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Bericht:

23.11.2012

Party.San Open Air 2012 - Umzugs-Party(.San)


BildWas war die Vorfreude auf das diesjährige Party.San doch groß! Ein Billing, das den Mund wässerig macht, hervorragende Wetteraussichten und das erste Mal Backstage-Campen für uns. Und was haben wir doch für ein organisatorisches Heckmeck im Vorfeld (und Nachfeld) gehabt. Aus diesem Grund konnte sich auch nicht das gesamte norddeutsche Metal.tm-Trio auf den Weg machen und ebenfalls aus diesem Grund kommt der Bericht mit einiger Verspätung - aber besser spät als nie und deswegen sollt ihr nun ohne langes Federlesen von unseren Erlebnissen erfahren!

Donnerstag, 09.08.2012

Mit dem treuen Polo voll Bier und Fressalien machten sich also Death-Guru Sascha und ich auf den Weg nach Schlotheim - und erlebten das absolute Anreise-Fiasko. Obwohl ziemlich pünktlich mit einem verkaterten Mitfahrer losgegurkt, standen wir locker zwei bis drei Stunden im Stau, bevor wir überhaupt aufs Gelände konnten. Nicht zuletzt war die Ursache dafür, dass wir uns für unsere Presse-Ausweise einmal komplett aus der Stau-Schlange raus und dann wieder neu einreihen mussten. Nach einer ohnehin schon recht langen Anreise, ist das nicht unbedingt das, was man gebrauchen kann, zumal die Sonne knallte und die Kehle verdorrte.

BildAber seis drum, nachdem wir unseren Platz im Backstage-Bereich gesichert und unser Zelt aufgebaut hatten, konnte es endlich losgehen. Zwar hatten wir zwangsweise DEAD CONGREGATION verpasst, aber IN SOLITUDE sollten sie für uns mehr als würdig ersetzen. Also, Bier auf und ab zur Bühne. Man merkte zwar, dass die Schweden einen eher schweren Stand beim Publikum hatten, da der Großteil der angereisten Metalheads eher auf die extremeren Bereiche als auf klassisch inspirierten Heavy Metal eingestimmt war, die Bühnenshow war nichtsdestotrotz absolut klasse.

Während Sascha sich anderweitig vergnügte, standen für mich NIFELHEIM als nächstes auf dem Plan. Wirklich überzeugen konnten die schwedischen Schwarzmetaller allerdings nicht. Möglich, dass Bühnenshows irgendwann einrosten, Hauptproblem war aber eher ein ziemlich verwaschener Sound, was sich auf höhenlastige Musik freilich immer negativ auswirkt.
Als Highlight entpuppte sich dann aber wiederum das englische All-Star Projekt VALLENFYRE bei dem sich MYDYING BRIDE, PARADISE LOST und AT THE GATES Musiker vereint haben um mal wieder 'ne ordentliche Death Metal Axt schwingen zu können. VALLENFYRE zeigten sich alles andere als eine Altherren Gruppe und boten der Masse ein absolutes Spektakel. Sehr gute, intensive Liveband.

BildWährend als nächstes SOLSTAFIR die Bühne enterten, machten Kollege Sascha und ich uns getrennt mit dem Gelände vertraut. Was mir persönlich auffiel, war die sehr gute Organisation der Stände, die das gesamte Festivalgelände einrahmten, sodass man keine zeitraubenden Zickzackwege einschlagen musste, sondern bequem am Rand entlanggehen konnte. Sascha indes hatte den Backstage-Bereich gefunden und sich gemütlich mit einem überaus gut gelaunten Tom Angelripper unterhalten.

SODOM standen dann auch für uns beide als nächstes auf dem Programm. Und diese präsentierten sich mit einer Spielfreude wie selten zuvor. Da das Party.San Publikum ja eh eher Old-School eingestellt ist, wurden hier alte Klopper, wie z.B. "Blasphemer", total abgefeiert und ließen den Auftritt zu einer einzigen großen Party werden. Die Mähnen flogen, die Körper moshten und man musste sich zwangsläufig fragen, ob man so einen monumentalen Auftritt noch toppen könne.

Die Antwort auf diese Frage lautete: BOLT THROWER. Die Band besteht nun mittlerweile seit 1986, aber von Altersschwäche keine Spur. Fronter Karl Willets, der die Band bereits zwei mal verlassen hatte, ist wohl einer der charismatischsten und engagiertesten Sänger in der ganzen weiten Welt. Sascha hatte das Glück, beim Auftritt direkt vor ihm zu stehen und wie man seinem begeisterten Bericht entnehmen durfte, schreit sich der Kerl auch ohne Mikro komplett die Kehle raus wenn er die Massen anfeuert. Die Band aus Coventry hatte also tatsächlich das Ruhrpott-Urgestein an die Wand gespielt und somit in unseren Augen den Headliner-Slot auch mehr als verdient.
Bis auf den Anreise-Stau war der Donnerstag für uns also absolute Spitzenklasse und eigentlich sollte man meinen, dass es danach nur noch bergab gehen konnte...

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Freitag, 10.08.2012

Pustekuchen!

Der Freitag stand ganz im Zeichen einer wunderbaren Bekanntschaft, denn kaum dass man sich den Schlaf aus den Haaren geschüttelt hatte, stellten wir fest, dass neben uns die Truppe von OBSCURE INFINITY ihr Lager aufgeschlagen hatte. Was Sascha veranlasste, Sänger Jules in sein Whiskey-Frühstück mit einzubeziehen und mich, unsere Biervorräte kräftig an die Mitglieder zu verteilen. Was zwar der Beginn einer wunderbaren Festival-Freundschaft war (dazu später mehr), wirkte sich freilich nicht sonderlich positiv auf unsere Motivation, vor die Bühne zu gehen, aus.

BildKollege Sascha verhielt sich jedoch vorbildlich und raffte sich für ASSAULTER und IRON LAMB auf. Durchaus nicht zu unrecht, denn seinem Bericht nach, haben sich beide Auftritte sehr rentiert. Für mich persönlich wurden erst GOSPEL OF THE HORNS interessant. Über die CD-Qualitäten kann man sich möglicherweise streiten, was den Live-Auftritt betrifft, waren mein Kollege und ich uns jedenfalls absolut einig: Die Black/Thrash Kapelle aus Downunder riss sich für das Publikum echt den Arsch auf und ballerte derart intensiv ihre Songs runter, dass nicht nur uns die Kinnlade runterfiel. Für uns ein absoluter Live-Geheimtipp. Während ich mich für ein kleines Nachmittagsschläfchen wieder in den treuen Polo verzog, vergnügte sich Sascha prächtig bei ENTRAILS. Zwar mag die Rumpelkombo auf den Rookie im Death Metal nicht besonders spektakulär wirken, da die Show doch eher traditionell gehalten war, für jeden Fan war es aber absolutes Highlight.

BildNach einer kurzen Erfrischung am absolut günstigen und definitiv köstlichen Schwarzbier, ging es für meinen Kollegen weiter zu GENERAL SURGERY. Auch hier wurde das Death Metal Herz höchst erfreut. Eine super Live-Band, die den Pit ordentlich kochen ließ, was unser Oldschooler am eigenen Leib zu spüren bekam. Wo gehobelt wird, da fallen Zähne oder so ähnlich (aber keine Angst, ihm gehts gut).
Weiter gings zu CHAPEL OF DISEASE, die genau wie GOSPEL OF THE HORNS eine richtige Live-Band zu sein scheinen. Sehr guter Old-School Death Metal bei dem man richtig schön mitschunkeln konnte. Für den ambitionierten Gerumpel-Liebhaber eine definitiv sehenswerte Band.

Danach kam, wenn man so will, die deutsche Antwort auf AMON AMARTH. DECEMBER FLOWER haben zwar einen ähnlichen Sound wie die Schweden, jedoch ohne pompöses Showgetue. Melodic Death, der trotzdem richtig Arsch in der Hose hat, bieten die Jungs aus Delmenhorst und waren wohl an diesem Tag die professionellste Band auf der "kleinen Bühne".
Danach fand endlich wieder zusammen, was (mindestens auf diesem Festival)zusammen gehörte: Das norddeutsche Duo und unsere neuen Freunde von OBSCURE INFINITY. War mir die Band vorher völlig unbekannt und ist auch Death Metal nun eigentlich so gar nicht meins, war ich trotzdem mehr als begeistert von der Intensität, mit der die Jungs die Bühne gerockt haben. Vor allem Sänger Jules rannte wie ein Wahnsinniger über die Stage und poste was das Zeug hielt. Nach einem solchen Morgen hätte ich diese Energie bei weitem nicht erwartet. Sehr schön zu sehen, dass es immer noch Bands mit Rock'n'Roll Lifestyle gibt, ich bin jedenfalls seit diesem Auftritt Fan!

BildOh, und wie langweilig waren danach GHOST BRIGADE. Keine drei Songs hat es uns vor der Bühne gehalten, da waren wir schon wieder auf dem Weg in den Backstage-Bereich, um 'n Bierchen zu trinken und neue Kontakte zu knüpfen (hier sei übrigens erwähnt, dass der Backstage-Bereich hinter der Bühne absolut Weltklasse war - sowohl von den Leuten, die man dort treffen konnte als auch von dem gesamten, sehr heimeligen Ambiente her). Und dort saß man dann also so nett, dass man gar nicht so recht Lust hatte, sich NILE anzusehen. Für mich persönlich war sowieso bloß der Headliner des Freitags wichtig. Also noch den Schluss von NILE gesehen (und wie immer als langweilig empfunden - aber das ist wohl Geschmackssache), nach vorne durchgekämpft und dann war der Moment da: Die großen IMMORTAL. Heiligsblechle, wie ich diese Band abfeiere!
Gut, man mag auch hier geteilter Meinung sein und mindestens Kollege Sascha fühlte sich eher bemüßigt, sich aufs Ohr zu hauen, ich hingegen hatte wahnsinnig viel Spaß. Zwar wirkten die Show-Eeinlagen eher etwas hölzern und Gitarrist und Sänger Abbath nicht wahnsinnig motiviert, über die Bühne zu flitzen, aber der Sound war bombastisch gut und der nächste Morgen sollte kräftige Nackenschmerzen mit sich bringen.

So, letzte Band hat gespielt und ich war wach. Was sollte man dann also tun? Zurück zum Camping-Gelände und Bier trinken. Soweit der Plan, doch kein Mensch da oder wach! Sehr zu meiner Freude blieb ich allerdings nicht lange allein, denn irgendwann folgte die dritte Begegnung an diesem Tag mit den Jungs von OBSCURE INFINITY und eine Party mit zufällig angetroffenen und mitgeschleppten Leuten aus dem Backstage-Campinggelände, die auch Kollege Sascha wieder aus dem Zelt holte und bis ca. 06:00/7:00 Uhr morgens andauern sollte. Wer braucht schon Schlaf?

Samstag, 11.08.2012

Konnte ich mir dieses Schlafdefizit durchaus erlauben, da die Bands, die ich sehen wollte, eh erst abends in der Viererfolge INSOMNIUM-TANKARD-NAGLFAR-BEHEMOTH spielen sollten, muss ich an dieser Stelle Kollege Saschas Selbstdisziplin einmal besonders hervorheben. Der stand nämlich schon richtig früh wieder an der Front, um sich CASHLEY anzusehen. Für den einen oder anderen war dieser Rockabilly Act allerdings anscheinend bereits der Anfang vom Ende eines ernstzunehmenden Festivals und mein Kollege stand dem auch eher skeptisch gegenüber. Allerdings schien es den meisten Leuten dann doch zu gefallen, letztlich zählt ja nur das. Im Endeffekt eine nette andere Art die Leute zu wecken und auf das Gelände zu locken.

BildWeiter gings dann mit den Holländern RECTAL SMEGMA, die auch auf dem EXTREMEFEST schon gut unterhalten haben. Die Kaputten aus Naaldwijk sind es immer wieder wert, gesehen zu werden. Die Jungs haben einfach Spaß an der Sache und waren in Schlotheim mittags um zwölf dann auch schon richtig voll, was zur Folge hatte, dass sich Bassist Baard beim Rumrennen kräftig auf die Fresse gelegt hat.
Als nächstes dann ein weiterer Grund für unser Metal-Urgestein überhaupt zum Party.San zu fahren: Die TRASH AMIGOS sollten den Bangern kräftig zeigen, wie der Old School Thrash Hammer richtig geschwenkt wird. Das die ex-MERCILESS bzw. HARMS WAY Cowboys es wirklich drauf haben, dürfte jedem klar sein und trotzdem wurden sie auch auf dem Party.San nicht entsprechend honoriert, wie mein Kollege feststellen musste. Guter Gig vor ziemlich wenigen Leuten. Schade.

Im Laufe des Tages gab es noch viele weitere Highlights wobei man wohl besonders die polarisierenden NOCTE OBDUCTA, ARCHGOAT, WARBRINGER und auf der Tentstage REVEL IN FLESH erwähnen sollte. Letztere waren es dann auch, die die Köpfe der Meute vollends abgeschraubt haben. Die Schwaben sind für die Live Auftritte zum Quintett herangewachsen und haben sich richtig ins Zeug gelegt.

Und nun kommt der Punkt, an dem mir immer noch regelmäßig die Tränen kommen: Keine epische Viererfolge für Jannes. Aus privaten Gründen mussten wir das Festival leider vorzeitig verlassen und den für unseren Geschmack viel zu frühen Rückweg in den hohen Norden antreten, weswegen eine Berichterstattung über diese Bands leider an dieser Stelle entfallen muss.

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Fazit:
Trotz unserem zwangsweise früheren Abschied vom Party.San 2012, können wir auf ein rundum gelungenes Festival zurückblicken. Der Preis ist für ein durchaus hochkarätiges Line-Up mit 65 Euro mehr als fair bemessen, die Verpflegung vor Ort von den Preisen und der Qualität her ebenfalls ein Traum, und was für uns fast noch entscheidender war: Wie viele Musiker sich als ganz einfache Gäste auf dem Gelände tummelten und verstanden, wie viele Personen hinter den Kulissen der Szene man kennenlernen konnte und wie wenige Festival-Touristen man gesehen hat. Das Party.San ist tatsächlich noch ein Treffpunkt für die Szene und damit in jedem Fall wärmstens für das nächste Jahr zu empfehlen. Wir jedenfalls kommen gerne wieder! (Autor(en): Jannes B., Sascha S.)
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