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Bericht:

08.06.2010

Rock Hard 2010 - Pfingsten bei Kumpels


BildStaublunge, große Hitze und Metall sind für Kumpels normaler Weise eher unter Tage anzutreffen - zu Pfingsten haben das Rock Hard Festival und intensiver Sonnenschein all das ins Amphitheater, Gelsenkirchen verlagert.
Bereits am Donnerstag ist das Warten am Presse Check-In eine schweißtreibende Angelegenheit und ich froh, als ich mitsamt meiner äußert attraktiven weiblichen Begleitung wieder im Auto Richtung Essen unterwegs bin. Wie bereits im vergangenen Jahr habe ich mich auch 2010 für die Pendelvariante entschieden, auch wenn Camping eigentlich ein wesentlicher Bestandteil eines jeden Festivals ist. Es geht jedoch nichts über das eigene Bett und die tägliche Dusche - dreckig fühle ich mich dank der staubgeschwängerten Luft ohnehin schnell genug.

Chillen ist ein wichtiger Faktor, um das sommerliche Wetter unbeschadet zu überstehen. Dank Lichtschutzfaktor 666 (Naja, es war "nur" LSF 50, aber immerhin!) und meiner festivalerprobten Kopfbedeckung bin ich ideal gerüstet. Nach einer Runde Flunkyball im Nordsternpark ist es Zeit für die erste musikalische Attraktion des Tages: Um 17 Uhr dröhnen Katatonia alles zu, was Ohren hat.
Nachdem ich den Schweden-Fünfer bereits Anfang April in der Zeche Bochum erlebt habe, bin ich absolut angetan vom Open Air Sound. Auch wenn die Musik im Tageslicht ein wenig von ihrer Tragweite und Schwere einbüßt, gelingt es der Band um Sänger Jonas Renkse das Publikum in fast tranceartige Begeisterung zu versetzten. Auch Mid-Tempo Nummern können Ohrwurm - und Mitsingcharakter haben, was spätestens heute bewiesen wird. Präsentiert werden Stücke der vergangenen Alben, besonders von "Brave Murder Day" (1996) und "The Great Cold Distance" (2006), sowie dem aktuellen Longplayer "Night Is The New Day" (2009). Die Spielzeit von 45 Minuten ist viel zu schnell rum und ich freue mich schon auf die nächste Chance diese Ausnahmeband live zu erleben!


Katatonia

Als nächsten entern Sabaton die Bühne vor dem Rhein-Herne-Kanal. Für mich persönlich eine gute Möglichkeit um vor dem facettenreichen Abschluss des heutigen Tages noch ein wenig zu entspannen. Um 19:45 trifft der nächste Stockholm-Export im Pott ein: Die Allstar-Crew Bloodbath laden zum Stelldichein und da lässt sich kein Schweden-Death-Fan lange bitten! Die Tatsache, dass der Auftritt beim Rock Hard die bislang erst fünfte Liveappearence dieser Kombo ist, lässt ein Übermaß an Vorfreude der Fan-Schar erwarten. Und es soll heute niemand enttäuscht werden. Nachdem Jonas Renkse bereits einige Stunden zuvor seine Stimmbänder zum Vibrieren brachte, beweist er sich nun als versierter Bassist. Und auch die Katatonia Gitarrenfraktion Anders Nyström und Per Eriksson begibt sich abermals auf die Bretter des Amphitheaters. Komplettiert wird das Quintett von den Opeth-Mitgliedern Martin Axenrot an der Schießbude und dem äußert charismatischen Frontmann Mikael Ã…kerfeld. Die derartig hochkarätige Besetzung prügelt ihr Set durch, als ob es kein Morgen gäbe und auch das Publikum schraubt sich die Köpfe ab. Fliegende Fäuste vollenden das Panorama. Die Ansagen zwischendurch wirken durch den mitreißenden Humor von Sänger Mikael wie eine kleine Auszeit. Die nachfolgende Erscheinung in Form der niederländischen Senkrechtstarter The Devil's Blood ist ein noch zusätzlicher Ausspannfaktor. So sehr sie seitens der Festivalveranstalter abgefeiert werden, so sehr polarisiert diese Band auf Seiten der Besucher. Wer auf atmosphärische 60er-Jahre Klänge mit einer klaren Frauenstimme steht, ist hier genau richtig. Wer allerdings eine weitere Metalband erwartet, wird eher enttäuscht werden.


Bloodbath

Ich persönlich rocke ein wenig zwischen den Fronten, da ich TDB schon besser, aber auch wesentlich schlechter erlebt habe. Ähnlich wie bei Opeth, die bevorzugt ausladend komponieren, haben auch The Devil's Blood, besonders live ihre Längen. Da wird aus dem 2:37 Stück "The Graveyard Shuffle" eine 10-Minuten-Kaskade. Mich zumindest hält es nicht lange auf meinem Sitzplatz, denn "River Of Gold" ist ein beschwörendes Stück, welches nicht nur mich in seinen Bann zieht. Die Show wie das Album beginnen zu lassen, mag auf dem eigenen Headlinerkonzert eine gängige Strategie sein. Auf dem Festival bedeutet das eher, dass die Knaller schon in den ersten 10 Minuten abgeschossen werden. Und auch die Bühnenpräsenz hat nicht den gleichen Effekt, wie bei einer Clubshow - so habe ich die Band im Übrigen kennen gelernt. Eine versteinert wirkende Frontfrau umgeben von abrockenden Kerlen kann mich heute nicht überzeugen, auch vermisse ich die Kunstblutattacken. Wer in der ersten Reihe steht hat möglicherweise mehr von allem. Einzig das Licht sagt mir zu, denn im Mondlicht wirkt der Wechsel von Rot, Grün und Weiß durchaus beeindruckend. Um den Bus nicht zu verpassen, begebe ich mich noch vor Ende des Sets zur nächstgelegenen Haltestelle.



Morgens halb Zehn in Deutschland: Ab geht's zum zweiten Tag beim Rock Hard Festival. Irgendwie habe ich es in der Tat geschafft an diesem Tag nur eine einzige Band zu sehen, nämlich Kreator. Die restliche Zeit habe ich auf dem Festivalgelände oder im VIP-Zelt verbracht. Das Wasser im Kanal erscheint auch immer verlockender, aber bisher habe ich noch keinen Fuß dort eingetaucht. Ganz im Gegensatz zu so vielen anderen, die sich keine Karte gekauft haben, sondern von der anderen Uferseite aus der Veranstaltung beiwohnen. Die Menschenansammlung rund um das Amphitheater scheint einen Umfang zu haben, der fast genauso groß ist, wie der auf dem Festival selber. Kein Wunder, denn der Sound auf der anderen Seite ist nicht zu verachten und da die meisten Bands nicht aus Models bestehen, ist es nicht weiter tragisch, diese nicht sehen zu können. Tja, früher hat sich die Jugend aufs Dach gesetzt, um gratis Autokino gucken zu können und heute sitzt sie am Wasser und lauscht gratis Metalkonzerten. Ok, das mit dem Autokino ist eher in den USA anzutreffen, aber ein recht treffender Vergleich. Mein persönliches Highlight findet unmittelbar nach der Umgebungserkundung statt: Ein Auftritt bei der Karaoke. Nachdem ich im vergangenen Jahr mit dem Judas Priest Klassiker "Painkiller" direkt auf der großen Bühne landete, gibt es in diesem Jahr mächtig was in die Fresse. Da die Songliste recht kurzfristig überarbeitet wurde, habe ich mir 2010 "Refuse/Resist" von Sepultura ausgesucht. Die mit Abstand anstrengendsten 3:30 Minuten meines bisherigen Lebens. Und auch wenn es diesmal jemand anderes auf die Mainstage geschafft hat, bin ich sehr zufrieden und hab wieder ein paar neue Fans gewonnen.


The Devil's Blood

Der finale Festivaltag startet ein wenig später als geplant, da ich noch etwas angeschlagen bin und erst spät aus dem Bett komme und daher Keep Of Kalessin verpasse. Dafür entschädigt der Auftritt der Nachwuchs Poserband Chrashdiet mich gänzlich. Gute Laune am Nachmittag und der Tag ist gerettet. Bereits die Ankündigung der Schweden lässt jede Menge Glamour erwarten und genau das bieten die süßen Jungs. Rein optisch könnte es sich hierbei auch um eine reine Mädelsband handeln, also Crucified Barbara goes Hairmetal oder so ähnlich. Was die musikalische Komponente angeht haben Simon Cruz (Vocals), Eric Young (Drums), Peter London (Bass) und Martin Sweet (Guitar) den Fluxkompensator angeschmissen und sind wieder in 1985 angekommen. Wer WASP, Guns N' Roses und Billy Idol mag, wird Crashdiet lieben. Die aktuelle Kampagne Generation Wild hat bereits merklich viele Mitstreiter und das bei einer noch eher unbekannten Band, die am heutigen Tag ihr deutsches Festivaldebüt gibt. Zum Schluss hat mir noch einer der netten Bühnensecurity das Plek von Basser Peter in die Hand gedrückt - tausend Dank dafür!!!
Bis zum Abend muss ich nun noch warten bis die Bekanntgabe des Karaokegewinners ansteht. Anschließend beende ich das diesjährige Rock Hard für mich persönlich und reise - noch immer von total geflasht von Crashdiet - zu meinem Bett! Gute Nacht. (Autor(en): Katharina P.)
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