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Interview mit Nornagest von Enthroned

Interview mit Nornagest

Das Interview führte: Benedikt W. am 11.05.2012

Benedikt W.: Hallo Nornagest, erst mal super, dass du dir die Zeit nimmst ein paar Fragen zu beantworten. 2012 bringen ENTHRONED ihr neuntes Studioalbum namens "Obsidium" heraus. Wir haben das Album bereits auf unserer Seite auseinander genommen (zum Review). Wie wollt ihr dem Hörer dieses Album ankündigen, verlier doch bitte mal ein paar Worte über euer neues Release:

Nornagest: "Obsidium" ist das dritte Kapitel des Konzepts, das wir mit "Tetra Karcist" begonnen haben. Das Album ist bis jetzt die größte Errungenschaft für ENTHRONED. Alte und neue Fans werden damit eine gemeinsame Basis finden, genauso wie wir uns durch "Obsidium" an ältere ENTHRONED-Alben erinnert fühlen. Es bleibt jedoch auch das durchgängige Gefühl, das seit "Tetra Karcist" und "Pentagrammaton" präsent ist.

Benedikt W.: Skandinavische Einflüsse habt ihr, wie ich las, bisher in eurer Musik konsequent abgestritten. Was war euer musikalisches Ziel für "Obsidium", woran habt ihr euch orientiert und was hat euch motiviert, dieses Album einzuknüppeln?

Nornagest: Wie gewohnt widmen wir uns zuerst dem Text und dann der Musik. Besonders, wenn du diese Form von Kunst aufführst, sind die Lyrics das Wichtigste, da wir eine Band sind, die eine Botschaft, ein Konzept transportiert. Die Musik wird dann wie ein Soundtrack komponiert.
Seit den letzten drei Alben beschäftigen wir uns mit realen Dingen, keiner Fantasie, keinen Ideen oder Vermutungen, sondern Erlebnissen, Dingen die wir durchgemacht haben, während wir uns mit dem Okkulten auseinandersetzten und unseren satanischen / sethianistischen Ansichten. Deswegen muss die Musik ein starker Träger sein, etwas mit dem wir uns als Personen verbunden fühlen, während wird lesen, singen oder uns an die Texte erinnern die geschrieben wurden um etwas auszutreiben, zu teilen, oder diesem oder jenem Wesen, Ereignis oder einer Situation Tribut zu zollen.

Benedikt W.: Du bist seit 1995 Frontmann von ENTHRONED. Um dich herum hat sich das Lineup komplett ausgewechselt über die letzten Jahre. Trägst du den ursprünglichen Spirit von ENTHRONED weiter oder stellt ihr heute etwas gänzlich anderes dar, als am Anfang.

Nornagest: Das Line-Up ist derzeit stabil. Der "spirit" hat mich nie verlassen und ich hatte ihn die ganze Zeit über, sonst würde ich diese Sache nicht machen, oder?

Benedikt W.: Laut diverser Medien habt ihr das Album wieder im eigenen Studio aufgenommen. Habt ihr dort alles was ihr braucht oder könntet ihr euch auch einmal vorstellen, woanders ein Album aufzunehmen?

Nornagest: Warum sollten wir woanders aufnehmen, wenn wir unser eigenes Studio haben? Wir haben alles, was wir hier brauchen. Blackout Multimedia ist ein professionelles Tonstudio das mit einer Menge unterschiedlicher Künstler und Bands arbeitet, aber ENTHRONED bleibt unsere Priorität - solange die Aufnahmen dauern, versteht sich.

Benedikt W.: Wie läuft bei euch der kreative Prozess ab? Seit ihr alle gleichermaßen involviert? Wer schreibt die Texte bei euch und gibt es ein textliches Konzept auf "Obsidium"?

Nornagest: Wie gesagt, die letzten drei Alben sind alle Teil eines globalen Konzepts, das sich mit unserem Leben auseinandersetzt, und damit meine ich das persönliche Leben, durch die Praktiken des Okkultismus. Jedes repräsentiert ein Kapitel und wird deshalb verschieden und trotzdem ähnlich klingen. Wir waren sehr penibel was die musikalische Untermalung des lyrischen Konzepts anbelangt; wir wollten einfach nicht wieder und wieder die gleichen Riffs oder dies und das spielen, die Musik MUSS der Soundtrack zum Text sein und nicht einfach bloß ein weiterer Song.
"Tetra Karcist" ist zum Beispiel das Album, welches dieses Konzept anstößt, das eine sehr dunkle und mystische Atmosphäre hat und den Glauben und die Indviduen in der Band vorstellt und offenbart.
"Pentagrammaton" ist ähnlich, aber sehr unterschiedlich in Ansatz und Dynamik, weil sich der Inhalt mit Ereignissen beschäftigt, die wirklich passiert sind. Weder Fiktion noch Spielereien, nur die Realität, und auch das musste in der Musik dargestellt werden.
"Obsidium", das dritte Kapitel, das sich mit den Errungenschaften (was wir gelernt, und durch diese Erfahrungen erreicht haben) auseinandersetzt, was uns zu dem gemacht hat was wir sind, und uns immer noch weiter formt, musste anstrengend und spontan sein.
Wir haben eine sehr präzise Art und Weise zu sehen, wie wir die Dinge haben wollen. Es ist sehr persönlich, und wir versuchen immer nicht dem Zuhörer zu gefallen, sondern an erster Stelle uns. Das ganze Konzept ist sehr verwirrend für jemanden, der nicht mit dem okkulten verwoben ist, wenn es nicht sogar für manche unmöglich ist überhaupt Zugang zu finden. Aber wie ich schon sagte, es soll auch nicht leicht zugänglich sein.

Benedikt W.: Stellt Satanismus bei ENTHRONED immer noch ein zentrales Thema dar? Welche Form des Satanismus verfolgt ihr bzw. was bedeutet "Satan" symbolisch für euch?

Nornagest: Satanismus, in seiner ursprünglichen und reinsten Form, ist seit jeher das Blut von ENTHRONED. Wir sprechen hier nicht von billigem "Black Metal" Satanismus und seinem ganzen lächerlichen, blendungs orientierten, klischee-bildenden Mist, sondern von dem geheimen Wissen, der Philosophie und Realität, die es in seiner metaphysischen Form schon seit tausenden von Jahren gibt, etwas das viele Leute nicht verstehen werden oder auch nur davon wissen - was zweifellos eine gute Sache ist!
Satan... Ich glaube an Satan, ich sehe ihn jeden Morgen im Spiegel. Es ist nur ein Titel, ein Spitzname: Ha-Shaitan bedeutet "der Widersacher", "Feind des Konzepts von Yahweh", "das untrennbare Schwarze vom Weißen" und als "Stärke das Gegenteil von Schwäche". Um an Gott zu glauben braucht man Vertrauen, um an Satan zu glauben muss man nur die Augen öffnen!

Benedikt W.: Wie siehst du die heutige Black Metal Szene?
Gibt es noch eine oder war früher in den Neunzigern alles besser?

Nornagest: Alles war wesentlich besser, als die Szene noch im Schatten stand. Die Aura, das mystische machte es zu etwas "gefährlichem" und "inakzeptablen", was 90% der Idioten die du heute siehst davon weggehalten hat. Die Gründe liegen auf der Hand.

Benedikt W.: ENTHRONED feiern bald ihr 20 jähriges Jubiläum. Bisher gibts nur ein paar wenige Live Termine im Mai, unter andrem in England. Wird es sonst noch Festival Auftritte oder sogar eine Europa-Tour geben, um "Obsidium" auch einmal live zu hören?

Nornagest: Ja, manche Shows sind noch nicht angekündigt weil noch nichts offiziell bestätigt ist. Wir befinden uns noch im Verhandlungsprozess mit den Promotern und den Botschaften um Berechtigungen für Visa zu bekommen, die richtigen Daten, Supports usw. ... Einige Dinge sind bereits im Gange was Europa, Südamerika und vielleicht die USA betrifft, sollten wir Visa bekommen.

Benedikt W.: OK, vielen Dank für das Interview! Willst du zum Abschluss noch ein paar Worte an die Leser richten?

Nornagest: Kheper-i kheper kheperu, kheper-kuy, m kheper n khepri kheperu m sep tepy.

 
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