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20.09.2013

Wacken Open Air 2013 - Alle Wetter!


BildDer Wetterbericht verspricht gutes, als wir uns in der Nacht zu Mittwoch ins Auto setzen um den Staus am helllichten Tag nicht nur um Hamburg herum zu umgehen. Wir ein Zäpfchen flutschen wir schließlich unerwartet bald schon an Itzehoe vorbei und stehen um 4 Uhr Nachts noch relativ verdattert ob der so schnellen Anreise auf dem Check-In Parkplatz... irgendwie geht das ganze gefühlt jedes Jahr schneller. Und wir hatten noch nicht einmal die Zeit unsere epische Wacken-Einzugs-Musik zur angemessenen Einstimmung in den Player zu schmeißen!

Noch in der Dunkelheit wird für die Planung zum Zeltaufbau der Kompass im Smartphone bemüht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass durch eine "erst großer, schattenwerfender Pavillon, dann kleine Zelte"-Technik von Osten her ausgerichtet, die Dauer bis zum ersten morgendlichen Zelt-Saunaaufguss, um gut 1 Stunde verzögert und damit die Nachtruhe verlängert werden kann.
Es ist 7 Uhr, als wir den letzten Schlafsack in eines der endlich vollständig stehenden Zelte werfen... und uns gleich hinterher. Die Nacht war schließlich kurz – eher noch: nicht vorhanden.

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Mittwoch, 31.08.2013
(Wir wissen doch alle, dass der neue Tag erst beginnt, wenn man gepennt hat und aufgewacht ist!)

Soviel zur nachgeholten Nachtruhe: Um 8:30 Uhr und mehr dösen als schlafen, finden wir uns noch etwas zerknittert in den Campingsesseln ein, um ein üppiges Frühstück, bestehend aus ungetoastetem Toast mit Schokoauftrich und einem Radler einzunehmen. Für den Mittwoch benötigen wir schließlich schon eine ernergiereiche Grundlage, denn im großen Bullhead City Zelt und auf dem Wackinger Plaza geht es schon rund. Nach einem Rundgang, um zu sehen, welche Bekannten schon eingetroffen sind, machen wir uns auf Richtung Wackinger Stage, auf der Nachmittags FEJD ihren Auftritt haben. Die Schweden haben mich mit ihrem Album "Eifur" von 2010 endgültig überzeugt, auf dem Sänger Niklas Rimmerfors mit seiner heiser rauchigen Stimme zu den nordischen Folk-Klängen mit Metal-Anleihen der Musik-Fraktion zum Besten gibt. Unter strahlendem Sonnenschein zeigen FEJD auch wie erwartet große Spielfreude und ihre Live-Qualitäten unter Beweis. Charmant ist die auch auf Platte nicht perfekte, kantige Stimme des Sängers, die so Live den selben Charme versprühen kann, wie man es von den Aufnahmen kennt. In ihren weiten mittelalterlichen Hemden und mit den langen, wehenden blonden Haaren wirken die beiden Brüder Patrik und Niklas definitiv richtig im Ambiente des Wackinger Plaza.

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Leider schafft es die Energie des nahrhaften Toasts nicht so ganz den gewünschten Schub hervorzurufen. Ich sitze wenige Zeit später schon wieder leicht geplättet im Schatten des Pavillon, als ich merke, dass ich gerade im Begriff bin das Metal Church Konzert von FAUN zu verpassen. Schade nur, dass der Weg ins Dorf kein Pappenstiel ist, und der Akustik-Gig bis zu meiner Ankunft ohnehin schon beendet ist... nicht, dass ich im Anschluss noch in die Predigt von Martin Dreyer, Begründer der "Jesus Freaks" (ach du Sch...), reinplatze... überhaupt finde ich es eher fragwürdig, dass man auf einem neutralen Metal Festival, das alleine aufgrund der Musik die Menschen auf der ganzen Welt, egal welcher Herkunft und welche Weltanschauung sie haben, eint, "Metal Bibeln" verteilen lässt, und mit der "Spiritual Guidance" eine christliche Seelsorge anbieten muss. Was spricht gegen ein religionsfreies Angebot, das ALLE Besucher anspricht, die Hilfe benötigen oder sich aussprechen wollen? Sicher gibt es kein "nur Christen erlaubt"-Schild, dennoch bin ich überzeugt, dass Menschen, die gutes tun wollen, kein Kirchen-Label nötig haben um damit Werbung für einen fragwürdigen Verein zu machen... aber Entschuldigung, ich schweife ab.

Der restlichen Tag verbringen wir in entspannt ausgelassener Runde. Der kurze Schlaf steckt uns noch in den Knochen und der Ehrgeiz, noch ein paar Metal Battle Gewinner kennen zu lernen um eventuell neue Perlen für sich zu entdecken, dümpelt schändlicherweise in den unteren Regionen dahin.

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Donnerstag, 01.08.2013

Es ist Donnerstag. Was bedeutet das? Richtig: das noch grüne Gras des Infields wird endgültig vernichtet! Schon morgens sind die Soundchecks der Hauptbühnen in vollem Gange. So schallen auch immer wieder zu Testzwecken Popsongs zu unserem kleinen Lager herüber. Doch alleine die durch Mark und Bein gehenden Tieftöner, die den hiesigen Maulwürfen eine Gehirnerschütterung bescheren dürften (es tut mir aufrichtig Leid), schüren die Vorfreude auf einen mächtigen Tag, der neben ANNIHILATOR auch DEEP PURPLE und RAMMSTEIN bereit hält. Letztere sind als einziger Act für die mittig gelegene True Metal Stage verbucht. So kann man schon erahnen, dass die Band auch bei ihrem ersten Wacken-Auftritt am späten Abend mit Spezialeffekten und Pyros nicht geizen wird, welche ja schließlich entsprechende Vorbereitung benötigen.

BildAnnihilator

Nach dem Auftritt der Veranstalter-Band SKYLINE (den ihr ehrlich gesagt verpasse, da schon auf vorherigen Ausgaben gesehen), dürfen endlich die Thrash-Groover ANNIHILATOR dem schon ordentlich gefüllten Gelände einheizen. Die Temperaturen tun ihr übriges. Doch auch der frühnachmittäglichen Uhrzeit ist es geschuldet, dass die Stimmung bis auf unmittelbar vor der Bühne nicht gerade am überborden ist. Da hilft auch der wirklich gelungene Reißer "King of the Kill" vom neuen Album "Feast" nur bedingt. "Clown Parade" animiert vor der Bühne einem kleinen Circle-Pit, die ersten Crowdsurfer machen sich auf den Weg über die Masse hinweg, bis in die Arme der vorbildlichen Securitys im Graben.
Die Kanadier zocken sich sympathisch und gut gelaunt durch ihr Set, das Publikum bleibt lässig. Die Energie wird für die kühleren Abendstunden aufgespart. Im Endeffekt tut das der Stimmung jedoch nur einen dezenten Abbruch. Den großen Abschluss macht ein Song des Debütalbums "Alice in Hell": Mit dem absoluten Thrash-Klassiker "Alison Hell" versucht Jeff nochmal ordentlich zu animieren. Dennoch findet danach ein Publikumsmäßig eher verhaltener Gig sein Ende.

Dann DEEP PURPLE. Verdient gigantisch angekündigt, präsentiert der fallende Vorhang eine auf das nötigste reduzierte Bühnenaufmachung. Die Großmeister des Hard Rock haben es schlicht nicht nötig einen auf dicke Hose zu machen. Sänger Ian Gillan groovt entspannt über die Bühne, während er für sein Alter,das stramm auf die 70 zugeht, eine beachtliche gesangliche Leistung hinlegt, trotz der viel abfordernden und alle Höhen und Tiefen mitnehmenden Vocals.

BildDeep Purple

Der großartige Steve Morse geht in seinen Soli, wie auch in "Hard Lovin Man" und "Contact Lost" völlig auf. Überhaupt strotzt die Musik von DEEP PURPLE von Soli, die man in den heute vorherrschenden Musikstilen rund um Rock und Metal vergeblich sucht. So haben die Mitbegründer des Heavy Metal bei dem jungen Publikum einen schweren Stand, das eher "straight auf die Fresse" gewohnt ist und keine langen und anspruchsvoll progressiven Passagen.
Die alteingesessenen Fans genießen ihre Idole sichtlich, während der Nachwuchs - zu dem ich mich auch zählen muss – zwar interessiert lauscht und kopfnickend mit der Musik geht, aber bei dem die Stimmung eher verhalten bleibt. Dennoch ließen im Vorfeld viele im Gespräch verlauten, dass DEEP PURPLE quasi Pflichtprogramm sind. Sozusagen eine Geschichtsstunde zu den Wurzeln des Heavy Metal. Und so könnte man die Ruhe vor der Bühne auch als ehrfürchtig und aufmerksam bezeichnen, als das Quintett langsam mit seinem Spiel den Sonnenuntergang einzuleiten scheint.
Mit einem Schlag, besser gesagt mit einem Song, erwacht das Publikum plötzlich.
Als Gitarren-Legende Uli Jon Roth sich zu Steve Morse auf die Bühne gesellt und die beiden sich ein kleines Saiten-Duell liefern, steigt die Spannung. Irgendetwas vertrautes haben diese verspielten Melodien. Die Auflösung folgt auf dem Fuß, als eindeutige und unverkennbare Klänge den DEEP PURPLE-Hit schlechthin anstimmen. Mit "Smoke on the Water" löst sich auch die Starre des Publikums. Spätestens den Refrain können Jung wie Alt lauthals mitschmettern.

BildDeep Purple

Im Anschluss soll der Wacken 3D Film-Trailer über die Leinwände an den Hauptbühnen flimmern, um einen Eindruck zu bekommen wie man später im Kino einen nahezu echten Eindruck vom Feeling des Wacken Open Air bekommt! Wow! ...Aber dann fällt mir unfassbarerweise auf, dass ich ja just auf dem Wacken-Acker stehe, und denke mir, mehr 3D geht nicht... und genehmige mir erst mal ein kühles Bierchen, ohne ziemlich scheel aussehende Farbfilterbrille auf der Nase.

Lange währt die Erfrischungs-Pause allerdings nicht. Das Infield ist bereits gerammelt voll, kein Wunder, denn in wenigen Minuten sollen RAMMSTEIN erstmals einen Auftritt auf diesem Festival absolvieren. Die Erwartungen sind natürlich unermesslich hoch für eine Band, die für ihre feurigen, effektvollen Auftritte berühmt ist. In dieser Hinsicht sollen wir nicht enttäuscht werden!
Im Voraus machten Gerüchte den Umlauf, dass HEINO womöglich einen Gastauftritt haben würde – ich will es nicht wahr haben. Halte ich RAMMSTEIN doch für eine Band, Geschehnisse wie ein paar gecoverte Songs von einem Schlagerstar mit Kuchenfaible ohne mit der Wimper zu zucken zu registrieren, um dann wie gewohnt ihr Ding weiter durchzuziehen. Zumindest mit einem sollte ich recht behalten...
Die lange Vorbereitsungszeit, in der die Bühne durchgehend verhüllt war (für die wohl aufwenigste Bühnenumrüstung in der Geschichte des Festivals), zeigt sich schon an der von der Bühnendecke herabsinkenden und funkensprühenden Plattform, auf der Till Lindemann zu den Anfängen von "Ich tu dir Weh" auf die Planken schwebt, als berechtigt.
Mit weiß gefärbten Haaren und in eine wuchtige rosa Plüschjacke gehüllt, beginnt Lindemann mit nicht weniger extravagant gekleideten Band-Konsorten die furiose Show, die natürlich das reinste Best-of abliefert und das in gewohnter Perfektion, durchchoreografiert bis zum letzten Pyro-Funken. Reisser wie "Feuer frei", "Ich hab keine Lust", "Du riechst so gut" oder auch "Links 2,3,4". werden mit gerne provokanten Gesten und Equipment vorgetragen. Ich zähle mindestens drei (nicht mal mehr nur) Anspielungen auf Penisse. Ob eine gigantische Schaumkanone, fleischfarben angestrichen, oder beinahe real aus der Hose des Sängers, natürlich auch irgendeine Flüssigkeit ins Publikum verspritzend... also manchmal wünsche ich mir ja in der Hinsicht mehr Kreativität...
18 Songs soll die Setlist am Ende zählen und gut 100 Minuten Showtime. Nummer 16 "Mein Herz brennt", wird tatsächlich als ruhige Pianoversion vorgetragen, und ich wünsche mir, trotz ganz schöner Umsetzung, insgeheim den wuchtigen, ausbrechenden Refrain aus den Boxen, der sicher regelrechte Wellen durch das Publikum getrieben hätte.
Zumindest mir fällt immer mal wieder auf, dass manche Parts vom Band kommen. Bei der Performance ist es aber nicht verwerflich, dass für ein fast schauspielernd agierenden Till manches Playback eingespielt wird, oder dass ein Flake, der sich nahezu die gesamte Show im Takt auf dem Laufband quält, ganz offensichtlich nicht jede Taste richtig trifft, obwohl diese sauber zu hören ist. Alles für die (grandiose) Show, alles erlaubt!
Nicht ganz so grandios finde ich dann aber, als während "Sonne" doch ein "Gast" persönlich von Till Lindemann auf die Bühne gebeten wird und ein weißschöpfiger HEINO in langer roter Lederkluft die Bühne betritt. Och nö. Zumindest behalte ich mit der "ohne mit der Wimper zu zucken"-Vermutung recht. Lindemann steht ein paar Meter daneben und zieht ohne große Mimik sein Ding durch, ungeachtet der etwas schrägen Refrain-Einlagen seines Sängerkollegen.

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(Autor(en): Saskia Z.)
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