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Bericht:

06.10.2014

Summer Breeze 2014 - oder doch eher Summer Freeze?


BildAlso irgendwie wollte das Wetter dem Namen des Summer Breeze Open Air in diesem Jahr keine Ehre machen. Ein guter und für uns auch therapeutisch heilsamer Grund, das Festivals zu unserer Genugtuung umzubenennen:
Das Summer Freeze hatte zwar nicht nur Regen zu bieten, allerdings kam dieser zwischen den kurzen sonnigen Perioden leider nicht zu kurz. Jeden Tag konnte man Wetten darauf abschließen, ob die bedrohlichen, dunkelgrauen Wolkenmassive in Schwarze treffen (bei der vorwiegend schwarzen Kleidung der Besucher durchaus wörtlich zu nehmen), oder knapp an uns vorbeischrammen. Spannend blieb es auf jeden Fall.

So oder so ist es ratsam auf dem Summer Breeze einen guten Pavillon dabei zu haben. Im besten Fall ist dieser schützend vor Regenböen aus allen Richtungen, bratender Sonne oder Sturm. Auch der frische Wind kam dieses Jahr nicht zu kurz, was die zwangsweise dürftigen Verankerungen unserer Zelte hin und wieder auf die Probe stellte. Um einen Freund beim frustigen Versuch die nun krummen Heringe zu versenken zu zitieren: "Haben die hier drei cm unter dem gesamten Gelände einen Betonschutzbunker gebaut!?" Zum Glück sahen wir nur einem fremden Zelt bei seinem unfreiwilligen Umzug aus der Ferne zu.

Mittwoch, 13. August 2014

Nachdem wir am Mittwoch unser Zelt in einem mehr oder weniger regenfreien Zeitfenster aufbauen konnten, stehen als erstes die BLUES PILLS dick angestrichen auf dem Programm. Das erste mal in der Reihe meiner Breeze-Besuche, kann mich der Sound vor der T-Stage im riesigen Zelt überzeugen, was womöglich aber auch nur der einen (nicht wie so häufig zwei) und dadurch leichter abzumischenden Gitarre von Dorian Sorriaux und dem klaren Gesang der grandiosen Elin Larsson geschuldet ist. Der Tontechniker hat in jedem Fall saubere Arbeit geleistet - was man vom Lichtmischer allerdings nicht behaupten kann. So wenig Taktgefühl in diesem Job habe ich auf noch keinem Konzert erlebt. Da entschuldet es auch nicht, dass der (offenbar) hauseigene Lichtmischer des Festivals die Songs nicht kennt und daher nicht alle Wechsel vorhersehen kann. Bei durchgehendem Rhythmus dermaßen unkoordiniert auf die Knöpfe zu drücken (ich stehe häufig ob des besseren Sounds neben dem FOH und beobachte immer gerne die Techniker) ist echt eine Kunst. So stört mich das Zusammenspiel von Sehen und Hören leider enorm, was die Leistung der Blues Rocker allerdings nicht im geringsten schmälert. Das Set beginnen die Schweden mit dem treibenden "High Class Woman" in dem sich Elin bereits mit kraftvoller Stimme austobt - wie eigentlich in jedem anderen Song auch. Es geht weiter über das langsame aber unglaublich kraftvolle "Astralplane", das unter frenetischem Applaus angekündigte "Devil Man", das Sängerin wie auch Instrumentalfraktion mit jedem einzelnen Ton auf den Punkt bringen und endet mit dem groovenden "The Time Is Now", das mich schon jetzt glücklich in den allerersten Festival-Abend entlässt.

BildHeretoir
Donnerstag, 14. August 2014

Am nächsten Tag wird gleich nach dem Spätstück den deutschen Blackgazern HERETOIR ein Besuch abgestattet - wie so häufig im Zelt der T-Stage, die in Anbetracht des unbeständigen Wetters glücklicherweise die meisten meiner Klangfavoriten beheimatet.
Schon zum zweiten Song kommt eine Überraschung in Gestalt des AGRYPNIE und NOCTE OBDUCTA Sängers Torsten "der Unhold" Hirsch auf die Bretter um seinen Bandkollegen und HERETOIR-Gründer David "Eklatanz" C. Growlstark beim performen des kraftvoll vorwärtsschleppenden "Eclipse" zu unterstützen. Es folgt das sphärische beginnende, schließlich doublebass-bedingt treibende "Heretoir", das rythmisch groovende "Wiedersehen... unsere Hoffnung" sowie "Fatigue" um schließlich im atmosphärischen und melodiösen "Inhale" zu münden. Die Bandbreite ihres Schaffens hat das Duo, live ergänzt durch die Sessionmusiker Maximilian und Emanuel, hier bestens präsentiert.

BildHeretoir

Nach einer kurzen Essenspause, in der eines der (Achtung: Werbung) vorzüglichen Handbrote mit einer Breitseite an Käse und leckeren Champignons genüsslich vertilgt wird, kehren wir zurück unter die ausladenden Zeltplanen um uns erstmals das Können der finnischen Melodic-Deather MORS PRINCIPIUM EST zu geben. Zugegeben bin ich recht skeptisch, ob mich der Gig überzeugen wird, da mich eher die älteren Alben ansprechen. Die letzten beiden höre ich mir nur bedingt begeistert an, da mich der Eindruck nicht loslässt, dass die Band zunehmend in Richtung Metalcore-Gefilde äugt, und mit diesen kann ich wirklich gar nichts anfangen.
Begonnen wird natürlich mit dem Opener "Departure" aus dem neusten Album "...and Death Said Live", bei dem mir die Shouts leider gar nicht zusagen. Live funktioniert das ganze glücklicherweise für mich aber dann doch besser als auf Platte. Nach "Bringer of Light" ebenfalls vom aktuellen Output der Finnen, geht es schließlich neun Jahre zurück. Der "The Unborn"-Track "Altered State of Consciousness" eröffnet den Ausflug in die Vergangenheit. Wie erwartet wird auch ein Song der zweiten Langrille besonders gefeiert: Das Melodische wie auch im Riffing mächtige "Destroyer of All" zu dem wie auf Knopfdruck alle Matten vor der Bühne zu schwingen beginnen.

BildMors Principium Est

Meine männliche Hälfte mosert ein bisschen, weil ihm die Bühnenperformance nicht professionell genug erscheint. Sie wirke unkoordiniert und man habe den Eindruck es handele sich um eine Proberaumband ohne viel Liveerfahrung, so seine Meinung, die ich in diesem Ausmaß nicht unterstreichen kann. Es können und sollen eben nicht alle Bands im gleichtakt Headbangen oder durchchoreografiert über die Bühne rennen. Hier handelt es sich eben mehr um Performance-Eigenbrötler, die aber das Wichtigste - das instrumentale Zusammenspiel - ohne Probleme beherrschen. Also kein Grund diesem wirklich guten Gig seine Qualität abzusprechen.

BildMir fällt besonders in diesem Jahr das zunehmend sehr junge Publikum auf diesem Open Air auf, und das sage ich, obwohl ich mich selbst noch lange nicht zum alten Eisen zählen kann. Das durchschnittsalter der Besucher ist mir natürlich egal, solange es nur entspannt und friedlich auf dem Gelände zugeht und in der Hinsicht kann zumindest ich mich absolut nicht beschweren. Mein persönlicher Nachteil besteht leider in dem zunehmenden Anteil von Death- und Metalcore-Bands, die wohl zugunsten der jungen Fans ins Boot geholt werden. Meine Wenigkeit hofft auf keine weitergehende Entwicklung in diese Richtung, sonst wird das Summer Breeze für mich leider zunehmend uninteressant. Ich hoffe sehr, dass es nicht dazu kommt, denn ansonsten kann man sich zu dieser Zeit auf diesem fleckchen Erde durchaus wohlfühlen - vorausgesetzt die nicht gerade mit positivem Image besetzten Dixieklos werden regelmäßig gereinigt. Bei uns hat es dieses Jahr ohne Probleme funktioniert, dies scheint jedoch nicht auf allen Campingarealen der Fall gewesen zu sein. Ich habe von beachtlichen Fäkalientürmchen über den Klohorizont hinaus gehört, und auf solche geruchsintensive Architektur möchte man dann doch gerne verzichten.

Um weg von unschönen Altlasten indirekt wieder auf das junge Publikum zurück zu kommen: Nicht nur von den großen Videowänden schallt die Werbung des bei dem hiesigen Wetter wirklich verlockenden 70000 Tons of Metal Festival (alljährlich im Januar auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik stattfindend), auch Promotionmädels - allen US-amerikanischen Klischees entsprechend künstlich und aufgetakelt - tingeln in Netzstrümpfen und Bauchfrei über das Gelände, um mit Sonnencreme für die nächste Fahrt im Januar zu werben. Kein leichtes Unterfangen an die potenzielle Zielgruppe zu geraten, wenn der Großteil der Festivalbesucher noch von Mutti persönlich hergefahren wurde und über kein ausreichend gedecktes Konto verfügt um wenigstens das Flugticket über den großen Teich bezahlen zu können.
Uns verleitet das ganze zu Scherzen wie "Die Sonnencreme kann man auch als Wasserabweisend unters Volk bringen", den Veranstalter Andy Piller allerdings wohl weniger, der höchstpersönlich in Dinkelsbühl zugegen ist. Vielleicht, ja, vielleicht zieht er ja vor Ort ein paar neue Bands an Land, pardon, auf See!?

BildMors Principium Est

Von Spekulationen wieder zur Realität: Auf dem Rückweg von MORS PRICIPIUM EST steuere ich gezielt an der Camel Stage vorbei, die man eigentlich nur als eine Unverschämt für alle dort aufspielenden Bands bezeichnen kann. Gerade stehen die TODTGELICHTER auf der kleinsten, besser gesagt popeligsten Bühne des Festivals und versuchen sich mit fünf Mann auf die schmalen Planken zu quetschen. Dass die TODTGELICHTER hier ausschließlich Männlich sind liegt leider daran, dass Martas Stimme durch eine Infektion angegriffen ist und sie dahier bei diesem Gig ausscheiden muss. Ersetzt wird sie durch Torsten von AGRYPNIE, und nein, ich wiederhole mich nicht versehentlich, der Mann hat sich nach seinem Gastauftritt bei HERETOIR in weiße Schale geschmissen und sich von Kopf bis Fuß in weißer Schminke gewälzt um hier jetzt optisch wie aus einem Guss das auf ihn angepasste Set mit den Avantgarde Blackies runterzureißen.

Obwohl es auf der Bühne recht kuschelig zugeht, bekommen die Mannen jedoch gar keine Chance um sich wirklich warm zu spielen. Lächerlicher 30 Minuten hat jede Band auf der Camelstage zugestanden bekommen. Die auf Festivals leider üblichen 45 Minuten sind ja schon hart an der Schmerzensgrenze für jeden Fan, aber nur eine halbe Stunde sind einfach nur ein Witz. Viel Kommunikation mit dem Publikum ist da nicht drin, jede Minute nutzen die TODTGELICHTER um ihr nur fünf Songs umfassendes Set unterzubringen.
Angefangen bei "Embers" und über "Café of Lost Dreams" steht auch hier ein Gastauftritt an: Und wer sollte es auch anderes sein als HERETOIR Sänger David, der sich auch umgekehrt bei seinem Kollegen die Ehre gibt um den Song "Phobos & Deimos" mit ihm zu performen.
Nach dem noch reinen Black Metal-Reißer "Blutstern" klingt der kleine Ausflug in die TODTGELICHTER-Welt auch schon mit dem ruhigen "Allmählich" wortwörtlich aus. Die Auftritt hat gefallen, der Sound leider weniger. Zum Glück soll es an der kleinen Bühne nicht durchgehend so bleiben.

Den restlichen Tag bleibt es bei Stippvisiten, unter Anderem bei THE OCEAN (die mir rein instrumental dann leider doch mehr zusagen als mit Sänger) und bei BEHEMOTH, zu deren Auftritt wir recht spät erscheinen, in Folge dessen sehr weit hinten stehen und dank Bodenvertiefung vor der Pain Stage leider auch so gut wie gar nicht sehen. Da so weit hinten auch der wegwabernde Sound nichts reißen kann, ist das Konzert der Black-Deather für uns nach sehr kurzer Zeit für beendet erklärt. Wir hören noch den Rest des Openers "Blow Your Trumpets Gabriel" vom aktuellen Album "The Satanist", ebenso wie das daraus stammende "Ora Pro Nobis Lucifer" und verabschieden uns zum "Demigod"-Klassiker "Conquer All" Richtung Bierzelt um dem Donnerstag in angenehmer Gesellschaft doch noch zu einem würdigen Abschluss zu verhelfen.

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Freitag, 15. August 2014

Schon beim Aufwachen begrüßt uns der neue Tag mit leichtem, schläfrigen Prasseln auf die Zeltplanen. Während die eine Hälfte der Zeltbewohner also aus gutem Grund einfach liegenbleibt und hofft, dass der morgendliche Zwangsklogang noch auf sich warten lassen kann, packe ich meinen Duschkram zusammen und hoffe, dass der Regen die meisten von der beliebten Festival-Halbzeit-Reinigung abhält.
Leider liege ich Falsch und hinter dem Eingang zum Spültoiletten/Duschcontainer-Bereich stoppt mich eine lange Männerschlange die geduldig im Regen auf das verheißungsvolle aufschwingen des dampfenden Containerschlunds wartet. Glücklicherweise ist die Schlange vor den Frauenduschen nur etwa halb so lang, und so warte ich etwa 15 Minuten im Dreierkollektiv unter dem Regenschirm bis die Reihe an mir ist.
Nach kurzer Orientierungslosigkeit durch vollständiges Beschlagen der Brille ist es wie immer stets ein Akt im engen Gang und der kleinen Duschkabine sich an- und auszuziehen, geschweige denn seine Kleidung in dem durchweg nass-feuchten Kasten an einer einigermaßen trockenen Stelle zu deponieren. Sowas verbraucht leider unnötig Zeit, was den Duschvorgang länger dauern lässt. Durch bessere Lösungen mit Ablagemöglichkeiten könnte die Schlangenbildung in größerem Ausmaß vermieden werden.

Trotz Dusche und anschließendem Frühstück will das Leben nicht bei mir einkehren. Das nasse Rauschen auf dem Pavillon saugt mich irgendwie an den Campingstuhl fest. Keine Band vermag mich zu dieser Zeit zu motivieren das Regencape überzuziehen und den Weg vor eine Bühne auf mich zu nehmen. Erst am frühen Nachmittag raffen wir uns im Kollektiv auf, wenigstens schon mal das Gelände anzusteuern um unter schützenden Biergarten-Schirmen mit einem Bierchen den Dingen zu harren, die da kommen.
Und sie kommen auch. In Rosa. In Form von J.B.O.. Und nein, mich bekommen keine zehn Pferde vor die Mainstage. Wir beobachten aus der Ferne das Spektakel, das für Fans der Band zumindest nach viel Spaß aussieht. Überall werden aufblasbare Rosa J.B.O.-Baseballschläger geschwenkt, und als Plötzlich eine große Rosa Staubwolke über der Masse aufsteigt, scheint der Höhepunkt der Show erreicht zu sein. Vom Holi-Festival (eigentlich ein indisches Frühlingsfest, hierzulande aber mittlerweile zur sinnfreien Party degradiert) abgeschaut, werfen die Fans Farbpulver in die Luft, um alles um sich herum in Rosa zu tauchen. Gut dass ich nach meiner morgendlichen Dusche genug Abstand halte, denn im Anschluss kommt uns eine Horde von Kopf bis Fuß rosa gefärbter Leute entgegen. Quasi gebrandmarkte J.B.O.-Fans. Ja, Rosa, aber offensichtlich glücklich.

BildCarcass

Das Ganze hat mich dermaßen abgelenkt, dass ich erst spät bemerke, dass ich ja eigentlich jetzt in diesem Momentan ANNEKE VAN GIERSBERGEN, die ehemalige Sanges-Koryphäe
von THE GATHERING sehen wollte. Und da diese nur 45 Minuten auf der T-Stage steht, ist der Gig auch schon fast vorbei. So beschließe ich - teils aus Faulheit, teils aus der Gewissheit die Sängerin mit Sicherheit auch noch mit dem DEVIN TOWNSEND PROJECT diese Nacht live in Aktion zu sehen - einfach sitzen zu bleiben auf noch ein Bier.

Um kurz vor 22 Uhr spalten wir uns auf. Die eine Hälfte geht zu HYPOCRISY, die andere zu AHAB. Und beide Partien sollen nicht enttäuscht werden. Da ich HYPOCRISY bisher noch nicht live erleben durfte, fällt mir die Entscheidung nicht schwer. Die Schweden begrüßen uns mit dem Brecher "End of Disclosure". Wir stehen seitlich mit viel Platz, der prompt ausgenutzt wird zum Mitgehen und Headbangen. Es werden unter Anderem das atmosphärische und synthesizer-lastige "Fractured Millenium" gespielt, "The Eye" treibt uns weiter zum alles zerstörenden "War-Path" um ins groovende "Fire in the Sky" überzugehen. Die Show bannt mich so sehr, dass der Regen der sich während der gesamten Show über uns ergießt völlig in den Hintergrund rückt. Als über das komplette Konzert hinweg dieser eine Song nicht einmal erklingt, ist Glasklar, welchen uns HYPOCRISY um Peter Tägtgren zu guter Letzt um die Ohren schmettern werden. Und natürlich bildet "Eraser" den krönenden Abschluss der gelungenen Show, der nochmal alle aus der Reserve lockt.

Einige ziehen nach dem Abschied der Band gleich weiter nach Nebenan um mit MACHINE HEAD einen weiteren Headliner des Tages mitzunehmen. Da ich das Quartett aus den USA bereits mehr als nur diverse Male live gesehen habe, was ihren nicht gerade mit Seltenheit gestraften Festival-Auftritten geschuldet ist, kann ich es mir getrost nochmal mit einem Kaltgetränk gemütlich machen, ehe es mich zu meinem absoluten Highlight des Tages zieht: Ich besitze ja schon so einige Outputs des kanadischen Ausnahmeprojekts um Namensgeber Devin Townsend, muss aber zu meiner Schande gestehen, dass ich mich bislang noch nie live von seinen Qualitäten habe überzeugen lassen.

BildCarcass

Wie erwartet ist der Platz vor der Pain Stage nicht wie bei HYPOCRISY dicht gefüllt (dafür ist seine Musik wohl einfach zu speziell), aber die Atmosphäre ist wunderbar entspannt und genau Richtung um sich auf die abenteuerliche Welt des DEVIN TOWNSEND PROJECTs vollständig einzulassen. Es werden jedoch nicht nur Songs aus dem Project gespielt, sondern auch Stücke aus seinem Schaffen als Solokünstler. Gestartet wird daher mit dem Opener "Seventh Wave" aus dem sieben Jahre alten "Ocean Machine: Biomech". Townsend schafft durch seine oftmals sphärischen und schrägen Songs den Verstand des Hörers zu entführen - und das völlig ohne Drogenkonsum. Der ist auch gar nicht nötig, denn die wahnsinnigen Visionen bekommen wir zeitgleich auf der Leinwand dazu geliefert. Wie zum Beispiel die irre genial animierten Fratzen im Comicstil zum Song "War", bei dem dann auch schon Anneke van Giersbergen mit auf den Brettern steht, die selbstverständlich neben dem Multitalent Townsend einen ebenso famosen Job macht. Das für alle Ladys angekündigte "Deadhead" lässt einen dann endgültig mit geschlossenen Augen in andere Sphären schweben.

Den Hall den ich bei anderen Bands teilweise als störend empfinde und den Devin stets gerne in seinen Songs einsetzt, darf und muss hier sogar perfekt zum Gefühl des Wegschwebens beitragen. Es folgt das grandiose "Numbered" erneut mit einer herausragenden Anneke und das ebenso epische und in den Refrains zum schleppenden aber mächtigen Headbangen einladende "Supercrush!". Nochmal richtig wunderbar schräg wird es mit "Juular". Wer das Musikvideo zu dem "Deconstruction"-Song kennt, weiß warum. Und auch hier läuft das Video auf der Leinwand mit nicht nur einem Devin der um viele Jahre gealtert, aber nicht weniger wahnsinnig ist und in einem von Ziltoid gesteuerten Höllenzug sitzt. Der einzige Nachteil an den mehr als unterhaltsamen Videos ist, dass man sich zwingen muss, noch dem Geschehen auf der Bühne zu folgen. Erst wird es nochmal richtig sinnstiftend mit dem lebensbejahenden "Grace" ehe das Finale noch mal gehörig mit "Bad Devil" rockt. Der richtige Zeitpunkt um nochmal richtig Party zu machen. Und der Anblick um uns herum der sich jetzt bietet, sieht nach allem möglichen aus, nur nicht nach Metal Festival. Gestandene Männer tanzen wie bescheuert zu dem jazzigen Übersong. Die Magie des Devin Townsend zu später Stunde.

BildCripper
Samstag, 16. August

Während ich den für mich leicht befremdlichen Tönen (Naja, jeder Jeck ist anders...) von der Mathcore-Truppe IWRESTLEDABEARONCE bei meinem deswegen nicht ganz so entspannten Frühstücks lausche, wird mit CRIPPER bereits das erste Pflichtprogramm des heutigen Tages bestimmt. Die hannoveraner Thrasher sind gerade ganz Frisch Teil der Metal Blade Records-Familie geworden - unverständlich ist es da, dass die live stets absolut überzeugende Band einen lächerlichen 30 Minuten-Slot auf der mickrigen Camel Stage bekommt.
Den Fans ist das selbstverständlich egal. Der Bühnenvorplatz, der eigentlich mehr als Durchgang zwischen T-Stage, Metal Markt und Hauptbühnen dient, ist pünktlich zum Show-Start ordentlich verstopft. So gehört das auch wenn Britta, Christian, Gerrit, Jonathan und Dennis die Bretter entern, egal wie schmal diese auch sein mögen!

BildGestartet wird mit dem "Antagonist"-Opener "New Shadow", es darf schließlich nicht lange gefackelt werden. Spätestens jetzt dürften auch die ersten, die die Band bisher nicht kennen und nur auf der "Durchreise" gewesen sind stehen bleiben, denn das Stimmorgan was da mächtig aus den Boxen schallt, gehört einer nicht gerade unzierlichen Frau. Und die animiert dazu noch gehörig das vornehmlich männliche Publikum ordentlich zum Mähne schwingen.

Es folgt "Life Is Deadly" aus dem zweiten Album "Devil Reveals". Wer up to Date über die Geschehnisse der Band ist, weiß, dass mit "Hyena" eine nagelneue Langrille in der Mache ist. Umso erfreulicher ist es da, dass Britta nun einen unveröffentlichten Song ankündigt. Dieser trägt den Titel "Bloodshot Monkey Eye" und fetzt in alter (und ganz offensichtlich auch neuer) CRIPPER-Manier ordentlich.
Was die Bühne in der Größe an Abstrichen hat, macht sie glücklicherweise mit einem klaren, kräftigen Sound wieder wett, weswegen auch "Damocles" auf, wie auch vor der Bühne mächtig nach vorne zu treiben vermag. Auch die erste Full-lenght Scheibe ist mit dem Song "Fire Walk with Me" vertreten und das laut mitgegröhlte "Fire" im Chor mit Gitarrist Christian, der stets eine wahrlich Thrash-würdige Miene aufsetzt, darf hier natürlich nicht fehlen.

BildNach "Hysteria" läuten CRIPPER schließlich mit dem schon als Live-Klassiker zu bezeichnenden "FAQU" das Finale ein. Der ohrwürmelnde Song vermag es stets das Publikum in Action zu versetzen. Hochgereckte Mittelfinger und lautstark geschriehene "Fuck You"s - pardon - "FAQU"s, sind nichts für zartbesaitete Mütterchen. So schnell wie es angefangen hat, ist die halbe Stunde dann auch schon vorbei. In sehr guter Erinnerung bleibt die offensichtlich niemals fehlende Spielfreude der Band (als Beispiel siehe den regenträchtigen Gig auf den Metaldays, der eigentlich als Drehort für eine DVD auserkoren wurde - der matschige Moshpit war jedoch nicht zu verachten, wozu die Band einen nicht unwesentlichen Live-Beitrag geleistet hat.) und der kleine Stagediving-Ausflug von Britta über die Köpfe der Fans.

Pflichtprogramm Nummer 2: Ganz klar die griechischen Symphonic Deather SEPTICFLESH. Und diese spielen der Atmosphäre zum Vorteil glücklicherweise auf der T-Stage. Bevor es losgeht nutzen wir noch die längere Regenpause, um zumindest schon mal ein Zelt abzubauen und vorsorglich im Auto zu verstauen. Der Pavillon muss allerdings erst mal warten, ich will schließlich nicht den Anfang des Konzerts verpassen. Gerade noch pünktlich schaffe ich den Weg durch die Schlammwüste vor dem Zelt, als Spiros, Christos, Fotis und Dinos, der live an der Gitarre Bandmitglied Sotiris ersetzt, zu den Anfangsklängen von "The Vampire from Nazareth" auf die Bretter steigen. Die Männer stehen wie immer in voller Lederkluft parat, besonders auffällig ist da stets der Muscle-Suit, von Sänger und Gitarrist Spiros (manchen besser bekannt unter dem Künstlernamen Seth Siro Anton), den ich allerdings etwas zu dick aufgetragen finde. Nichtsdestotrotz passt die Show perfekt zum Äußeren. Alle Mitglieder agieren mit mächtiger Ausstrahlung wobei Spiros okkulte Gesten natürlich wie immer im Mittelpunkt stehen.

BildSepticflesh

Die Griechen bieten eine optimale Mischung aus ihrer jüngsten Discografie, auch wenn man sich ausschließlich auf die letzten drei Outputs konzentriert. Besonders feiere ich die Songs aus meinem bis Dato absoluten Lieblingsalbum "Communion". Der gleichnamige Song sowie "Persepolis" und das hypnotische "Anubis" katapultieren mich nicht nur live stets in andere Sphären. Das neuste Werk mit dem Titel "Titan" trägt den großen Titel zu recht. Die Rezensenten warfen geradewegs mit vollen Punktzahlen um sich, und das vollkommen zu Recht. Hieraus gibt die Band das mal fordernd vertrackte mal mitreißend eingängige "Order of Dracul" und ein weiteres hin- und herreißendes Monster namens "Prototype" zum Besten.

BildDas Symphonieorchester, welches mittlerweile fester Bestandteil der Musik ist, kommt leider nur von Band. Nichts erwarte ich sehnsüchtiger, als SEPTICFLESH eines Tages mit voller Live-Klangstärker - also Orchester und Chor - live erleben zu können. Dimmu Borgir und jüngst Paradise Lost machten es bereits vor. Fraglich, ob SEPTICFLESH schon bekannt genug sind, um sich an ein solches Spektakel heranzuwagen. "Anubis" soll an diesem frühen Abend für mich nicht nur der perfekte Konzertabschluss sein, sondern auch der des gesamten Festivals.

Erst als ich selig den Zeltausgang ansteuere bemerke ich, dass es eimerweise vom Himmel schüttet. Das Regencape um Kamera und Körper gewickelt, haste ich zum Zeltplatz zurück und rechne schon mit dem schlimmsten: Dass wir jetzt einen triefnassen Pavillon einpacken müssen. Doch auf die Jungs ist verlass. Bis auf drei feinsäuberlich in Müll und Pfand (welches alljährlich der Govinda Entwicklungshilfe e.V. zugute kommt) getrennte Plastiksäcke, ist unser Platz leer und wie geleckt. Gerne dürfen sich daran die leider auf jedem Festival einfallenden Drecksäcke ein Beispiel nehmen, die immer meinen eine eigene Mülldeponie zu hinterlassen. Die Kosten für die Reinigung der Felder dürfen dann alle mittragen. In diesem Sinne ein Danke an das miese Pack, das sich jetzt angesprochen fühlen darf.

Während wir uns IN EXTREMO entspannt auf der Bierbank sitzend und mit angenehmer Entfernung und kühlem Nass genehmigen (die Mittelalter-Männers habe ich nun aber auch schon oft genug gesehen), fallen die Temperaturen sodass sich die zahlreichen Abschiedsumarmungen mit einem lachenden aber vor allem weinenden Auge durch den Abend ziehen. Kurz vor 23 Uhr geht es endgültig zum Fahrzeug und auf die Heimfahrt. Die Regencapse werden kurzerhand in Tüten für die schlammigen Stiefel umfunktioniert. Aber ans waschen und saubermachen denkt noch niemand, mit der wohligen Gewissheit, dass auch dieses Summer Breeze - selbst als Summer Freeze - in guter Erinnerung bleiben wird.

BildSepticflesh
Fazit:
Ich habe in diesem Jahr kein einziges Mal vor der Main Stage gestanden. Und das ist auch schon mein größter Kritikpunkt: Es spielten Bands auf der beschämend kleinen Camel Stage, die schon längst über das Stadium "Kleinstadt-Festühne" hinweg sind. Auch über den (vermutlichen) Haus-Lichttechniker sollten die Veranstalter nachdenken. Diese Talentlosigkeit, die ich fast schon teilweise amüsant fand, kann aber aber auch empfindlich die Atmosphäre eines ansonsten guten Konzerts stören.
Mein persönlich beobachtetes Main Stage-Fernbleib-Phänomen, was mich bei dem vorherrschenden Wetter allerdings nicht groß gestört hat, könnte aber auch ein Vorbote für den ideellen Umschwung des Festivals sein - was ich nicht hoffe. Das Summer Breeze hat sich trotz seiner Vielfalt doch bereits mit den Jahren positioniert und sich eine feste Fanbase erobert. In der Hoffnung, dass sich die Veranstalter auf die bereits vorhandenen Stärken ihrer sonst ansehnlichen Bandauswahl besinnen: Ich freue mich auf das nächste Jahr! (Autor(en): Saskia Z.)
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