Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin


Bericht:

30.08.2012

Into The Grave 2012 - Preis/Leistung: unschlagbar!




Eigentlich hätte dieser Bericht hier über das Party.San Open Air 2012 sein sollen, doch wie es mittlerweile mein Schicksal zu sein scheint, sollte ich auch am Wochenende um den 11. August 2012 wieder nicht dazu kommen, mir BEHEMOTH in Schlotheim zu geben. Mein Arbeitgeber strich mir kurzfristig die freien Tage, weshalb es mir nicht mehr möglich war, zum Party.San zu fahren.
Warum erzähle ich das? Ganz einfach: Als Ausgleich für's Party.San musste nun das Into The Grave Festival im niederländischen Leeuwarden herhalten. Hier sollte es für ein kleines Handgeld von 6,66€ (bzw. 10€ an der Abendkasse) Bands wie DEW-SCENTED, GRAVE, ENSLAVED und BOLT THROWER geben. Dazu würde es mehrere Verkaufsstände von CDs und Shirts geben, sowie ausreichend Stände, wo sich um das leibliche Wohl gekümmert werden konnte.
Gründe genug also, um mich zusammen mit einem Kumpanen quasi direkt nach der Arbeit auf die deutschen Autobahnen zu begeben, die holländische Grenze zu passieren und dem beschaulichen Leeuwarden einen Besuch abzustatten.

Bild

Die Anreise gestaltete sich aus dem tiefen Herzen Ostfrieslands angenehm kurz und entspannt. Erstmal auf der Autobahn angekommen ging es gemächlichen Tempos (was eine kleine, alte Klitsche halt so hergibt) Richtung Niederlande.
Es war schon ein paar Jährchen her, dass sowohl ich als auch mein Beifahrer in den Niederlanden waren, was wir jedoch noch im Gedächtnis hatten war, dass es in Holland keinen Dosenpfand gibt. Also direkt hinter der Grenze die erste Tankstelle angesteuert und rein in die gute Stube, um meinen Beifahrer mit Bier eindecken zu können. So war zumindest der Plan, denn was keiner von uns beiden wusste: In Holland dürfen sie an Tankstellen kein Bier verkaufen. Etwas merkwürdig in einem Land, das für seine Coffee-Shops bekannt ist. Aber hey, dann ist das eben so. Gott sei Dank hatte der nette Tankwart einen kleinen Tipp für meinen verdurstenden Beifahrer übrig. Die Tankstelle auf der anderen Seite der Autobahn befindet sich auf deutschem Boden und zufällig führt eine kleine Brücke über die Autobahn direkt auf die andere Seite.
So gab es dann doch noch ein kleines Happy End, doch der Beschluss die Tankstellen Hollands zukünftig zu meiden, war schnell gefasst. Denn was es an Bier nicht gibt, gibt es dafür auf die Spritpreise oben drauf. Gesalzene 1,90€ wollten die Jungs teilweise pro Liter für den Kraftstoff haben. Da beschwere sich ein Deutscher nochmal über die hohen Preise hier im Lande.
Man merke sich also für zukünftige Reisen in die Niederlande: Volltanken und genug Bier für die Fahrt mitnehmen!

BildSo führte uns unser Weg also weiterhin gemächlichen Tempos - in Holland darf man eh nicht schneller als 120 km/h fahren! - Richtung Leeuwarden, wobei man sagen muss, dass sich jeder Ostfriese in dem Landesabschnitt, den wir durchfuhren, heimisch fühlen muss. Flaches Land, soweit das Auge reicht.
Leeuwarden hingegen stellte sich doch etwas größer heraus als angenommen. Und diese Stadt scheint nur aus Kreisverkehr zu bestehen. Erstaunlich, in welcher schneller Reihenfolge wir unzählige Kreisel durchfahren mussten, um endlich an unser Ziel zu kommen. Dabei muss man sagen, dass es mit Navi überhaupt gar kein Problem war, das Festivalgelände zu finden. Es befand sich tatsächlich mitten in der Leeuwarder Innenstadt, offensichtlich direkt auf dem Marktplatz oder sowas in der Art. Schon beim Vorbeifahren staunten wir über das Ambiente. Direkt in der Stadt, umzäunt, mit einem Kapellenturm oder sowas in der Art im Hintergrund der Bühne, der nachts noch dezent beleutet war. Ein wirklich toller Anblick. Auch die Parksituation wurde exzellent gelöst. Zuerst dachten wir, wir müssten auf einem der örtlichen Parkplätze parken, wo man alle zwei Stunden ein neues Ticket lösen musste. Immerhin konnten wir uns vorher kaum Informationen holen, da die gesamte Festivalseite auf Holländisch und damit nahezu unverständlich war (eine englische Version wäre für das nächste Jahr ganz nett). Doch nach einer kleinen Rundfahrt stellten wir entzückt fest, dass sich direkt unter dem Festivalgelände eine Tiefgarage befand, in der man kostengünstig und bequem parken konnte. Eben die Stufen hoch und schon waren wir vor dem Eingang. Sowas nenne ich mal eine geniale Lösung!

Bild

Nachdem wir uns problemlos unseren Zugang besorgt hatten, sollte das erste Festival-Bierchen folgen. Doch wedeln mit den Scheinen am Bierausschank half nicht viel, denn mit mehr oder minder gebrochenem Deutsch informierte uns der nette Herr an der Schenke, dass wir unser hart Erarbeitetes gegen Token an einem Stand umtauschen müssten, damit wir Speis und Trank bezahlen können. Wir hatten uns schon gewundert, dass hinter "Bier" auf dem Preisschild nur eine Eins stand. So kostete das Bier dann doch 2,25€. Eigentlich kein schlechter Preis, das geht deutlich teurer. Auch CDs und DVDs ließen sich für erschwingliche 10€ erwerben, wo wir auch direkt mal zugeschlagen haben.
BildAls wir das schon gut gefüllte Gelände abgeschritten hatten, war die Crew noch dabei, die Bühne für die anstehenden HELL umzubauen. Leider schafften wir es aufgrund der Arbeit vor der Abreise nicht zeitiger auf's Festival, weshalb uns unter anderem DEW-SCENTED durch die Lappen gingen.
Und da sowohl ich, als auch meine Begleitung mit der Musik von HELL nicht so viel anfangen kann, entschlossen wir uns, die Innenstadt aufzusuchen. Diese befand sich keine zwei Seitenstraßen weiter und entpuppte sich als sehr netter Ort. Eine richtig schicke Altstadt mit einem kleinen Fluß hindurch, auf dem ein paar kleinere Boote unterwegs waren. So ließen wir es uns bei Bier und Burger in der Sonne gutgehen und unterhielten uns mit ein paar schwarz gewandeten Leuten, die offensichtlich auch auf das INTO THE GRAVE gingen. Merkwürdigerweise handelte es sich bei allen angesprochenen Personen um Deutsche, die wahlweise aus Hamburg, Kiel oder von noch weiter weg kamen. Leeuwarden schien für einen Tag in deutscher Hand zu sein.

BildAls es langsam Zeit für GRAVE wurde, machten wir uns auf den Weg zurück zum Gelände. Wenn das Festival schon den Namen des Debüts der Schweden trägt, darf man sich die Namensgeber auch nicht durch die Lappen gehen lassen. Zumal GRAVE schlicht Legenden sind, egal ob man mit der Musik der Nordlichter etwas anfangen kann (wie im Falle meines Begleiters) oder nicht (wie in meinem Fall).
So war es letztendlich auch kein Wunder, dass meine Begleitung etwas begeisterter war als ich. Wobei wir uns einig waren, dass die ersten zwei Songs alleine deswegen Käse waren, weil der Tontechniker noch alle Hände voll damit zu tun hatte, den Sound zu regulieren. Erst hörte man fast nur das Schlagzeug, dann bestand der Klang quasi nur aus Bassdrum, anschließend fehlte selbige, dafür waren die Gitarren aber endlich zu vernehmen und Mitte des zweiten Songs war es dann soweit, dass man alle Instrumente hören konnte. So war zumindest der Einstieg in das Set der Schweden extrem holprig, wenngleich man sagen muss, dass das Publikum schon bei den ersten Klängen außer Rand und Band war. Die hinteren Reihen zeigten sich dabei etwas lichter, doch in den vorderen Reihen steppte der Bär. Eines war uns auf alle Fälle schnell klar: Die Besucher des INTO THE GRAVE Festivals hatten Bock auf Death Metal und sie bekamen Death Metal.
Ola Lindgren und seine Jungs zockten sich ambitioniert durch ein Set, welches mir von den Songtiteln her (ich bin in den GRAVE-Songs schlicht nicht so bewandert) wenig sagte, mich jedoch zumindest in den schleppenderen Passagen, die alles zermalmten, überzeugen konnte.
Letztendlich bot sich mir über die gesamte Spielzeit jedoch zu wenig Abwechslung und so richtig einlassen auf die Musik von GRAVE konnte ich mich auch nicht, weshalb ich nicht mehr als das Prädikat "solide" vergeben kann.

BildEnslaved
Doch meine beiden Highlights sollten ja noch folgen, schließlich war ich mehr oder weniger nur für ENSLAVED und BOLT THROWER angereist. Wie wohl so einige, denn zumindest die Anzahl an BOLT THROWER Shirts war inflationär hoch.
Doch nach einer etwas längeren Umbaupause sollten zuerst einmal die norwegischen Progressive Black Metaller von ENSLAVED ihre Aufwartung machen. Und schnell stellte sich heraus, dass diese Band auf dem INTO THE GRAVE 2012 eine kleine Fehlbesetzung darstellte. Das lag nicht daran, dass ENSLAVED irgendwie schlecht spielten oder ihren Status als Co-Headliner nicht erfüllen konnte. Nein, es lag schlicht daran, dass das Publikum zum einen nach GRAVE nicht so aufnahmefähig für anstrengend-progressive Schwarzmetall-Strukturen und zum anderen viele Besucher tief im Death Metal verwurzelt zu sein schienen. Die Anzahl der Schwarzmetaller war überschaubar. Und so war es kein Wunder, dass nur die ersten Reihen sichtlich Interesse an ENSLAVED zeigten, während sich in den hinteren Reihen irgendwelche Hardcore-Kiddies mit Cappies anders die Zeit vertrieben und selbst bei den langsamen, eindringlichen Passagen der Band einen Mosh-Pit starteten. Das habe ich so auch noch nicht erlebt und fand es auch dementsprechend unpassend. Wie kann man bei ENSLAVED, zu Sonnenuntergangsstimmung, bei dem Ambiente, so einen Unfug anstellen? Über solche jugendlichen Dummheiten kann ich nur den Kopf schütteln und ich war nicht der einzige Besucher rund um die Mosh-Kiddies herum, den es nervte. Es störte einfach, ob man wollte oder nicht, die Aufmerksamkeit.
BildGrutle und Co. ließen sich dadurch nicht davon abhalten, ein richtig bombastisches Set abzufeuern. Im Gegenteil, die Band selber wirkte richtig gut gelaunt und hatte sichtlich Spaß am Auftritt, selbst wenn die Reihen relativ überschaubar waren. Mit großer Professionalität und sichtlich Spaß in den Backen ging es dann über das gewohnte Opener-Duo "Ethica Odini" + "Raidho" durch eine Setlist, welche die vielen Facetten der Band abdeckte. So gab es neben der Eröffnung mit "Giants" einen weiteren Song vom "Axioma Ethica Odini" Album, welcher durch seinen doomigen Beginn auch gleich den Schweden von GRAVE gewidmet wurde.
Obwohl mit "Isa", "Ruun" oder "Fusion of Sense and Earth" das Hauptaugenmerk auf den neueren Alben lag, gab es mit "Allfaðr Oðinn" einen Song von der ersten Demo der Band. Die Nummer hat sich mittlerweile als echter Live-Hit erwiesen, was bei den genialen Riffs und dem Nackenbrecher-Songwriting auch kein Wunder ist. Nicht überraschend war, dass dieser Song - der Härteste des Sets - den nachfolgenden BOLT THROWER gewidmet wurde.
Ein weiteres Highlight stellte ein unerwartetes, dafür aber umso erfreulicheres Cover dar. ENSLAVED erwiesen zudem den großen LED ZEPPLIN die Ehre und coverten deren "Immigrant Song". Hier ließ es Grutle sich nicht nehmen, ein kurzes Wort an die Mosh-Piter zu richten, dass sie nun die einmalige Gelegenheit hätten, nochmal einen Mosh-Pit zu starten. Sprach der Basser, legte los und die Meute gehorchte.

Setlist ENSLAVED:
1. Ethica Odini
2. Raidho
3. Fusion of Sense and Earth
4. Ground
5. Giants
6. Ruun
7. As Fire Swept Clean the Earth
8. Immigrant Song (Led Zeppelin Cover)
9. Allfaðr Oðinn
10. Isa

BildEnslaved
Nachdem die Reihen bei ENSLAVED noch etwas dünn waren, wurde es in der folgenden Umbaupause zunehmend voller vor der Bühne. Kein Wunder, stand doch nun der Headliner des diesjährigen INTO THE GRAVE Festivals an, auf den wohl so ziemlich jeder Besucher gewartet hat: BOLT THROWER.
BildDie englische Kriegsmaschinerie genießt schon seit vielen Jahren Kultstatus in der Death Metal Szene und zeichnet sich seit jeher durch beeindruckende Live-Shows und extrem fannahes Verhalten aus. So gab es auch auf dem INTO THE GRAVE wieder zu kostengünstigen Preisen BOLT THROWER-Shirts zu erwerben, die auch mal wieder - zum Leidwesen meines Begleiters - in Windeseile ausverkauft waren.
Wo man vor der Bühne hinblickte waren angesprochene Shirts zu sehen und bereits als das Intro aus den Boxen donnerte, brannte die erste Jubelwelle auf. Was folgte war eine 80-minütige Death-Walze par excellance! Gleich mit dem Opener "The IVth Crusade" brachten die Jungs und das Mädel aus Coventry die Menge richtig in Stimmung und sorgten für kreisende Mähnen, soweit man blicken konnte. Es ist beeindruckend, wie viel Wucht diese Band auf die Bühne bringt und mit welcher Gnadenlosigkeit einfach alles plattgewalzt wird.
Ein gut aufgelegter Karl Willetts ließ es sich nicht nehmen, neben dem Gepose und dem Mähnenflug immer wieder das Publikum zu animieren und zum Moshen und Headbangen aufzufordern. So richteten sich viele Augen auf den Frontmann, der seinen Mikrophon-Ständer nach allen Regeln der Kunst malträtierte, während die Instrumenten-Fraktion den Panzer rollen ließ.
Während Drummer Martin Kearns und Bassistin Jo Bench (Was eine Frau!) präzise und mit unheimlich viel Groove das Fundament bildeten, zockten sich Barry Thompson und Gavin Ward gegenseitig an die Wand und schmetterten Killer-Riffs noch und nöcher aus den Boxen.
Obwohl ich mit BOLT THROWER von Platte eher wenig anfangen kann und auch nur die "Those Once Loyal" ein paar Mal öfter durch die Anlage gejagt habe, muss ich gestehen, dass diese Band live einfach so eine Macht ist, dass man sich gar nicht vor der Musik verschließen kann.
Bärenstarker Auftritt und eines Headliners mehr als würdig. Alleine die Reaktionen des Publikums mit tosendem Beifall sprach Bände.

BildBolt Thrower
Setlist BOLT THROWER:
1. The IVth Crusade
2. World Eater / Cenotaph
3. When Glory Beckons
4. Anti-Tank (Dead Armour)
5. ...For Victory
6. Where Next to Conquer
7. Salvo
8. Warmaster
9. No Guts, No Glory
10. The Killchain
11. Powder Burns

BildBolt Thrower
Fazit:
Auch wenn wir nur drei Bands vom diesjährigen INTO THE GRAVE Festival gesehen kann man sagen, dass dieses eintägige Festival zur Speerspitze in seinem Sektor zählt. 6,66€ für diese Auswahl an Bands sind einfach nur ein Hammerpreis. Dazu waren die Preise, sowohl für Essen und Getränke, als auch für Shirts und Cds, mehr als fair und auch über den Sound konnte man sich, bis auf kleinere Abstriche, nicht beschweren.
Da lohnt sich von den gesamten Kosten her sogar die Anreise aus Deutschland, weshalb deutsche Metalheads das INTO THE GRAVE in Leeuwarden für das nächste Jahr im Hinterkopf behalten sollten.
Kann man von Veranstalterseite aus den geringen Preis und das Niveau der Bands aus diesem Jahr halten, ist das Festival mit seiner schönen Umgebung mitten in der Altstadt Leeuwardens eine Pflichtveranstaltung.

Fotos von: Jeanny Petrocchi, Metalphoto.org (Autor(en): Malte H.)
Tags:

Kommentare

31.08.2012 13:42 Uhr Sturmgeweihter
Man beachte den Bierdosenhalter an Grutles Mikro! Genial! =D
 
Kommentar Lesenswert? (0) (0)  
Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 1.283    
(metal.tm beta v0.874)