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Interview mit Simone Saccheri von Echo

Interview mit Simone Saccheri von Echo

Das Interview führte: Malte H. am 05.01.2012

Malte H.: Hallo Simone, wie geht es dir?

Simone: Mir geht es gut, danke! Und vielen Dank für das Interview!

Malte H.: Bevor wir richtig ins Interview einsteigen, magst du dich und eure Band unseren Lesern kurz vorstellen?

Simone: Sicher! Mein Name ist Simone Saccheri, ich bin einer der Gitarristen von (EchO), einer italienischen Doom Metal Band, die aus der Idee von Antonio (Gesang) und Simone Mutolo (Keyboard) heraus im Herbst 2007 gegründet wurde. Die Band begann live aktiv zu werden und veröffentlichte 2008 eine selbstproduzierte Demo (eine weitere folgte 2010).
Wir haben bereits einige Konzerte und Festivals in unserem Land gespielt und waren Vorband für Bands wie AGALLOCH, ESOTERIC, DORNENREICH, OCTOBER TIDE, DAYLIGHT DIES und viele andere. 2011 komplettierten wir unser Lineup durch Agostino am Bass. Seitdem liest sich unser Lineup wie folgt:

Antonio Cantarin - Gesang
Mauro Ragnoli - Gitarre
Simone Saccheri - Gitarre
Simone Mutolo - Keyboards
Paolo Copeta - Schlagzeug
Agostino Bellini - Bass

Im November 2011 haben wir über das russische Label Solitude Productions / BadMoodMan Records unser Debüt "Devoid of Illusion" veröffentlicht und im Moment sind wir dabei es zu promoten. Das Album wurde im November 2010 zusammen mit Greg Chandler (Gitarrist und Sänger bei ESOTERIC) als Produzent und Gast aufgenommen und bis jetzt ist das Feedback sehr positiv.

Malte H.: Ihr habt dieses Jahr mit "Devoid of Illusion" euer erstes Full-Length-Album veröffentlicht. Gratulation dazu! Seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden?

Simone: Ja, wir nahmen das Album vor einem Jahr auf und seit wir angefangen hatten, mit Greg zu arbeiten, wussten wir, dass der Sound der Scheibe grandios werden würde. Und wir lieben das Artwork von Eliran Kantor, er hat genau das eingefangen, was wir haben wollten, wobei wir gar nicht zu 100% wussten, was wir wollten, hahaha. Wie auch immer, wir sind zu 100% zufrieden mit diesem Album.

Malte H.: Ich gab euch 8/10 Punkte [Zum Review] und finde, dass ihr ein starkes Debüt abgeliefert habt. Besonders die Mischung aus Death Doom und Post Rock finde ich mutig und gelungen. Wie sind die Reaktionen ansonsten ausgefallen?

Simone: Danke, in echt!
Bis jetzt ist das Feedback sehr positiv ausgefallen, wir bekamen wirklich gute Rezensionen, in der Regel um die 8/10 oder 80/100 Punkte, das haben wir von einem Debütalbum wirklich nicht erwartet und das Gefühl ist einfach großartig.

Malte H.: Für die Produktion des Albums zeigt sich niemand geringerer als Greg Chandler von ESOTERIC verantwortlich. Ein wahrer Meister im Bereich des Doom Metal, der auch seine unverkennbaren Vocals in "Sounds From Out Of Space" beigesteuert hat. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Simone: Wir trafen Greg im März 2010 als wir als Vorband für eine Show von ESOTERIC in Italien auftraten. Wir blieben in Kontakt mit ihm, 6 Monate später buchten wir sein Studio und im November flogen wir dann nach Birmingham, wo wir 2 Wochen für die Aufnahmen verbrachten. Für den Gastbeitrag bereiteten wir einige Sachen vor und schickten sie Greg, ihm gefielen die Ideen wirklich gut und er begann an ihnen zu arbeiten, das Resultat daraus ist "Sounds From Out Of Space".
Greg singt nicht nur in diesem Track, er hat auch das Gitarrensolo, welches in den ersten fünf Minuten des Songs auftritt, geschrieben und aufgenommen (jene, in denen er auch singt).

Malte H.: Ihr habt auf Youtube zwei Making Of-Videos hochgeladen, wo man sieht, dass ihr bei den Aufnahmen viel Spaß hattet. Die Harmonie in der Band scheint sehr gut zu sein. Magst du uns etwas über euren Besuch in England erzählen? Vielleicht ein paar coole Anekdoten?

Simone: Um ehrlich zu sein haben wir während der Aufnahmen nicht viel von England gesehen, wir verbrachten 12 bis 13 Stunden pro Tag im Studio und waren danach zu müde, um Touristen zu sein. Einzig Antonio, Simone M. und Paolo fuhren nach Leeds zum Damnation Festival, wo ESOTERIC 2010 gespielt haben, und Mauro ließ sich in den letzten Tagen der Sessions ein Tattoo stechen, er hatte also die Chance, ein wenig was von Birmingham zu sehen.
Ich kann mich an nichts besonderes während der Aufnahmen erinnern, aber das indische Essen in Birmingham ist richtig gut. Der Kebab hingegen, der ist schrecklich, haha. Eine negative Anmerkung zu unserem England-Erlebnis gibt es allerdings noch, denn als wir Zuhause ankamen war Simones Keyboard komplett zerstört. Das war wirklich mies.

Malte H.: Ich schrieb, dass "Devoid of Illusion" ein sehr mutiges Werk ist, da ihr in den schweren, deathigen Doom Metal einige Post Rock Elemente eingebaut habt. Wie kamt ihr auf die Idee, diese beiden Genres zusammenzubringen?

Simone: Eigentlich war da keine wirkliche Idee, es so zu machen, wir hatten keinen richtigen Plan für unsere Musik. Aber ja, das primäre Ziel war es, Death Doom mit verschiedenen Einflüssen zu spielen, allen voran psychedelischen Elementen, aber wir haben dem Kreativprozess zu keinem Zeitpunkt Grenzen gesetzt.
Jeder von uns ist ein großer Fan sowohl von Death Doom als auch von Post Rock, ich denke, dass es die naheliegendste Lösung war, verschiedene Elemente dieser beiden Genres in unsere Musik einzubinden.

Malte H.: Wo wir gerade beim Thema sind: Schreibt ihr die Songs gemeinsam oder gibt es einen Hauptverantwortlichen für das Songwriting?

Simone: Für gewöhnlich kommen die ersten Ideen von Simone M., der 4 bis 5 Minuten lange Pianostücke mit in den Proberaum bringt. Dann hat im Regelfall Mauro die besten Einfälle, um den Track in verschiedene Parts zu unterteilen und zu schauen, was für cleane oder verzerrte Parts am besten geeignet ist, was eine Strophe sein könnte, was sich für den Refrain eignet und so weiter. Danach schreiben wir die Songs alle gemeinsam, wobei jeder den Fokus auf seinen eigenen Part legt, so wie ich bei meinen Gitarrensolis in "Summoning The Crimson Soul" oder "Once Was A Man" oder Antonios Gesangspassagen oder Paolos Drum Fills.
Zudem haben wir einige Gitarrenriffs als Basis genommen, welche von mir kamen, so wie zum Beispiel das Mainriff von "Internal Morphosis" oder auch von Antonio, welcher einige Riffs schrieb, die wir für "Once Was A Man" und "Omnivoid" nutzten.

Malte H.: Kannst du uns etwas zum lyrischen Konzept auf "Devoid of Illusion" verraten? Und wer zeigt sich für das Verfassen der Texte verantwortlich?

Simone: Es gibt kein exaktes Konzept in unseren Texten. Sie behandeln die dunkelsten Emotionen der Menschen, wie Träume und Ängste. Themen, die sich auch sehr nahe an H.P. Lovecraft bewegen, dem wir mit "Sounds From Out Of Space" Tribut zollen.
Wir behandeln auch Themen wie Ausgestoßen zu sein, Schmerz, Peinigung, Trauer, Einsamkeit. In der Regel schreibt Antonio, unser Sänger, die Texte, erhält manchmal jedoch auch Hilfe oder Vorschläge von uns anderen.

Malte H.: Ich finde es erstaunlich, wie Antonio spielend leicht er zwischen klarem Gesang und tiefen Growls wechselt. Er transportiert viele Emotionen und bereichert die Songs immens. Stellenweise musste ich an Jonas Renkse von KATATONIA denken.

Simone: Ja, Tony (Antonio) ist ein großartiger Sänger und auch ein guter Songwriter, ich denke, er hat sein perfektes Maß in den Songs gefunden. Und über die Einflüsse von Renkse: Ja, er ist einer seiner favorisierten Sänger und dankt dir für diesen Vergleich. Über Tony kann ich noch sagen, dass andere wirklich wichtige Einflüssen für ihn Sänger wie David Sylvian, Robert Smith von THE CURE, Peter Murphy von BAUHAUS und Kristoffer Rygg von ULVER sind.

Malte H.: Es gibt viele Überraschungsmomente auf "Devoid of Illusion". Neben den Post Rock Elementen gibt es in "Internal Morphosis" zum Beispiel diesen breakdownartigen Part. Oder ihr packt die Death Metal Keule aus wie in "Disclaming My Faults". Eure Musik ist dadurch sehr abwechslungsreich. Spiegelt sich diese Abwechslung auch in den musikalischen Vorlieben der Mitglieder wieder? Und welche Bands haben dich persönlich am meisten beeinflusst?

Simone: Wir sind wirklich verschieden, was unsere Musikgeschmäcker angeht, wir sind 6 Leute mit unterschiedlichen Hintergründen und verschiedenen Lieblingsbands. Alle Teile des Albums wurden diskutiert und demokratisch von der Band bewilligt, ich denke, das ist sehr wichtig. All die verschiedenen Gefühle, die wir empfinden, stecken in diesen Songs, die die Sicht der Dinge und die Gefühle jedes Bandmitglieds ausdrücken und das ist die wichtigste Sache, die uns wirklich zufrieden stellt und uns stolz auf unsere Arbeit macht.
Die Liste aller Bands, die wir mögen, wäre entschieden zu lang, aber ich kann dir einige Bands nennen, die wir alle gemeinsam mögen, so wie PINK FLOYD, HAWKWIND, MESHUGGAH, KATATONIA, ULVER, SWALLOW THE SUN, TOOL, EXPLOSIONS IN THE SKY, MOGWAI, GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR, RED HOUSE PAINTERS, FIELDS OF NEPHILIM, DEFTONES, DOWN, CROWBAR, EYEHATEGOD, AS PERFECT CIRCLE, PORTISHEAD, MASSIVE ATTACK und die Liste ist immer noch ziemlich lang.

Malte H.: Vor einigen Monaten habt ihr ein Konzert mit DORNENREICH und AGRYPNIE gespielt. Zwei meiner absoluten Lieblingsbands, die eine unheimlich einnehmende und einzigartige Atmosphäre auf jedem ihrer Alben erzeugen. Wie war es, mit ihnen die Bühne zu teilen? Wirklich nette Jungs, oder? Und wie war die Reaktion des Publikums? Ich kann mir vorstellen, dass eure Musik sehr gut in den Rahmen dieses Abends passte.

Simone: Eine großartige Nacht! Es waren nicht ganz so viele Zuschauer da, aber daran sind wir in Italien (unglücklicherweise) gewöhnt. Die Jungs sind wirklich nett, es war das zweite Mal, dass wir mit DORNENREICH die Bühne geteilt haben und sie sind wirklich nett. Wir haben auch AGRYPNIE getroffen, die auch ziemlich nett sind, vor allem David, mit dem wir viel geredet haben und immer noch in Kontakt stehen.
Die Reaktion der Zuschauer war super, aber um ehrlich zu sein war es nicht unbedingt der beste Auftritt unserer Karriere, aber es war in Ordnung und ich denke, dass, obwohl wir uns doch sehr von ihnen unterscheiden, die Kombination sehr gut funktioniert hat. Ich bin nicht unbedingt ein Freund von "One-Genre-Shows", wenn man nicht unbedingt zwei komplett unterschiedliche Richtungen zusammenpackt, ist es meiner Meinung nach angenehmer, eine gute Abwechslung innerhalb der Show zu haben.

Malte H.: Auf Solitude Productions und dessen Sublabels BadMoodMan Music und Slow Burn Records gibt es einige weitere Bands aus Italien. Z.B. ANSIA, FANGTOOTH, A COLD DEAD BODY und THE UNDERGRAVE EXPERIENCE, die allesamt sehr dunkle und atmosphärische Musik spielen. Kennst du welche von denen?

Simone: Ich kenne A COLD DEAD BODY, habe sie letztes Jahr live gesehen und muss sagen, dass sie ziemlich gut sind, ich habe mir direkt eine CD gekauft. Die anderen Bands kenne ich nur, weil ich ihre Namen im Rooster von Solitude las und habe mir lediglich die Songs angehört, die auf den Label Compilations zu finden sind. Ich denke, es sind allesamt gute Bands, auch wenn nicht jede genau meinen Geschmack trifft.

Malte H.: Seid ihr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Solitude bzw. BadMoodMan?

Simone: Ja, wir haben Demos an verschiedene Labels geschickt und zwischen denen, die geantwortet haben, haben uns BMM den besten Vertrag angeboten und wir sind glücklich, unser Debüt auf so einem tollen Label veröffentlicht zu haben. Es ist ein tolles Ergebnis für die harte Arbeit, die wir in der Vergangenheit geleistet haben und es ist ein guter Startpunkt für unsere Karriere, denke ich.

Malte H.: Wie sieht es mit der italienischen Metalszene aus? Kannst du unseren Lesern ein paar Bands ans Herz legen?

Simone: Ja, wir haben eine sehr lebendige Szene, aber leider erfahren Musik und Kunst im Allgemeinen eine miese Berücksichtigung hier in Italien (klingt sicher komisch, dass von einem Land zu hören, das 80% der Kunst auf der Welt besitzt, aber es ist die traurige Wahrheit). Musik wird besteuert wie Benzin und für die kleinen Clubs ist es meist zu teuer, Bands spielen zu lassen (mit Ausnahme von verdammten Cover-Tribute Bands, die der Ruin für die Musik sind), weshalb viele von ihnen geschlossen oder in Bars ohne Live-Musik umgewandelt wurden. Es gibt da noch einige größere Klubs (natürlich nicht alle), wo man live spielen oder Auftritte organisieren kann, wenn man ein "Freund von jemandem" ist oder "jemanden kennt". Oder wenn man gut bezahlt, wir scherzen über dieses System gerne als "Musik Mafia", doch traurigerweise ist es wirklich ähnlich der echten Mafia, was scheußlich ist für Underground-Bands, die große Probleme haben, nach oben zu kommen, so wie es einige verdient hätten.
Eine andere Sache, die wirklich traurig ist, ist, dass der durchschnittliche, italienische Metalfan sich nur bewegt, um Bands wie IRON MAIDEN, METALLICA und so weiter zu sehen. Zum Glück haben wir einige gute Booking-Agenturen so wie Nihil Prod, Eye Craver, Mal Eventum und Lau Metal Agency (es gibt natürlich noch andere, aber das sind die, mit denen wir zusammenarbeiten), die nach wie vor gute Gigs auf die Beine stellen. An italienischen Bands, die ihr eventuell noch nicht kennt, kann ich KUBARK, SEDNA (die mit uns den Gig mit DORNENREICH, über den wir vorher sprachen, gespielt haben), SEPHIRA, SUNPOCRISY, SYNAPSES, D-SWOON, UNSAFE (ein Nebenprojekt von mir und unserem Drummer Paolo), RAVING SEASONS, THE WISDOOM, DEADLY STRAIN und VULVECTOMY empfehlen. Es gibt noch viele mehr, die ich jetzt vergessen habe, sorry dafür Leute!

Malte H.: Wie sehen eure Pläne und Ziele mit (EchO) aus? Gibt es schon Ideen für ein weiteres Album oder vielleicht sogar eine kleine Tour durch Italien?

Simone: Wir planen aktuell eine Europa-Tour, ich hoffe, dass wir in Kürze die ersten Auftritte ankündigen können, wir sind schon richtig aufgeregt. Zu Italien: Wir sind in Kontakt mit einigen Agenturen und arbeiten an einer kleinen Tour durch Italien, aber es scheint wirklich so, als sei es einfacher, gute Konditionen außerhalb, als in Italien selbst zu finden.
Was ein neues Album angeht, haben wir bereits damit angefangen, an neuem Material zu arbeiten. Wir haben einige Melodien, die fast fertig sind und verschiedene Ideen, an denen noch gearbeitet werden muss, jedoch bis jetzt noch nichts konkretes. Ich hoffe, wir können Ende 2012 / Anfang 2013 unser zweites Album veröffentlichen, aber ich kann nichts versprechen. All unsere Aufmerksamkeit und Energien stecken wir momentan in die Promotion von "Devoid of Illusion".

Malte H.: Damit wären wir auch schon am Ende des Interviews angekommen. Ich danke dir für die Zeit, die du dir genommen hast und wünsche dir und (EchO) alles Gute für die Zukunft! Macht weiter euer Ding und keep on rocking!
Die abschließenden Worte gehören dir.

Simone: Ich danke dir vielmals für dieses Interview und ein großer Dank geht an eure Leser für ihre Aufmerksamkeit.
Wenn ihr uns folgen wollt, ist der beste Weg mit Sicherheit unsere Facebook-Seite. Hier findet ihr alle Links um unser Album zu kaufen und im Shop könnt ihr unser Merchandise bestellen.

Unser Album ist im Online-Shop von Solitude Productions (als CD) und auf iTunes (als digitaler Download) zu haben.

Falls Interesse daran besteht, uns zu buchen (wir würden das sehr begrüßen!), ist hier die Mailadresse, unter der ihr uns erreichen könnt: echodoom.info@gmail.com

Falls ihr Lust auf einen Trip nach Italien am 15.04.2012 habt, besucht doch unseren Auftritt mit AGALLOCH!

Vielen Dank nochmal!!!
Alles Gute für euch und eure Leser!

Simone & (EchO)

 
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