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Bericht:

30.07.2013

Rock Hard Festival 2013 - Sin(n)voll durch Pfingsten


BildNun bereits zum 11. Mal lädt die schreibende Zunft des Rock Hard Magazins zu Pfingsten in die weiß-blaue Fußballmetropole ins Amphitheater ein. Das Rock Hard Festival setzt sich auch mit seiner elften Ausgabe wohltuend von bekannten Massenabfertigungs-Veranstaltungen im hohen Norden ab. Klar ist man durch die Beschränkung auf knapp 9000 Besucher und dem Vorhandensein vom nur einer Bühne limitiert was die Bandauswahl angeht, doch wird dieses unerhebliche Manko durch die unglaublich familiäre Atmosphäre mehr als wettgemacht.

Freitag, 17. Mai 2013:

BildHellish Crossfire
Stumpf ist Trumpf heißt es beim Opener des Freitages. Stumpf bedeutet allerdings in diesem Falle schwarz angehauchter Thrash im Fahrwasser von Bands wie DESASTER oder NOCTURNAL. Klar, das ist alles weder besonders aufregend oder innovativ, aber man lärmt handwerklich auf höchstem Niveau und kann das noch spärlich besetzte Amphitheater sofort auf seine Seite ziehen.

Fleshcrawl
FLESHCRAWL gelten seit Beginn ihrer Karriere als die schwedischste Deathmetal Combo Deutschlands - kein Wunder - frönt man doch seit bald zwei Dekaden dem Schwedentod alter Schule. Auch ohne ein aktuelles Produkt im Gepäck bringt man schnell die ersten Reihen dazu die Nackenwirbel zu quälen.

Denial of God
Mit den Dänen von DENIAL OF GOD gibt es den ersten Stimmungsmäßigen Tiefpunkt. Dröger und langweiliger Black Metal von der CRADLE OF FILTH Resterampe - dämliche Pastoren-Klischeekostüme und Plastikgrabsteine vom Wühltisch. Das war gar nichts. Einziger Höhepunkt war das verstrahlte,verkleidete Hochzeitspärchen das zum Ende des Gigs vor der Bühe rumhampelte.

Audrey Horne
Nach drei eher extremen Bands gibt es jetzt was zum rocken. Bereits 2009 waren die Norweger in Gelsenkirchen zu Gast, konnten mich aber seinerzeit nicht wirklich überzeugen. Dieses Mal siehts ganz anders aus, denn mit den Songs des fantastischen neuen Albums im Rucksack, können die fünf Nordmänner das Publikum schnell auf ihre Seite ziehen. Ganz klar der Headliner der Herzen.

BildAudrey Horne
Ashes of Ares
Schon bald nach seinem gefühlten 3. Ausstieg bei ICED EARTH scharte Matt Barlow bereits eine neue Band um sich, und so war es nicht verwunderlich, dass man sich alsbald zur Live-Premiere in Europa wiederfand - diese sollte dann auch in Gelsenkirchen steigen. Diese Premiere gerät allerdings zur absoluten Gähnnummer – klar, man ist allesamt versiert an den Instrumenten, bringt zum Teil Jahrzehnte Erfahrung mit, aber man ist nicht in der Lage Songs mit Wiedererkennungswert zu schreiben. Die Komplettverweigerung Songs seiner Ex-Arbeitgeber wie ICED EARTH oder NEVERMORE zu spielen, zeugt entweder von Doofheit oder Arroganz. Was auch immer der Grund war, eine Band ohne aktuelles Demo oder offizielles Album spielen zu lassen - es war schlichtweg der langweiligste Headliner in der kompletten Festival Historie.

U.D.O:
Der große alte Herr des Teutonenstahls gibt sich die Ehre. Klar, Herr Dirkschneider ist mit seinen 40 Jahren Bühnenerfahrung kein Jungspund mehr, aber im Gegensatz zu der Gähnnummer die man kurz vorher ertragen musste ein würdiger Abschluss. Zu hören gibt es eine gute Mischung aus U.D.O: Songs und den allseits beliebten ACCEPT Stimmungskrachern. Spätestens mit "Screaming for a love Bite" entfacht man Begeisterung im Rund des Amphiteaters.

BildU.D.O.

Samstag, 18. Mai 2013:

BildHorisont
"Wer GRAVEYARD liebt wird HORISONT vergöttern" Behauptet das Rock Hard Magazin auf seiner Festivalseite. Naja, von vergöttern kann hier nicht die Rede sein. Im Momentanen Retro Overkill gehören HORISONT zwar zu den gutklassigen Genre-Vertretern, doch Bäume reißt man in Gelsenkirchen nicht aus. Zu austauschbar ist das Programm - dazu kommt der Gesang des Frontmannes der oftmals die Schmerzgrenze erreicht.

Mustasch
MUSTASCH waren mir bis dato kein Begriff - wer seinen Gig mit einem Motorengeräusch Intro startet, kann ja mal gar nicht so falsch liegen. Der Mann am Mikro sieht aus wie der kleine Bruder von James Hetfield, Flying V im Anschlag - beste Voraussetzungen also für einen klasse Gig. Den lieferte man auch ab.

Desaster
DESASTER kamen um zu herrschen. Und das tun sie auch. Ich habe die Herren gefühlte 10 mal gesehen und wurde bislang nie enttäuscht. DESASTER können offenbar keine schlechten Auftritte abliefern. Besonders heraus sticht auch diesmal wieder Saitenquäler "Infernal" Kuschke, der mit heraushängendem Lappen fleißig posend sein Brett bearbeitet. Gesangskante "Sataniac" bleibt zwischen den Songs wie gewohnt wortkarg und bedankt sich nur kurz.

BildDesaster
Naglfar
Klar - Black Metal funktioniert bei Sonnenschein und 25 Grad nur bedingt. Den Gegenbeweis erbringen aber NAGLFAR. Viel tun muss man dafür nicht, wenn man einen Frontman wie Kristoffer Olivius in seinen Reihen hat. Schminke und Plastikgrabsteine hat man hier nicht nötig - hier regiert ganz eindeutig eine frisch geschliffene Axt.

BildEnsiferum
ENSIFERUM haben seinerzeit ein vielbeachtetes und geniales Debut auf den Markt geworfen. Seitdem hat man leider stark abgebaut. So auch leider auf dem Live-Sektor. Klar, man ist in der Lage sein Publikum mitzureißen, Handwerklich ist auch alles im grünen Bereich, man vergeht sich allerdings in flachen Schunkel- und Mitsingplattitüden. Mal abgesehen davon kommt das ganze irgendwie viel zu Brav und sauber daher.

D-A-D
Nicht weniger als die "volle Show" hatte man im Vorfeld angekündigt - man durfte also gespannt sein. Die Erwartungen werden in der Folge voll und ganz erfüllt - zieht man doch alle Register - Bühnendeko in Schädelform, Pyros und die genialen Instrumentenkonstruktionen des Bassers sorgen für eine Rock Show mit hohem Erinnerungswert. Die Krönung allerdings war Schlagzeuger Laust, der nach etwa 50 Minuten mit seinem Schlagzeug hydraulisch umgedreht wurde um dann Kopfüber weiterzutrommeln. Komplett wirre, sinnlose aber genial anzuschauende Showeinlage!

Queensryche
Ähnlich gespannt wie auf ASHES OF ARES sind die Besucher wohl auch auf den Auftritt von QUEENSRYCHE, machte man doch in den letzten Monaten eher durch die Schlammschlacht mit Ex-Sänger Geoff Tate von sich reden - der nunmehr allein mit neuer Band durch die Lande zieht - als durch musikalische Großtaten. Was kann man da noch besser machen? Ganz klar: den Gig mit dem Überklassiker "Queen of the Reich" beginnen. Was in den folgenden 90 Minuten da unten passiert, kann man einfach nur als Magisch bezeichnen. Klassiker folgt auf Klassiker, Gänsehautmoment auf Gänsehautmoment - nur unterbrochen von zwei Hochklassigen neuen Songs.Wer sich in Zukunft QUEENSRYCHE nennen darf, ist schon nach den ersten Minuten geklärt, nämlich die Band um den äußert begnadeten "Neu"-Sänger Todd La Torre!

BildQueensryche

Sonntag, 19. Mai 2013:
Attic
Kein Festival ohne Sonnenbrand - so sollte es auch dieses Jahr sein. Sahen die Wettervorhersagen noch einige Tage zuvor tendenziell katastrophal aus, so herrschen bereits zur Mittagszeit hochsommerliche Temperaturen.

Die Ruhrpottler von ATTIC haben schon im Vorfeld einen schweren Stand - zu polarisierend ist der an KING DIAMOND erinnernde Falsettgesang des Frontmannes. Was auf Platte durchaus seinen Reiz hat, nervt nach 2 bis 3 Songs tierisch, da der Gesang ständig mindestens einen Halbton neben der Spur liegt... angeblich "muss das so sein" - klingt allerdings in meinen Ohren ziemlich fürchterlich. Auf der Habenseite stehen immerhin eine ganze Latte hochklassige Songs, die durch die ständigen Soundprobleme leider eher rumpelig daherkommen. Schade - hier wäre mehr drin gewesen.

Gospel Of The Horns
Als nächstes steht Thrash auf dem Programm. Die vier Australier lieben es schnörkellos direkt in die Fresse. Der Funke springt allerdings nicht so recht über, da der Großteil des Publikums katerbedingt offenbar noch ziemlich in den Seilen hängt. Alles in allem allerdings eine ziemlich spaßige Darbietung.

BildOrden Ogan
Orden Ogan
"Wir sehen uns gleich bei der Signing Session - da gibt es Poster und so - der Scheiß muss ja aus dem Keller weg" verkündet Frontman Seeb vor dem letzten Song der Arnsberger. Man hat sich seit 2010 nicht nur vom Opening Slot des Festivals nach oben gearbeitet, sondern auch aus den untersten Etagen ins Oberhaus der deutschen Metalszene gezockt. Warum dem so ist, zeigt man in Gelsenkirchen mehr als anschaulich. Mit einm eher von RUNNING WILD inspirierten Sound erzeugt man sofort Partystimmung auf den mittlerweile gut besetzten Rängen. Ein mehr als solider Auftritt.

Orchid
ORCHID gehören für mich zu den wenigen Bands der Retro-Riege die wirklich authentisch rüberkommen. Im Vorfeld hatte man einige Sorgen, ob man vor einem tendenziell eher auf Metal eingestellten Publikum würde bestehen können. Die Befürchtungen werden alsbald zu Nichte gemacht, kann man doch mit seinen ganz klar an BLACK SABBATH angelehnten Songs locker Punkte gut machen. In Zukunft ist allerdings noch ein bisschen mehr Eigenständigkeit nicht verkehrt.

BildOrchid
Tank
Bereits im Vorfeld stand ja schon fest, dass die britischen Metal-Veteranen ohne ihren etatmäßigen Sänger anreisen würden. Als Ersatz konnte man einen Herrn namens ZP Theart überreden, ehemals Goldkehlchen bei DRAGONFORCE. Eine seltsame Kombination die leider über die meiste Strecke des Auftritts nicht so richtig funktionierte. Klar man schüttelt Übernummern wie „This means war“ nicht nur aus dem Ärmeln, sondern musiziert mit ordentlich Wumms, aber der Gesang passt einfach nicht. Mit TANK assoziiere ich denn doch eher Dreck, von daher wars eine etwas zwiespältige Angelegenheit.

BildThreshold
Prog hat auf dem Rock Hard Festival seid jeher zwar einen festen Platz, aber einen genauso schweren Stand, aber nachdem klar war, dass die Genrevertreter in diesem Jahr THRESHOLD sein sollten, war allen klar - das gibt was. Zwar waren die Briten bereits zwei mal auf dem RH Festival zu Gast wenn man den wegen des Sauwetters 2004 abgebrochenen Gig mitzählt), allerdings noch nie mit Sänger Damian Wilson. Wilson übernimmt Anno 2013 dann auch die Rolle des überaus sympathischen Antreibers, der nicht einen Moment still steht, sondern mit seinen Ausflügen in den Bühnengraben und ins Publikum seine Sidekicks zu Höchstleistungen motiviert. Absolute Weltklasse!

Sepultura
Klar, über die Livequalitäten der Brasilianer zu schreiben bedeutet Eulen nach Athen zu tragen, aber was man hier bietet ist mehr als überragend. Die Band um Sänger Derrick Green explodiert von der ersten Minute an förmlich und spielt sich in einen unglaublichen Rausch. Klar mit einem Mann wie Eloy Casagrande hinter den Kesseln kann man sich im Grunde entspannt zurück lehnen, aber Andreas Kisser und seine Mitstreiter sind da aus einem ganz andern Holz geschnitzt, und machen den leider viel zu kurzen Gig zu einem kompletten Triumphzug. Klar "Dead Embryonic Cells" und "Beneath the Remains" werden nicht gezockt, dafür gibts aber überwiegend das komplette Programm mit alten Klassikern und einer unmenschlichen Energieleistung. Für mich und viele der Anwesenden DIE Überraschung des Festivals

BildSepultura
Mambo Kurt
Er Bühne - Ich Theke. Warum man den immer noch auf eine Bühne lässt ist mir schleierhaft.

King Diamond
Nach einer einstündigen Umbaupause, fällt der Vorhang vor der Bühne und gibt den Blick frei auf einen ziemlich aufwändigen Bühnenaufbau. Hinter einem eher fotounfreundlichen Zaun sind nachgestellte Gemäuer, eine große Treppe, diverse Fackeln und in der Mitte ein großes Pentagramm zu sehen, hat ein bisschen was von Disneyland auf Horror, sieht aber definitiv cool aus.
Das ganze brauchts nicht unbedingt, besitzt der King doch eine Bühnenpräsenz die in der Szene ihres gleichen sucht. Wenn ich jetzt behaupten würde ich wäre vertraut mit dem Werk des Dänen, müsste ich lügen, aber die Show ist perfekt und zieht auch so manchen Nicht-Fan in seinen Bann. Der King agiert fast wie ein Schauspieler der seine Songs immer wieder mit Showeinlagen und großen Gesten untermalt. Zum Schluss erkenne auch ich noch zwei Songs, nämlich "Come to the Sabbath" und "Evil". Nach dem abschließenden "Black Horsemen" verschwindet die Band dann im Dunkel der Gelsenkirchener Nacht.

Das wars dann - ich sag mal ich bin auch 2014 wieder dabei ;-)

Bild


Mehr Fotos vom Rock Hard Festival 2013 findet ihr auf: http://killershots.de (Autor(en): Sebastian F.)
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