Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin

Bericht:

09.09.2013

Into The Grave 2013 - Kleiner Preis, gigantische Show!


Bild

Ebenso wie im letzten Jahr war es eher dem Zufall geschuldet, dass sich die metal.tm Crew wieder einmal in Richtung Leeuwarden aufmachte. Leeuwarden ist ein eher kleines, verschlafenes Nest (kratzt knapp an die 100.000 Einwohner Marke), das nun aber bereits zum dritten Mal durch das Into the Grave Festival erschüttert werden sollte. Die Anfahrt dorthin ist eigentlich ein Kinderspiel, man sollte nur darauf achten in Deutschland noch einmal vollzutanken und genügend Bier mit an Bord zu haben, da der Sprit in Holland tatsächlich noch teurer ist als hier zu Lande und die Niederländer an den Tanken kein Bier verkaufen. Was das soll? Keine Ahnung... fragt Beatrix, die soll ja Shell Aktien haben. Egal, andere Länder, andere Sitten. In Leeuwarden angekommen waren wir ziemlich schnell drin im Getümmel, okay, einigen schwarzgekleideten Leuten mussten wir leicht auf den Sack gehen, weil wir das angepeilte Parkhaus nicht auf Anhieb gefunden hatten. Parken, Treppe hochlatschen und schon steht man genau vorm Gelände. Weltklasse! Die Location ist eh etwas ganz besonders, handelt es sich hier doch um einen Friedhof, der sich mitten in der Stadt befindet. Die Bühne haben die verrückten Holländer einfach direkt vor die Kirche geklatscht und ab geht die Luzie.

BildAnfangen sollte das Ganze mit STONEHAWK, die wir mal komplett verpasst haben. 2-3 Tönen konnte ich noch vom Infohäuschen (das sich direkt vor dem Eingang befindet) her lauschen. Waren bestimmt gut die Jungs?! Die nächste Band sollte dann das belgische Thrash Quartett BLIKSEM sein. Die Band aus Antwerpen wusste zu überzeugen, gerade Frontfrau Peggy Meeussen, die mit Netzstrümpfen und kurzem Röckchen auftrat, konnte man die Freude gut ansehen. Für Thrash-Metal Fanatiker dürften BLIKSEM eine absolute Bereicherung darstellen und live sind sie wirklich schon sehr gut dabei. Gefällt mir.

Langsam aber sicher ging es auf 14:30 Uhr zu und wir näherten uns der Band für die ich eigentlich nach Holland gefahren war. Die Old-School Death-Metal Dampfwalze JUNGLE ROT waren dran und was soll ich sagen? Sie überzeugten mich von Sekunde Eins an. Die Jungs um Bandgründer Dave Matrise waren von Anfang an darauf aus das Publikum zu zerstören - und wenn ich mich bei dem ganzen Gebange mal umgedreht hatte, konnte ich in die verzückten Gesichter der moshenden Gemeinde blicken. JUNGLE ROT haben mit ihrem Set ihre komplette Schaffensperiode umfasst und haben in Holland nun sicherlich einige Fans mehr. Old School as Fuck! Anbei sei noch erwähnt, dass Drummer Jesse Beahler nicht mit auf Tour war. Hatte er das letzte Album "Terror Regime" noch eingeprügelt, wurde er ersetzt durch den jungen Scott Fuller (Abysmal Dawn, Annihilated), der seine Sache sehr gut machte. Als Fan und glücklicher Besitzer eines Fotopasses / Backtagesausweises konnte ich nicht anders und lief nach dem Auftritt erst mal hinter die Bühne und musste meiner Begeisterung freien Lauf lassen. Alkoholisiert spreche ich halt am Besten Englisch... Die Jungs waren allesamt froh nach 2009 endlich mal wieder in Europa touren zu dürfen und scheuten sich nicht Autogramme zu geben oder bescheuerte Fotos machen zu lassen. Ein großes Lob und Danke meinerseits - und das nicht nur für den Auftritt!

BildJungle Rot

Backstage traf ich dann (mal wieder) auf einen stets gut gelaunten Tom Angelripper, denn die deutsche Heldenband SODOM war endlich angekommen. Nach einem kleinen Plausch verschwand ich wieder und freute mich nun umso mehr auf den Auftritt der Ruhrpottler. Vorher waren aber noch die Briten HEAVEN'S BASEMENT dran und das Gelände wurde immer voller. Mittlerweile wurden sogar richtig schwere Kameras angekarrt, die wohl fürs Fernsehen oder einen Videodreh vorgesehen waren. Mir persönlich gefällt diese Art von Teenie-Metal natürlich überhaupt nicht, aber man kann und darf den Jungs ihre Professionalität nicht absprechen. Darüber hinaus fand das Publikum sie geil, ergo alles richtig gemacht Into the Grave. Danach gings dann wieder etwas heftiger zur Sache, denn SODOM enterten die Bühne. In den folgenden 60 Minuten gabs die absolute Vollbedienung und auch die Zuschauer mit den "In the Sign of Evil" Shirts (von denen es nicht wenige gab) wurden bestens unterhalten. Genau wie zuvor JUNGLE ROT hatten es TOM, Bernemann und Makka verstanden wirklich alle Fans anzusprechen. SODOM zelebrierten förmlich ihre Songs und krönten sie mit der deutschen Version von "Ausgebombt" und dem Trashmen-Cover "Surfin' Bird". SODOM wird im vorgeschnittenem Alter wirklich immer besser, zumindest Live.

(Sascha S.)


BildSodom

Als nächstes waren DEVILDRIVER am Start, die mit keinem Unbekannten am Mikro die Bühne enterten. Sah ich Dez Fafara vor ein paar Wochen auf dem With Full Force bei seinem erfolgreichen Auftritt mit COAL CHAMBER noch die Crossover-Keule schwingen, bretterte (oder eher röhrte) er mit seinen vier Kumpanen von DEVILDRIVER ohne große Worte direkt drauf los. "End of the Line", der Opener vom 2005er Album "The Fury of our Maker's Hand", fungierte als erster Song des Abends und ballerte mit seiner fulminanten Melange aus Nu, Groove und Melodic Death Metal direkt nach vorne und gab die Marschrichtung für den Gig vor.
In bester Laune zockten sich die Herren durch ein Set, dass neben älteren Songs wie "Cry for me Sky (Eulogy of the Scorned)" und "Hold back the Day" mit "Ruthless" auch neueres Material vom bald erscheinenden Album "Winter Kills" beinhaltete und bei den Fans (zurecht) Vorfreude auf das Album aufkommen ließ.

BildDevilDriver

Über die spielerische wie unterhalterische Qualität von DEVILDRIVER muss man eigentlich kaum Worte verlieren: Souverän, aber nicht einstudiert oder zu routiniert gaben die Jungs Gas und sorgten nicht nur für den größten Moshpit, sondern auch für die einzige Wall of Death auf dem diesjährigen Into the Grave. Große Klasse!

Setlist DEVILDRIVER:


1. End of the Line
2. Cry for Me Sky (Eulogy of the Scorned)
3. Dead to Rights
4. Ruthless
5. Not All Who Wander Are Lost
6. Clouds Over California
7. Hold Back the Day

Und genau damit ging es auch weiter, denn als nächste Band sollten die legendären SATYRICON die Bühne für sich in Beschlag nehmen. Obwohl die Herren Frost und Satyr schon so lange im Geschäft sind, war es dieses Jahr für mich das erste Mal, die beiden mit SATYRICON auf der Bühne zu sehen.
Dementsprechend groß war die Vorfreude, zugleich bestand aber auch die Sorge, dass der Black Metal / Black'n'Roll der Band bei Tageslicht eventuell an Kraft und Magie verlieren könnte. Doch dem war nicht so. Im Gegenteil. Ging es mit einem kurzen Instrumental, das von drei Gitarren (!!) gezogen wurde, noch recht besinnlich los, entfesselten die Norweger im Anschluss ein regelrechtes Feuerwerk und legten nicht nur in meinen Augen den besten Auftritt des Festivals ab.

BildSatyricon

Zwar lag das Augenmerk der Setlist wie erwartet auf den neueren Alben, sodass man auf Songs wie "Hvite Krists Død" verzichten musste, doch dafür gab es mit "Our world, it rumbles tonight" und dem mit leichtem Post-Rock-Charakter versehenen "Tro Og Kraft" gleich zwei Songs vom kommenden, selbstbetitelten Album. Letzterer stellte gar eine Live-Premiere dar. Und so viel sei gesagt: Es scheint, als würden SATYRICON da mit etwas großem um die Ecke kommen.
Das Highlight war - wie nicht anders zu erwarten - die abschließende Black Metal Hymne "Mother North", bei der Frost einmal mehr zeigen konnte, was für ein sauberer und atemberaubender Drummer er eigentlich ist. Leider ging sein Spiel teilweise im etwas verwaschenen Sound unter, den "Mother North" verpasst bekam. Offenbar war der Tontechniker so in die Black'n'Roll Nummern vertieft, dass er mit der schwarzmetallischen Raserei Probleme bekam. Das hinderte das Publikum jedoch nicht daran, lautstark die markanten Melodien mitzusingen, was Satyr besonders gefiel. Immer wieder applaudierte er in Richtung Publikum und war sichtlich dankbar für die gute Stimmung in den Reihen.
Letztendlich kann ich nur für mich sprechen, aber alleine dieser Auftritt der Norweger war den Eintrittpreis schon vielfach wert.

Setlist SATYRICON:


1. Now, Diabolical
2. Black Crow on a Tombstone
3. Our world, it rumbles tonight
4. Tro Og Kraft
5. Die by my Hand
6. The Pentagram burns
7. K.I.N.G.
8. Mother North

BildParadise Lost

Nach einer kurzen Erfrischung guckte ich mit meinen Gefährten zusammen noch ein bisschen in die Headliner von PARADISE LOST rein, doch wie schon bei ihrem letztes Auftritt, den ich sah, konnten mich die Engländer um Sänger Nick Holmes auch dieses Mal nicht wirklich mitreißen. Zwar wurde der Sound nach anfänglichen Problemen von Song zu Song besser, doch alsbald entschlossen wir uns alle, gen Heimat aufzubrechen. Immerhin war es für viele von uns ein sehr anstrengender und langer Tag gewesen.

(Malte H.)


Fazit:


Ein unschlagbar gutes Festival zu einem noch unschlagbareren Preis in einer grandiosen Location. Mehr kann man zum Into the Grave eigentlich nicht sagen. Die Organisation ist größtenteils sehr gut, die Parksituation mit der Tiefgarage direkt unter dem Gelände ist exzellent und die Preise sind nicht nur aufgrund des spottbilligen Eintrittpreises mehr als fair.
Dieses Festival kann nur jedem wärmsten ans Herz gelegt werden und an dieser Stelle muss man auch einfach mal den Hut vor den vielen freiwilligen Helfern ziehen, die dieses Festival so sympathisch und billig halten können. RESPEKT und weiter so!
See you next year!

Bild (Autor(en): Malte H., Sascha S.)
Tags:

Kommentare

Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 120    
(metal.tm beta v0.874)