch mit allen negativen Nebeneffekten. Wird sie sich zu einem ernsthafteren Kern festigen wenn der Trend vorbei ist oder wird sie sogar noch größer?

Ben C.: Es gab im letzten Jahr definitiv einen Boom und wie du schon sagst hat er negative Effekte. Ich denke du hast Recht, dass der ernsthafte Kern sich festigen könnte und dass es im Moment eine Art Trend ist. Wenn das Neue verflogen ist, werden jene die das Genre ernst nehmen hoffentlich überbleiben und das Wachstum an Popularität einige dieser Leute angezogen haben.


Thorsten A.: Nochmals danke für deine Zeit und meine besten Wünsche für die Zukunft. Die letzten Worte an unsere Leser?

Ben C.: Danke für die gut durchdachten Fragen und deinen Support. An die Leser, danke für das Lesen dieser Zeilen und unterstützt den Metal. Cheers!


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