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Bericht:

20.09.2012

Wacken Open Air 2012 - Metalhead im knusprigen Schlammmantel


BildNoch grün und trocken statt braun und nass

Auch am Donnerstag spielt das Wetter samt schwül-warmem Klima mit. Nach einer ausgedehnten Nachtruhe, um die nächtliche Fahrt am Vortag auszugleichen, geht es für uns erst am späten Mittag langsam los. Den speziellen Auftritt von SEPULTURA mit dem sechzehnköpfigen Trommelgeschwader LES TAMBOURS DU BRONX will ich nicht verpassen. Den mächtigen und rhythmischen Sound der brasilianischen Combo, gepaart mit animalisch auf Tonnen eindreschenden, leicht bekleideten Franzosen, kann eigentlich nur eine passende Symbiose bedeuten. Wie zu erwarten war, reißt die Kombination mit wallender Resonanz nicht nur ihre größten Hits vom Zaun, sondern auch eine in meinen Ohren besonders gelungene Coverversion von THE PRODIGYs "Firestarter", womit es die Band sicher schafft, den eigentlich noch feucht-nassen Untergrund vor der Bühne leicht zum stauben zu bringen.
Auf dem Campinggelände ist an Staub allerdings nicht im entferntesten zu denken. Glücklicherweise halten sich die etwas zermatschten Fahrrinnen an den Wegkreuzungen in Grenzen und der restliche Untergrund federt, vollgesogen und Festgetreten wie er ist, angenehm bei jedem Schritt mit, ohne dass man Gefahr läuft zu versinken.

Bild

Auf diversen Bühnen finden in diesem Jahr auch erstmalig die sogenannten Wacken Slams statt, ganz im Sinne der immer beliebter werdenden Poetry Slams, die das reinste Kontrastprogramm zu den Konzerten bilden. Es ist schon ein leicht befremdliches Bild auf einem Metalfestival, wenn ein Pulk Menschen ruhig und aufmerksam lauschend vor einer Bühne steht, auf der gerade ein einsames Persönchen mit einem Stoß Blättern in der Hand Geschichten vorträgt. Der Erfolg verrät sich in immer wieder aufkeimenden Lachsalven, und zeigt, dass dieses Extra von einigen Dankbar angenommen wird.

Am späten Abend begeben sich die Wacken-Dauergäste VOLBEAT auf die True Metal Stage. Ganz zu meinem Leidwesen. Habe ich die Musik am Anfang der großen Karriere des dänischen "Elvis-Metal"-Export noch als interessanten neuen Stilmix empfunden, so kann mich Sänger Michael Schøn Poulsen mit seiner ewig gleich jaulenden Stimme mittlerweile regelrecht vom Platz jagen - was er in diesem Fall auch schafft. Da hilft auch kein Mille Petrozza (KREATOR) und kein Mark Greenway (NAPALM DEATH), die sich im laufe der Show auf die Bühne gesellen, um ihre Parts vom Album "Beyond Hell / Above Heaven" beizusteuern. Leider tönt das markante Stimmorgan samt immer gleichem Songaufbau als Begleitung, zu unserem nicht weit genug wegstehendem Zeltplatz rüber. An ein entspanntes Abendessen ist also nicht im geringsten zu denken... da hilft nur noch Whiskey-Cola.

BildVolbeat

Zeigt sich der Freitag anfangs noch von seiner besten Seite, sollen einem ab Mittag immer wiederkehrende Regenschauern das Open Air-Leben mies machen. Und das gefühlt immer genau dann, wenn man sich gerade auf dem Weg zu, oder auch gerade bei einem Konzert befindet.
Am frühen Nachmittag statten dem Open Air sogar die Niagarafälle höchstpersönlich einen Besuch ab, während wir uns im Biergarten an den hiesigen Getränken gütlich tun. Innerhalb von Sekunden erfüllen nicht mal mehr die Sonnenschirme ihren regenabweisenden Dienst, weil der starke Wind die Himmelfontänen quer durch die gedrängt kuschelnden Schutzsuchenden jagt. Doch Festivalgänger sind erprobt, was spontane und findige Konstruktionen angeht. Die ungeschützt stehenden und daher ungenutzten Biertische werden kurzerhand von ohnehin schon nassen Händen in die Senkrechte gestemmt und erfolgreich als Wind- und Wasserschutz umfunktioniert. Die Party geht in unserem kleinen Refugium unterdessen noch ausgelassener weiter.

BildWas für ein Naturschauspiel - Die Wacken-Fälle
(Autor(en): Saskia Z.)
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Kommentare

04.12.2012 12:31 Uhr RedFire
Naja, in dem Camp hielt sich der Muell aber in Grenzen (und er war sogar gesammelt in einer Pavillion-Ecke) und es gab direkte Nachbarn, bei denen es sehr viel schlimmer aussah. Und es besteht ja auch ein Unterschied, ob man jemanden da mal drauf aufmerksam macht, das doch bitte wegzuraeumen, oder gleich mit dem Platzverweis droht. Wie gesagt war das ja auch nicht die einzige Begebenheit in der sich die Ordner durchweg unprofessionell verhalten haben. Fuer dieses Jahr bin ich zumindest extrem enttaeuscht und wenn das in Zukunft haeufiger so laufen sollte, ist es durchaus nicht verkehrt sich nach Alternativen umzusehen.
 
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23.11.2012 11:14 Uhr AnimatismA
Leider gibts in so einem großen "Team" immer schwarze Schafe, die sich dadurch besser fühlen, wenn sie Leuten das Leben schwer machen. Was den Müll im Camp angeht: Ich finds eh total beschissen dass ein großteil der Leute meint, auf Festivals die Sau raushängen zu lassen (Ich entschuldige mich hiermit bei jeglichen Schweinegattungen, für diesen unangebrachten Vergleich). Außerdem ist es früher oder später nicht mehr "der Müll im eigenen Camp", weil der Wind sowas unweigerlich über das Gelände verteilt, und spätestens dann fühlt sich keiner mehr dafür zuständig. Ganz zu schweigen davon, dass der Scheiss die Tage über in den weichen Boden getreten wird, wenn er da länger liegt. Über das Grinsen der Ordner würde ich mich vielleicht aufregen (wegen mangelnder Professionalität) aber nicht wegen der Aufforderung den Müll wegzuräumen. Da haben die mein vollstes Verständnis, weil mich dieser Punkt auch jedes Mal gehörig ankotzt ;)
 
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20.11.2012 17:44 Uhr RedFire
Naja, es zeugt aber nicht gerade von Professionalität, wenn man zunehmen unfreundlich wird und Festivalbesucher drangsaliert. Freunde von mir wurden gezwungen ihren Müll (in ihrem eigenen Camp) aufzuräumen und andernfalls würden sie des Platzes verwiesen werden... Müll aufräumen ja, aber so lange es im eigenen Camp ist, bleibt das doch jedem selbst überlassen. Worst part: Die Ordner standen daneben und haben sich einen gegrinst, während aufgeräumt wurde. Sowas muss echt nicht sein! Dixies, ok, kann man vielleicht nachvollziehen, aber Bands den Strom abdrehen? Was soll sowas? Wie gesagt, einiges ist dem Wetter zuzuschreiben, aber längst nicht alles. Und das Problem wäre auch mit mehr Ordnern nicht behoben, es gab ja genug Leute, nur die Durchführung war Mist!
 
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20.11.2012 11:24 Uhr AnimatismA
Ich glaube da ist es für das Festival tatsächlich reine Glückssache, wenn nur ein Teil der Besucher diese Probleme, auf die du ansprichst, mitbekommt. Ich hab zwar auch jedes Jahr was zu nörgeln, und auch 2012 gabs (wie immer) Probleme mit den Ordnern (plötzlich hat z.B. jeder andere Anweisungen), aber damit habe ich mich auf Festivals, besonders der höheren Größenordnung abgefunden. Ich habe bisher Keins erlebt, wo das alles reibungslos verlaufen ist.
Ich denke mit den Dixiklos hatten die einfach später keine Wahl mehr. Die dicken Reinigungswagen konnten ja unmöglich über das Gelände fahren. Die wären reihenweise stecken geblieben, da würde ich denen zumindest keine Vorwürfe machen, so ekelig das am Ende auch war. Sonst musste ich mich, was Dixis angeht auf dem WOA nämlich nicht beschweren. Und das mit den Drohungen: Die Ordner waren einfach heillos überfordert und hatten sicher gleichzeitig Verantwortung zu tragen. Kein Wunder dass da manche Aggressiv geworden sind. Die haben das gesamte System des Geländes kurz vorher über Bord werfen müssen um mit dem durchnässten Boden klarzukommen. Aber ich muss dir zustimmen, dass da sicher noch einiges besser geht. Nur wenn die noch mehr in die Orga investieren, werden die Preise sowieso wieder teurer, dann beschweren sich doch auch wieder alle ^^
 
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