Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin


Bericht:

13.08.2010

Devilside Campus To Hell - Nachsitzen mal anders (Blickwinkel 1)


BildMorgens halb elf in Deutschland - erst mal 'ne Runde abrocken.
Noch ein wenig angeschlagen vom Harasai Album Release am Vorabend, erreiche ich pünktlich zur dritten Band des Tages den Campus der Essener Uni.
Statt der planmäßigen Throwdown stehen um 10:45 Uhr allerdings Failed Perfection auf der nahe dem Eingang gelegenen Devilstage. Zu dieser für ein Festival noch recht frühen Uhrzeit ist das Gelände zwischen Mensa, Hörsaalzentrum und Bibliothek bereits gut gefüllt.
Das Open-Air Klima ist ein angenehmer Ausgleich zum feucht-schwülen Sounds, von dem sich Ex-Harasai-Basser David Joris als Stand-In für die Dortmunder Deather Failed Perfection nur einen Tag nach seiner offiziellen "Entlassung" direkt selbst überzeugt. Die Band macht nicht nur optisch, sondern auch klanglich eine gute Figur und spätestens nach der halben Stunde Spielzeit ist auch der letzte Zuschauer wach. Für die weiblichen Vertreter unserer Zunft ist neben Dave auch Sänger Chris ein echter Augenschmaus - von der Sorte könnte es gern mehr Musiker geben!
Direkt im Anschluss geht es auf der Hell Stage auf der anderen Seite des Festivalgeländes mit The Haunted weiter. Auch wenn deren Sound nicht so sehr mein Fall ist, wundere ich mich dennoch sehr über die Platzierung einer Band, mit doch verhältnismäßig großem Bekanntheitsgrad zu so einer frühen Zeit. Und bereits jetzt fällt ein maßgeblicher Schwachpunkt der Organisation auf: Zwischen den Bands auf den beiden Bühnen gibt es keine Pause. Besonders die Fotografen, die heute anwesend sind, können sich für den Rest der Woche den Weg ins Fitness-Studio sparen. Bei mindestens 30° im Schatten und großen Teilen ganz ohne diesen, ist der Wechsel zwischen den zwei Stages ein mehr als schweißtreibendes Unterfangen.



Zur Mittagszeit hin dreht das Devilside richtig auf und knallt seinen Gästen die Münsteraner Deathcorer Neaera um die Ohren. Der nicht allzu lange Anfahrtsweg hat sich für die fünf voll und ganz gelohnt. Ihre Mischung aus brutalen Mosh-Parts, aggressiven Blasts und eingängigen Melodien sind die optimale Grundlage für die erste intensive Action des Tages. Circle-Pit um den Mischer-Turm, gefolgt von Crowd-Surfen und den Nimmermüden in den vorderen Reihen, die sich gegenseitig durch die Gegend schleudern. Da gibt es ein "Damen-Hoch" von Frontsau Benny Hilleke. Die Krönung zur Dröhnung ist die obligatorische Wall of Death, von der ich mich dann doch fernhalte.
Die folgende Kombo Sonic Syndicate weckt bei mir wenig Interesse und ist daher eine gute Gelegenheit für eine Pause. Die sicherlich beste Neureglung in diesem Jahr ist der ganztägige Aus- und Wiedereinlass. Mit der zusätzlichen Info, dass die Mitnahme eines Tetra-Getränkepacks auf dem Festivalgelände erlaubt ist, suche ich mit ein paar Freunden den nächstgelegenen Kiosk auf. Dass der Inhalt jedoch nur maximal einen Liter umfassen darf, wird uns erst beim erneuten Durchlaufen der Eingangskontrolle bewusst. Vielleicht überdenken die Veranstalter diesen Punkt bis 2011 noch einmal, denn wegen eines halben Liters sich gänzlich querzustellen halte ich für ebenso überzogen. Die Kontrollen sind zudem so gründlich, dass eine Freundin in ihrem Rucksack gleich zwei volle 1,5l Tetrapacks ohne Probleme mitnehmen kann.



Mit fortschreitender Tageszeit nimmt auch die Intensität der Sonneneinstrahlung unaufhaltsam zu und zwingt zu längeren Pausen, die sich wiederum für eine Erkundung der Verkaufs – und Verpflegungsstände eignen. Neben den standartmäßigen Bierwagen, Fressbuden und Merchständen ist auch ein Biergarten zu finden. Die Wiese zwischen dem Neubau der Naturwissenschaften und R09 lädt zum Verweilen ein. Ein großes Plus sind auch die zahlreich aufgestellten Dixis.
Die Klänge der Emil Bulls erreichen mein Gehör auch hier noch deutlich genug und erst Agnostic Front locken mich mit ihrem Punkrock wieder auf das große Grün zwischen den Bühnen. Diesen Bereich nutzen derweil viele Festivalbesucher, um sich im Schatten sitzend von den Bands beschallen zu lassen.
Mein persönliches Highlight erreicht am späten Nachmittag die Hell Stage vor der Bib: Die teilweise wiedervereinten Fear Factory. Die vier Herren mittleren Alters beweisen auch anno 2010, dass sie Meister ihres Fachs sind und überzeugen das Publikum mit ihrem Tech-Death. Das Set ist eine bunte Mischung aus Songs der Bandgeschichte, wie "Replica" aus dem Jahr 1995, "Linchpin" von 2001 und auch von der aktuellen Scheibe "Mechanize" gibt's was zu hören. Ein Mosh-Pit begleitet die Band um Sänger Burton C. Bell und Gitarrist Dino Cazares eine volle dreiviertel Stunde in der prallen Sonne. Fazit: Ein dicker blauer Fleck an der rechten Schulter, trotz exzessiven Hüpfens kein Schleudertrauma, bewundernde Blicke beim Mitgröhlen erhalten und The Very End-Bassist Marc beim Crowd Surfen erwischt. Das nenn ich einen erfolgreichen Auftritt.



Zebrahead und Overkill müssen dem Abendessen weichen und erst die Briten von New Model Army holen mich zur Bühne zurück. Auch wenn ich die Band kaum kenne, macht es durchaus Spaß ihnen zuzuhören. Der heimliche Headliner Amon Amarth tifft um 20:25 Uhr auf der Devil Stage ein. Bei den Schweden scheint sich das Festivalpublikum einig zu sein: Köpfe kreisen gleichermaßen auf und auch vor der Bühne. Die Masse überblicke ich von einer Anhöhe auf der linken Seite sehr gut. Der Sound ist leider nicht allzu gut und zudem vermisse ich Mitsing-Songs wie "Death in Fire" ein wenig.
Sick of it All bieten noch ein letztes punkiges Intermezzo, bevor bei Airbourne die Stimmung endgültig überkocht. Die Australier erinnern klanglich stark an ihre Landsleute AC/DC und auch der Unterhaltungsfaktor ist erkennbar groß. Meine Stimmung wird durch schmerzende Beine leider gedrückt und in Erwartung einer Massenansammlung nach Ende des Sets verlasse ich etwa 15 Minuten vor dem geplanten Ende das Gelände.
Alles in Allem ist der Campus eine angenehme Location, auch wenn einige Durchgänge zu schmal sind und es noch den ein oder anderen Schwachpunkt zu bemerken gibt.
Nächstes Jahr dann 100%, oder Nachsitzen!


(Autor(en): Katharina P.)
Tags:

Kommentare

Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 1.318    
(metal.tm beta v0.874)