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Bericht:

10.10.2011

Wacken Open Air 2011 - Die Welt ist klein



Tag 1: Mittwoch — 3. August

Nach einem extrem kurzen Nickerchen rollen wir uns nach und nach wieder aus den Zelten. Offiziell soll das Fest, wie eben bereits erwähnt, erst am Donnerstag die Pforten öffnen. Dass diese jedoch heute schon sperrangelweit aufstehen, ist ein Zugeständnis vor allem an den Nachwuchs und die Newcomer der Szene. Neben dem Engagement des Festivals in der eigens gegründeten WACKEN FOUNDATION (www.wacken-foundation.com), zur Unterstützung zukünftiger Hoffnungsträger des breitgefächerten Genres, dürfen sich am heutigen Tage auf der W.E.T. Stage noch recht unbekannte Bands die Klinke in die Hand geben.
Ausgerechnet eine der Kapellen, die ich unter keinen Umständen verpassen will, spielt natürlich als allererstes auf. Um 12 Uhr geht es also noch leicht verpennt zur vorerst einzigen zugänglichen Bühne auf dem großen Infield, auf welcher der schwedische Metal Battle Gewinner MOTHER OF GOD seine Interpretation von Progressive Rock zum besten geben wird. Dass sich der Weg lohnt war mir beinahe schon vorher klar. Wegen der frühen Stunde ist das Zelt noch relativ spärlich besetzt, doch die Stimmung ist gut. Einige haben es sich in dem noch grünen Gras bequem gemacht, andere schlürfen entspannt ihr erstes „Frühstücks-Bier”. Auch das Quartett macht einen lässigen Eindruck. Ohne zu viele Worte zu verlieren, werden die Saiten zum Schwingen gebracht, und die Ohren der Hörer wohlig durchgeknetet.


Mother Of God

Neben den eigentlich durchweg gekonnten Auftritten der METAL BATTLE Gewinner aus aller Herren Länder, kommt man allerdings auch an eher misslichen Tönen nicht vorbei. Beispielsweise an einem gewissen MAMBO KURT, der mit seiner Heimorgel nicht nur die Hörorgane aller noch nicht im Suff-Delirium befindlichen Leute, sondern auch mit seinem Outfit gezielt alle Augen und jeglichen Sinn für Stil verkümmern lässt. Möglicherweise liest hier der Ein oder Andere heraus, dass ich mit dem sogenannten Allein-„Unterhalter” nichts anfangen kann — nun, dem ist auch so... was vielleicht auch daran liegt, dass ich meine Zurechnungsfähigkeit zumindest bis zu einem gewissen Grad gerne behalte, und mein Niveau deswegen nie bis zur MK-Erträglichkeit heruntertrinken kann. Leider ist es gar unmöglich diesem Getöne zu entkommen, denn der selbsterkorene "King of Heimorgel" spielt insgesamt fünf mal, gefühlt aber weitaus öfter, auf wechselnden Bühnen. (Ein Glück, dass unser Lager natürlich ausgerechnet in Hörweite der meisten MAMBO KURT-befallenen Bretter steht).

Den ersten Tag gehen wir gezwungenermaßen durchweg eher langsam an. Das Trockeneis gekühlte Grillgut lacht neben den fläzigen Campingstühlen auch schon einigen ins Gesicht, also wird erst einmal der Grill zusammengeschraubt und angeheizt. Natürlich werden meine vegetarischen Nuggets erst einmal schräg beäugt, aber irgendwann doch bereitwillig neben den dicken Steaks auf dem Rost geparkt.

Der Tag wird unerwartet überschattet, als nach dem Blick auf die aktuellen Nachrichten (dank den großflächig verteilten WLAN-Hotspots) der Satz fällt: „Da ist eine gestorben”. Es handelt sich um eine junge Frau, die auf dem Weg zum Festival mit ihrer Gruppe eine Pause machte und von einem LKW überfahren wurde. Ihre Mitfahrer wurden lebensgefährlich verletzt. Und wir können nur ansatzweise erfassen wie furchtbar es ist, voll froher Erwartungen zum W:O:A aufzubrechen, und jäh von einem LKW-Fahrer mit Schlafmangel erfasst zu werden, wobei eine gute Freundin zu Tode kommt.

(Autor(en): Saskia Z.)
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Kommentare

11.10.2011 11:39 Uhr AnimatismA
Nörgler gibt es überall, das stimmt. Wobei ich mit solchen Leuten da bislang nur wenig aneinandergeraten bin. Was das Publikum betrifft gibt es da sicher einen großen Festivaltourismus, also Leute, die einfach nur die Sau raus lassen wollen und sich nicht um die Musik scheren. Aber auch die halten sich noch in Grenzen, wie ich finde. Man kann sich speziell über solche Gruppen aufregen, aber da hab ich dann wirklich besseres zu tun ^^

Ich habe auch nicht die sorge dass das Genre bzw. das angeblich größte MF der Welt durchweg kommerziell wird (zumindest mehr als es eh schon ist). Das sind auch nur Phasen die kommen und gehen. Finde der größte Hype in der breiten Öffentlichkeit ist schon wieder vorbei... ist vllt. aber auch nur mein subjektiver Eindruck.

Kann aber durchaus nachvollziehen, dass manche da die Vollkrise bekommen. Aber wie gesagt: Wenn man was besseres zu tun hat als sich über ein paar Hohlköpfe aufzuregen (wie Freunde treffen und Konzerte besuchen, wenn denn welche für einen dabei sind) ist das alles halb so wild.
Und ansonsten: Nicht stressen lassen, abseits der Hauptwege campen (ok, das mit dem Nachbardorf war Pech) und Vollpfosten ignorieren.
 
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11.10.2011 10:54 Uhr AnimatismA
Das ist wohl Geschmackssache Kathi. Auch was die Musik angeht. Für mich ist auch nur noch wenig dabei, aber anderen scheint es ja scheinbar zu gefallen - wieso auch nicht.
Und dass Wacken immer mehr andere Angebote hat, finde ich auch nicht verkehrt. Es muss ja nicht jedes Festival gleich sein. Vor allem solange die Besucher bereit sind, diesen "Jahrmarkt" mit zu finanzieren.

btw: Ich verstehe nicht wieso alle meinen sich über Wacken auskotzen zu müssen. Es wird schließlich keiner gezwungen hinzugehen ;)
 
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10.10.2011 23:52 Uhr RedFire
Ja, unser Zoo war schon eine kleine Berühmtheit. Fand dieses Wacken und vor allem das Line-Up extrem genial und freue mich schon aufs nächste Jahr! ;)
 
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