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Track by Track:

30.09.2008

The Amenta - N0N


BildDie Australischen Extrem-Metaller von The Amenta gewähren uns Einblick in ihre Gedanken. In diesem Track By Track Special wird jeder Song auf seine Bedeutung hin genauestens durchleuchtet und vermittelt uns ein besseres Verständnis ihres jüngsten Werkes.




01. On

"On", das Intro des Albums, wurde erschaffen, um die Medienflut zu simulieren, die ein Teil des modernen Lebens ist. Es beginnt mit dem Klang des Einschaltens elektronischer Geräte. Radio- und TV-Samples wurden zusammengeschnitten um einen desorientierenden Effekt zu schaffen. Die Samples werden immer wieder von elektronischem Noise unterbrochen.
Wir leben in einer Welt, in der die Medien omnipräsent sind. Jeder hat einen Fernseher, der über fünf Stunden am Tag Meinungen und "Wahrheiten" hinausposaunt. Die Geräuschkulisse ist so laut, dass die Menschen nicht mehr für sich selbst denken können.

02. Junky

Thematisch leitet "On" zu "Junky" über, der von der Abhängigkeit der Menschheit von Fernsehen, Radio und Internet handelt. Meistens sind die Meinungen der Leute durch das, was ihnen von einer dieser Medienquellen entgegengespuckt wird, geformt sind. Menschen denken nicht mehr für sich selbst. Sie erlauben ihrem Geist zu entspannen und nehmen jenes Ideal an, dass ihnen am Lautesten vorgesetzt wird.
Dieser Song hält auch die Idee bereit, dass die menschliche Psyche von den Dingen, denen sie ausgesetzt ist, stimuliert wird. In der Vergangenheit wurde sie durch Eltern, Gleichaltrige und in der Schule / Ausbildung modelliert. Was aber passiert mit dem menschlichen Geist, wenn er dem Fernsehen ausgesetzt wird? Wenn mit einem Druck auf die Fernbedienung das Bild eines Top-Models dem eines dreifachen Mordes gegenübergestellt werden kann? Wenn ein Bericht über das zerstörte New Orleans durch einen Werbespot für Waschmittel unterbrochen wird? Welche Art von Psyche wird dann geformt?
Musikalisch ist der Song dazu gedacht, die durch eine Fernbedienung auseinandergeschnittene Medienwelt darzustellen. Riffs werden zu unmöglichsten Zeiten herein- und herausgeschnitten. Der Song wechselt von blastendem Chaos zu einem epischeren Chorus und dann zu einer elektronischen Schleife. Samples aus Radiointerviews mit Terroristen und Politikern sind entlang des Stückes ebenfalls verwoben.

03. Vermin

"Vermin" basiert auf der Idee, dass Menschen in ihrem natürlichen Zustand sehr primitive Tiere sind. Das, was uns vom Affen unterscheidet, ist unsere Fähigkeit, über unsere Grundinstinkte "Ficken, Kämpfen, Fliehen" hinaus zu denken. Menschen agieren nicht, sie reagieren. Genau wie Tiere. Nur Wenige nehmen sich die Zeit, abseits dieser Basisinstinkte zu denken. Jene, die dies tun, verdienen den Titel "Mensch". Leute, die dies nicht tun, sind nur Tiere mit Geld.
Als einer der kürzeren Songs des Albums ist "Vermin" ein musikalischer Schlag ins Gesicht. Die Message ist simpel und an simple Menschen gerichtet, daher ist das Arrangement unser Kompaktestes, um maximale Einschlagskraft zu verursachen.

04. Entropy

Der Song handelt von Melodramen und der "Myspace"-Kultur. Die schlimmsten Eigenschaften der modernen Menschheit sind ihr Exhibitionismus und sein Voyeurismus. Jeder gibt seine privaten Informationen auf seiner Myspace- oder Facebook-Seite preis, und die Leute saugen diese auf. Kleine persönliche Schwierigkeiten können zur Seifenoper-Größe aufgeblasen werden. Es ist so verdammt krank. Denkt ihr etwa, das juckt mich?
Dieses Stück basiert auf einem Experiment in Sachen Sounddesign. Percussion-Klänge wurden aus einfachen Sinuswellen geformt und an zufälligen Stellen mit Verzerrung versehen, um ein wirbelndes Durcheinander zu erzeugen. Dies ist ein elektronischer Punk-Song. Eine Hymne des Hasses.

05. Slave

Religion ist nicht länger der Feind, dem ihr all euren Hass widmen solltet. Dies zu tun heisst, primitiv zu denken. Es ist lange her dass die Religion eine Bedrohung in der westlichen Welt darstellte.
Die neue Bedrohung ist die Politik, weit hinter der Religion. Links oder Rechts, die ganze westliche Politik basiert auf binären Prinzipien. Schwarz oder Weiss, alle möglichen Graustufen ignorierend. Das ist das neue Dogma. Es ist viel stärker als das alte Modell, denn es hat GELD.
Während der Wahlen geschrieben, ist "Slave" das Ergebnis davon, zahllose, hirnlose Drohnen zu sehen, die Slogans herumbrüllen, in den Straßen kämpfen oder bei Versammlungen für einen Politiker jubeln, dessen Ideale schwammig und inadäquat geäußert sind.
In einer binären Welt kann nur eine von zwei Seiten ausgewählt sein. Dies ist die Situation, in der wir uns selbst wiederfinden. Da gibt es keine Möglichkeit, dass eine dieser Seiten die Gefühle oder Probleme einer nachdenklichen Person angemessen ausdrücken kann. Wir haben es hier mit einem Massenkompromiss zu tun. Was wir sehen, sind Menschen, die die gleiche Leidenschaft für Dinge haben, die sie nicht verstehen, wie eine primitive Person, die sich auf ihren Gott oder Helden bezieht.
Primitive Leute spüren das Bedürfnis, ihr Ego von einer größeren Macht vernichten zu lassen, einem Etwas, dass sie nicht verstehen, ihnen aber das Gefühl der Verbundenheit gibt. Im Mittelalter was dies die Religion. In der modernen Zeit ist das die "Demokratie".
Fragt euch einmal selbst: Versteht ihr das, worunter ihr euren Namen setzt? Habt ihr euch eure eigene Meinung gebildet? Versteht ihr die Folgen?

06. Whore

"Whore" ist die Anklage an die menschliche Angst, insbesondere die Angst vor dem Unbekannten. Viele Leute, talentierte, intelligente Leute, erlauben sich wegen der Angst, ihre Kuschelecke verlassen zu müssen, zu stagnieren. Der Komfort eines Neun-Bis-Fünf-Uhr Jobs, so seelenzerstörend dieser auch sein mag, wird dem Folgen eines Traumes, dessen Ausgang ungewiss ist, vorgezogen.
Diese Menschen sind Opfer ihrer eigenen Angst, sie hätten etwas sein können, aber nun sind sie nichts. Das Wissen, dass sie sich selbst verkauft haben, verwandelt diese einst schimmernden Sterne in zynische, sich selbst verabscheuende Ratten.
Dieser Song ist einer der komplexeren Arrangements. Haufenweise White-Noise unf Radio-Geplapper werden benutzt um ein aufwühlendes Gefühl heraufzubeschwören. Elektronische Drums und Akkustische Drums spielen konstant Rhythmen gegeneinander, eine Metapher für den inneren Kampf der Lohnhure. Jason Mendoca´s (Akercocke) trockene und sardonische Vokals spucken unseren Ekel der Welt entgegen.

07. Spine

Der Track basiert auf einer Zeile aus Burroughs "No Stalins, no Hitlers". Die meisten politischen Systeme, und natürlich die Demokratie, vermitteln die Illusion, dass die Menschen Stärke erhalten, wobei die Stärke aber nur in der Struktur des Systems selbst liegt. Egal welche Partei an der "Macht" ist. Das System wird sich nicht verbiegen um der Führung die Kontrolle zu entziehen.
Die Tage, wo ein Mann die Kontrolle eines Landes an sich reissen und nach seinem Willen zum Besseren oder Schlechteren verformen kann, sind vorbei. Es gibt keine Möglichkeiten, politische Systeme in dieser oder jener Weise zu verändern, um Ziele zu erreichen. Es gibt nur eine starre Schale aus Regeln und Prozeduren, die jegliche größeren Veränderungen verhindern.
Politisch wird die Welt solange stagnieren, bis entweder eine Revolution (in welchem Fall der ganze Prozess wieder langsam erneut beginnt) oder das System wird so eingeschliffen, dass die Illusion der Demokratie, Wahlen, unnötig werden wird.
Dies ist der erste Track von THE AMENTA, der klaren Gesang nutzt, ausgeführt von Nathan Wyner (A Secret death), vermischt mit der synchronisierten Percussion ist dies einer der originellsten Songs, die THE AMENTA aufgenommen haben.

08. Skin

Gastvocals von Alice Daquet (Sir Alice) beinhaltend, garantiert es "Skin", das THE AMENTA-Publikum zu polarisieren. Auf dem Loop eines abgefuckten Guitar-Leads aufgebaut, kam eventuell ein Downbeat Dub Instrumental dabei heraus. Mit viel Hall versehene Gitarren erklingen über große, perkussive Delays und erzeugen so ein hypnotisches Brummen.
Ebenso ist dies THE AMENTA´s erstes Experiment mit einer Erzählstimme. Die Lyrics basieren auf einer Auseinandersetzung, die wir in den Straßen von Kings Cross, Sidneys schmierigem Rotlichtviertel, zwischen einer Prostituierten mit einem gut gekleideten Mann mitbekommen haben.
Die Themen aller anderen Songs sind in dieser Erzählung miteinander verknüpft, welche die Prostitution (in jeder ihrer Erscheinungsformen) als eine Metapher für das moderne Leben benutzt.

09. Dirt

"Dirt" handelt von dem Moment, in dem man erkennt, dass man die Welt nicht verändern kann, egal wie abgefuckt sie auch ist. Es ist sowohl ein ernüchterndes als auch ein befreiendes Gefühl, zu realisieren, dass man machtlos ist. Es gibt einem drei Optionen. Man kann aufgeben und sachte in den stagnierenden Tümpel des Lebens versinken, man kann aufgeben und sich umbringen oder man kann kämpfen, wissend dass man nicht gewinnen kann.
THE AMENTA hat sich für die letzte Option entschieden. Wir wissen dass die Welt scheisse ist. Wir sind nicht einverstanden damit, wie die Welt läuft. Wir wissen, dass wir die Welt nicht verändern können, aber wir wissen, dass wir kein Teil von ihr sein wollen.
"Dirt" klagt jeden an, der wegen Versagens aufgibt. Wenn man dranbleibt etwas zu versuchen, kann man niemals versagen.
Mit einer genialen Performance von Alex Pope (Ruins) in den Versen und als Background in den Chorussen, ist "Dirt", auf den ersten Blick, eine epische, langsame Nummer. Aber lasst euch vom Intro nicht an der Nase herumführen, "Dirt" hat ein paar unserer komplexesten Wechsel und Programmierungen. Es war der letzte Song, der für "n0n" geschrieben wurde und das Licht am Ende des Tunnels äußert sich in seinen gewaltigen Akkordwechseln.

10. Atrophy

Ein weiteres Experiment in Sachen Sounds von Grund auf zu programmieren. "Atrophy" beinhaltet ausserdem ein Sample, dass wir versehentlich aus einem Frequenz-verstellten Radio erhalten haben. Dort diskutiert ein Irakischer Nationalist (gegensätzlich zu einem muslimischen Extremisten) den Nutzen von Terror-Taktiken zur Verteidigung. Ein Englischer Reporter versucht die ganze Zeit, ihm andere Sympathien zu entlocken. Die Thematik des Samples und die Willkür seiner Verwendung inspirieren den kriechenden Schrecken der Musik.
Sechs Instrumentals wurden für das Album geschrieben. Dieses Samples erscheint in drei davon. Eines der Instrumentals, falls es jemals veröffentlicht wird, zeigt das Sample komplett unbearbeitet.

11. Cancer

"Cancer" war der erste Song, der für das Album geschrieben wurde. Was als Übung begann, um athmosphärische Sounds mit der Gitarre zu erzeugen, entwickelte sich schnell zu einem der komplexesten Songstrukturen auf dem Album. "Cancer" zeigt, wie THE AMENTA den Staub von "Occasus" abschütteln, um neue Richtungen auszuprobieren. Da gibt es viele Ideen, die in größerer Tiefe in anderen Sessions erforscht wurden. Elektronische Percussion, konkrete metallische Musik und Sample-Ausschnitte wurden benutzt um Lyrics über das Stagnieren der Modernen Kunst zu illustrieren.
Die Kunst wurde von der Idee des Post-Modernismus eingefasst. Was im besten Fall unoriginelle Kunst bedeutet, im schlimmsten Fall verdammte IRONIE.
Die Extreme Musik ist von dieser Krankheit nicht befreit. Tatsächlich hält sie den perfekten Mikrokosmos bereit. Die Bands gehen nicht über die Grenzen hinaus. Sie ziehen es vor, Alben, die wie eine Zusammenfassung ihrer Einflüsse klingen, zu veröffentlichen. Bands, die In Flames hören, klingen wie In Flames. Bands, die Darkthone hören, klingen wie Darkthrone. Nur noch wenige Bands bringen wichtige Musik heraus. Keine drückt sich selber aus, eher zahlen sie Tribut an andere Bands. Diese kriecherische Unterwerfung ist der Untergrang der Weiterentwicklung. Es ist nicht extrem, eine Idee zu wiederholen. Es ist extrem, neue Ideen zu generieren, welche die Leute zum Nachdenken zwingen.
Der Krebs aus dem Titel sind jene Kriecher, die sich an Genres und Styles wie ein Tumor anhaften und das Leben dort heraussaugen.

(Autor(en): Markus Z.)
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