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Bericht:

12.07.2013

With Full Force 2013 - Die Jubiläumssause


Freitag, 28. Juni 2013

BildDer Freitag begann für mich ähnlich wie der Donnerstag: am späten Vormittag jagte es mich schließlich aus den Federn und ich gönnte mir erstmal eine wohlverdiente Dusche. Überraschenderweise hielt sich das Wetter trotz Regenprognosen recht gut und so führte der erste Gang wieder zum Frühstückszelt. Nach der ersten Stärkung machte ich mich auf, meine Teamkollegen zu begrüßen, während HACKTIVIST im Hintergrund eine doch recht hörbare Geschichte hinlegten. Danach ging es für mich zum Knipsen ins Zelt. Das Minnesota Quintett AFTER THE BURIAL spielten ihren genial Genremix aus Metal, Hardcore und Progressive und lockten damit die leider wenig zahlreich erschienenen Besucher aus den Reserven. Für den ein oder anderen ist der Donnerstagabend wohl länger geworden als erwartet, vielleicht lässt sich so das recht überschaubare Publikum erklären. Leider musste ich die US-Amerikaner auch verfrüht verlassen, um mich vor der Hauptbühne einzufinden, wo ich auch erstmalig auf meine Kollegen Malte und Sascha treffen sollte, die sich pünktlich zur Ami-Stoner Sensation RED FANG auf dem Platz einfanden.

Sascha: Kurz vorm Krawall hatte mich und Kollege Malte unsere Fotografin Dany entdeckt und nach kurzem Pläuschchen brach dann auch die Hölle los. Mit ihrem treibenden Beats und dem KYUSS-artigen Sound, spielen RED FANG einfach komplett geile Live Mucke bei der man einfach mitgehen muss. Bei dem ganzen Gebange hab ich eigentlich gar nicht viel gesehen, aber ich kann nur sagen... geil wars! Danach KALI YUGA noch für gut befunden und ein wenig mit Kollegin Bianca gequatscht. Nach 'ner Runde Caipis wurde es dann auch so langsam dunkel bei mir.

BildIch war hingegen Feuer und Flamme, denn die Melo-Death Granaten aus Thüringen überzeugten durch eine mordsgeile Show voller Energie, welche das Publikum sofort mitriss. Die Menge war ordentlich am Feiern und KALI YUGA boten für mich eine der absoluten Festival-Überraschungen! Eine Band, die ich in Zukunft mit Sicherheit auf dem Zettel haben werde.

Anschließend war für uns erstmal Pause. Während THY ART IS MURDER und IWRESTLEDABEARONCE das Zelt zerlegten, lauschten wir bei einem gemütlichen Bierchen im Zelt den Klängen von DEVIL WEARS PRADA und TERROR. Besonders bei letzteren wurde die Begeisterung der Zuschauer deutlich - kein Wunder, sind ja Altbekannte auf dem Force und außerdem Szenegrößen. Bereue im Nachhinein schon ein wenig, sie nicht gesehen zu haben. Allerdings kündigten sich mit PAIN würdige Nachfolger an. Die Industrial Metal Pioniere boten für mich ein ganz besonderes Highlight. Schon immer wollte ich die Jungs rund um Peter Tägtgren mal live erleben und nun hatte ich endlich Gelegenheit dazu. Was soll ich sagen? Grandioser Auftritt! Für mich definitiv das Highlight des Tages. Und obendrein noch mit 10 Minuten Verlängerung. Da MOTÖRHEAD aus gesundheitlichen Gründen abgesagt hatten und kurzfristig kein Ersatz mehr gefunden werden konnte, spielten auf der Mainstage nämlich alle Bands ab PAIN etwas länger.

BildPain

Während die Fans vor der Main Stage sehnsüchtig auf Philip Anselmo und die mächtigen DOWN warteten, begab ich mich ins Hardbowl Zelt zu THE GHOST INSIDE. Trotz des Andrangs vor der Hauptbühne schafften es die Hardcore-Helden aus Los Angeles ein derartig großes Publikum anzuziehen, dass im Zelt absolut kein Durchkommen mehr war. Nach den ersten drei Songs, hatten es die Fotografen daher schwer den Graben zu verlassen und nachdem ich mich mit meiner Kamera durch die Menge gekämpft hatte, war nicht mehr daran zu denken auch nur ansatzweise einen Blick zu erhaschen. Der Sound stimmte aber trotzdem und die Stimmung war kaum zu toppen. Gerne wieder! Aufgrund der verlängerten Spielzeit konnte ich mir dann doch noch ein paar Töne von DOWN gönnen. Leider schienen die Amis nicht ganz bei der Sache zu sein - vielleicht gingen ihnen aufgrund der verlängerten Spielzeit auch einfach die Ideen aus. Man weiß es nicht. Highlight, die spontane Jamsession auf der Bühne mit dem befreundeten Gitarristen von RED FANG. Danach ist es endlich soweit, die kurzerhand zu Headlinern auserkorenen PARKWAY DRIVE betreten die Bühne und machen ihrem Slot alle Ehre. Die Meute war kaum zu halten, während die Band ein hochgefeiertes Set runter spielte und durch Papierglitzerregen beim Song "Home Is for the Heartless" überraschte. Und auch ein Crowdsurfer in einem Müllcontainer! (ja, richtig gelesen) sorgte für Furore. Ein perfekter Ausklang für eine gelungene Show, die dem anschließenden Feuerwerk eine gute Grundlage bot. Für mich hieß es nun erstmal Pause, während Malte schon in den Startlöchern zur Knüppelnacht stand.

BildParkway Drive

Malte: Frisch ausgeruht nach einer Mütze Schlaf machte ich mich mit meinen Mitstreitern rechtzeitig auf, um pünktlich zu NAPALM DEATH vor dem Partyzelt zu sein, um die diesjährige Knüppelnacht zu feiern. So war zumindest der Plan.

Doch trotz rechtzeitigen Loslaufens standen wir vor den geschlossenen Türen des Haupteingangs aufs Festivalgelände. Tagsüber noch geöffnet, wurde der Durchgang für die Nacht geschlossen. Stattdessen gab es förmlich auf der anderen Seite des Geländes einen extra Eingang für die Knüppelnacht. Das bedeutete nicht nur, dass wir nochmal etwas mehr laufen mussten (was bei einer ohnehin schon langen Wanderung von einer halben Stunde extrem nerven kann), sondern dank überfülltem Eingang auch, dass wir den Beginn von NAPALM DEATH verpassten.
Überfüllt war nun natürlich auch das Zelt, was wiederum bedeutete, dass wir nicht mal reingekommen sind. Das Ding platzte aus allen Nähten. So sahen und hörten wir nur wenig von Barney und seinen Jungs und verbrachten etwas entnervt ob des längeren Weges und der dadurch bedingten Verspätung die Zeit am Bierstand, bis NAPALM DEATH die Bühne verließen. Schade.

BildNapalm Death

Wie nicht anders zu erwarten, war das hiesige Publikum nur an den Briten interessiert und schlagartig leerte sich das Zelt, sodass wir es zu GOD SEED - der neuformierten Black Metal Institution um die beiden Ex-GORGOROTH Gaahl und King ov Hell - in die vorderen Reihen schafften. Wunderbar, sollte die Band doch mein persönliches Festival-Highlight sein!
Doch was folgte war die ärgste Enttäuschung des gesamten Force. Alles war angerichtet, es war dunkel, die Band betrat die Bühne, begann ihre Show... und man hörte nur Matsch. Ein ekelhaftes Gemisch aus Bass und Bassdrum, ab und an ein paar Klänge von Geir Bratlands Keyboard, sonst nichts. Nichtmal Gaahls intensiver Gesang drang zu Beginn durch. Erst schob ich die Schuld auf meine Ohrstöpsel (die bisher eigentlich nie versagt hatten), doch auch nachdem ich sie rausnahm, blieb der Sound beschissen. Und es sollte sich auch nicht bessern. Im Gegenteil.
Obwohl GOD SEED alles gaben, Lust Kilman die Mähne kreisen ließ, Sir und King um die Wette posten und eine Setlist aufgefahren wurde, die neben starken Nummern vom Debüt "I Begin" wie "Awake", "This From The Past" oder das unglaublich einnehmende und finstere "Alt Liv", auch altbekannte Nummern aus der GORGOROTH-Ära wie "Carving a Giant" oder "Exit - Through Carved Stones" zu bieten hatte, sprang der Funke nicht über. Der Sound war einfach unter aller Sau. Was nützen die stärksten Riffs und typisch norwegische Gänsehautmelodien, wenn man sie nicht hört? Richtig, rein gar nichts. So war das einzig positive an diesem Gig, dass die Band wirklich alles gab und Gaahl auf der Bühne stand. Die Ausstrahlung dieses Kerls ist unglaublich. Alleine mit seinen kargen Bewegungen, seinem starren Blick und nicht zuletzt seiner jagenden Stimme jagt er einem förmlich Angst und Ehrfurcht ein. Aber selbst das war nur ein schwacher Trost.

BildNach dem tontechnischen Totalausfall von GOD SEED blieb die Hoffnung, dass es mit HAIL OF BULLETS besser werden würde. Kurz gesagt: Es wurde nicht besser. Auch die Mannen um Martin van Drunen wurden mit einem mieserablen Sound "beschenkt", der nicht mehr zu bieten hatte als puren Matsch.
Selten bekam ich auf einem Festival einen so schlechten Sound um die Ohren gehauen und trotz genialer Nummern wie "Advancing Once More", "Ordered Eastwards" oder "Tokyo Napalm Holocaust" kam auch bei HAIL OF BULLETS keine Stimmung auf. Zumindest keine Positive. Viel mehr wuchs in mir die Wut ob dieser grauenhaften Tontechnik, sodass meine Begleiter und ich uns dazu entschlossen, uns den Rest der Knüppelnacht zu schenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass die nachfolgenden NAGLFAR sowie KRISIUN und MARDUK einen besseren Sound erwischen würden, erachteten wir als gegen Null tendierend. Und so ging es frustriert und wütend zurück zum Zeltplatz, wo der schlechten Laune Luft gemacht wurde.

Sorry, liebes WFF-Team, aber das war unter aller Sau. Sowohl der verschobene Eingang wie auch die Schnapsidee, NAPALM DEATH als Opener im Zelt spielen zu lassen und natürlich an erster Stelle der katastrophale Sound bei GOD SEED und HAIL OF BULLETS. Knüppelnacht? Setzen, 6.


(Autor(en): Bianca P., Daniela A., Malte H., Sascha S.)
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