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Bericht:

12.07.2013

With Full Force 2013 - Die Jubiläumssause


BildBetween the Buried and Me
Sonntag, 30. Juni 2013

Sonntag morgen begann für mich abermals mit Dosenfutter (einfallsreich, ich weiß!) während auf der Hauptbühne ein gut gelaunter MAMBO KURT vor sich hinträllerte. Mal ernsthaft, spielen kann er ja noch, aber singen?? Ich hab mich eh schon immer gefragt, was der auf Metal-Festivals verloren hat... Umso mehr freute ich mich auf die zweite Band des Tages: BETWEEN THE BURIED AND ME. Die North Carolina Amerikaner überzeugten mit einer bunten Mischung aus Progressive Metal, Metalcore und Mathcore, welche spielerisch sehr ausgefeilt ist und auch so klingt. Leider passte der Gesang für mich nicht ganz und die starre Performance tat ihr übriges. BETONTOD waren da das komplette Gegenteil, voller Power rockten sie die Bühne und sprengten damit sogar die Boxen, weshalb es kurzzeitig keinen Ton mehr gab. Sascha tat sich währenddessen schwer überhaupt aus dem Bett zu kommen.

Sascha: Der Sonntag war dann auch der mit Abstand härteste Tag. Die Temperaturen und dieser immer wieder eintretende Nieselregen zerrten doch sehr am Gemüt und an der Gesundheit. Der Plan war dann nach dem fünften oder dreizehnten Bier gar nicht mehr aufs Gelände zu gehen sondern einfach den restlichen Alk zu vernichten. Wie so oft kommt es aber anders als man denkt und so befand ich mich auf dem Platz als die Ruhrpottler BETONTOD gerade anfingen zu zocken. Die Songs und auch der charismatische Sänger konnten in allen Belangen überzeugen und so sah ich am Sonntag sehr sehr viele Leute mit BETONTOD Shirts rumlaufen, was mich nach dem Gig nicht mehr wirklich verwunderte. Als nächstes THE BROWNING... tja, THE BROWNING. Breakbeats mit Techno-getröte zu kombinieren ist nicht wirklich meine Sache, aber man muss ihnen zugestehen, dass sie ein wirklich gutes Set abgeliefert haben. Die Jungs scheinen eine Menge Fans zu haben, denn Bewegung gab es vor der Bühne ohne Ende, weswegen sich Sänger Jonny McBee auch artig beim Publikum bedankte. Zu den Ober-Assis DIE KASSIERER muss man wohl kein Wort mehr verlieren, das Zelt war rappelvoll und die meisten Zuschauer wohl auch?! KASSIERER Auftritte haben immer Nacktheit inklusive und das nicht nur von Sänger Wölfi.

BildWährend Sascha also vor der Main Stage rumtobte, machte ich mich auf ins Hardbowl-Zelt um BURY YOUR DEAD zu fotografieren. Die Bostoner überzeugten auf ihrer With Full Force Premiere auf ganzer Linie. Mit ihrer energiegeladenen Show sorgten sie für ordentlich Stimmung und wurden von der Meute gefeiert. Das Zelt war voll bis zum geht nicht mehr und es war kaum vorstellbar, dass dieser Zustand sich zu ALL THAT REMAINS noch verstärken sollte. Die Melodic Metalcore Idole aus Springfield gingen wie immer ordentlich nach vorne und zogen die Fans in ihren Bann. Da blieb keiner still stehen und ich schloss mich den Mitsingchören nur zu gerne an.

Um der berühmt-berüchtigten Nacktheit der Punktruppe DIE KASSIERER zu entgehen und ein bisschen zu verschnaufen, gab es für mich erstmal eine Pause. Auf dem Weg zum Getränkestand nahe der Hauptbühne fiel mir noch auf, wie leer es bei DEVIL SOLD HIS SOUL war - wahrscheinlich hätten diese Bands Slots tauschen sollen, wobei letztere bei mir auch eher für Ohrenkrebs sorgten. Meinen Energy schlürfend suchte ich also nach was Essbarem und wurde wie gewohnt auch fündig: Chinesische Bratnudeln standen auf dem Speiseplan. Sozusagen meine letzte Stärkung vorm Endspurt.

Weiter gings mit der bunten Partytruppe KNORKATOR. Bekannt für den Witz in Show und Text, freute ich mich besonders auf Stumpen, Alf und den Rest der Berliner Spaßkolonne und wurde auch nicht enttäuscht. Wie gewohnt ließen KNORKATOR wieder ordentlich die Sau raus und ein Lacher folgte dem nächsten. Publikumsfreundlich wie eh und je, verschlag es Stumpen nicht nur einmal in die Menge und auch die Fotografen wurden kurzerhand auf die Bühne beordert. Während Alf das Gedicht "Freundschaft" vortrug, bereitete Stumpen eine Überraschung vor und erschien kurz darauf in einem lebensgroßen "Hamsterrad" (aufgeblasenem Luftballon) in der Menge. Die Fans bugsierten ihn sicher zurück zu Bühne und die Party konnte weitergehen. Das Publikum dankte mit viel Lachern, Applaus und vor allem Crowdsurfern oder "Stagediving von hinten nach vorne", wie Stumpen es zu sagen pflegte.

BildKnorkator

Noch in bester Feierlaune empfing die Meute KORPIKLAANI. Die finnischen Folkmetaller schlossen da an, wo KNORKATOR aufgehört hatten und spielten sich voller Freude durch ihr Set. Dies sorgte für ordentlich gute Laune bei den Zuschauern und wurde entsprechend gefeiert. Ein Hammer-Auftritt von einer genialen Band und ein gelungener Abschluss für meine diesjährige With Full Force Erfahrung, denn leider mussten wir das Festival aus beruflichen Gründen verfrüht verlassen. Sascha ging es ähnlich, nur dass er als letzte Band RYKERS wählte, welche zeitgleich mit KORPIKLAANI spielten.

Sascha: Zum Ende hin gabs für mich dann noch das deutsche Hardcore Urgestein RYKERS aus Kassel. Ich hab sie das letzte mal auch auf dem WFF gesehen, aber da schrieben wir noch das Jahr 1998 und das Force fand noch in Zwickau statt. Damals gabs noch ein wenig mehr Stage Acting, aber das interessiert bei den wuchtigen Songs sowieso kaum. Das Publikum machte vorne gut mit, nur hinten (da wo ich stand) wäre mir fast die Hutschnur geplatzt, als einige Deppen es gerade bei dem Song "Gone for Good" für nötig hielten die Feuerzeuge anzumachen und meinten die Band damit verarschen zu müssen. Wer den Text kennt weiß was ich meine...

BildKorpiklaani

Unsere Fotografin Dany ließ es sich nicht nehmen, auch die letzten Bands noch vor die Linse zu bekommen - somit gehören die letzten Worte ihr.

Dany: Auch ein langes Festival neigt sich einmal dem Ende zu, so rief die Tentstage zum letzten Abendmahl. "The Last Supper" wurde von den Engländern PARADISE LOST, NEGURA BUNGET aus Rumänien und den finnischen AMORPHIS serviert.
Während sich draußen der Auftritt von KORN langsam dem Ende zuneigte und PARADISE LOST im Zelt noch nicht auf der Bühne standen, sorgte ein augenscheinlich sturzbetrunkener Metaller für eine Slapstick-Einlage. Dieser probierte nämlich, über einen Zaun zu klettern, blieb prompt oben daran hängen und baumelte eine Weile in luftiger Höhe, bevor er in die Absperrung für einen Lichtmast purzelte und sich dabei selbst einfing. So hatte die eiligst herbeigerannte Security-Crew nichts weiter zu tun, als ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien... und zu grinsen.
Moment mal, das kenne ich doch?! - dachte ich mir, als das PARADISE LOST Intro erklang und sich als Song "Enchantment" aus dem Album "Draconian Times" entpuppte. Ich fühlte mich 18 Jahre zurückversetzt, als genau dieses Album für Monate meine tägliche musikalische Schulwegbegleitung war. Schön, das hat ja gepasst! Ich wippte und sang also mit, was von der Bühne herunter durchaus mit einem Lächeln bedacht wurde. Generell befanden sich leider zuerst sehr wenige Besucher im Zelt, da aufgrund einer Verzögerung draußen noch KORN spielten. Trotzdem ließen sich die Mannen aus England nicht entmutigen und lockten mit ihrer Performance doch noch eine Menge Fans an. Leider war die Spielzeit viel zu kurz, ich hätte gerne länger zugehört.

BildParadise Lost

Die nächsten im Bunde stellten dann die Rumänen von NEGURA BUNGET dar. Geboten wurde Black Metal, untermalt von teils äußerst experimentellen atmosphärischen Klängen aus solch ungewöhnlichen Instrumenten wie Panflöte und Horn. Zwar musikalisch absolut nicht mein Fall, aber dem Publikum hat's gefallen. Zugute halten muss man der Band, dass sie ihre Instrumentensammlung selbst spielen und sich nicht etwa an Samples bedienen. Und dann war es auch schon Zeit für AMORPHIS, es war spät am letzten Festivaltag, so leerte sich das Zelt schon ein wenig und die Stimmung war nicht mehr so ausgelassen. Trotzdem rockten die Finnen, was das Zeug hielt und präsentierten eine feine Mischung aus alten und neuen Songs zum Genießen. Ein passender Ausklang des 20. With Full Force Festivals.


BildAmorphis

Sascha's Fazit: Insgesamt ein geiles Festival das aber einem 20 Jährigen Jubiläum nicht gerecht wurde. Die Bands waren irgendwie einfach nicht richtig gewählt oder spielten zur falschen Zeit auf der falschen Bühne (NAPALM DEATH hätten auf die Main Stage gemusst), die Organisation war teilweise wirklich chaotisch und der Sound war des Öfteren nicht gut... mal abgesehen von den ganzen Mikro-Ausfällen oder dem Totalausfall bei BETONTOD.
Auf der anderen Seite ist das With Full Force aber schon immer eine geile Party gewesen, was auch an den wirklich sehr herzlichen Menschen dort liegt, des weiteren ein dickes Lob an die Security die nett aber bestimmend auftrat, eben halt genauso wie es sein soll. Die Jungs haben einen wirklich guten Job gemacht... das hab ich auch schon ganz anders erlebt.

Bianca's Fazit: Die diesjährige Jubiläumssause in Roitzschjora hatte es durchaus in sich. Leider gab es aber sowohl ein paar technische (ausfallende Mikros, Komplettausfall bei BETONTOD, Sound in der Knüppelnacht), als auch organisatorische Pannen und ich hätte mir für ein Jubiläum in der Bandauswahl noch ein paar Änderungen gewünscht. Auch schade, dass es für MOTÖRHEAD keinen Ersatz gegeben hat. Spaß hatte ich trotzdem und das With Full Force sieht mich mit Sicherheit mal wieder. ;)

Weitere Fotos vom diesjährigen With Full Force findet ihr HIER und HIER. (Autor(en): Bianca P., Daniela A., Malte H., Sascha S.)
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