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Bericht:

05.09.2012

Extremefest 2012 - Feiern auf die harte Tour war gestern


Bild...jetzt wird’s extrem!

Donnerstag, 5.7. 2012

Horrido, Leute, der Tag des Festivals ist da!
Das Auto vollgepackt mit Bier, Fleisch, Zelt und den drei Redakteuren von metal.tm, ging’s in aller Frühe los gen Hünxe und Extremefest, das bereits voller Vorfreude erwartet wurde (s. Vorbericht Extremefest).
Nach einer angenehm kurzen Anfahrt hatten wir unser Ziel erreicht: Flugplatz Schwarze Heide. Aber wo zur Hölle war das Extremefest?! Das zu finden sollte sich als nicht ganz einfach erweisen. Eine Beschilderung fehlte (mindestens von der Seite, von der wir kamen) komplett und so jagten wir den armen Polo über Straßen, die mehr Schlagloch als Teer waren, bis wir endlich die lang ersehnten Leute in den gelben Warnwesten sahen. Ordner! Der Tag war gerettet! Diese schickten uns allerdings erstmal am eigentlichen Autoeingang vorbei, wie es schien, denn als wir endlich einen Teil des Campinggeländes erreicht hatten, zeigten sich die dort stationierten Securities einigermaßen überrascht. Nach einer kurzen und zum Glück schmerzlosen Kontrolle ("Habt ihr Glas dabei?" - "Nee." - "Habt ihr Waffen dabei?" - "Nee." - "Okay, fahrt drauf.") wars dann endlich so weit, dass die Zelte aufgebaut und das erste wohlverdiente Festivalbier getrunken werden durfte.
BildUnd hier kommen wir zum ersten großen Plus dieses Festivals: Man konnte wahnsinnig entspannt sein. Die Securities warens, die Leute um uns rum warens, wie sich später herausstellen sollte, warens auch alle anderen Mitglieder des Extremefest-Staffs - eine Atmosphäre, die einfach besser nicht sein konnte und die bis dato auch noch nicht besser von uns erlebt worden ist auf deutschen Festivals.

Nach der erfrischenden Blechdusche gings dann also los zum Bändchenstand. Hier musste man zwar seine Zeit anstehen, war jedoch so zeitig fertig, dass man sich noch die Exoten von WORMROT angucken konnte. Die Jungs aus Singapur gaben einen wirklich ordentlichen Opener ab und heizten das Extremefest schon mal schön auf.
Nicht minder brutal und interessant waren die Briten von INGESTED, die uns bis dato völlig unbekannt waren. Der Sound war eher neuerer Machart, ließ aber keinen Zweifel offen an den Wurzeln im traditionellen Todesblei.
Als nächstes folgten die britischen Rock the Nation Award-Gewinner von NEXUS INFERIS, die uns bereits auf Platte mit ihrer Mischung aus Black und Death Metal, gepaart mit einigen Industrial-Einsprengseln, überzeugen konnten. Über die Kopfbedeckung des Sängers kann man freilich geteilter Meinung sein, live jedoch macht diese Band einfach Spaß.

BildKurz ein Bier gezischt und zur nächsten Band gehetzt: TROLLFEST standen auf dem Plan und wer sich einmal die Video-Tourtagebücher der Band angeguckt hat, der weiß, dass er die Norweger besser nicht verpassen sollte. Aber anstatt pünktlich die Bretter zu betreten, ließen sich die Herren um Sänger Trollmannen Zeit und enterten die Bühne mit 15 minütiger Verspätung. Man hatte im Stau gestanden, erfuhren wir im Nachhinein. So blieben TROLLFEST am Ende nur noch 15 Minuten, um ihr Set zu spielen, was sie jedoch mit großer Professionalität und Spaß an der Musik taten.
Weiter auf die Tent Stage, wo die überaus sympathischen Ruhrpottler von SABIENDAS spielen sollten, Old School Death Metal vom feinsten stand auf dem Plan. Die Band zeigte sich unheimlich bewegungsfreudig und voller Spielwitz. Besonders Fronter Jan zog die Blicke und das Interesse auf sich und brachte die Menge zum Kochen.

BildAm frühen Abend freuen, durften sich sowohl die Schwarzmetall-Fraktion als auch die Death Metal Fans, denn während die Tent Stage trotz des mehr als guten Wetters in Kälte getaucht wurde, durch eine Bandfolge hochkarätiger Black Metal Bands (FARSOT, AGRYPNIE, EIS und INQUISITION), polterten und rumpelten sich auf der Main Stage die Oldschool Panzer aus den Bereichen Death und Thrash über die Bühne (SUFFOCATION, ASPHYX und EXODUS).
FARSOT wurden von uns leider zum Großteil verpasst, so reichte es am Ende nur für zwei Songs, wobei der Abschluss mit "Thematik: Trauer" vom Meisterwerk "IIII" reichte, um ordentlich die Mähne zu schütteln. Die Jungs aus Gotha mit den kryptischen Synonymen profitierten vom klaren Sound im Zelt und spielten zumindest das was wir sehen konnten mit viel Energie und Leidenschaft.
AGRYPNIE, eine Viertelstunde später, legten ebenfalls einen mehr als sauberen Auftritt hin, wobei Torsten wie gewohnt die meisten Blicke auf sich zog. Mit spürbarem Leid und greifbarer Aggression keifte er sich durch die Songs, während die Saitenfraktion die Gitarren zum Glühen brachte. Highlight des Auftritts: Alboin, seines Zeichens Bassist und Sänger der nachfolgenden EIS, betrat die Bühne um zusammen mit AGRYPNIE, den Übersong "Brücke aus Glas" vom "16[485]"-Album zu zelebrieren. Eine Rarität, die uns umsomehr erfreute.

BildNachfolgend traten EIS dann in vollständiger Besetzung auf die Bühne und versorgten das Zelt mit Kälte und Gift. Dem Auftritt haftete jedoch ein fader Beigeschmack an, da wir hinterher erfahren mussten, dass die Band zwei Songs aus ihrer Setlist streichen musste, da die Bühnenhelfer nicht schnell genug aus dem Quark kamen. Schade, dass es hier keinen Kompromiss gab!
Während der eine Teil unseres Teams noch im Zelt war, stiefelte der andere Part zu den Nackenbrechern von SUFFOCATION. Die Herren mussten zwar leider ohne Frank Mullen auftreten, da er aus familiären Gründen nicht kommen konnte, wie uns Gitarrist Terrance Hobbs später erklärte, vermisst hat man den guten Mann aber nicht wirklich, denn mit Bill Robinson (DECREPIT BIRTH) hatten sie einen mehr als würdigen Vertreter am Start.
Als nächstes kam dann Hollands Doom-Death-Walze Nummero uno ASPHYX dran. Wer sie noch nicht gesehen hat muss sich die Zeit definitiv nehmen, denn jeder Auftritt ist Magie pur. Die Niederländer rumpelten und prügelten sich durch Kultsongs wie "MS Bismark", "We Doom you to Death" oder "Deathhammer", dass es eine Freude war. Schön auch die Tatsache, dass es mit ASPHYX jetzt so weitergehen wird, denn wie wir erfahren durften, sind die ersten drei Tracks fürs nächste Album schon fertig.
Nach einem langen Tag voller Bier und Musik, war dann INQUISITION die letzte Band auf dem Programmplan für uns: Beeindruckend, nach wie vor, wie es die Herren Dagon und Incubus schaffen, mit nur zwei Mann auf der Bühne so einen fetten Sound abzuliefern. Der linke Lautsprecher fiel immer mal wieder aus, was den Klang ein wenig behinderte, doch davon ließ man sich nicht abhalten. Alle Blicke lagen natürlich auf Dagon, der poste und bangte, was das Zeug hielt.
Ein rundum gelungener erster Festival Tag, der Lust auf mehr machte!

Freitag, 06.07.2012

Der Kater dröhnt, die Kehle ist trocken - höchste Zeit fürs Konterbier und auf in den nächsten Tag!
Der sollte sich jedoch als einigermaßen geruhsam gestalten, was uns mehr Zeit einräumte, uns mit den Leuten auf dem Gelände bekannt zu machen und das eine oder andere Bier mehr zu trinken. Auch Redakteure müssen mal ausspannen. Alle Redakteure? Nein, denn für Kollege Rumpel-Sascha gings bereits um 14:00 Uhr wieder vor die Bühne.

BildSUFFELICIOUS, LAY DOWN ROTTEN, I CHAOS und BENIGHTED standen auf dem Programm und haben das Death Metal Herz mehr als erfreut, wie wir im Anschluss am seligen Grinsen in seinem Gesicht erkennen konnten. Bemerkenswert aber dann auch für uns: LAY DOWN ROTTEN Frontschwein Jost schien sich selbst mit Fieber noch auf die Bühne geschleppt zu haben, um die Fans zu füttern. Für so viel Engagement ziehen wir gerne den Hut!
Nach einer erneuten Phase der Entspannung ging es dann am frühen Abend weiter mit FORGOTTEN TOMB. Während Herr Morbid meist mit geschlossenen Augen in den Songs versank, zog Bassist Algol leidende Grimassen und setzte sich, wie es sich für einen Viersaiter gehört, entsprechend in Pose. Mit einer guten Songmischung, die sowohl alte Songs wie "Disheartenment" als auch neue Nummern wie "Shutter" beinhaltete, konnten die Italiener mehr als überzeugen und sich als eines der Highlights vom Extremefest herauskristallisieren.

Nach einer etwas längeren Pause, die man bestens an einem der preislich recht fairen Fressstände oder den Bierbuden verbringen konnte, stand man dann um viertel nach neun wieder auf der Matte, um BELPHEGOR zu sehen. Wir hatten uns - leider, leider - mehr von Helmut und seinen Kumpanen versprochen, denn was am Ende bei uns ankam, ließ uns noch während des Gigs ernüchtert kehrt machen. Ob es am zu dünnen und verwaschenen Sound lag oder ob die Erwartungen schlicht zu hoch gehangen waren, aber BELPHEGOR schafften es nicht, wirklich finstere Stimmung aufkommen zu lassen. Mit viel Gepose und kreisenden Mähnen zockte man sich durch das Set und erfreute damit zwar die ersten Reihen der anwesenden Zuschauer. Die hinteren Reihen jedoch wirkten eher hüftsteif und ähnlich zweifelnd wie wir.
BildDeutlich mehr erfreuten da die nachfolgenden NASUM: Die Jungs drückten dem Publikum eine kräftige Ladung Todesblei in die Fresse und zermalmten einfach alles. Einzig und allein die Beleuchtung wirkte auf uns etwas arg dunkel, was nicht so ganz zu einer Death Metal Kapelle passen wollte. Doch sich darüber ernsthaft zu beschweren wäre - machen wir uns nix vor - Jammern auf sehr, sehr hohem Niveau.
Den Abschluss dieses Tages bildeten für uns die Schwarzthrasher von KETZER. Die Buben aus Bergisch Gladbach sollte man definitiv gesehen haben, wenn es um bösartigen Thrash Metal geht. Live machten sie jedenfalls alles stumpf kaputt und lachten sich dabei auch noch eins. Unserem älteren Kaliber im Team drängte sich dabei die Assoziation an glorreiche alte THE CROWN Zeiten auf, so räudig konnten uns die KETZER in Begeisterung knüppeln.

Samstag, 07.07.2012

Der dritte Tag, die Sonne brennt, der Kater ebenfalls hinter der Stirn...
Verdammt nochmal beste Voraussetzungen um den Tag mit einem Konterbier und einer ordentlichen Portion Auf-die-Fresse-Death Metal zu beginnen.

BildPerfekt dazu geeignet waren die Osnabrücker Brachialmusiker von DAWN OF DISEASE. Auch wenn bei einem derart frühen Slot das Publikum freilich überschaubar bleibt, zockten sich die Jungs sichtbar motiviert durch ihr Repertoire und machten schlichtweg Spaß!
Weiter gings mit niederländischem Goregrind von den Bands RECTAL SMEGMA und ROMPEPROP. Vom Feinsten, sollte man eigentlich sagen, allerdings traf die Musikrichtung nicht den Geschmack aller unserer Teammitglieder. In dem Punkt, in dem wir jedoch definitiv einer Meinung waren: Scheiß drauf, ob man die Musik mag oder nicht, die Bands machen wahnsinnig geile Stimmung! Wenn man zu einer Zeit, bei der den meisten Festivalbesuchern noch Rest-Alk im Schädel wummert, eine so muntere Circlepit-Polonaise sehen darf, dann ist das wirklich groß!
Ebenfalls sehr groß präsentierten sich kurze Zeit später die Engländer DYSCARNATE. Eine äußerst energiegeladene Show, super Songs und wirklich druckvoller Sound machten den Auftritt zum Erlebnis. Death Metal Fans die bei Core-Einflüssen nicht gleich schreiend wegrennen, sollten diese Band definitiv antesten!

BildEine kurze Pause, um die Tanks wieder zur füllen, dann ging es weiter mit brachialem Black Metal von DER WEG EINER FREIHEIT. Konnten diese noch auf dem Summer Breeze 2011 durch schlechten Sound eher mäßig begeistern, zeigten sie dieses Jahr auf dem Extremefest ihr ganzes Potential. Egal wie sehr sie in Teilen der Szene auch als Trend verschrien sein mögen, diese Band hat Qualität und spielt definitiv astreinen Black Metal. Und auch live bringen sie ihre Musik ohne viel Gepose und Effekte zielsicher an den Mann. Ein Auftritt, der sich wahrhaftig gelohnt hat!
Danach gab es die für inzwischen wohl so ziemlich jedes Festival obligatorischen MILKING THE GOATMACHINE, über die man freilich geteilter Meinung sein kann und darf. Was dem einen als Fun Metal noch saurer aufstößt als der Whisky vom Vorabend, feiert der andere als das, was es auf einem Festival ganz simpel darstellt: Eine Brachialparty. Und was auch immer man von Ziegenböcken halten soll, die nicht auf Pfähle gespießt als Bühnendeko einer Black Metal Band fungieren: Parties können sie feiern.

BildWeiter ging es mit (für den Teil unseres Teams, der aus Spaßbremsen besteht, endlich wieder seriösem) Black Metal von den Schwarzwäldern (haha, wie passend!) von IMPERIUM DEKADENZ. Nach ihrem starken Gig auf dem Summer Breeze 2010 waren die Erwartungen an die Band standesgemäß hoch - und wurden leider nur teilweise erfüllt. Dafür kann die Band recht wenig, denn die Tontechniker verschliefen es häufiger - sichtlich zum Unmut von Basser Harvst - viel zur Atmosphäre beitragende Intros abzuspielen. So wurde "An Autumn Serenade" nach mehreren Aufforderungen an die Technik, endlich das Intro abzuspielen, schlicht angezählt und am metallischen Part begonnen, was doch gestört hat. Auch das Licht machte der Black Metal Kapelle schwer zu schaffen. Davon abgesehen präsentierte sich die Band gewohnt solide.
Nachdem dummerweise DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT aus persönlichen Motiven spontan absagten, ging es weiter zu ARKONA. Eine eventuell schwächere Fronterin als Onielar, bei der wir skeptisch waren, ob sie sich auf einem Festival wie dem Extremefest durchsetzen können würde, aber der Mob hatte überhaupt keine Chance. Sängerin Masha war derart am wirbeln, schreien und bangen das man wirklich offene Münder bestaunen konnte. Geiler Auftritt und Hut ab!

Als drittletzte Band eines bis dahin fantastischen Festivals präsentierten sich dann MARDUK. Konnten diese - ähnlich wie IMPERIUM DEKADENZ - auf dem Summer Breeze 2011 noch aufgrund miesen Soundbreis so gar nicht live überzeugen, überrollte die Panzerdivision das Extremefest mit einer Welle brachialer Kälte, die sich gewaschen hat! Ein sehr zufriedenstellender Auftritt, der einer hochkarätigen Band endlich genüge getan hatte.
Für die letzten Bands teilte sich unser Team erneut auf. Während unser Death Metal Experte zu CANNIBAL CORPSE pilgerte, die offensichtlich keine weiteren Ambitionen hatten, als Publikum, Bühne, Boxen und schlichtweg alles rundum komplett zu zerlegen, stand für den anderen Teil des Teams DORNENREICH auf dem Programm. Ein passenderer Slot wäre kaum denkbar gewesen! Zwar gab es sehr zum Leidwesen von Inve immer wieder Probleme mit der Geige, die die Tontechnik den gesamten Gig über nie wirklich passend ins Soundbild einfügen konnte (sie fiepte teilweise grausam), doch hinderte dies Eviga nicht daran, absolut in die dargebotenen Songs einzutauchen und ihnen mit seiner Gestik, Mimik und variablen Stimmgewalt leben einzuhauchen. Das Publikum dankte es durch schwelgerische, genießerische Mienen und viele mitsingende Stimmen.

Bild

Fazit:

Das Extremefest 2012 hatte alles, was der Fan extremer Musik benötigt: Extrem gute Bands, extrem viel Sonne, extrem geile Leute (beste Grüße an dieser Stelle übrigens an unsere Nachbarn aus Gelsenkirchen!), extrem viel Bier (was mindestens ein Mitglied des Teams sehr zu seinem Leidwesen bestätigen kann), kurzum: Extrem viel Spaß!
Es wurden uns zwar Gerüchte zugetragen, dass das Extremefest 2013 unter einem schlechten Stern steht, da anscheinend doch weniger Leute dieses tolle Angebot wahrgenommen haben als erwartet - wir jedenfalls können dazu nur sagen: Auch wenn das Line Up 2013 weniger bekannte Bands bieten sollte, kommen wir gerne wieder, denn ein Festival, bei dem - bis auf kleinerer Probleme mit der Sound - und Bühnentechnik wirklich ALLES stimmte, durften wir bis dato noch nicht erleben!





(Autor(en): Jannes B., Malte H., Sascha S.)
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Kommentare

05.09.2012 15:58 Uhr Sturmgeweihter
Falls es nächstes Jahr wieder stattfindet, ist es Pflicht. Top Festival!
 
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