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Bericht:

17.07.2014

Rock Hard Festival 2014 - Lautes Wochenende im heißen Pott


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Auch 2014 heißt es: Traumwetter und – wenn man mal von der Absage von MEGADETH absieht – Traum Line-up für Fans der alten Thrash Schule in Gelsenkirchen. Doch dazu später mehr.

Freitag, 6. Juni:

Genau wie in den letzten Jahren mit CONTRADICTION oder DEATHFIST gibt es auch dieses Jahr mit NOCTURNAL aus Mainz wieder einen Deutsche Thrash-Formation als Opener. Und genauso wie in den letzten Jahren ist auch dieses mal das Amphitheater pünktlich zur ersten Band traditionell gut gefüllt – Obwohl die Sonne derbe vom Himmel knallt.

BildZODIAC aus den Baumwollfeldern des Münsterlandes stehen für erdigen, bluesigen Riffrock der alten Schule, klingen trotzdem zu keiner Sekunde altbacken und passen wie die Faust aufs Auge zur Sommerlichen und entspannten Atmosphäre im Amphitheater.

Stilistisch hat das Rock Hard Open Air ja oft einiges zu Bieten, also folgt auf Rumpel Thrash und Bluess-Riff-Rock dann technischer Death Metal in Reinkultur. Die fünf Polen von DECAPITATED sind zwar alles andere als Partytauglich, bringen aber so einige Matten zum kreisen.

MIDNIGHT heißt das Trio aus Ohio das jetzt für mächtig Dampf sorgt – der Sound bewegt sich im Fahrwasser von MOTÖRHEAD/VENOM, es gibt seltsame schwarze Masken, Lederjacken - besonders cool bei 30 Grad - und Nieten... ach fast hätte ich vergessen das man am Ende seine Instrumente zerkloppt. Mosherherz, was willst du mehr.

DIE APOLKALYPTISCHEN REITER sind seit etlichen Jahren Stammgäste auf allen relevanten deutschen Festivals 2014 und leider ohne Schlauchboot im Publikum, aber auch so gibt es wie gewohnt genug zu sehen und natürlich auch auf die Ohren. Mit "Seemann" oder "Friede sei mit Dir" hat man auch diesmal wieder die üblichen Verdächtigen auf der Setlist, wobei die Stücke vom aktuellen Longplayer nicht ganz so frenetisch abgefeiert werden wie die Klassiker – trotzdem ganz starker Auftritt.

BildDie Apokalyptischen Reiter

Mit TRYPTIKON werde ich irgendwie nicht warm – Tom Warriors Leistungen mit CELTIC FROST in allen Ehren, aber irgendwie war das nix. Klar ist man in der Lage starke und intensive Songs zu schreiben und auch zu zelebrieren, aber irgendwie war das Standfußball. Einziger Aktivposten war wie immer die wild bangende Bassistin. Als Randnotiz gab es die Anweisung der Band, alle akkreditierten Fotografen das ganze Konzert im Graben fotografieren zu lassen – ich habe mich nach der 2. Nummer allerdings Richtung Bierstand begeben – ansonsten aber ein Feiner Zug, der durchaus Schule machen darf.

BildTriptykon

BildSamstag, 7. Juni:

ROXXCALIBUR und DEAD LORD habe ich aufgrund der üblichen Stümperei meines favorisierten Transportunternehmens nicht sehen können. Danke Deutsche Bahn.

Auch SCREAMER hätte ich verpassen können – wäre nicht wirklich schlimm gewesen. Relativ gesichtsloser schwedischer Old School Metal. Oberlippenbärte und enge Jeans machen noch lange keine gute Band aus.

Aus einem ganz anderen Holz sind die Isländer SOLSTAFIR geschnitzt. Völlig ungreifbar, fern ab von allen Normen, feuern die Nordeuropäer ihre Lavaartigen Soundkunstwerke in das Rund des Amphitheaters. Wer sich eine metallische Version von Sigur Ros vorstellen kann, sollte hier mal ein Ohr riskieren.

PRETTY MAIDS hatte ich als abgehalfterte Opa-Metal Truppe auf dem Zettel – klar sind die Dänen älter als das Gros der Festivalbesucher, aber nach Krückstock oder Rollator sieht das nicht aus was die Herren da auf der Bühne darbieten. Metallebensfreude Pur. Passt.

BildObituary

Auch OBITUARY haben bereits etliche Jahre auf dem Buckel, aber gerade Frontsau John Tardy sieht immer noch genauso aus wie 1990, grunzt um sein Leben und fegt immer noch wie ein Derwisch über die Bretter. Zu Hören gibt es ausschließlich Songs der ersten drei Alben plus drei neuer Songs, die bereits Vorfreude aufs neue Album machen. Merke – Legenden sterben nie und schon gar keine Death Metal Legenden.

Die Thrash Helden SACRED REICH sind irgendwie immer an mir vorbeigegangen, werden aber frenetisch abgefeiert. Man hat seit bald zwei Dekaden kein neues Album mehr in die Regale gehievt, bekommt dann trotzdem den Co-Headliner Slot vor CARCASS? Irgendwas muss doch dran sein an der Band – und so ist es auch – komplett sympathische Energiebolzen die da über die Bühne fegen.

BildCarcass

CARCASS – mein erstes CARCASS Konzert seit 1994 oder war es 1992? Ich weiß es nicht mehr. Eigentlich gibt es nicht viel zu berichten, außer das alle, aber auch wirklich alle Klassiker runtergegrindet werden. Einziger Wermutstropfen ist der irgendwie matschige Sound der zur klinischen Brutalität der Walkerschen Metzelorgien nicht ganz passen will. Trotzdem: würdiger Headliner.

BildCarcass

Sonntag, 8, Juni:

Auch am 3. Tag versagt die Deutsche Bahn, so dass mir der Opener IRON SAVIOR entgeht.

Pünktlich zum Ende des kurz einsetzenden Regens und zum ersten Song der BLUES PILLS schaffe ich es dann doch vor die Bühne. Retrosound ist angesagt – die Band wird seit Monaten überall als das nächste große Ding angepriesen, gerade die Sängerin ist ähnlich charismatisch wie Janis Joplin, der Funke will aber nicht so recht überspringen – zu gleichförmig und vorhersehbar kommen die Songs daher, allerdings spielerisch wie auch darbietungstechnisch auf Weltklasseniveau.

BildBlues Pills

Zum 2. Mal seit 2010 sind ORPHANED LAND aus Israel zu Gast. Sänger Kobi Fahri wirkt mit seinem Gewand und seinen Gesten fast wie ein Ersatzchristus, aber liefert genau wie seine beiden neuen Gitarristen eine schwermetallische Weltkasse-Performace ab. Als Special Guest entert dann noch BLIND GUARDIAN Gitarrist Marcus Siepen die Bretter. Einziger Wermutstropfen sind die orientalischen Instrumente die auch diesmal wieder vom Band kommen.

Melodischer Death Metal aus Finnland kommt jetzt von INSOMNIUM – wirkt bei fast 30 Grad und knallender Sonne irgendwie komisch, aber grundsolide und sehr unterhaltsam.

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Um die fast hochsommerlichen Temperaturen schert sich der MONSTER MAGNET Frontman dann auch einen feuchten Dreck und bestreitet den ganzen Gig mit Lederjacke. Der Herr hat zwar einige Kilo mehr auf den Rippen wie in den 90ern, agiert aber in allen Belangen taufrisch. Es wäre natürlich ein Leichtes gewesen direkt mit einen der Hits einzusteigen, stattdessen gibts erst mal ausgiebige Wah-Wah Orgien aus den Frühwerken um dann die Meute mit "Negasonic Teenage Warhead" und "Spacelord" zum Ausrasten zu bringen.

Der Sympathiepreis des Festivals geht eindeutig an Jeff Waters. Unglaublich mit welcher Leichtigkeit der breitgrindsende ANNIHILATOR Frontman über die Bühne hetzt und trotzdem dabei zu schweben scheint. Mit unbändiger Spielfreude und unmenschlicher Präzision gibt es Thrashperlen wie "Alice in Hell" oder "King of the Kill" auf die Lauscher.

BildDieses Energielevel können die Hardrocker TESLA natürlich zu keiner Sekunde erreichen. Der Sänger tanzt zwar um sein leben, aber so richtig will der Funke nicht überspringen wirkt man doch arg deplatziert zwischen den Thrash Heroen ANNIHILATOR und TESTAMENT.

Zum zweiten mal seit 2008 sind TESTAMENT in Gelsenkirchen am Start, dieses Mal allerdings mit Alex Skolnick. Seinerzeit hinterließ man einen eher schlechten Eindruck. Leider sollte es auch 2014 nicht besser aussehen – das Schlagzeug ist offenbar komplett getriggert, die Bassdrum zu sehr in den Vordergrund gemischt, sodass man die Gitarrenharmonien von Skolnick nur erahnen kann.
Auf der Habenseite stehen zwar die Songs vom Bockstarken aktuellen Langdreher und natürlich die unvermeintlichen Klassiker, doch als Trostpflaster für die ausgefallenen MEGADETH ist das doch eher wenig.

Zu feiern gibt es trotzdem genug, auch wenn durch die Abwesenheit von Identifikationspersonen wie Götz Kühnemund oder Frank Albrecht das Festival Anno 2014 irgendwie unpersönlicher geworden ist. Man darf also gespannt sein in welche Richtung sich das Festival entwickeln wird.

Mehr Fotos vom Rock Hard Festival 2014 findet ihr auf: http://killershots.de

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(Autor(en): Sebastian F.)
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