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 Interview mit Tobias Graf von Deadlock
 
  Das Interview führte: Uwe K. am 01.12.2008


Vor knapp einer Dekade noch mit den signifikanten X´en im Logo unterwegs, gehört die Regensburger Formation - Deadlock - zweifellos zu den wenigen Kapellen, die seit den Anfangstagen des - heute leidlich populären - Metalcore-Genres beständig unterwegs sind. Wo viele alteingesessene Genrepioniere/-vertreter sich heutigen marktstrategischen Kalkulationen anbiedern und Platten scheinbar mit integrierten Repeatarrangements rausschmeissen, ist es umso erfreulicher festzustellen, dass es doch noch Bands gibt, die sich behaarlich im Laufe der Jahre weiterentwickelt haben, dabei gängige Trends unbeachtet lassen und sich vor allem ihre Attitüde bewahrt haben.

Zugegebenermaßen war ich nie ein großer Fan des musikalischen Outputs der hier vorgestellten Musikanten, jedoch hat mich das aktuelle Werk namens "Manifesto", welches auf Lifeforce Records dieser Tage erschien, eines besseren belehrt! Waren die vorangegangen Alben eher durchschnittliche Metalcore-Kost ohne richtigen Biss, ließ schon der Vorgänger "Wolves" dank der Interaktion Sabine Weniger´s markantem Stimmchen grob erahnen, was sich nun mit dem aktuellen Werk "manifestieren" sollte. Erfrischender, klischeefreier Metalcore, der musikalisch keine Grenzen zu kennen scheint, und vom ersten Pieps bis zur letzten Minute zu begeistern weiß - Applaus dafür!

Deadlock haben es geschafft mich zu überzeugen, und mit "Manifesto" eins meiner persönlicher Überalben diesen Jahres komponiert. Soviel Engagement muss natürlich gewürdigt werden, weshalb sich der Schreiber dieser Zeilen es sich nicht nehmen liess den werten Coreknaben - und Dame ein paar Fragen zukommen zu lassen, welche Schlagzeuger Tobi sympathischerweiser ausführlichst beantwortete. Viel Spaß beim Lesen...






Uwe K.: Erstmal Kompliment zur neuen Platte meinerseits! wie man auf "Manifesto" raushören kann, müsstet ihr recht amüsante Tage im Studio verbracht haben?

Tobi: Yo, vielen Dank! Freut mich, dass Dir die Scheibe gefällt!
Studio-Arbeit bedeutet für uns allerdings meist Stress. Amüsante Tage/Stunden sind da eher Seltenheit....aber solange man das nicht hört und der Eindruck erweckt wird, wir hätten Freude an dem, was wir machen, ist ja alles gut...;-)


Uwe K.: Bei all der kreativen Mischung in euren aktuellen Arrangements würde mich interessieren, was ihr privat im musikalischen Sinne konsumiert?

Tobi: Das kann ich jetzt so kollektiv, für den Rest der Bande sprechend, leider gar nicht beanworten. Unsere Musikgeschmäcker differenzieren doch sehr und reichen, neben den üblichen Metal-Variationen von HipHop über Drum'n'Bass, ProgRock, Pop, Elektro bis hin zu Klassik, Jazz und 70er-Rock....meine Top 3 im Moment sind derzeit Rise Against, Genesis und The Haunted.


Uwe K.: Trotz meiner Begeisterung für eure aktuelle Schlachtplatte und aus eigener Passion komme ich leider nicht drumherum zu fragen: wieso habt ihr euch für so ein grauseliges Artwork entschieden?

Tobi: Hahaha...was für ein grauseliges Artwork? Ich hab keins gesehen....
Wir fanden Adams Arbeit und Sketches von Anfang an absolut genial und passend Deshalb war relativ schnell klar, dass das Artwork so aussehen wird, wie es jetzt aussieht. Wir finden uns in diesem auch ein Stück weit selbst wieder: Anders, unkonventionell, innovativ, unterhaltsam, beautiful, geil! Ich finde es wirklich großartig...!


Uwe K.: Recht schnell kam ja auch euer aktuelles Video zu "The Brave/ Agony Applause" zustande. Wie seht ihr die verbreitete Meinung einiger Labels, dass es sich nicht mehr lohnen würde, Geld für ein Musikvideo auszugeben, da die ganzen Musiksender keine Nische mehr für Metal-, Punk-, Hardcore-Formate anbieten, programmschematisch gesehen? Gewinnt dadurch das Internet nur noch mehr an Bedeutung, oder sind solche Videoproduktion eher ein Vorzeigewerkzeug für den eigenen Erfolg, eben weil man es sich ja leisten kann?

Tobi: Ich verstehe die Position der Labels natürlich auf der einen Seite. Videoproduktionen sind meist sehr kostspielig und wenn es dafür dann kein Airplay gibt, überlegt man sich schon mal, das Geld anderweitig und sinnvoller zu investieren. Jedoch sehe ich in Musikvideos immer noch eine große Chance der Vermarktung der Band. Neben einigen ausländischen TV-Musikkanälen, die durchaus noch Interesse an "harten" Musikvideos haben, birgt natürlich das Internet mit Youtube, You****, Myspace und wie sie alle heissen, eine großartige Chance, die Band anhand eines Clips zu vermarkten.
Wir bestehen stets auf mindestens ein Video zu jedem Album. Zum einen, weil wir einen auf dicke Hose machen wollen, trotzdem aber keinen Erfolg haben. Andererseits sind wir so unglaublich gutaussehend, dass unsere Visagen einfach gesehen werden müssen. Oder kennst Du eine schönere Band als Deadlock? Ich würde fast sagen, wir sind die schönste Band der Welt!


Uwe K.: Im Hinblick auf eure Discographie, welchen Stellenwert würde "Manifesto" für euch persönlich einnehmen? würdet ihr sagen, endlich euren eigenen Stil gefunden zu haben, oder seht ihr nostalgisch betrachtet eine andere Platte als euren Schatz?

Tobi: "Manifesto" ist für uns definitiv die beste Platte, die wir bisher gemacht haben. Wir sind extrem froh darüber, endlich an einem Punkt angekommen zu sein, an dem wir uns die Freiheit nehmen, uns musikalisch nahezu alles zu erlauben. Und genau dies erwarten unsere Hörer auch, denke ich. Wir limitieren uns in keinster Weise mehr, machen das worauf wir Bock haben und verdienen damit auch noch richtig Geld. Gibts was besseres?
Hahaha, nein im Ernst: Wir sind in der Vergangenheit viel zu lange und zu oft auf der Suche nach einem "Image" für die Band gewesen und haben uns angestrengt, dies dann auch zu wahren. Bis wir damals zu "Wolves" endlich erkannt haben, dass uns eigentlich alles total egal sein kann, solange wir die Musik machen können, die wir wollen und die wir selbst auch hören würden.
Und dies haben wir auf "Manifesto" perfektioniert, wie ich finde....


Uwe K.: Ihr seit ja eingefleischte Veganer/Vegetarier, was ihr auch gerne als Inspiration für eure Songtexte lyrisch verwurstet. Ist es euch wichtig eure Hörerschaft von diesem "Lebensstil" zu überzeugen oder sind eure Texte mehr schmückendes Beiwerk?

Tobi: Geile Fragestellung..."eingefleischte" Veganer/Vegetarier, die Ihre Songs "verwursten". Hehe...super! Uns ist der gewaltfreie, pflanzliche Lifestyle sehr wichtig und uns liegt auch sehr viel daran, die Hörer mit diesem Thema zu konfrontieren oder besser gesagt, sie dafür zu sensibilisieren. Dies aber auf eine sehr subtile Art und Weise - nicht zu plakativ und möglichst wertfrei erzählen wir in den Texten von Tatsachen und Realitäten, die sich täglich abspielen.
Ich finde es nicht immer den effizientesten Weg, auf stumpfe Provokation und laute Parolen zu setzen. Hat meist das Gegenteil zur Folge: Vorurteile und Trotzreaktionen der Konfrontierten.
Deshalb versuchen wir zu informieren, die Leute mit dem Thema in Berührung zu bringen, damit sie sich ihr Urteil anhand der Fakten selbst bilden können, und sie zu motivieren, die Realität zu erkennen und dann im Optimalfall etwas gegen diese zu unternehmen.


Uwe K.: Da Musikanten aus dem härteren Sujet ihre musikalische Offenheit seit längerem mit dem Vorzeigen von Joy Division-Merchandiseartikeln darstellen wollen, würdet ihr sagen, dass ihr mit dem Sisters Of Mercy-Cover evtl. einen neuen Trend losrollen wollt?


Tobi: Darüber haben wir uns bisher noch gar keine Gedanken gemacht. Uns wurde in diversen Rezensionen vorgeworfen, TOLL wäre schon zu ausgelutscht und zu häufig gecovert worden. Da wir aber noch keine einzige gute Coverversion des Songs gehört haben, mussten wir das ändern. Und, das sag ich in jedem Interview zu dem Thema, kommt mir bitte nicht wieder mit Crematory!! Deren Version kann man sich einfach nicht anhören, tut mir leid. Oder wie siehst Du das?
Wir hätten jedoch nie gedacht, dass dieser Song so polarisiert....find ich gut!
Wenn wir damit eine Welle lostreten bitteschön! Macht los...!!! Wir wären soooo gerne mal die Ersten. Dann müssten wir nicht jedem Trend nachlaufen!


Uwe K.: Metalcore ist ja mittlerweile salonfähig geworden. Ihr gehört ja sozusagen zur ersten Garde, die sich entgegen anderen Genregenossen beständig durchsetzen konnte und nicht im Sumpf der Belanglosigkeit abgedriftet sind. Im hinblick auf die alten Zeiten, wie seht ihr die neuen stylischen Coreknaben, die vom Fleck weg gesignt werden ohne überhaupt grossartig eine eigene musikalische Identität vorweisen zu können, dafür aber frisurtechnisch näher an Tokio Hotel sind als Rob Halford es jemals hätte sein können?

Tobi: Das ist in der Tat ein sehr interessantes Thema, mit dem ich mich aber, ehrlich gesagt, noch gar nicht richtig beschäftigt habe. Als Band, die seit über zehn Jahren unterwegs ist, ist es natürlich manchmal schon hart, mitzubekommen, dass Bands, die gerade mal ein Jahr existieren und noch nichts vorzuweisen haben, vom Fleck weg gesignt und dann auch noch einen unglaublichen Hype erleben. Aber im Laufe der Jahre gewöhnt man sich daran, wenn man noch nie das unglaublich große (?) Glück hatte, eine Band zu sein, die gerade "in" ist.
Es ist nur manchmal schon erschreckend zu sehen, dass für kommerziellen und musikalischen Erfolg die Qualität oftmals keine große Rolle mehr spielt. Ich finde es traurig, wenn Shirt-Designs von Bands den Hörern mehr geben als deren Musik....


Uwe K.: Mal zu was Anderem: als Tierliebhaber frönt ihr ja einer eher anspruchsvollen Ernährung und hegt einen Groll gegen schlachthäuser... Erfreut euch da die neumodische Hollywood-Welle der "Folter-Pornos" a la SAW, Hostel und Konsorten besonders? Wenn ja, welcher ist euer Lieblingsschinken?

Tobi: Die erwähnten Filme sind mir durchaus bekannt und mein Favorit ist hier klar die SAW-Reihe.
Aber nicht wegen den vielen brutalen Folterszenen, sondern eher wegen der raffinierten Drehbücher und Stories. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, wie jemand derartig verworrene Geschichten erfinden kann, die am Ende dann stets Sinn ergeben. Das finde ich wirklich beachtlich!


Uwe K.: A propos küche: das Fest der Kalorien steht ja in Kürze unausweichlich vor der Tür. Da die meisten unserer Leser/-innen womöglich wenig bis gar nichts mit vegetarischer/veganer Ernährung anfangen können (behaupte ich jetzt einfach mal), würde ich euch bitten, mal ein Festtagsmenü zusammenzustellen, um halt aufzuzeigen, dass alternative Ernährung nicht unbedingt auf Grünzeug und Körner beschränkt sein muss, sondern trotzdem "voll Metal" sein kann.

Tobi: Alles klar, da bist Du bei mir an der richtigen Adresse! Ich schlage vor...

Unheilig Abend:
Sauerkraut mit Seitenbratwürsten "Frankenberger" von Topas/Wheaty. Dazu mittelscharfen Senf, lecker frisches Brot und ab dafür....!

Whynachtstag 1:
Veggie-Entenbrustfilet von Vantastic Foods. Dazu lecker Kartoffelklöse, Bratensauce (selbst gemacht oder Fertigmix von Marigold oder Erntesegen), Rotkraut, Preiselbeeren und Salat. Als Nachtisch dann Schokofondue mit Bonvita Reismilchschokolade und frischen Früchten.

Whynachtstag 2:
Hackbraten von Soyana mit selbstgemachten Spätzle, Rahmsauce (ganz einfach selbst zu machen), Gemüsebeilage oder Salat.Zum Nachtisch dann schmackofatz Schokoladenpudding mit veganer Schlagsahne.

So wird wohl mein Festtagsmenü über die Feiertage aussehen. Zu beziehen gibts all dieser Leckereien übrigens bei www.alles-vegetarisch.de Geile Schleichwerbung....


Uwe K.: Anfang des Jahres seit ihr mit The Haunted und All taht Rremains auf ausgedehnter Tour unterwegs. welche zehn Gegenstände dürfen auf gar keinen Fall in eurem Reisegepäck fehlen?

Tobi: Du bist gut, die Frage, bei der ich am meisten überlegen muss, zum Schluss zu stellen. Ich versuchs mal mit meinen Top Ten....:

- Laptop mit UMTS Karte
- Mobiltelefon
- Buch (aktuell "Feuchtgebiete")
- Essen
- IPod
- PSP
- Kreditkarte
- Gerhard Polt DVDs
- Bravo Hits 1 bis 15 auf CD für den Player im Bus
- Timer

alright, das wars von mir. danke für die geopferte zeit und weitermachen!

Ich danke Dir für das witzige Interview! Hat Spass gemacht... !

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