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Bericht:

11.09.2009

Wacken 2009


BildJetzt beginnt Sie wieder. Die Zeit des Ausnüchterns, das befreien des Duschabflusses von übermäßigen Schlammablagerungen, das Abheilen des krebsroten, pellenden Sonnenbrandes und die Planungen für die kommenden drei Festivaltage vom 5. bis zum 7. August 2010.
Denn, wie sagt man so schön: Nach Wacken ist eben wieder vor Wacken.

Dass das W:O:A eines der lernfähigsten Festivals ist, beweist uns das Organisations-Team jedes Jahr aufs Neue. Auch dieses Jahr musste niemand seine ersten Bierchen im mehrstündigen Stau vor dem Gelände wegzischen, oder in brütender Hitze am Autositz festkleben. Auch das Wetter war uns dieses Jahr mild gesonnen. Die gefürchteten Gewitter mit Sturzregen blieben aus und lediglich nachts oder am Morgen weckte ein prasselnder Schauer aufs Zelt die Tagaktiven aus ihren Schlafsäcken, oder ein paar Met- oder Bierliebhaber beim wohligen Rauschausschlafen im Gebüsch, beziehungsweise in ihnen noch unbekannten Zelten.


Im rutschen bis vor die Bühne?

Am Tag bot sich den Fans vor den Bühnen größtenteils blauer Himmel, zum Glück aller, die auf den Inhalt der traditionellen MetalBag vertraut hatten. Nach einem Regencape musste dieses Jahr vergeblich gewühlt werden. Aufgeschmissen waren nur jene ohne festes Schuhwerk. Freitags konnte der Weg Richtung und auf dem Gelände stellenweise nur in knöcheltiefem Morast zurückgelegt werden… was natürlich nicht nur Nachteile mit sich brachte.

Am folgenden Tag wurde der braune Matschsee vor dem Zelt der WET Stage spontan zum Schlammcatch-Ring umfunktioniert, in dem sich drei bis auf die Unterbuchse entkleideten Mannen und (zum Vergnügen des männlichen Publikums) eine ebenso enthüllte Frau tummelten und sich gegenseitig in den Schlamm warfen. Da konnte das neu eingebrachte Öl Catchen der Frauen im BullHead City Wrestling Tent fast schon einpacken, musste sich aber nicht über mangelnde Zuschauer beklagen. Zwischenzeitlich musste das Zelt sogar mit Gittern abgeriegelt werden, damit nicht noch mehr Schaulustige in den Innenraum drängten.


Sieben.. Acht.. Neun..

Auch dieses Jahr bemühten sich die Veranstalter um ein abwechslungsreiches Programm. Das gelang in den Augen und Ohren vieler Besucher anscheinend aber weniger auf den Bühnen, sondern hauptsächlich in Hinsicht auf die etlichen Attraktionen, Aktivitätsangebote und Essensstände. Einige Festivalgänger zeigten sich enttäuscht vom Billing. Dass es nicht allen recht gemacht werden kann, müsste allerdings schon mit einem Blick auf die Jubiläumszahl klar werden. In 20 Jahren hat sich einiges in der Welt des Heavy Metal getan. Mittlerweile teilen sich zwei Generationen das Festivalgelände in Schleswig-Holstein. Während Papas und Mamas zu Saxon, Testament und Motörhead abfeiern, halten die Sprösslinge lieber für Bullet For My Valentine, Tristania oder Lacuna Coil die Pommesgabeln in die Höhe.


Spaßgötter In Pink - J.B.O.

Ungeachtet dessen sah man keine betrübten Mienen auf dem mittlerweile über 200 Hektar großen Kuhweiden Terrain. Viele Bands brachten eben doch die richtige Musik und das Karma mit, um die Massen zum Kochen zu bringen. Der W wummerte Groovend und Basslastig die Menge in Bewegung und animierte zum Mitsingen und –gröhlen. Natürlich fehlten auch dieses Jahr In Flames nicht, die schon beinahe in Tradition auf dem Open Air ihr bestes geben. Auch hier flaute die Stimmung niemals ab; eine große Performance und eine bombastische Pyrotechnik ließen niemals Aufatmen. Die Wackener Metal Maschinerie lief auch am letzten Tag so richtig heiß. Machine Head forderten den Headbangern alles ab. Auch ich spüre die Folgen meiner mähnekreisenden Verausgabung jetzt noch. Die vorderen Reihen wurden Regelmäßig nach einem gut gelaunten „Prost, you Motherfuckers“ von Sänger Robert Flynn mit einem (ich schätze) Whiskey-Coke Regen überschüttet.


Jägermeister süffeln in luftiger Höhe

Motörhead bewiesen in aller Rock’n‘ Roll Manier welches Metier Sie beherrschen. Neben Lemmys reibeisen Stimme und schrammelnden Gitarren, tanzten lasziv einige leichtbekleidete Frauen und spielten wortwörtlich mit dem Feuer. Für mehrere Minuten dröhnte natürlich auch eines von Mikkey Dees virtuosen Schlagzeugsoli über den Platz und ließ so einige Zuschauer verstummen, um gebannt das hämmernde Schauspiel auf einer der drei überdimensionalen Videowände zu verfolgen.


Ohne Worte

Doch ein Fan schwebte mit Sicherheit im höchsten aller sieben Himmel. Sich von Motörhead auf dem größten Metal Fest beschallen lassen, ein kühles Bier in der Hand und vorm Schritt eine sich saugtechnisch verausgabende, kniende Frau. Überhaupt sind abgedrehte Szenen keine Seltenheit. Ausgehölte Melonenhälften zu vitaminreichen Helmen umfunktioniert, Ritterrüstungen aus Alufolie, gut behaarte, bierbäuchige Männer in Borat Badeanzügen, bärtige Langhaarzottel in rosa Ballettröckchen und noch etliche unvorstellbare Outfits mehr. Auch Unterkunfts- und Einrichtungstechnisch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

So bin ich nach einem Fußmarsch über die Campinggrounds über eines der bekannten „Wacken holes“ gestolpert. War es noch vor wenigen Jahren bloß ein Urheber, finden sich zum leid von Geländebesitzer Bauer UweTrede immer mehr Nachahmer. Schließlich eignet sich das bis zu zwei Meter tiefe Erdloch als ein hervorragender Lagerplatz für kühles Bier. Auch die Müllentsorgung wurde von einer Handvoll Metalcampern neu entwickelt. Aufgetürmt zu einem Zeltplanen-Bierdosen-Pappschachtel-Berg wurde der Müllhaufen kurzerhand angezündet. Die schwarze Rauchsäule zog sofort einige Schaulustige an,ebenso wie die Feuerwehr die schließlich gemeinsam mit einem wie Rumpelstielzchen begeistert umher hüpfenden und mit Wasserpistole bewaffneten Metalhead den rauchenden Aschehaufen endgültig löschte.


Müll-Geräucherter Security im Schwarzmantel

Im Gegensatz zum letzten Festival endeten dieses Jahr keine Dixis in einer heißen Gluthölle, was vielleicht an den neuerdings aufgestellten Gittern rund um die stillen Örtchen lag.
Und so lief auch das W:O:A 2009 wie immer friedlich aus. Die Frauen kämmen ihren Männern die knoten aus den Haaren, Die Wackener kettcar Kids zählen ihre dazuverdienten Scheine durch und die Siebe der Schwimmbadabflüsse werden von langen Spaghettihaaren befreit. (Autor(en): Saskia Z.)
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Kommentare

15.09.2009 15:31 Uhr Schamane
Hmmm, spätestens nächstes Jahr wird es wieder zu erfinderischen Dixie Grill Orgien kommen
 
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