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Bericht:

05.10.2011

Party.San Open Air 2011




Morbid Angel

Die eigentlich erste Band des Tages spielt nicht auf der Mainstage, sondern gibt im Partyzelt den Aufheizer. CASHLEY fallen aber erstmal stark von dem ab, was man auf dem Party.San eigentlich erwartet. So bieten die drei Jungs aus dem Berliner Ostteil, locker flockigen Rockabilly Sound in feinster Johnny Cash und Elvis Presley Manier. Eigentlich ganz witzig und das Zelt ist gut gefüllt, als ich etwa zur zweiten Hälfte ihres Sets eintrudel, aber noch mehr Spaß hätten CASHLEY mit ihrer Spaß- und Tanzmucke sicher am Abend nach den Hauptbands, im Partyzelt gemacht. However, so war es eine feine Untermalung zum Startbier holen und ab geht es zur Hauptbühne...

DAWN OF DISEASE haben die undankbare Aufgabe des Samstagsopeners. Mittags um zwölf am letzten Festivaltag, bei trübem, aber trockenem Wetter schallen die allgemeinen Rundumschmerzen am eigenen Leibe meist lauter als jede Band. Der Schwedentod-ähnliche Sound der fünf Osnabrücker dringt jedoch zu mir durch und aufgrund der Eingängigkeit und des Mitwipp-Charakters kann man die Band recht gut "zum Eingewöhnen" ertragen. Nein im Ernst, DAWN OF DISEASE spielen ihr Set recht souverän und können auch ein gesundes Trüppchen vor die Bühne scharen. Mich rissen sie jedoch nie so richtig vom Hocker. Ihnen fehlt noch der gewisse "Hammer Smashed Face"-Übersong. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.


Cliteater

Kein Stück anspruchsvoller, aber wesentlich lustiger geht es mal wieder bei den Tulpenschlächtern von CLITEATER zur Sache. Getreu dem Motto "Eat Clit Or Die!", pornen sich die Spaßdeather hochqualitativ unter jede Gürtellinie. Ebenfalls nach 2007 zum zweiten Mal auf dem Party.San, fühlen sich die Männer hier direkt wie zu Hause und werden auch so empfangen. Sänger Ivan springt agil wie immer auf der Bühne auf und ab und lädt das Publikum bei jeder Gelegenheit mit einem sympathischen "niederländischdeutschenglisch" zum Mitmachen ein. Der CLITEATER'sche Prügeldeath mit Gegrunze und Gequieke ist an sich nichts besonderes, aber die Jungs sind an dieser Stelle hier und heute genau die Richtigen, um einem schönen Festivaltag mal kräftig auf die Beine zu helfen.

WITCHBURNER...
...aufgrund einer ausgiebigen Morgentoilette muss ich auf diese Jungs leider verzichten.

BildNun betritt endlich die Band die geweihten Bretter des Party.Sans, auf die sicher schon viele sehnsüchtig gewartet haben. Die Band des ehemaligen ILLDISPOSED Drummers Michael Enevoldsen, welche zwar schon seit 1994 im Untergrund rumoren, es aber bislang nicht auf ein deutsches Festival geschafft haben. Mit "Regiment Ragnarok" prügelten sie sich endgültig in die Oberliga der skandinavischen Extremmetalszene. Die Rede ist natürlich von PANZERCHRIST. Das CHRIST im Namen hat übrigens nichts mit der textlichen Botschaften der Band zu tun. Hier geht es ausschließlich um den zweiten Weltkrieg. Mal was ganz anderes also! Brachial und mit dem Sound auffahrender Panzer geht es los. Kurz darauf ein Inferno aus Blast und... Blast! Etwas irritiert nimmt man den etwas später auf der Bühne erscheinenden Sänger war. Ein Lockenköpfchen in Jeans, Lederjacke und weißem Shirt (!), dessen Stimme aber jedweden Zweifel an Authentizität verschwinden lässt. Wie meistens bei solchen Bands bleibt leider der Sound etwas auf der Strecke. Die vielen Gravityblasts sind kaum wahrzunehmen und deswegen entstehen ab und zu gewisse Soundlöcher. Insgesamt drischt sich die Band aber sehr souverän durch die vornehmlich letzten beiden Alben. Dem Publikum gefällt es und zum Abschluss gibt es noch ein METAL CHURCH Cover, nämlich "Metal Chuch". Die sicher langsamste Nummer ihres Sets, aber sehr kultig. Ich bin sicher, dass die Band Ihren ersten Gig hier im Land der dichten Denker als Erfolg verbuchen können.

Nach PANZERCHRIST folgt nun das totale Kontrastprogramm. Die niederländischen Pagan Metaller von HEIDEVOLK verwandeln die Bühne in einen mittelalterlich anmutenden Jahrmarkt. Tamburin, Hörner und Flöten ersetzen die Blasts der Vorgängerband und zu alledem zwei klar singende Herren an den Mikros. Da soll noch mal einer sagen, Metaller wären nicht belastbar! Vermutete ich nach den ersten Klängen noch Mord und Totschlag in den ersten Reihen, so werde ich bald eines besseren belehrt. Schnell switcht der geneigte Metaller auf "Tanzmode" um und schunkelt sich in beste Laune. Man kann tatsächlich kein Abwandern vor der Bühne beobachten. Ganz im Gegenteil, HEIDEVOLK scheinen eine große Base im Schlotheimer Publikum zu haben und so wird mit erhobenen Methorn und unzähligen Bierchen gefeiert bis zum letzten Maultrommelschlag.

EXHUMED bringen den Lacher des Tages! Irgendwie ist die Tatsache, dass das Party.San nicht mehr in Bad Berka stattfindet, an den Amis vorbei gegangen und so stehen sie mit ihrem Nightliner mitten auf dem leeren Feld des früheren Veranstaltungsplatzes. Hätte zu gern ihre Gesichter gesehen. Jetzt müssen sie also erst einmal die etwa 50 Kilometer nach Schlotheim gurken und so lässt man TAAKE den Vortritt.

Statt gory Amigemetzel also erstmal kälteste Black Metal Kunst aus dem hohen Norden Norwegens. TAAKE sind Black Metal wie er sein soll. Ganz im Stile von MARDUK und CARPATHIAN FOREST schreddert der Vierer um Frontmann Ørjan "Ulvhedin Hoest" Stedjeberg recht basslosen, aber abwechslungsreichen Schwarzwurz in die Menge. Im Unterschied zu vielen ihrer Kollegen, zelebrieren TAAKE ihre Texte in ihrer Heimatsprache. Ausnahme bleibt das G.G. Allin Cover "Die When You Die". Das gerade auf dem Party.San der Anteil der Black Metal Fans sehr hoch ist, wird hier noch mal so richtig deutlich, denn TAAKE werden heftigst abgefeiert. Respekt!

Von den bitterernsten Satansbraten wieder zurück zur guten Laune. EXHUMED, der uneheliche CARCASS Bastard aus den Staaten, hat mal wieder eine gar entzückende Schlachtplatte vorbereitet. Chefmetzger Matt Harvey weiß gekonnt die besten Stücke zu sondieren und so gibt's Feinkost wie "I Rot Within", "As Hammer To Anvil" und "Necrotized" perfekt blutig auf die Fresse serviert. EXHUMED sind ein fleischgewordener Splatterfilm. Hier beweisen sie mal wieder, dass sie DIE Symbiose aus Gore, Spaß und frischem Pils sind. Um dies zu unterstreichen, gibt es auch gleich "The Matter Of Splatter" hinterher. Nach einer dreiviertel Stunde Goregrind at its best kann man wohl sagen, dass sich das Warten auf die leicht verpeilten Amis gelohnt hat.

Gut, wenn man Kollegen hat, die mitdenken. Da meine Nacht nach einem grandiosen MORBID ANGEL Gig erst richtig anfing und ich schlafen ging, als am nächsten Morgen die letzten aufstanden, geht es mir auch nicht ganz so gut. Mein erstes Aufstehen wird dann auch lautstark mit Standing Ovations kommentiert, was meinem Riesenkopf nicht sonderlich gut gefällt. Also gleich nochmal in die Koje, irgendwann muss es doch besser werden. Darauf warte ich diesen Tag leider vergebens.
Somit müssen dann leider NACHTMYSTIUM ohne meine Anwesenheit auskommen, was aber wohl nicht weiter schlimm ist. An unserem Camp sind zumindest alle begeistert und ich ärgere mich etwas über mein zügelloses Nachtverhalten. Gerne hätte ich mich von der Kombination aus Seventies Rock und Black Metal einmal live überzeugt. Auf Platte schon eine geile Sache, berichtet jeder wie grandios NACHTMYSTIUM auf der Bühne sind, argh.

Auch die Holländer HAIL OF BULLETS müssen ohne mich spielen. Zumindest riskiere ich, dank eines abschüssigen Geländes, einen Blick auf die Bühne. Martin van Drunen und seine Mannen haben einen guten Tag und spielen eine großartige Show. Die Meute vor der Bühne weiß das zu würdigen und bekommen von Martin und co ordentlich Feuer unter dem Hintern gemacht. Nun muss man aber auch dazu sagen, dass eine Band wie HAIL OF BULLETS oder ASPHYX gerade auf der Bühne eigentlich immer eine Bank ist. Trotzdem gute Show, Jungs.
(Autor(en): Christian T., Tino S.)
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Kommentare

06.10.2011 13:41 Uhr AnimatismA
So unterschiedlich sind die Geschmäcker. Ich finde das letzte Album von Enslaved ist der Hammer (und ihre Entwicklung), und dafür die alten Alben öde
 
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