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Bericht:

20.09.2012

Wacken Open Air 2012 - Metalhead im knusprigen Schlammmantel


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Heute landen wir auf der Flucht vor der nun prallen und Sonnenbrand bescherenden Sonne im Bullhead City Zelt, in dem um kurz nach 4 ELECTRIC WIZARD die Bretter der W.E.T Stage entern sollen. Eigentlich. Nur leider schaffen es die Briten zu der Zeit nicht mal in die Nähe von Wacken. Offenbar steckt ihr Bus im Stau. Natürlich im Elb-Tunnel. Wo sonst.
Zu faul um einen Ortwechsel anzuberaumen, stehen wir also vor den "Masters of Comedy", wo uns eine illustre und reichlich hyperaktive Gestalt namens FAT KING KONRAD auf der Bühne empfängt. Ein kleiner aber ausreichender Pulk Menschen steht verstreut vor der Bühne um sich mit etwas Abwechslung berieseln zu lassen. Leider absolut nicht mein Humor. Wer sonst Jochen Malmsheimers Rhetorik vergöttert, den können eine mit Nägeln malträtierte Nase und Raketen im Po humoristisch nicht wirklich überzeugen. Mehr Lacher erntet MARKUS KREBS mit seiner Ruhrpott-Schnauze und sogar KAY RAY, der Gürtellinientechnisch wirklich EINIGES von seinen Zuschauern fordert (ich sage nur: Lustige Tierchen aus Hoden und Penis formen...) kann ich irgendwie etwas abgewinnen.

BildDa hat auch der ADAC keine Chance / Altbewährte Fortbewegungstechniken helfen

Auf den großen Screens, die sonst für die Übertragung der Shows über das Gelände genutzt werden, wird ein großer Hinweis eingeblendet, der Hilfe für alle feststeckenden Fahrzeuge verspricht. Ein ganzes Traktor-Geschwader soll zur Verfügung stehen und bei bedarf zum eigenen Auto gerufen werden können. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und alle Hebel und Bauern in der Umgebung in Bewegung gesetzt um die Abreise aller Besucher trotz aller Widrigkeiten so zu koordinieren, dass keiner auf der Strecke bleibt. Ja, wir fühlen uns gut aufgehoben.

BildAmon Amarth

Der letzte Festival-Tag zieht leider mehr oder weniger unspektakulär an mir vorbei. Die letzten, wettertechnisch nicht ganz optimalen Tage und die durch die Laufbedingungen noch anstrengenderen Märsche stecken mir in den Knochen und jede Bierbank sieht zu verlockend aus, um mich dann doch zu der ein oder anderen Band aufzuraffen. Leider muss ich auch sagen, dass der Reiz für mich jedes Jahr ein bisschen mehr verloren geht, denn es ist sicher nicht nur mein Eindruck, dass für das Festival alljährlich im Wechsel immer wieder die gleichen, wenn auch sehenswerten Kapellen gebucht werden. Erst zu AMON AMARTH (die ich ebenfalls schon diverse Male - auch auf dem Wacken Open Air - gesehen habe) kann ich mich aufraffen, mir die komplette Show zu geben. Laune und Stimmung ist bei den Schweden garantiert. Johan Hegg interagiert strahlend mit dem Publikum, als wäre es sein erstes Konzert vor so einer Menschenmasse. Da kann der Funke ja nur überspringen. AMON AMARTH sind und bleiben einfach einer der absoluten Publikumslieblinge.

BildScorpions

Die letzten Töne verstummen, die Band verabschiedet sich dankbar und bestens gelaunt, dann steht ein Publikumswechsel sondergleichen vor den großen Bühnen an. Bisher sind mir die nun offensichtlichen SCORPIONS-Fans noch gar nicht bewusst auf dem Gelände aufgefallen. Doch nun tummeln sich überwiegend kurzhaarige, entspannte Middle-Ager auf dem Schlammacker, stolz die ausgewaschenen SCORPIONS-Shirts über die Brust gestreift und sehen teilweise aus, als wären die vergangenen Tage spurlos an ihnen vorübergegangen. Sicher wird der ein oder andere Fan sich auch ein teures Wackenticket gegönnt haben, nur um einen Abend seine ewige Lieblingsband auf der letzten großen Festivalbühne zu erleben.
Auch wenn ich durch meine Eltern in jungen Jahren an die Musik der deutschen Hard Rock Legende herangeführt wurde, so hält mich gerade absolut nichts mehr auf dem Infield. Wir schlendern zurück in den VIP-Bereich um den letzten Abend mit ein paar Getränken und vielleicht einer Portion versalzener Tim-Mälzer-Kartoffelecken ausklingen zu lassen.
Und wenn der Anblick des Horizonts hinter den Bühnen etwas weniger schwarz und von Blitzen durchzuckt ausfallen würde, hätte die Nacht auch noch schön entspannt laufen können. Die bedrohliche Wetterfront sieht aus, wie der endgültige Todesstoß für das Gelände und selbst unseren Allrad-Vorteil sehen wir langsam schwinden. Es wird hektisch telefoniert, sich verabschiedet und die letzten Sachen zu den glücklicherweise schon vorsorglich abgebauten Zelten ins Auto gepackt.
Die nächsten Meter bis zur asphaltierten Straße arten in eine böse Schlitterpartie aus und auch die letzte Bodenwelle nehmen die Reifen mit einer letzten Schlammfontäne.
Die größte Herausforderung ist jedoch, das Auto trotz dicken Schlammklötzen an den Füßen nicht vollständig einzudrecken... obwohl der Wagen eine Rundumwäsche samt Schlammkratzer nun ohnehin dringen nötig hat.

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Fazit:
Wacken 2012 - trotz Schlammschlacht sondergleichen und schwieriger Orga, haben wir uns wie jedes Jahr gut aufgehoben gefühlt. Die Veranstalter waren sichtlich bemüht, das Beste aus der nassen Situation zu machen. Höhepunkte waren wie so häufig die besonderen Shows, die auch technisch gekonnt bombastisch umgesetzt wurden und sicher vielen in Erinnerung bleiben werden.
Allerdings würde ich mir mehr Variation in der Bandauswahl wünschen, denn langsam erhärtet sich der Eindruck von reinen "Vertrags-Bands", die regelmäßig für alle zwei, drei Jahre verpflichtet werden. (Autor(en): Saskia Z.)
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Kommentare

04.12.2012 12:31 Uhr RedFire
Naja, in dem Camp hielt sich der Muell aber in Grenzen (und er war sogar gesammelt in einer Pavillion-Ecke) und es gab direkte Nachbarn, bei denen es sehr viel schlimmer aussah. Und es besteht ja auch ein Unterschied, ob man jemanden da mal drauf aufmerksam macht, das doch bitte wegzuraeumen, oder gleich mit dem Platzverweis droht. Wie gesagt war das ja auch nicht die einzige Begebenheit in der sich die Ordner durchweg unprofessionell verhalten haben. Fuer dieses Jahr bin ich zumindest extrem enttaeuscht und wenn das in Zukunft haeufiger so laufen sollte, ist es durchaus nicht verkehrt sich nach Alternativen umzusehen.
 
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23.11.2012 11:14 Uhr AnimatismA
Leider gibts in so einem großen "Team" immer schwarze Schafe, die sich dadurch besser fühlen, wenn sie Leuten das Leben schwer machen. Was den Müll im Camp angeht: Ich finds eh total beschissen dass ein großteil der Leute meint, auf Festivals die Sau raushängen zu lassen (Ich entschuldige mich hiermit bei jeglichen Schweinegattungen, für diesen unangebrachten Vergleich). Außerdem ist es früher oder später nicht mehr "der Müll im eigenen Camp", weil der Wind sowas unweigerlich über das Gelände verteilt, und spätestens dann fühlt sich keiner mehr dafür zuständig. Ganz zu schweigen davon, dass der Scheiss die Tage über in den weichen Boden getreten wird, wenn er da länger liegt. Über das Grinsen der Ordner würde ich mich vielleicht aufregen (wegen mangelnder Professionalität) aber nicht wegen der Aufforderung den Müll wegzuräumen. Da haben die mein vollstes Verständnis, weil mich dieser Punkt auch jedes Mal gehörig ankotzt ;)
 
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20.11.2012 17:44 Uhr RedFire
Naja, es zeugt aber nicht gerade von Professionalität, wenn man zunehmen unfreundlich wird und Festivalbesucher drangsaliert. Freunde von mir wurden gezwungen ihren Müll (in ihrem eigenen Camp) aufzuräumen und andernfalls würden sie des Platzes verwiesen werden... Müll aufräumen ja, aber so lange es im eigenen Camp ist, bleibt das doch jedem selbst überlassen. Worst part: Die Ordner standen daneben und haben sich einen gegrinst, während aufgeräumt wurde. Sowas muss echt nicht sein! Dixies, ok, kann man vielleicht nachvollziehen, aber Bands den Strom abdrehen? Was soll sowas? Wie gesagt, einiges ist dem Wetter zuzuschreiben, aber längst nicht alles. Und das Problem wäre auch mit mehr Ordnern nicht behoben, es gab ja genug Leute, nur die Durchführung war Mist!
 
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20.11.2012 11:24 Uhr AnimatismA
Ich glaube da ist es für das Festival tatsächlich reine Glückssache, wenn nur ein Teil der Besucher diese Probleme, auf die du ansprichst, mitbekommt. Ich hab zwar auch jedes Jahr was zu nörgeln, und auch 2012 gabs (wie immer) Probleme mit den Ordnern (plötzlich hat z.B. jeder andere Anweisungen), aber damit habe ich mich auf Festivals, besonders der höheren Größenordnung abgefunden. Ich habe bisher Keins erlebt, wo das alles reibungslos verlaufen ist.
Ich denke mit den Dixiklos hatten die einfach später keine Wahl mehr. Die dicken Reinigungswagen konnten ja unmöglich über das Gelände fahren. Die wären reihenweise stecken geblieben, da würde ich denen zumindest keine Vorwürfe machen, so ekelig das am Ende auch war. Sonst musste ich mich, was Dixis angeht auf dem WOA nämlich nicht beschweren. Und das mit den Drohungen: Die Ordner waren einfach heillos überfordert und hatten sicher gleichzeitig Verantwortung zu tragen. Kein Wunder dass da manche Aggressiv geworden sind. Die haben das gesamte System des Geländes kurz vorher über Bord werfen müssen um mit dem durchnässten Boden klarzukommen. Aber ich muss dir zustimmen, dass da sicher noch einiges besser geht. Nur wenn die noch mehr in die Orga investieren, werden die Preise sowieso wieder teurer, dann beschweren sich doch auch wieder alle ^^
 
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