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Bericht:

18.05.2010

Metalfest Open Air 2010 - Härter bis wolkig


BildVom tiefen Westen ging es am Mittwoch den 12.05.2010 in den wilden Osten. Zusammen mit meiner Trink- und Feierfesten Truppe aus dem Hochsauerland Kreis und dem Bergischen Land hieß es gegen 10 Uhr morgens: Auf nach Dessau (liebevoll auch DEATHsau genannt). Dort erwartet uns neben Ostampelmännchen, Plattenbauten und einem mir immer noch befremdlichen deutschen Dialekt der heimische Ableger der Metalfest Open Air Veranstaltungsreihe.
Das ehemalige Legacy Festival ballert an diesem verlängerten Wochenende zeitgleich das gesamte Dreiländereck (Deutschland, Österreich und die Schweiz) mit einem internationalen Aufgebot etablierter und Newcomer Bands platt.

Und auch schon am Anreisetag geht es los und zwar im Hangar... für mich und meine Jungs (von acht Leuten bin ich doch tatsächlich das einzige Mädel) geht es jedoch erst mal zum nahe gelegenen Supermarkt und der lieben Frau Schurz. Als einzige von Vieren werde ich an diesem Tag beim käuflichen Erwerb von Alkohol nach meinem Ausweis gefragt und das, obwohl ich mit Abstand die Älteste bin. Da das Verlassen des Campingplatzes erst wieder ab Freitag um 10 Uhr möglich ist, decken wir uns also mit jeder Menge Lebensmitteln ein, bevor wir unser Lager errichten.
Das Metalfest ist insgesamt angenehm überschaubar und der Weg vom Zelt zu den Bühnen beläuft sich auf einen Fußweg von ca. 5 Minuten im nüchternen Zustand.
Obwohl der Festivaleinstand bis nach Mitternacht andauert, ist es angenehm ruhig und die erste Nacht im neuen Freiluftzuhause schnell rum. Der Grill rotiert schon gegen 8 Uhr Morgens und mit fortschreitender Tageszeit und steigendem Alkoholpegel wird meine Truppe immer lustiger.


Jo Bench von Bolt Thrower

Die erste Band des Tages ist Arkona aus Russland, die uns um 15:10 Uhr auf der Mainstage die Ehre erweist. Eine sehr gelungene Mischung aus Death und Folk Elementen und der unvergleichlichen Stimme von Sängerin Maria lassen die ausgelassene Stimmung zusätzlich steigen. Der Chillfaktor ist beim Metalfest insgesamt sehr hoch, denn bis zum Abend hin ist nun erst mal Chillen und Grillen angesagt.
Ab 21:45 Uhr geht es dann mit Death Metal vom Allerfeinsten weiter. Die niederländische Legion of The Damned und die Briten Bolt Thrower sorgen für einen gelungenen und kopfkreisenden Abschluss des ersten Festivaltages. Nicht nur akustisch, sondern auch optisch ist die Legion der Verdammten ein echtes Highlight: Zu ihrem Todesgewitter kredenzen die Herren aus dem Nachbarland auch noch mitunter die schönsten und längsten Matten des Tages. In die Geisterstunde begleiten dann noch Bolt Thrower. Die hab ich zwar erst genau zwei Wochen zuvor im Atak in Enschede gesehen, aber eine Band, die nicht grad dafür bekannt ist, häufig aufzutreten darf man sich nicht entgehen lassen. Umso größer scheint die Spielfreude der Truppe zu sein. Besonderer Augenschmaus für die männlichen Zuschauer ist definitiv Bassistin Jo Bench, die den Herren der Schöpfung zeigt, wo es lang geht!


Mark Osegueda von Death Angel

Pünktlich um kurz vor 10 Uhr am Freitag sind die Jungs und meine Wenigkeit schon wieder fit, um Frau Schurz zu besuchen. Ein hoch auf die Kundentoilette und die Möglichkeit sich dort die Zähne zu putzen...und Fleisch brauchen wir auch schon wieder!
Zum weiteren Wachwerden hab ich mir dann erst mal ein wenig Frischfleisch in Form von Deathtrip reingezogen. Die Bremer Band schafft es bereits um 12 Uhr eine kopfnickende Hundertschaft vor der Hauptbühne zu versammeln, inklusive Fanbase. Der Sound ist zu dieser noch verhältnismäßig frühen Tageszeit passend zum Wetter der Folgetage durchwachsen bis matschig. Dennoch haben die jungen Nordlichter, die bis auf Frontsau Säbel (25) im Schnitt grad mal 18 sind ganz sicher ein paar neue Anhänger gewonnen. Posen können die Jungs auf jeden Fall schon, wie die ganz Großen! Ihr Sound verbindet Elemente von Oldschool Death und Thrash Metal mit modernen Einflüssen aus dem Core-Bereich.
Zur Teezeit gibt’s dann auch noch nen Ruhrpott-Export: Sabiendas aus Recklinghausen sorgen im Hangar für fliegende Haare und geballte Fäuste. Auch wenn ich persönlich beim aktuellen Line Up ein wenig die Frauenquote vermisse, kann mich die Truppe wie immer überzeugen. Und auch um mich rum, werden Köpfe zum Takt bewegt und einstimmig mitgegröhlt. Death Metal der alten Schule kommt dank des hervorragenden Sounds im Hangar absolut mitreißend rüber!!! Da kann ich nur eines sagen: Alex for Bundeskanzlerin!
Nicht alkoholbedingte Kopfschmerzen haben mich den Rest des Tages leider außer Gefecht gesetzt. Und da es zudem auch noch nass und kalt geworden ist, mache ich das Einzig sinnvolle und lege mich in mein Zelt.
Die natürlichen Bedürfnisse haben mich noch einige Male aufstehen lassen, aber bis auf die beiden bereits erwähnten Bands hab ich dann auch nichts mehr gesehen...schade drum, aber passiert!


Derrick Green von Sepultura

Samstag geht es nach dem morgendlichen Grillritual abermals zum Supermarkt, nur Frau Schurz vermissen wir an diesem Tag. Vom Pfandgeld der letzten drei Tage gönnen wir uns erst mal eine Runde Eis... als wenn es nicht schon kalt genug wär. Und auch der Ordner an der Autoeinfahrt freut sich über eine kleine Abkühlung. Noch ein wenig von Kopfpinne geplagt hänge ich bis zum späten Nachmittag in den Seilen oder vielmehr liege im Zelt und versuche ein wenig Schlaf nachzuholen. Ja, ich bin schon ein echter Penner.
Gegen 17 Uhr hab ich es auch endlich geschafft, mich ausreichend zu motivieren und werde dafür mit Death Angel belohnt! Klasse, die Band hat es einfach voll drauf, und reißt trotz Regen und mindestens 5 Grad zu wenig für richtig gute Stimmung zu sorgen. Da gibt es jede Menge Altes im neuen Gewandt und Neues im alten Gewandt: Klassiker aus über 25 Jahren Bandgeschichte. Der typische Bay Area Sound kommt überraschend rockig und groovig rüber. Auch das live vorgestellte neue Material klingt wie aus einer anderen Zeit. Und auch wenn von der Originalbesetzung lediglich Sänger Mark Osegueda und Gitarrist Rob Cavestany übrig sind, sind Death Angel auch anno 2010 eine perfekt eingespielte Truppe. Nicht zuletzt Bassist Damien Sisson verleiht mit Schlaghose und Rickenbacker das Gefühl, dass dies hier Woodstock und nicht Dessau ist.


Chris Barnes von Six Feet Under

Nach einer weiteren Pause von einer guten Stunde gibt es dann noch von den Brasilianern Sepultura ordentlich was in die Fresse. Stellt sich hier die Frage: Hat Sänger Derrick Leon Green Handschuhe an, damit er das Mikro besser halten kann oder ist ihm schlichtweg kalt?
Fragen über Fragen. Soviel sei gesagt, der Junge ist die unangefochtene Grinsekatze des Metalfests und steckt damit den Großteil des Publikums erfolgreich an. Rock gegen den Regen oder vielmehr im Regen. Da wird mir noch ganz warm um's Herz.
Noch ne Ecke brutaler wird es direkt im Anschluss bei Six Feet Under... doch leider kann Chris Barnes heute weder mit seiner netten Persönlichkeit – wie wär es mal mit einer Begrüßung gewesen? - noch mit seinem Aussehen und zuletzt nicht mal mit Stimme überzeugen. Er ist kurz gesagt einfach viel zu leise eingestellt. 2 ½ Wochen zuvor in der bochumer Matrix haben mich die Jungs von der Bay Area auf jeden Fall richtig geflasht. Heute ist das eher ein müdes Lächeln...naja, eigentlich nicht mal das, denn der obligatorische Moshpit, der mal wieder oder wie immer direkt neben mir entsteht versaut mir letztendlich doch die mittlerweile zusehends fröstelnde Laune.

Insgesamt ein wenig zu kalt, ein wenig zu nass aber bis auf wenige Punkte durchweg gute Stimmung. Das Metalfest kann vor allem in Relation zu einem überschaubaren Publikum vor den Bühnen mit großen Namen darauf aufwarten.

Vielleicht bis nächstes Jahr ;)


(Autor(en): Katharina P.)
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