Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin


Bericht:

24.09.2010

Party.San 2010


BildDas Party.San Open Air (PSOA) sehe ich immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits ist es eines meiner liebsten Festivals, andererseits ist es aber mittlerweile das letzte Open Air meines Festivalsommers. Dennoch überwiegt bei mir meist die Freude, so auch in diesem Jahr. Der Wetterbericht verspricht ein trockenes, zweites Augustwochenende. Die Einkäufe sind gemacht, das Auto ist vollgetankt - also Leinen los, Segel setzten und einmal quer durch Deutschland. So viele Leute wie dieses Jahr waren aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis noch nie zusammen auf dem PSOA. Bereits kurz hinter Hannover der erste Anruf: "Wir sind da. beeilt euch hier ist schon mächtig voll." Tja, trotzdem konnte ich mein Auto nicht überzeugen, die Schallmauer zu durchbrechen.
Am frühen Mittwochabend haben auch wir es dann endlich geschafft und rollen auf das Campinggelände. Wenn ich da schon gewusst hätte, was mich erwartet... Auto steht, Freunde sind begrüßt und das Bier schmeckt auch schon wieder. Das Party.San kann beginnen!

Schnell erst einmal Bändchen holen, solange die Schlange noch nicht allzu lang ist. Nun können wir in aller Ruhe den ersten Abend einläuten. Nach einigen weiteren Kaltgetränken, machen wir uns auf den Weg ins wie immer gut gefüllte Partyzelt. Gegen Mitternacht kommen dann die letzten unseres Camps für diesen Tag an. Kurz einweisen und beim Zeltaufbau anfeuern, das geht natürlich am besten... na, das könnt ihr euch wohl schon denken. Zu vorgerückter Stunde bleibt dann ein Securitywagen neben meinem Auto stehen und bittet mich freundlich, die Rettungsgasse frei zu machen. Ah, fünf Meter reichen nicht - okay dann sind die Rettungsfahrzeuge hier wohl größer als im Rest von Deutschland. Der junge Mann lässt sich auch nach Darlegung meines momentanen Alkoholpegels nicht von seinem Plan abbringen. Also, ab ins Auto und zu zweit diese Aufgabe (erfolgreich) lösen. Bitte nicht nachmachen!!! Hoffe, der Security hat keine Pläne zur Verkehrspolizei zu wechseln. Das ganze übrigens nur, um die Rettungsgasse von fünf Metern auf fünf Meter fünfzig zu verbreitern.


Ketzer

Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück, bin ich bereit für den ersten Festivaltag. Die Zeit bis zum Öffnen des Geländes wird standesgemäß genutzt. So hatte ich mir den Tag vorgestellt. Leider ist das erste, was ich an diesem Tag sehe und höre, Nasses von oben. Nachdem wir feststellen, dass dies mehr als nur ein kleiner Schauer ist, sinkt die Stimmung das erste Mal. Für einen Augusttag ist es auch nicht gerade warm. Unser bester Freund für diesen Tag soll ein Pavillon werden. Auf dem Boden des Campingplatzes bilden sich schnell erste Pfützen und Rinnsale.
Um 18.00 Uhr ist es dann soweit - die "Tore zur Hölle" werden geöffnet und auch die Wettergötter haben ein Einsehen, die Schleusen werden wieder geschlossen. Im Handumdrehen strömen stattdessen die musikhungrigen Metalheads die Wiese. Die Stände sind schnell gefüllt, wobei noch nicht einmal alle aufgebaut haben. Das Geld im Portemonnaie schrumpft zusehends, dafür füllen sich die Einkaufstüten in Windeseile.
Pünktlich, eine Stunde nach Eröffnung, entert dann Deutschlands Thrash Metal Hoffnung KETZER die Bühne und selbst die Sonne lässt sich blicken. Sofort geben die Jungs richtig Gas und die ersten Matten kreisen im Publikum. Für einen Opener haben KETZER einen amtlichen Sound und die Songs klingen räudig, tight und sehr Black Metal lastig. Die vier haben Blut geleckt und legen eine Spielfreude an den Tag, die ihres gleichen sucht.
MERRIMACK standen für mich heute nicht auf dem Programm, so habe ich etwas Zeit um die Neuerwerbungen sicher zu verstauen und etwas Bier nachzulegen.


Devourment / Monstrosity

Als nächstes dann die angesagteste slaming Brutal Death Band: Mike Majewski und Konsorten, besser bekannt als DEVOURMENT. Von Beginn an spielen sich die vier in die Herzen des Publikums. Mit ihrem abwechslungsreichen Sound im Ohr, verwandeln die Massen vor der Bühne den Boden in einen schlammigen Circlepit. Gewohnt cool präsentiert Mike Songs wie "Masturbating at the slab", "Festering vomitous mass" oder auch das brutale "Babykiller". Der PSOA Auftritt ist der Auftakt zur Europa Tournee der Amis und auf dieser werden mit Sicherheit keine Gefangenen gemacht.
Im Anschluss geht es dann zurück zu den Anfängen des Florida Death Metals. MONSTROSITY stehen auf dem Plan. Diese Band habe ich leider die letzten Jahre nicht weiter verfolgt, dennoch ist dieser Auftritt natürlich Pflichtprogramm für jeden Todesmetaller. Mit Growler Mike Hrubovcak hat diese, von Besetzungsproblemen gebeutelte Band ein gutes Händchen gezeigt. Einziges verbliebenes Ur-Mitglied, die Schlagzeuglegende Lee Harrison, prügelt sich durch eine bunte Mischung des Backkatologes. Sogar "Final cremation" vom legendären '92er Album "Imperial Doom" steht auf der Playlist für diesen Abend. Starker Auftritt, roher und brutaler Sound, was will das Metalherz mehr.
Nun wird es zum ersten Mal dieses Wochenendes düster auf der Bühne. Mit einer viertel Stunde Verspätung entern die Düster-Psychedelic-Rocker THE DEVIL`S BLOOD die Bühne und verwandeln diese in einen Altar, um den Gehörnten zu huldigen. Bereits auf dem Rock Hard Festival habe ich mir die Holländer angeguckt und bin direkt nach dem dritten Song gegangen. An dieser Band scheiden sich momentan die Geister. Für die einen DIE Band überhaupt, für die anderen - zu denen ich auch zähle - einfach nur langweilig. Auch nach meiner zweiten Show, verstehe ich diesen Hype um das satanische Retro/70er Jahre Rockwunder nicht. Sorry, aber diesmal bin ich nach dem vierten Song gegangen.


Watain

Das Blut ist noch nicht getrocknet, da schicken sich schon die nächsten Satansjünger an. Mittlerweile hat man eine beachtliche Verspätung von einer dreiviertel (!) Stunde zu verzeichnen. Wenn man sich die aufregende Bühnendekoration von dem heutigen Headliner WATAIN ansieht, weiß man auch warum. Jeder nicht benötigte Zentimeter der Bühne wird zugestellt mit Kerzen, Bannern, Räucherstäbchen und sonst was. Dagegen sehen THE DEVIL`S BLOOD aus wie Konfirmanden. Leider sind WATAIN auch eine Band, die an mir vorbeigeschossen ist, da ich Black Metal die letzten Jahre doch eher, zumindest größtenteils, langweilig fand. Die Schweden sollen mich da schnell eines Besseren belehren. Eine theatralische Bühnenshow, lange Intros und ein großartiger Sound, klar und druckvoll, ziehen mich schnell in ihren Bann. Auch der Rest des Publikums ist völlig begeistert und jeder, der zu dieser Zeit noch den Weg durch die Schlammwüste findet, wird mit einer grandiosen Show belohnt. So muss Black Metal anno 2010 klingen. Als dann noch zum Abschluss eine großartige Coverversion von DISSECTIONs "Somberlain" erklingt, hält es dann auch den letzten nicht mehr. Mich hat dieser Gig inspiriert, um mir einmal die komplette Discographie zu besorgen.
Wer dann immer noch Puste hat, taumelt in das wie immer gut gefüllte Partyzelt. Der erschöpfte Rest schnallt sich die Schwimmflügel um und schwimmt zum Zelt zurück, um den Abend bei ein paar alkoholischen Getränken ausklingen zu lassen.


Lividity

Der zweite Tag beginnt, wie der erste endetet: nass. Da der Weg auf das Gelände nun langsam einer Tortur gleicht, überlege ich mir zweimal, zu welcher Band ich schlittere. Die Wahl an diesem Nachmittag, fällt als erstes auf die Ami Knüppelkings LIVIDITY. Was zur Folge hat, dass ich mal wieder MILKING THE GOATMACHINE verpasse, ich hoffe die Jungs sehen es mir nach.
Das Festivalgelände ist zumindest im Bereich der Stände mit Rindenmulch abgestreut, der für einige Zeit zumindest ein erträgliches Vorankommen sichert. So schafft es dann doch eine beachtliche Schar an Metallern vor die Bühne, um das US Quartett in Augenschein zu nehmen. Eingefleischte Fans lassen sich von den Wetterverhältnissen nicht abschrecken und das fällt sogar Sänger Von Young auf und gibt nochmal richtig Gas. Ein gewohnt routinierter Auftritt mit super Stimmung.
Nun wird's Griechisch. Nein, kein Gyros oder Souflaki. Die Thrash Metal Hoffnung SUICIDAL ANGELS sind an der Reihe. Mittlerweile ist es kurzzeitig trocken, zumindest von oben, was dem Soundmann wohl nicht sonderlich gefällt und einen sehr matschigen Sound, passend zum Platz baut. Wirklich schade, denn SUICIDAL haben einen sehr guten Tag und spielen sich die Seele aus dem Leib. "Bloodthirsty", "Vomit on the cross" und "Inquisition" werden mit einer Leidenschaft rübergebracht, dass einem beinahe die Freudentränen kommen. Auch das kommenden Album "Bleeding Holocaust" wird in der Playlist bedacht und mit einem Krachersong schon einmal darauf hingewiesen.
ORIGIN hab ich mir nur kurz angesehen. Ausnahmebasser Mike Flores spielt sich die Finger wund, dennoch kam nicht wirklich die gewünschte Stimmung auf - schade. Diese doch recht komplexe und auf Dauer sehr anstrengende Musik, war in diesem Moment nicht für mich bestimmt.


Suicidal Angels / Origin

Da im Anschluss OFERMOD spielen soll, ist das meine herbeigesehnte Pause zum Grillen. Danach ist dann endlich Zeit für DEMONICAL.
Auf dem Weg zurück zum Festivalgelände, dann die ersten zufriedenen Gesichter. Wortfetzen, die ich aufschnappe sind etwa "...was für eine geile Band...", "...Schweden halt...", wie Schweden? OFERMOD sind Franzosen und keine Schweden. Mir schwant böses. Eine Bekannte kommt mir entgegen und verschafft mir Gewissheit. OFERMOD und DEMONICAL haben die Plätze getauscht. Argghhh - schon wieder verpasst.
Dann die nächste Verwirrung, OFERMOD sind noch nicht da, die haben dann nochmal mit der nächsten Band getauscht.
Nach einem Beruhigungsbier warte ich dann also auf eines meiner Festivalhighlights - THE CROWN. Sechs Jahre Abstinenz und nun mit neuem Sänger am Start. Johan Lindstrand oder Tomas Lindberg zu ersetzen ist kein leichtes Erbe, aber der Rest der Band wird sich bei Neu-Schreihals Jonas Stålhammar recht sicher sein. Bereits nach dem ersten Song steht fest: THE CROWN are back! Fetter Sound und eine Stimmung, als wären die Jungs Headliner. Ob Klassiker wie "Crowned in Terror", "Blitzkrieg Witchcraft", "Black lightning" oder "Face of destruction", aber auch beispielsweise der Titeltrack "Doomsday King" zum aktuellen Album, wissen auf ganzer Linie nach wie vor, voll zu überzeugen. Grandioser, powervoller Gig, der dann noch von "Total Satan" gekrönt wird.
Nun sind die satanischen Franzosen endlich da und zelebrieren als Intro eine elendig lange Anrufungszeremonie. Die ersten im Publikum werden ungeduldig und als es endlich losgeht, sind die meisten doch etwas enttäuscht. OFERMOD zelebrieren Black Metal, der aber auf Dauer etwas langweilig wird.


The Crown / Dying Fetus

Auch der Auftritt geht irgendwann vorbei und nun steuern wir auf die Zielgerade des Tages zu. Nun sind unsere altbekannten Helden an der Reihe. Die Rede ist diesmal von ASPHYX, die mittlerweile das MARDUK-Syndrom haben und an jeder Steckdose spielen. Die Vorfreude ist daher nicht mehr ganz so groß, wie noch vor zwei Jahren, als sie plötzlich wieder auf der Bildfläche erschienen. Dennoch weiß man, was einen bei den Holländern erwartet - geiler Old school Death Metal, der seines gleichen sucht. Wie zu erwarten, spielt das Quartett alles Bisherige an die Wand und das Publikum feiert die Tulpenfreunde ab. ASPHYX ist einfach eine Macht und Songs wie "Wasteland of Terror", "The Rack", "Death - the brutal way" oder "MS Bismarck" walzen alles platt, was sich ihnen wagt in den Weg zu stellen. ASPHYX sind einfach eine sichere Bank.
Im Anschluss an diese Walze, dann das nächste Highlight des Freitags. DYING FETUS sind wohl dieses Jahr mehr in Europa als in ihrer Heimat, den Vereinigten Staaten und das ist auch gut so. Für mich momentan die beste Band zusammen mit SUFFOCATION im Brutal Death Metal Lager. Was soll ich über dieses grandiose Trio noch groß sagen? Eine Abrissbirne par excelence. "Grotesque Impalement", "Kill your mother, rape your dog", "Pissing in the mainstream" und "One shot, one kill" gehen einfach nur voll in die Fresse und die Headbanger im Schlamm kommen voll auf ihre Kosten. An diesem Abend bleiben keine Wünsche offen. Auch hier ist das Massaker wiedermal viel zu schnell vorbei.


Asphyx

Da das PSOA für seine Abwechslung bekannt ist, ist nun wieder Zeit für etwas Black Metal. Wer hier als Co-Headliner spielt, ist schon etwas Besonderes. So ist es auch, denn diese Position haben heute SARKE intus. Hierbei handelt es sich um eine neue Band der DARKTHRONE Kultfigur Nocturnal Culto und seines Mitstreiters Sarke (Khold, Old Man's Child...). Eigentlich ein 2-Mann Projekt, muss man sich wegen des komplexen Sounds noch einige Musiker auf die Bühne holen. Somit stehen plötzlich sechs Leute auf den Brettern und Nocturnal Culto (NC) hat sichtlich Spaß an dem Auftritt, auch wenn der Regen wieder eingesetzt hat. Black Metal untypisch, verirrt sich auf NC's Gesicht öfter auch mal ein Lächeln, womit er zeigt, Black Metaller gehen zum Lachen nicht immer in den Keller. Der sympathische Fronter hat mit SARKE eine starke Band am Start, die streckenweise etwas nach alten CELTIC FROST klingt. Schleppende Songs garniert mit Nocturnals einzigartigem Gesang, machen diesen Auftritt zu etwas ganz besonderem.
Fast pünktlich zur Geisterstunde beweist dann eine Band, dass sie nach wie vor real sind und noch lange nicht den Geisterstatus inne haben. Nach 20 Jahren endlich wieder in Europa: Die Band, die dem PSOA dieses Jahr sicher einige extra Zuschauer beschert hat. DIE Death Metal Legende aus San Francisco - AUTOPSY. Chris Reifert, wohl einer der wenigen singenden Drummer der Death Metal Szene. Als Aushilfsbasser, einer der vielseitigsten Viersaiter-Virtuosen der Szene: BRUTAL TRUTH Gründer Danny Lilker. Inzwischen hat sich wohl so jeder vor die Bühne gequält, um sich dieses Stück Metal-Geschichte nicht entgehen zu lassen. Auch der Wettergott hat ein Einsehen und schiebt für einige Zeit die Regenwolken beiseite.


Sarke / Autopsy

Der typische, einfache und immer noch sehr Undergroundlastige Sound kommt geil rüber und die Songs klingen absolut authentisch und besser als auf Konserve. Fast das komplette '89er Meisterwerk "Severed Survival" wird hier in die Massen geschleudert und zu keiner Sekunde ist zu merken, dass die Jungs seit Ewigkeiten nicht mehr live gespielt haben, mal von dem Maryland Death Fest diesen Jahres abgesehen. Selbst vom '88er "Critical madness" Demo wird der Titeltrack, und vom '87er Demo wird noch "Human genocide" zur Freude der Meute gespielt. Spätestens zu Klassikern wie "Deathmask", "Fiend for blood", "Acts of the unspeakable", "Dead" oder das recht neue "Horrific obsession", das sich mühelos in die Old School Setliste integriert, läuft es auch dem letzten feucht am Bein runter. Das Timing innerhalb der Band ist fantastisch und zu jeder Zeit, spielt das Quartett absolut tighten Gore-, Doom-, Death Metal. Unzählige Bands sind durch AUTOPSY bis zum heutigen Tage beeinflusst und inspiriert worden. Dieser Auftritt ist wohl das Beste, was es jemals auf dem PSOA gab.
Diese Band überhaupt nach Deutschland geholt zu haben, ist für mich ein Wunder. Der zweite Gig der Legende in Europa, ist noch das HOLE IN THE SKY Festival in Norwegen. Hoffentlich haben AUTOPSY, wie viele ihrer Kollegen, Blut geleckt und werden wieder zu einer 100% aktiven Band. Um etwas optischen Glanz in diesen Abend zu bringen, gibt es im Anschluss an eineinhalb Stunden feinsten Death Metal ein Feuerwerk, dass etwas fehl am Platze wirkt.
Diesen Tag habe ich mir rot im Kalender angestrichen. Jeder vor der Bühne hätte wohl bis zum Morgengrauen weiterbangen können und wollen. Dennoch geht auch der schönste Abend vorbei und so schlingern Tausende schlammige Metalheads traurig, aber dennoch überglücklich zum Campingplatz zurück.
Der Platz wird immer schlimmer, und so machen sich die ersten auch schon auf den Heimweg. Auch bei uns lichten sich die Reihen etwas. Mal im Ernst, wer drei Tage bei so einem Wetter aushält, wird auch noch einen vierten Tag überleben. Mich jedenfalls stört das Wetter mittlerweile nicht mehr und auch mit zusammengeschrumpftem Camp lässt es sich gut feiern.


Aura Noir / Napalm Death

Der letzte Tag beginnt mit überraschend gutem Wetter. Also mache ich gleich weiter, womit ich am Abend vorher aufgehört habe. Aufgrund der Platzverhältnisse habe ich mir selber heute bis Abends frei gegeben. Der Weg zum Gelände, selbst über den Backstageeingang, ist zu einer Qual mutiert und da überlegt man sich schon dreimal, ob man nach vorne geht oder nicht. So entgehen mir an diesem Tag Bands wie TRIBULATION, DESASTER, VARG und NECROPHAGIST, die mich auf dem Death Feast diesen Jahres schon nicht überzeugen konnten. Nach einem feuchtfröhlichem Forumsmeeting mache ich mich dann am frühen Abend doch auf den Weg zur Bühne und darf mich dann noch an den letzten Songs der norwegischen Thrash-, Black Allstar Band AURA NOIR erfreuen. Die Show ist kraftvoll und für jeden Old School Fan ein Schmankerl.
Der Platz ist erstaunlich gut gefüllt und die Meute wartet auf die nächste lebende Legende des Death Metals. NAPALM DEATH sind diesen Sommer sehr präsent in Deutschland und so ist es auch kein Wunder, dass Barney und Co. auch dem PSOA einen Besuch abstatten. Mit seinem politisch klaren Statement "Nazis - Nein Danke" und dem wohl bekanntesten Song, dem DEAD KENNEDY Cover "Nazi Punks fuck off", machen NAPALM DEATH ihren Standpunkt klar. Auch nach fast dreißig Jahren sind die Engländer kein Stück müde und prügeln sich voller Freude durch die Setliste des Abends.
Eine weitere Band, die dieses Jahr Europa zu ihrer zweiten Heimat erklärt hat, ist SUFFOCATION. Ebenfalls seit zwei Jahrzehnten im Geschäft und seit der "Wiederbelebung" im Jahre 2002 eine der besten Brutal Death Metal Bands. Gewohnt kontaktfreudig zeigt sich Fronter Frank Mullen und hält wiedermal seine sympathischen, langen Ansagen. Der Circlepit arbeitet sich zusehends in die Schlammgrube vor der Bühne zu Songs wie: "Liege of Inveracity", "Entrails of you" oder auch dem Klassiker "Pierced from within" ein. Die Band spielt präzise wie ein Uhrwerk zusammen, und dank eines wachen Soundmannes entsteht eine totale Soundwand. Als Frank dann den Lichtmann bittet die Spots auszuschalten, um möglichst viele Fans zu sehen, ist die Meute nicht mehr zu halten und als dann endlich "Breeding the spawn" oder das geniale "Infecting the crypts" erklingt, sowieso nicht mehr. Zurück bleiben nach gut einer dreiviertel Stunde eine Bühne in Schutt und Asche sowie unzählige schmerzende Nacken... .


Lock Up / Suffocation

Aber der Abend ist ja noch lange nicht vorbei und so macht sich das Publikum bereit für den Co Headliner und die vorletzte Band des Festivals. LOCK UP ist ein Projekt von einigen gelangweilten Musikern wie Tomas Lindberg (At The Gates, Grotesque, The Crown...), Shane Embury (Napalm Death, Brujeria, S.O.B., Unseen Terror...) und Nick Barker (Dimmu Borgir, Cradle Of Filth, Testament, Benediction...), die im Jahre 1998 noch mit Jesse Pintado ((R.I.P. 2006) Napalm Death, Terrorizer) und Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain, The Abyss, Bloodbath...) vervollständigt wurden. Die verbliebenen Tomas, Shane und Nick haben sich einen klasse Sechssaitenkünstler Anton Reisenegger (Criminal, Pentagram...) an Land gezogen und sind endlich wieder aktiv. Auf diverse Shows in Europa haben sie schon das Publikum begeistert und das wollen sie auch auf dem PSOA. Da LOCK UP nur zwei reguläre Veröffentlichungen vorzuweisen haben, ist die Playlist auf allen Gigs recht ähnlich. Macht aber nix, den was das Quartett auf der Bühne zelebriert, ist ein Feuerwerk an Grindcore / Death Metal der Extraklasse. Songs wie "The dreams are sacrificed", "Submission", "Castrate the wreckage" und "Horns of venus" wissen auf ganzer Linie zu überzeugen und Tomas hat die Headbanger voll im Griff. Grandioser Gig und es bleibt nur zu hoffen, daß wir LOCK UP nun auch öfter sehen.

Auch im Fotograben ist es im Laufe des Abends sichtlich leerer geworden. Sehr zur Freude der Verbliebenen. Mit Wehmut begehe ich dann den letzten Gang vor die Bühne, um die Headliner des Abends zu huldigen. Dieses übernehmen heute die Floridianer CANNIBAL CORPSE, die ja auch keine Neulinge auf dem PSOA sind. Gewohnt routiniert spielen die vier ihre Setlist und machen schnell deutlich, warum die Kannibalen mal wieder den Headliner Slot inne haben. Eine bunte Mischung durch das umfangreiche Backprogramm wird wie ein wütender Bluthund auf die Menge losgelassen. "Savage butchery", "The wretched spawn", "I will kill you", "I cum blood", "Evisceration Plague", "Death walking Terror" und "The time to kill is now" sind die reinsten Walzen und zermalmen alles. CANNIBAL CORPSE spielen so perfekt zusammen, daß es schon fast beängstigend ist. Zum Schluß werden dann noch "Make them suffer", ebenfalls vom 2006er Album "Kill" und "Priests of Sodom" vom 2009er Album "Evisceration Plague" gespielt. Natürlich dürfen bei den Kannibalen auch "Staring through the eyes of the dead" und "Stripped, Raped and Strangled", beide vom Killeralbum "The Bleeding", sowie das legendäre und in Deutschland seit zwei Jahren wieder erlaubte "Hammer smashed face" nicht fehlen. Das einzige, was diesen Auftritt etwas schmälert, war die leicht übersteuerte Leadgitarre. Dennoch ein erwartungsgemäß großartiger Auftritt des Vierers aus Tampa.


Cannibal Corpse

Nun ist aber wirklich Schluß mit lustig und auch mit dem diesjährigen PARTY SAN. Wer immer noch Energie hat, beschließt den Abend im Partyzelt. Bei mir, wie auch bei den meisten, klingt der Abend am Camp aus. Da ich am nächsten Tag wieder fahren muß, bleibt der Abend auch alkoholfrei.
Der Sonntagmorgen ist dann wieder bedeckt und recht frisch, so fällt der Abschied aus Bad Berka auch nicht so schwer. Das größte Problem für mich ist, der Weg bis auf den befestigten Pfad zur Ausfahrt. Wie viele andere auch, muß ich eine von den vielen Traktoren, die bereits seit Samsatg im Einsatz sind, bemühen. Gerade mit einem etwas schweren Auto hat man bei den Platzverhältnissen schnell verloren. An dieser Stelle meinen Dank an die unermüdlichen Fahrer und Einweiser, ebenso den Veranstaltern für die unkomplizierte Hilfe. Das Wetter, wofür ja keiner etwas kann, mal aussen vor, ist die 2010er Ausgabe des PARTY.SAN's wieder ein voller Erfolg mit klasse Bands und super Leuten.
Eigentlich wieder mal erschreckend, wie schnell der Urlaub und besonders dieses Wochenende vorbei ist. Mein elftes PSOA wird definitiv nicht das letzte gewesen sein und ich zähle schon die Tage bis zum nächsten. Ob das auf dem diesjährigen Gelände stattfinden wird oder ein neuer Platz sein wird, steht nach diesem Jahr, noch in den Sternen. Wir werden auf jeden Fall auch in Zukunft diesem geilen Festival die Treue halten. Wir sehen uns 2011, wenn es wieder heißt: Hell is here!


Die Matschwüste
(Autor(en): Tino S.)
Tags:

Kommentare

16.10.2010 18:31 Uhr Norrøn
Sehr guter Bericht, ja, aber was ist das denn bitte für ein Matsch auf dem letzten Bild
 
Kommentar Lesenswert? (1) (0)  
12.10.2010 01:12 Uhr Dr Death
danke, daß freut mich. im nachhinein war es trotz allem wie immer ein geiles wochenende ;-)
 
Kommentar Lesenswert? (1) (0)  
05.10.2010 22:33 Uhr Sturmgeweihter
Cooler Bericht, hat Spaß gemacht, ihn zu lesen. =)
 
Kommentar Lesenswert? (1) (0)  
Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 1.301    
(metal.tm beta v0.874)