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Kolumne:

27.02.2009

KC - Schwarzbraun ist die HaselnuSS


BildEs gibt Worte die bei jedem sofort gewisse, eindeutige Assoziationen hervorrufen, wie zB. "Hardcore". Für die einen voll Porno, für die anderen eine Lebenseinstellung, die ende der 1970er aus dem Punkrock entsprungen ist. Ein gegensetzliches Wort dazu wäre "Nazionalsozialismus", ein Synonym für orientierungslose Herdentiere mit beschränktem Horizont. Klar, das diese beiden Worte im Grunde genommen schon per Definition mal rein gar nichts miteinander zu tun haben können.

Allerdings ist es gerade in der braunen Szene seit ein paar Jahren En Vogue, sich bestimmte Aspekte der linken Subkulturen selber einzuverleiben um sich einerseits vom allgeimen Image des Glatzkopfs mit Bomberjacke und Springerstiefeln zu verabschieden und gleichzeitig eventuell noch junge, szeneungebundene Kameraden mit Modebewusstsein willkommen zu heissen. Nachdem man die letzten Jahre die Farbe Schwarz als neues Braun für sich entdeckte und schwarz-/weiss-karierte Halstücher das Symbol einer kleinkarierten, minimalistischen Denkweise zu sein scheinen, versucht man sich nun auch noch das Wort "Hardcore" als sogenannte Marke rechtlich schützen zu lassen und die Geschichte somit neu zu schreiben - mal wieder, immerhin schafften es einige Neonazis den Ruf der Skinhead-/Oi-Szene leidlich in ein schlechtes Licht zu rücken.

So steht im Register des Patent- und Markenamtes, das ein gewisser "Schubert, Timo" aus "37120 Bovenden" sich den Namen "Hardcore" für seine eigene Modelinie hat sichern lassen. Wie man der Meldung der taz entnehmen konnte, handelt es sich bei jenigem welchem um einen stadtbekannten Verfechter des Nationalsozialismus - ergo schon einmal alles andere als "Hardcore", sondern eher eine "braune Nuss".

Das man laut Gesetz allgemeine Begriffe so nicht schützen darf, ist wohl einigen Paragraphencowboys bei der Anmeldung des Herrn Schuberts entschlafen. Somit muss man sich bis zur endgültigen Klärung dieses Falles wohl auf solche Hinweise einstellen, wenn man seine - beispielsweise - Bandshirts mit dem Wort "Hardcore" zusätzlich schmückt und zum käuflichen Erwerb anbietet:

"Diese Motive bzw. Produkte verstoßen mit hoher Wahrscheinlichkeit gegen gewerbliche Schutzrechte oder Persönlichkeitsrechte Dritter. Wir haben obige Motive und Produkte zeitweilig deaktiviert. Du hast beim Hochladen durch Aktivierung einer Checkbox bestätigt, dass Du die Nutzungsrechte an diesem Motiv besitzt. Um unserer Sorgfaltspflicht als Plattformbetreiber nachzukommen, fordern wir in Einzelfällen einen schriftlichen Nachweis über dieses Recht. Das ist auch in Deinem Sinne, denn bei Abmahnung seitens des Urhebers können erhebliche Abmahnkosten entstehen (ab 1000 EUR - Betrag nach oben offen)."

Wer selber aktiv seinen Unmut gegen diese perfide Verkrebsung kundtun will, sollte sich folgende eMail kopieren, seinen Namen und Anschrift hinzufügen und an das Patentamt weiterleiten. Keine Bange, die Privatsphäre eines jeden wird dadurch nicht gefährdet:




An: info@dpma.de

Betr.: Aktenzeichen 302008045099.1

Sehr geehrte Damen und Herren,

die unter dem Aktenzeichen 302008045099.1 von Herrn Timo Schubert aus 37120 Bovenden angemeldete Wortmarke "Hardcore" dürfte einem Eintragungshindernis unterliegen, worauf ich Sie hinweisen möchte.

"Hardcore" ist ein beschreibender Begriff für eine Jugend- und Musikkultur, vergleiche http://de.wikipedia.org/wiki/Hardcore_Punk. Die dieser Kultur zugehörigen Fans kommunizieren ihre Einstellung verstärkt über Kleidung, in dem sie T-Shirts und ähnliches tragen, auf denen das Wort "Hardcore" abgebildet ist. Durch die Markenanmeldung des Timo Schubert ist eine Monopolisierung der Sprache zu befürchten, die eine beschreibende Nutzung des Wortes erschwert.

Insbesondere wird auch darauf hingewiesen, dass Herr Timo Schubert ein Aktivist ist, der dem politisch rechtsradikalen Umfeld zuzuordnen ist und er schon jetzt seine Markenanmeldung dazu nutzt, gegen "Hardcore"-Fans aus dem linken Spektrum vorzugehen.

Es wird darum gebeten, Ihre Entscheidung über die Eintragung der Marke nochmals zu überdenken.

Mit freundlichen Grüßen




Ebenso bieten die Betreiber der Kein Bock auf Nazis-Seite ein Supportershirt gegen die Aktion des Herrn Schuberts und für die Rettung des Begriffs "Hardcore" an. Das Shirt kann für 15,- Euro auf der Website hier geordert werden, mit den Einnahmen werden evtl. aufkommende Anwaltskosten beglichen, die dank der Wirrungen und Irrungen im deutschen Paragraphenfachchinesisch sicherlich in bälde anfallen dürften.



Soviel zum Thema "Du bist Deutschland", für weitere Informationen verweisen wir auf den taz-Artikel, welcher hier zu finden ist. Ebenso immer wieder mal einen Blick wert dürfte das Markenregister sein, welches unter diesem Link zu finden ist. Und natürlich kann man sich auf Kein Bock auf Nazis-Seite inspirieren lassen, wie man persönlich gegen die Braunbärfraktion am besten vorgehen könnte.

In diesem Sinne: Weitermachen!

(Autor(en): Uwe K.)
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