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22.09.2013

Summer Breeze 2013 - Die perfekte Festivaldosis


BildIch bin mir ziemlich sicher, dass das Summer Breeze 2013 das erste Festival (in Deutschland) für mich war, das (fast) keinen Tropfen Regen aufwies. Man mag es gar nicht glauben.
Bisher zeugte das typische Wetter in Mittelfranken eher von recht radikalen Wetterwechseln. Wurde man tagsüber noch gebrutzelt, tosten Nachts gerne mal die regengeschwängerten Böen um die Zeltplanen.

Das Summer Breeze gehört vollkommen zu Recht seit nun schon einigen Jahren zu den großen und beliebtesten Metal-Open Airs Deutschlands (und Umgebung), alljährlich mit einer Bandauswahl, die sicher nicht nur mir, mit fast routinierter Gewissheit mit gleich mehreren Highlights zusagt.
Leider beginnt für uns die Sause erst am Abend des 14. August, denn auch wenn der offizielle Beginn der 15. August darstellt, wird einem schon am Mittwoch eine volle Kante auf Party Stage und Camel Stage geboten. So verpassen wir unter Anderem leider VADER, DESERTED FEAR oder auch KADAVAR.

Am späten Abend steht unser riesiges Baumwollzelt, das gute klimatische Bedingungen im Gegensatz zu den verbreiteten Plastikbehausungen verspricht, und das Festival wird für uns mit einem ersten Grillen, bei dem sowohl Vegetarisches wie auch Carnivores seine Berechtigung hat, eingeläutet.

BildThe Bones

Donnerstag, 15. August 2013

Nach einer erstaunlich langen Nacht ohne Schmorbraten-Feeling ab Sonnenaufgang (... nie wieder ohne Baumwollzelt!) und stärkendem "Frühstück" lasse ich mich von einer Bekannten mit zu THE BONES treiben. Mir bis Dato völlig unbekannt, bin ich überrascht, dass es sich bei den Schweden eigentlich schon fast um eine etablierte und alteingesessene Band handelt, die schon seit 1996 im Geschäft ist. Mein Unwissen ist da wohl eher einem allgemeinen Desinteresse am Punk'n'Roll-Genre geschuldet. Dennoch wissen die vier energiegeladenen Mannen auch vor noch relativ spärlichem Publikum zu überzeugen. Die Fans waren auf jeden Fall (singend und mitgehend) vor Ort und ich wünsche THE BONES, dass sich außer mir auch noch ein paar mehr Experimentierfreudige eingefunden haben um sich überzeugen zu lassen. Ich werde zwar kein Fan, aber wem der Stil gefällt, der dürfte hier zwischen 14:15 und 15:00 Uhr neues Material für seinen Player entdeckt haben.

BildAlestorm

Auf der Pain Stage nebenan besuchen wir fast schon routiniert die immer wieder sehenswürdige wenn auch schon arg routinierte Show von ALESTORM. Hier darf man sich auch noch mit Vergnügen das gerade angefutterte Junkfood zum Mittag wieder abtrainieren, besser gesagt abfeiern. Der Trainingserfolg dürfte nur leider nicht lange anhalten, wenn jeder in der nun riesigen Masse vor der Bühne Sänger Christopher Bowes genauso oft zuprostet, wie es dieser gerne zu tun vermag. Die nächsten 50 Minuten feiern Band wie Fans schrägsten Folk und Power Metal mit Piratenflair ab. Staubwolken steigen aus dem durchweg aktiven Circlepit, die Crowdsurfer rollen reihenweise über die wogende Masse. "Shipwrecked", "Wenches & Mead" und "Keelhauled" dürfen natürlich nicht fehlen - und am Ende dieses Festes landet Bowes selbst auf den Händen des Publikums und lässt sich tragen.

BildSoilwork

Fliegender Wechsel zurück zur Main Stage. Wieder Bühnenbesuch aus Schweden, aber diesmal aus einem mir vertrauten Genre und einer Band, die mich schon seit meiner frühen Jugend begleitet: SOILWORK haben Songs von ihrem neuen Album "The Living Infinite" im Gepäck, lassen aber auch beliebte Klassiker über die Menge fegen. Der gehörig hohen Temperatur zum Trotz ist Sänger Björn agil auf der Bühne unterwegs, die Fans davor nicht minder. "Stabbing The Drama" zieht den Schlussstrich unter einen gelungenen Gig, bei dem man dem Fronter dann doch mit der Zeit ansehen kann, wie die Hitze ihren Tribut zollt.

Zum FEAR FACTORY-Gig wiederum gehe ich mit gemischten Gefühlen. Während die Songs von Platte auf jeder Party ordentlich knallen, musste ich bisher so gut wie jeden Versuch die US-Groove und -Industrial Metaller live zu sehen, innerhalb kürzester Zeit bereuen. Während der "Gesang" auf dem Metalfest Loreley im Jahr 2012 sehr präsent nach vorne Gemischt war - zum Leidwesen aller Anwesenden - scheint die Band diesmal auf Nummer Sicher gehen zu wollen und Burton C. Bells selten bis gar nicht vorhandene Live-Sangeskünste irgendwo im wummernd-basslastigen Sound versickern zu lassen. Die Instrumentalfraktion macht ihre Arbeit aber wie gewohnt mehr als gekonnt und so kann der Funke eben doch auf das Publikum überspringen. Sobald die Fans Songs wie "Archetype" oder "Edgecrusher" selbst mitgröhlen, geht die Party einfach ab.

BildSolstafir

Auf gar keinen Fall lasse ich mir um Viertel nach acht SÓLSTAFIR im großen Zelt entgehen. Bislang war ich noch nicht in den Genuss der mehr atmosphärisch-melancholischen Musik aus Island gekommen. Ich ergattere mir nach einem kurzen Einfall in den Fotograben einen guten Platz möglichst Mittig vor der Bühne, um vom optimalen Sound beschallt zu werden - unter den Zeltplanen kann man nämlich erfahrungsgemäß sehr unglücklich stehen, sodass einen nur noch einen Soundbrei erreicht.
Und wirklich, SÓLSTAFIR enttäuschen mich zu keiner Sekunde. Eine regelrechte Auszeit aus dem manchmal etwas stressigen "Festivalalltag". Die Temperaturen sind zur abendlichen Zeit im Zelt optimal und so kann ich voll im schleppend psychedelischen Sound der Isländer aufgehen. 50 Minuten Auszeit und Wellness für die grauen Zellen. SÓLSTAFIR sind für Liebhaber sphärisch doomigen Metals einfach ein Muss.

Im Anschluss und noch etwas Berauscht mache ich mich auf zur Pain Stage, wo ein paar Kollegen auf den Auftritt von POWERWOLF warten. Die (selbstverständlich) dem Power Metal frönenden Saarländer um den agilen und gerne mit dem Publikum interagierenden Sänger Attila - dem hörbar eine klassische Gesangsausbildung zu Teil wurde - erleben gerade einen regelrechten Höhenflug, dementsprechend voll ist es vor der Bühne. Ich für meinen Teil konnte dem Quintett bislang (und wohl auch in Zukunft) nichts abgewinnen, was teilweise an dem auf mich etwas befremdlich wirkenden Schauspiel liegt, das der Fronter in den Pausen zum Besten gibt und den bis zum erbrechen wiederholten "Halleluja"-rufen, die wohl dem Anheizen dienen sollen. Allerdings muss ich betonen, dass die Livequalitäten der Band ohne Frage enorm sind. Da sitzt einfach jeder Ton!

BildPowerwolf

Auch weiter geht es mit einer Band, die ich nur aus kollegialen Gründen, und mittlerweile aus diesem Grund zum x-ten mal sehe, die aber einen gelungenen Abend für jeden Power Metal-Fan (insbesondere nach dem POWERWOLF-Gig) verspricht. SABATON, noch so einer Überfliegerband, die wahrlich Stimmung zu machen weiß und ein Fronter namens Joakim Brodén, der in einem Affentempo ein Fitnessprogramm auf die Bretter legt, das viele Fitnessstudio-Mitglieder in einer Woche nicht erreichen. Ja, bei Brodén ist die Bezeichnung "Frontsau" durchaus angebracht. Nachdem der EUROPE-Klassiker "The Final Countdown" als erstes Intro und "The March To War" - quasi das 2. Intro - die Show einläutet, erwarten uns wie gewohnt 90 geladene Minuten, welche die Fans zu Songs wie "Carolus Rex", "Attero Dominatus" oder auch "Into the Fire", begeistert durchweg feiert. Natürlich dürfen auch kleine Anekdoten zwischendurch nicht fehlen. Die leider etwas nervigen und überhand nehmenden aufblasbaren Plastikpenisse, die während nahezu jedes Gigs im Takt von einigen Intelligenzbolzen im Takt mitgeschwungen werden, veranlassen wenigstens Brodén zu einem kurzen, und sogar deutschen Kommentar: "Meine schöne Fräulein, du hast eine sehr große Schwanz..." garantiert somit einige Lacher.
Ein Sprechchor - "Noch ein Bier" - liefert außerdem den genussvollen Anlass für den Fronter, sich ein Bier an die Bühnenkante liefern zu lassen. Keine besonders gute PR verbreitet sich während des Festivals allerdings für Air Berlin. Die Band "Dankt" der Fluggesellschaft, die ihr Equipment auf dem Hinflug einfach mal verloren hat, und entschuldigt sich für die möglicherweise ungewohnte Soundqualität. Nur dank einer kleinen "Sammelspende", bei der dank Bands wie FEAR FACTORY und ALESTORM genug Bespielbares zusammengekommen ist, kann die Band nun überhaupt auf der Bühne stehen. Leider sind SABATON nicht die einzigen Leidtragenden der fliegenden Organisations-Katastrophe, aber dazu später mehr.

BildPowerwolf
(Autor(en): Saskia Z.)
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