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Bericht:

28.08.2010

Summer Breeze 2010 - Die spätsommerliche Brise Hartes


BildSo langsam neigt sich der Sommer 2010 dem Ende zu, aber ein letztes Mal in diesem Jahr will ich mir eine warme Brise Metal um die Ohren hauen. Welcher Ort eignet sich da schon besser als das Summer Breeze in Dinkelsbühl. Alljährlich das Festival, dem viele mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegensehen... aber natürlich nicht ohne vorort das krönende Festivalsommer-Finale mit ordentlich viel Gerstensaft und einer hemmunglosen Dröhnung Metal ausklingen zu lassen.
Mit rund 30.000 Besuchern zählt das Spätsommer-Festival inzwischen als Deutschlands zweitgrößtes Metal-Open-Air. Das Motto: 3 Tage - 4 Bühnen - 100 Bands.

Schon weit vor der Camping-Area stimme ich mich auf die kommenden Tage ein. Es ist heiß im Auto und aufgrund der fehlenden Klimaanlage bleibt mir nichts anderes übrig, als die Fenster runter zu kurbeln und das Schiebedach zu öffnen. Der warme Wind weht die Töne von Children of Bodom durch mein Auto, da sehe ich auch schon das Ortsschild von Dinkelsbühl. Es kann nicht mehr weit sein, die Parkplätze des Festivalgeländes sind hier schon gut ausgeschildert. Aber erstmal muss ich den Pressestand am Sportplatz finden.
Nachdem ich die Seitenstraßen der gerade noch so eben zu Bayern gehörenden Kleinstadt (eher unfreiwillig) besser kennen gelernt habe, erreiche ich endlich den Sportplatz und Reihe mich in eine kurze Schlange ein, um mein Bändchen abzuholen. "Thank God, it's black!". Da hat sich jemand wirklich Mühe mit dem Entwurf gegeben. Ich überdecke gleich damit ein paar weniger schöne Bänder (die mit dem unsäglichen Pastellton-Einschlag) von anderen diesjährigen Festivals und fahre gut gelaunt in Richtung des Parkplatzes.

Der Anfahrtsweg ist ein kleines Erlebnis für sich. Mit einem Geländewagen hätte es durchaus mehr Spaß gemacht, aber so holpere ich über Stock und Stein froh und fromm zu meinem Nachtlager der nächsten Tage. Das Zelt ist schnell aufgebaut, die Kamera geladen und entsichert und es kann gleich losgehen um einige Impressionen vom Zeltplatz zu knipsen und die nächstgelegene Wasserstelle zu lokalisieren. Eine kleine Erfrischung bei den schwülen Temperaturen würde jetzt nach dem Zeltaufbau gut tun, aber leider gibt es auf dem gesamten Presse-Zeltplatz nicht eine Wasserstelle. Und die Nächstgelegene ist umstellt von einer Horde Kanisterträgern die allesamt schon bis zu den Knöcheln im Matsch stehen. Ich mache mir erstmal ein Bier auf und beschließe den Ort zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufzusuchen.



Apropos Wasser, wo sind eigentlich die Duschen? Der Weg dorthin führte mich quer über den riesigen Zeltplatz. Mir wurde schnell bewusst: Mit "mal eben duschen" wird es wohl in den nächsten Tagen nichts. Was auf anderen Festivals dieses Jahr gut geklappt hat, scheint sich hier eher schwieriger zu gestalten. Bei den Temperaturen wird man lange anstehen müssen und der Weg vom Zelt zu den Duschen ist ziemlich weit.

Auf meiner Erkundungstour treffe ich auf einige bekannte Gesichter, die ich gleich einmal zu ihren bisherigen Erlebnissen und der Anfahrt befrage. Offensichtlich hatten sie weniger Glück, denn sie berichten von langen Staus vor und das sogar auf dem Festivalgelände. Da stellt sich mir schnell die Frage, wie groß das Summer Breeze Festival wohl noch werden kann, ohne noch mehr logistische Schwierigkeiten zu bekommen? Oder hilft da irgendwann nur noch ein weiterer Umzug (das Festival zog bereits 2006 von Abtsgmünd nach Dinkelsbühl) in weitläufigere Gefilde mit besser ausgebautem Straßennetz?

Nun, genug von der Anfahrt und dem Zeltplatz. Wie schaut es eigentlich im Infield aus? Auf dem Weg dorthin fällt mir ein sehr unfreundlicher oder einfach nur schlecht gelaunter Security auf und hoffe nur, dass nicht alle von dieser Sorte sind. Im Infield angekommen fällt mein Blick schnell auf die beiden riesigen Bühnen mit den klangvollen Namen "Main Stage" und "Pain Stage".



Hier wechseln sich die (dieses Jahr mir wirklich sehr zusagenden) Bands bei gutem Sound und ohne nennenswerte Pausen ab. Ringsherum werden die Besucher mit Essens- und Getränkeständen versorgt. Ich schaue mich um und stelle fest, die Preise sind nicht günstig, aber für große Festivals offensichtlich inzwischen "normal". Das Angebot wird dennoch von nicht gerade wenigen wahrgenommen. Man ist ja schließlich nicht zum Kochen hier.

Später soll sich herausstellen, dass es für ein paar Besucher tatsächlich die bessere Wahl gewesen wäre, ihren Hunger an den Essensständen zu stillen. Als sie ihren Grill neu anfeuern wollen und Grillanzünder über die scheinbar doch noch nicht ganz ausgeglühten Kohlen gießen, kommt es zu einer Verpuffung und schließlich zu einer Explosion, die ein paar Leicht- und Schwerverletzte zur Folge hat, welche mit einem Hubschrauber ausgeflogen werden müssen. Hier beweist das Summer Breeze Team eine durchdachte Organisation, da Hilfskräfte schnell vor Ort sind und den Betroffen neben der ärztlichen Versorgung auch Seelsorge leisten.



Doch zurück zum eigentlichen Festivalgeschehen, das in der Regel sehr relaxt und ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Metal-Bühnen geht.
Die in einem großen Zelt befindliche "Party Stage" etwas abseits des Geschehens wirkt auf mich ebenfalls sehr gelungen und ich freue mich schon auf die nächtliche Darbietung von Equilibrium. Als es auf 1 Uhr zugeht mache ich mich auf den Weg - nur um zu dem Entschluss zu kommen, dass ein Fluch auf mir lasten muss. An eine Epic Viking Metal Show ist nicht zu denken. Das Zelt platzt bereits aus allen Nähten. Wieso kommt mir das so bekannt vor? Es ist wie ein Déjà-vu. Vor zwei Wochen spielte das bayrische Quintett bereits auf dem Wacken Open Air, und auch dort konnte ich trotz keinem Mangel an entsprechendem Willen, noch nicht mal einen Blick auch Equilibrium erhaschen. Auch dort wurde die Band auf die Bretter einer vergleichsweise kleinen Bühne geschickt, und auch dort nahm der vorhandene Platz schon weit vor der Show bedrohlich ab. Schon wieder wurde die Anziehungskraft der Band erheblich unterschätzt.



Was ich vom musikalischen Programm der sogenannten "Camel Stage" halten soll, weiß ich nicht. Ich glaube für die Musik dort bin ich eindeutig zu nüchtern, aber ein paar anderen Besuchern scheint es offenbar zu gefallen (der Biergarten ist nicht weit).
Die ein oder andere Kapelle die wohl bei viel Hochprozentigem ihre Gründung feiern durfte, tobt sich auf der kleinen Bühne, auf der auch die hiesige Blaskapelle aufspielen darf, an ihren Instrumenten aus.

Am nächsten Tag schlendere ich über den Metal Markt. Mir kommt es so vor, als würden hier deutlich mehr verrückte Dinge feilgeboten, als vergleichsweise auf anderen Festivals. Und das will schon was heißen. Auch hier sind die Preise eigentlich recht human.
Ich mache mich auf den Weg um mir ein paar Bands anzuschauen und gleich auch mal ein paar Fotos zu schießen. Im Fotograben entdecke ich die Aufschrift "Grabenschlampen" auf den Shirts der Security. Offensichtlich haben die Jungs doch Humor und sie wirken allesamt recht freundlich und professionell. Und sie haben auch gleich allerhand zu tun, denn inzwischen hat sich der Bereich vor der Hauptbühne stark gefüllt. Und die Stimmung steigt unaufhörlich.

BildSehenswert sind eigentlich fast alle Gigs, die ich mir schon von vornherein notiert habe. Als besonders lohnenswert stellen sich jedoch am Freitag die Jungs von Gwar heraus. Es ist schon eine große Freude mitzuerleben wie sich die anderen Fotografen, die Fans und die Security im Vorfeld akribisch auf den Auftritt von Gwar vorbereiten. Eingepackt in Regencapes geht es in die Schlacht. Einzig die Linse der Kamera guckt aus einem selbst gebastelten Schutzanzug aus Regencapes hervor und wer sich darüber lustig macht wird kurzerhand eines besseren belehrt. Am Ende zeigt sich, wer die blutige Monstershow ohne größere Sauereien überlebt hat oder wer trotz Regencape dennoch Flecken am Körper trägt.

So langwierig wie die ausgiebigen Vorbereitungen zum beschallten freilichtcampen dauern, so schnell und plötzlich endet der nicht mehr wegzudenkende Summer Breeze Spaß schon wieder. Gerade noch genoss man mit den Zeltnachbarn die kühle Nacht mit einem kalten Bier und grüßte rosa Hasen die an einem vorbei liefen (okay, es waren wohl doch ein paar mehr Blechschnitzel...) und schon ist man zu Hause und wäscht sich den Staub aus den wohlig durchgekneteten Gehörgängen. Was bleibt, sind die (alljährlich aufzufrischenden) Erinnerungen und der Sonnenbrand - zumindest für die nächsten Tage.Bild (Autor(en): Michael J.)
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