Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin

Interview mit Ed Warby 
von Hail of Bulletsi  

Das Interview führte: Pascal S. am 28.09.2010 

Pascal S.: Hi Ed, wie gehts?

Ed Warby: Mir gehts super, danke. Ich genieße grad die Auszeit nachdem ich 3 Alben am Stück gemacht habe.

Pascal S.: Ich würde mal sagen, wir kommen gleich zur Sache. Euer neues Album "On Divine Winds" kommt am 8. Oktober raus. Fühlst du dich gut mit dem Album oder würdest du im Nachhinein noch etwas verändern?

Ed Warby: Ich bin der schlimmste Perfektionist den du dir vorstellen kannst, deswegen sind da immer Dinge, die ich gerne ändern würde, im Großen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden damit. Es ist eines der besten Alben an denen ich mitgewirkt habe, großartiger Sound und selbst nach der Arbeit daran bin ich jedes Mal aufgeregt, wenn ich das Teil höre. Also ja, es fühlt sich gut an!

Pascal S.: Für mich zumindest ist es das beste Death Metal Release dieses Jahres, das "Album of October" mit großer Wahrscheinlichkeit. Geiles Nackenbrecher-Riffing und -Bassspiel, stampfende Drums, ein Martin Van Drunen in absoluter Top-Form und eine gute Produktion von dir bzw. Mixing von Mr. Dan Swanö, Ed. Ich habe gehört, dass ihr viele, viele positive Reaktionen im Bezug auf das Album bekommen habt. Ich denke mal das interessiert dich auch nach all den Jahren, in denen du im Death Metal Geschäft dabei bist, immer noch. Wie fühlt sich das an?

Ed Warby: Ich werde nach wie vor, vor jedem Release nervös wie die Hölle, also sind gerade diese ersten Rückmeldungen auf neue Alben sehr wichtig für mich. Wenn die Produktion langsam aber sicher endet, kriege ich jedes Mal das Gefühl, dass wir das hätten besser machen können, bla bla und so weiter, dann kommen die Reviews und du merkst, so übel ist das gar nicht, was du da gemacht hast. Ich nehm das was ich mache sehr ernst und bin mit Herz bei der Sache, diese ganzen Reaktionen sind also ein großartiger Lohn für 9 Monate harte Arbeit.

Pascal S.: Ich hab mir auch mal die Lyrics durchgelesen, sehr gut und vor allem fundiert, allerdings muss ich dich darum bitten, unseren Lesern das lyrische Konzept näher zu bringen.

Ed Warby: Martin fühlte, dass wir ein weiteres starkes Konzept benötigen, wie eben auf unserem ersten Album, und nach einiger Recherche schleppte er den Pazifikkrieg zwischen den USA und Japan an. Da ich wollte, dass das Album mit einem dramatischen Intro und einem starken Opener beginnt, entschieden wir, dass das Ganze mit der Attacke auf Pearl Harbor beginnt und wir danach die Entstehungsgeschichte dieses Krieges bis hin zur Kapitulation Japans erzählen. Es ist eine großartige, dramatische und vor allem brutale Geschichte zugleich, welche geradezu prädestiniert für unsere Musik ist. Eines der musikalischen und lyrischen Highlights ist meiner Meinung nach "Tokyo Napalm Holocaust", welches die schrecklichen Brandbomben Angriffe beschreibt, die die USA auf Tokyo ausübte und das japanische Reich möglicherweise zur Kapitulation zwangen.

Pascal S.: Das Artwork ist genauso geil wie die Lyrics, und in Kombination haben beide zusammen eine immense Wirkung. Mick Koopman ist verantwortlich für das Artwork, warum er?

Ed Warby: Schau dir das Artwork doch mal an, er ist grandios. Er hat schon sowohl auf dem vorherigen Album als auch auf der EP mit uns zusammengearbeitet und kreierte auch das komplette Artwork meines Doom Metal Projektes "The 11th Hour". Super Typ, er arbeitet sehr hart und hat die Fähigkeit, Musik und Texte in ein passendes visuelles Bild zu verwandeln. Was mir daran besonders gefällt, ist, dass es fast so aussieht, als würde das Cover sich bewegen, so viel Schwung ist da drin.

Pascal S.: Eure kraftvollen, zerstörerischen und authentischen Live-Auftritte haben sich in Deutschland rumgesprochen. Woher habt ihr nach all den Jahren immer noch diese Power und Wut dafür?

Ed Warby: Freut mich das zu hören! Wir haben diese Band gegründet, weil wir alle diesen bestimmten Death Metal Style lieben, als eine Art Tribute für die Fans! Und ich denke einer der Gründe dafür, dass unsere Shows herausstechen, ist der, dass wir das, was wir machen sehr genießen. Wir spielen ja keine 100 Shows in jedem Jahr, dadurch ist jeder Gig frisch und aufregend für uns, und wir freuen uns immer noch auf jede nächste Show, als wäre es unsere erste. Wenn dies mal nicht mehr der Fall sein sollte, bin ich mir sicher, werden wir aufhören, doch danach siehts in naher Zukunft nicht wirklich aus.

Pascal S.: Ich denke wir haben genug über euer neues Album gesprochen, die Leute die sich das Teil kaufen werden, werden vom Album als solches überzeugt werden, da bin ich mir sicher. Was denkst du über die aktuelle Weltpolitik, genauer gesagt über Außenpolitik und Verteidigungspolitik diverser Länder?

Ed Warby: Die Welt ist ein einziges Chaos, und es schaut nicht so aus, als würde sich das bessern. Ich finde es unglaublich, dass Regierungen wissendlich ihr Volk belügen, nur damit sie Krieg anfangen können, und wenn es rauskommt, dann sind eben die Gründe dafür reinste Erfindung. Unsere Regierung machte das genauso, das ist abscheulich. Ich versuche mich daher von Politik fernzuhalten, da diese mich einfach nur ankotzt.

Pascal S.: Was denkst du über die aktuelle Death Metal Szene?

Ed Warby: Ich kann den modernen Death Metal nicht ausstehen, die getriggerten Drums, Riffs nahe dem Fingerbruch und diese Gravity Blasts [Anm. d. Red.: nachzulesen auf Wikipedia], das ödet mich einfach an. Ich bete nach wie vor die alten Götter wie Entombed oder Bolt Thrower an und bin über die Reunion von Autopsy sehr erfreut. Die Jungs wissen, wie man guten Death Metal macht und worum es dabei geht, und es geht NICHT um möglichst viele Anschläge pro Minute auf dem Schlagzeug oder diese Pinch Harmonics [Anm. d. Red.: Plektron und Daumen berühren beide die Saite]! Ich will nicht behaupten, dass ich mit neuen bzw. aktuellen Bands nichts anfangen kann. Typen wie Coffins, Facebreaker, Torture Division usw. sind offensichtlich aus dem richtigen Holz geschnitzt, allerdings sind solche Bands eher Ausnahme als Norm. Was für ein erbitterter alter Mann ich doch bin, haha. Ich muss aber zugeben, dass ich nach wie vor viel neue Musik kaufe, allerdings mehr Doom Metal und andere Arten von Metal, obwohl Death Metal das favorisierte Genre ist.

Pascal S.: Die berühmten letzten Worte von dir! (In Deutsch bitte Ed, ich weiß, dass dus kannst. Machs für uns ;) )

Ed Warby: [Originaler Wortlaut] Hmm, let's see, my German isn't nearly as good as Martin's... Danke für dieses Interview! Ich hoffe deine Leser werden davon begeistert unsere neue Scheibe an zo hören!

 
 Besucher heute: 370    
(metal.tm beta v0.874)