Metal.tm - Musik Community, Portal & Magazin


Bericht:

10.10.2012

70000 Tons of Metal 2012 / Barge To Hell 2012


Bild

Mein erstes 70000 Tons of Metal ist mittlerweile über ein halbes Jahr her - höchste Zeit also, die nächste unvernünftige Entscheidung zu fällen... und das Barge to Hell zu buchen!

BildDer Rückblick

Am Mittag des 23. Januar 2012 ragte das erste Mal die Majesty of the Seas vor mir auf, davor eine lange Schlange, die das vom weißen Schiff abstrahlende Licht geradewegs zu absorbieren schien. 2000 überwiegend Schwarzgekleidete, auffällig häufig tätowierte und langhaarige Menschen, die auch im Bauch des Kreuzfahrt-Giganten keinen krasseren Kontrast zu den goldenen Geländern und samtbezogenen Sesseln hätten bilden können. Die schwermetallischen Klänge aus den Boxen des Atriums von der gut bestückten Konserve, die uns empfingen, machten das verwirrende Bild perfekt - und doch hätte es passender nicht sein können.

Die folgenden Tage zeigten sich für alle Beteiligten von ihrer besten Seite.

Die Gäste bekamen grandiose Shows in doppelter Ausführung und teilweise unterschiedlichen Sets in unvergleichlichen Locations geboten, bei denen man sich entweder den warmen Karibik-Wind durch die Mähne ziehen lassen konnte, während man die Bands in 360°-Ansicht in Aktion erlebte, oder sich in Sälen mit Kronleuchtern an der Decke, Samtsesseln auf drei Ebenen und Drinks in der Hand, beschallen ließ. Das üppige Buffet wurde natürlich ebenfalls optisch leicht angepasst, so fand man zwischen den ganzen Leckereien kunstvolle Obst-Männchen als Gitarrist, Sänger oder Schlagzeuger. Der mehr oder weniger verwaisten Wellness-Anlage im Innern waren gut genutzte Pools an Deck entgegengesetzt, die es zuließen, die Auftritte der nur wenige Meter entfernten Bühne aus dem Whirlpool verfolgen zu können. Die aufmerksamen Kellner und Kellnerinnen rundeten die Sache mit einem kühlen Bier oder Cocktail paradiesischerweise ab - ganz zu schweigen von täglich frisch gemachten Betten, die einen jede Nacht (oder jeden Morgen) wohlwollender empfingen, als jeder Schlafsack auf steinigem Festivalboden.
Trotz den zuhauf vorhandenen deutschsprechenden Besuchern, wehte ein globaler und gemeinschaftlicher Flair durch die langen Gänge, in denen Gäste und Bands Tür an Tür residierten. In die zweite Kabine neben unserer quartierten sich Kamelot ein, und auch Kataklysm kreuzten täglich unseren Weg.

Bild
Zuschauer während des Bellyflop Contest

Die Crew, bestehend aus rund 800 Leuten, feierte nach Feierabend (aber auch gerne mal während der Arbeit) bester Laune mit, zeigte sich zu Scherzen aufgelegt oder befand dank dem sehr melodiereichen Auftritt von Nightwish kopfwippend, dass Metal wohl scheinbar doch nicht nur "böser Krach" sein kann, wie von unwissenden häufig vermutet. Auch der oberste Hotel-Direktor Erik Speekenbrink bestätigte bei der Pressekonferenz überschwänglich den durchgehend positiven Eindruck des besonderen Klientels und machte Anspielungen darauf, dass sich die üblichen Gäste gerne mal was von der Freundlichkeit der Metalfans abschneiden könnten - natürlich nur indirekt. Man will sich ja nicht die übliche Kundschaft vergraulen. Die Crew habe sich wahnsinnig auf diese Cruise gefreut, nachdem die Erste so eine unglaublich positive Erfahrung gewesen sei. Außerdem habe man sich noch mehr auf die Bedürfnisse des gemeinen Metallers eingestellt, was sich unter anderem in den aufgestockten Biervorräten niederschlug (nachdem letztes Jahr bereits am 2. Tag auf See die erste Sorte nicht mehr vorrätig war).

Bild
70000 Tons of Metal - Crew

Die Bands genossen augenscheinlich ebenfalls das Urlaubsfeeling mit etwas Arbeit nebenbei. So kam es, dass ein auffällig großer Anteil der Auftritte in den Karaokenächten von den Musikern und Sängern bestritten wurden, die von alkoholgeschwängerten, pop- und schlagerträchtigen Resultaten (bezeichnend hierfür waren die Auftritte von Children of Bodom Sänger Alexi Laiho im HipHop-Outfit mit "Stayin' alive" von den Bee Gees und Annihilator Vocalist Dave Padden mit James Browns' "I Feel Good"), bis hin zu perfekten Song-Neuinterpretationen (wie Mariangela Scelsi von Tristania mit Dio's "Holy Diver" oder Fabio Lione von Kamelot mit dem Scorpions-Klassiker "Still Loving You") alles zu bieten hatten, und damit so manchem Freizeit Duschen-Tenor im Anschluss auf eine harte Könnensprobe stellten.
Der Müdigkeit und Morgenmuffeligkeit mancher Musiker kam kein foto- und autogrammfreudiger Fan in die Quere; Tisch an Tisch wurde morgens mit ähnlich dunklen Ringen unter den Augen einstimmig und in Ruhe der erste Kaffee genossen oder das Marmeladenbrötchen geschmiert. Wer eine Diplomarbeit über Harmonie schreibt, sollte es mal morgens im "Windjammer"-Restaurant auf der Majesty beim 70000 Tons (oder demnächst auch beim Barge to Hell) versuchen...

Bild
70000 Tons of Metal Karaoke mit Alexi Laiho

Die bzw. der Veranstalter namentlich Andy Piller, hatte hingegen am Anfang noch etwas an der Organisation zu knabbern, da statt einem georderten 5 Tonnen Kran wohl bloß einer für 2,5 Tonnen im Hafen stand, der das Equipment ergo auch nur mit der Hälfte der Geschwindigkeit auf Deck hieven konnte. So verzögerte sich der Aufbau um einige Stunden, weswegen die erste Show von Overkill, die auf der Poolstage hätten stattfinden sollen, verschoben werden musste. Cannibal Corpse eröffneten so um 0:30 Uhr ebenfalls mit Verspätung als Erste die fertige Stage auf Deck. Der musikalischen Auftakt des 70000 Tons of Metal gebührte allerdings Alestorm um halb 7, die natürlich in einer randvollen Spectrum Lounge spielten und das euphorische Publikum in bester Seemanns-Metal Manier bespaßte.
Andy traf man während der gesamten Cruise mehr oder weniger ganztägig im "vorbeirennen" mit gehetztem und leicht gestressten Gesichtsausdruck an. Der Mann hatte schließlich alle Hände voll mit Koordinationsarbeit zu tun, was die aufgeschobenen Shows der Poolstage sicher nicht einfacher machten. Den letzten Abend schien aber selbst der "Skipper" zu genießen, die Anspannung fiel sichtbar von ihm ab während er sich zu den letzten Shows an Deck gesellte.

Bild
Wolfgang Rott & Andy Piller

Das Schiff kam durchweg ziemlich gut mit der ungewohnten Ladung zurecht - woran auch die Crew nicht ganz unschuldig war. Den Getränkemassen, die sich unweigerlich immer mal wieder während musikberauschter Headbang-Manöver auf die Teppiche in Lounge und Theater ergossen, hätten einen theoretisch am nächsten Tag pattex-mäßig am Fußboden fixieren müssen, doch dieser sah tagtäglich wie neu verlegt aus. Diese Reinigungsmaschinen müssen der Traum eines jeden Hausmannes sein.

Bild

Anekdoten:

Während der Fahrt aus dem Hafen passieren wir ein weiteres Schiff mit der üblichen Kreuzfahrt-Ladung, das richtigerweise mit "Your boat sucks"-Rufen beschallt wird (siehe Min. 04:00).
Bild

Einweisungs-Durchsage während des Muster Drills: "Please stop eating, drinking, smoking, smashing guitars or biting heads off of living animals."

Bild

Children Of Bodom auf der Poolstage: Alexi geht kurz nach hinten, kotzt in gediegener finnischer Manier hinter die Boxen und spielt souverän die Show weiter. (Beobachtung von Bekannten, dank der 360° Bühnenansicht)

Bild

Der Schiffs-Hotelmanager zeigt sich auf der Pressekonferenz ziemlich sicher, dass die ein oder andere U-Boot-Besetzung in der größeren Umgebung sicher sehr irritiert sein dürfte, ob der seltsamen Vibrationen, die von den Bühnen über das Schiff bis ins Meer ausstrahlen.

Bild

In Extremo Drummer Specki wird mit dem Rollstuhl an die Bühne gefahren und steigt mit Krücken hinters Schlagzeug. Später erfahren wir von Gitarrist Sebastian, dass Sänger Micha ihm eine (volle 1/2 L) Dose Foster zuwerfen wollte, Specki das Bier aber verfehlte - Das Bier verfehlte nur leider nicht sein Bein.

Bild

Amorphis im Chorus Line Theater: Marco von Nightwish gesellt sich stilecht in Sandalen mit Hilfszettel und lockerer Urlaubs- und Karaoke-Stimmung zu Sänger Tomi und performt im Duett "Sky is Mine" und "Silverbride".

Bild

Facts:
  • Die Altersspanne an Bord betrug 2012 13 bis 63 Jahre. Nur der 1 1/2 jährige Nachwuchs von Nightwish-Sängerin Anette Olzon war mit Abstand der jüngste Reisende.

  • Viel Auswahl für die weibliche Fraktion: 63% männliche und 37% weibliche Gäste befanden sich an Bord.

  • Es waren 55 Nationalitäten von allen Kontinenten vertreten. (49 im Jahr 2011)
    Davon die Deutschen gleichauf mit den US-Amerikanern: Jeweils 25%
    Die am nächst stärksten vertretenen Länder waren Kanada, die Schweiz, die Niederlande, Finnland, Australien, Schweden, Mexiko und Belgien.

  • Gäste an Bord: 2051
    Musiker & Crew: 452
    Schiffs-Crew Mitarbeiter: 879
    Insgesamt: 3352

  • Das Schiff musste 13 Trucks voller Equipment aufnehmen

  • Die Pooldeck Konstruktion wog 12 Tonnen

  • Die Majesty Of The Seas wiegt genau 73,941 Tonnen, ist 268,33 Meter lang, 32,31 Meter breit, hat 8,53 Meter Tiefgang und macht 19 Knoten.


Bild

Der Ausblick
aufs Barge To Hell 2012

Vom 3. bis 7. Dezember 2012 sticht unter dem Namen Barge To Hell zum ersten Mal der Extreme Metal Ableger des 70000 Tons in See. Erneut startet die Majesty of the Seas vom Port of Miami und steuert mit einer Ladung voller Death, Black und Extreme Metal Fans die Bahamas an. Das Konzept soll, bis auf kleine Details, grundsätzlich identisch gehalten werden.
Von 40 Bands sind bis jetzt (eigentlich*) 27 offiziell bestätigt, darunter bereits einige absolute Highlights:

ARTILLERY
AT THE GATES
BEHEMOTH
BELPHEGOR
CORROSION OF CONFORMITY
ENSLAVED
HACKNEYED
HOLY MOSES
KAMPFAR
KRISIUN
LOUDBLAST
MAYHEM
MOONSPELL
MORGOTH
MUNICIPAL WASTE
NAPALM DEATH
PARADISE LOST
POSSESSED
ROTTING CHRIST
SACRED REICH
SANCTUARY
SEPULTURA
SIX FEET UNDER
SODOM
SOILWORK
SOLSTAFIR


*"Inoffiziell" ist bislang die Teilnahme der Thrasher Necronomicon, welche die Band selbst bereits bekanntgegeben hat, die offizielle Bestätigung der Veranstalter von Ultimate Music Cruises jedoch noch aussteht (und laut offizieller Seite dementsprechend nicht offiziell ist).
Ebenfalls noch nicht von offizieller Seite verkündet ist die Absage von Belphegor, die wegen zeitlichen Überschneidungen mit Studioterminen laut eigenen Aussagen nicht teilnehmen können. Ansonsten ist die Gerüchteküche natürlich ordentlich am Brodeln. So sollen Finntroll und Heaven Shall Burn angeblich an Bord sein.


Nach langer Durststrecke soll nun also in Kürze (unter Kennern auch gerne "soon" geschimpft) das Lineup weiter bestückt werden, schließlich ist die letzte Bestätigung vom 27. Juli auch schon lange genug her und der Dezember naht mit großen Schritten. Wir dürfen also gespannt sein! (Autor(en): Saskia Z.)
Tags:

Kommentare

Diese Kommentare im Forum anzeigen.    
Gastkommentar schreiben
Gastkommentare werden nach Prüfung freigeschaltet.
 

Anzeige

Facebook-Kommentar

 
 Besucher heute: 1.077    
(metal.tm beta v0.874)