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Bericht:

05.10.2011

Party.San Open Air 2011




Primordial

MELECHESH - aus dem hebräischen für "König des Feuers" spielen Black Metal mit orientalischen Einflüssen. Bisher kannte ich von der Band nur das Logo. Schande über mich, ja! MELECHESH erweisen sich Ruckzuck als die Überraschung des heutigen Tages! Bis jetzt jedenfalls. Sie zelebrieren ein extrem abwechslungsreiches Black / Death mit etwas Thrash Gemisch und eben, ja, dem "orientalischen" Flair. Der charismatische Sänger Ashmedi gründete seine Band bereits 1994 in Jerusalem, daher die Einflüsse. Unter anderem wegen der Vorwürfe der Gründung eines Satanskultes wurde er bald seiner Heimat verwiesen und zog nach BildHolland. Dort scharte er rasch neue Musiker um sich und seit spätestens dem 2010 erschienenen "The Epignesis", haben sie einen festen Platz in der Black Metal Oberliga. Textlich geht es aber mittlerweile eher um mesopotamische Mythologie, als um den Beelzebub. Bei MELECHESH passt irgendwie alles und es ist fast schon etwas schade, dass auch sie nur einen 45 Minuten Slot haben.

Nun aber Schluss mit Lustig! Mit BELPHEGOR gibt es jetzt erst mal so richtig auf die Fresse! Die vier Salzburger, die aussehen, als wären sie gerade aus dem tiefsten Schlund der Hölle gekrabbelt, machen bekanntlich keine Kompromisse und zerschreddern vom ersten Ton an alles in Grund und Boden. Stilecht, mit Ziegenschädel und Gedärmen um die Mikroständer. Zudem gibt es aufgrund der einbrechenden Dunkelheit zum ersten Mal die Party.San typischen Feuersäulen von der Hauspyro. Das gibt der gesamten Inszenierung den letzten diabolischen Schliff. Die Jungs geben sich gewohnt düster und Sänger Helmuth transferiert die Energie durch permanentes Herumgerenne und theatralisches Gezappel direkt ins Publikum. Macht durchaus Spaß dem ganzen zuzusehen.


Belphegor

Bleiben wir doch gleich beim Thema. Denn weiter geht es mit Düsterheimern im Highspeed Format. Diesmal aus dem Mutterland des Black Metals, Norwegen. 1349 spielen bereits zum zweiten Mal auf dem Party San und laufen mit ihrem Old School Black Metal traditioneller Art, stets offene Türen ein. Die Männer um den ehemaligen SATYRICON Drummer "Frost" werden trotz vorhergegangenen BELPHEGOR Gemetzel gebührend empfangen und nach den ersten Takten wird auch klar, dass sie das Niveau der Vorgänger leicht halten können. Scheinbar ist Bild
es sogar noch etwas voller vor der Bühne geworden. Basser "Seidemann" zockt den ersten Song in einer Art Mönchsrobe mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze und wirkt gegenüber seinen Mitmusikern irgendwie... nun ja, nicht ganz ernst zu nehmend. Beim nächsten Song war es ihm dann aber selbst zu albern (oder zu heiß?) und das Ding flog an den Bühnenrand. Hier gibt es Black Metal in reinster Form, präzise gespielt und bei jetzt völlig eingetretener Dunkelheit auch richtig geil von der Lichttechnik in Szene gesetzt.

Für die Co-Headliner des heutigen Tages hat man sich für die finnischen Schwertträger von ENSIFERUM entschieden. Irgendwie spielen die Jungs auch überall und... dauernd. Aber was solls? Irgendwie hat ihr Mix aus Viking, Pagan und Death Metal immer genügend Zündstoff für eine gute Party. So auch heute, wie man eindrucksvoll bewiesen kriegt. Ob es an dem folgenden Headliner liegt, an der allgemein sehr angestiegenen Bierlaune, oder an der Band selbst - das Gelände ist gerammelt voll und überall scheint die leicht verdauliche Mucke der fünf Rockträger zu greifen. Ein sehr zufriedenstellender Gig, welcher sogar ein wenig von der Vorfreude auf MORBID ANGEL abzulenken vermag.

BildDas meist kontrovers diskutierte Death Metal Album des ersten Halbjahres 2011 dürfte wohl von den Altmeistern aus Florida kommen. Ja, da gibt es jede Menge Altmeister, aber die Rede ist natürlich von denen, die Ihre Platten artig nach dem Alphabet ordnen. Mittlerweile bei "I" angekommen offenbarten MORBID ANGEL dem ehrfürchtigen Fan in diesem Sommer ein seltsames Package aus einerseits altbekanntem und typischen Krachern, aber andererseits ziemlich fragwürdigen Elektro-EBM-Wasweißich Experimenten. Was immer sich Bandbrain George Emanuel III alias Trey Azagthoth dabei dachte, wichtig ist, dass sie heute bloß nicht zu sehr in diese Richtung abrutschen und ihr heiliges Ansehen aufrecht erhalten. Man ist gespannt! Los geht's nach kurzem Grünlicht- und Nebelschwadenintro mit "Immortal Rites". Die Soundwand ist fett und auf der Bühne alles wie gewohnt: Mister David Vinzent mit rotem Bass und schwarzem Leder. Links Gitarrist "DestrucThor" Anders Myhren, die coole Sau, die immer ausschaut, als müsse er direkt nach dem Gig zur nächsten Band und weiter zocken. Rechts Trey Azagthoth, eingewickelt in seinem eigenen Haupthaar und ich habe es wieder nicht geschafft, einen Blick auf sein Gesicht zu erhaschen. Jedenfalls frickelte sich der introvertierte Saitenmagier wieder auf irgendeinen anderen Stern. Nur an den Drums ist es diesmal anders. Da sich der altgediente Pete "Commado" Sandoval momentan noch von seiner Rückenoperation erholen muss und in der Reha ist, verpflichtete man kurzerhand Tim Yeoung, welcher schon das aktuelle Album "Illud Divinum Insanus" eingespielt hat. Nach den folgenden Songs "Fall From Grace" und "Rapture" fällt niemand mehr der Unterschied auf. Mittlerweile hat es leider wieder angefangen, wie aus Kübeln zu schütten. Was es den Diehard Fans jedoch leichter macht, nach vorne zu kommen. Nach "Angel Of Disease" wird dann endlich Material vom neuen Album angekündigt. Angstsekunden und rasche Entwarnung: "Existo Vulgore" wird in die nassen Massen gejagt. Für mich mit "Blades For Baal" der stärkste Song von "I". Direkt im Anschluss folgt das nicht mehr ganz so neue "Nevermore", welches sie schon seit 2009 live zockten. Leider soll es für heute bei diesen beiden Neulingen bleiben, was ich angesichts der Tatsache, dass sie auf Wacken noch "I Am Morbid" zum Besten gaben, sehr schade finde. Vielleicht liegt es am immer heftiger werdenden Regen, aber nach "Maze Of Torment" und dem choralen "Chapel Of Ghouls" ist unverhofft Schicht im Schacht. Kein "God Of Emptiness" und keinen einzigen Song von der mächtigen "Domination"... noch mal "schade"! Seltsam vor allem in dem Moment, da die Band ohne Zugabe von der Bühne geht, aber nach ihrem Abgang das Licht wieder gedimmt wird und ein Intro beginnt. Natürlich bleiben alle stehen und warteten zumindest noch auf "God Of Emptiness". Aber nach gefühlten 15 Minuten gehen die Scheinwerfer wieder an und man erkennt, dass die Roadies schon das halbe Drumset abgeschraubt haben!
Also resümierend, und von dem etwas jähen Ende mal abgesehen, bieten MORBID ANGEL jedoch einen sehr guten Gig mit alles Trademarks der Band und "fast" allen Klassikern. Man kann also getrost über "Illud Divinum Insanus" weiter meckern, aber live bleiben MORBID ANGEL eine Macht!
(Autor(en): Christian T., Tino S.)
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Kommentare

06.10.2011 13:41 Uhr AnimatismA
So unterschiedlich sind die Geschmäcker. Ich finde das letzte Album von Enslaved ist der Hammer (und ihre Entwicklung), und dafür die alten Alben öde
 
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