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Bericht:

06.02.2012

3. Black Troll Winterfest


BildWie schreibt man am besten partnerschaftlich einen Bericht über ein Festival? Wir könnten jetzt natürlich Schere, Stein, Papier spielen bis der Arzt kommt, um auszuknobeln, auf wen die Pflicht entfällt, den Rohtext zu schreiben. Der Gewinner hätte dann nur noch die Aufgabe, in eigener Sache Textpassagen zu streichen oder hinzuzufügen. Da wir aber ja auch im privaten Leben noch gelegentlich irgendwie miteinander auskommen müssen und eine solche Aufgabenverteilung zweifelsohne zu Unmut führen würde (zumal wir beide nur ein begrenztes Zeitkontingent zur Verfügung haben), haben wir uns für einen anderen Weg entschieden: Bei Bier und Whisky entstanden, lesen sie nun, sehr verehrtes Publikum, unser partnerschaftliches Interview zum 3. BLACK TROLL WINTERFEST in Mülheim an der Ruhr! Viel Spaß!


Negator

Interview-Team: Jannes, Malte, wie war denn die Anreise zum Black Troll Winterfest?

Malte: Uh, die Anreise. Zuerst mal muss man festhalten, dass 10 Uhr zu früh für ein Festival ist, wenn man tags vorher lange arbeiten musste und der werte Herr Fahrer bei einem eh viel zu knapp bemessenen Zeitrahmen dann auch noch wegen Trunkenheit verschläft. So wurde aus 10.30 Uhr Abfahrt 11.30 Uhr.
Zum Einlass hätten wir es bei drei Stunden Anfahrt so oder so nicht geschafft, unser Ziel war dann, pünktlich zu NEGATOR die Halle zu entern. Eigentlich lief auch alles nach Plan, wäre da nicht die Tanknadel gewesen, die sich immer weiter gen Null orientierte. Und ganz offenbar gibt es auf der Autobahn vom guten alten Ostfriesland nach Mülheim an der Ruhr nicht eine einzige Autobahntankstelle. Wir haben nach bestem Gewissen Ausschau gehalten, aber es kam einfach nichts. Gar nichts!

Jannes: Da hatte ich offengestanden auch Schiss. Normalerweise braucht mein Auto ja nun nicht so viel, aber über drei Stunden Fahrt im Vollgas-Modus (ja, verdammt, ich hab verschlafen, aber fast gar nicht wegen Trunkenheit), macht sich dann doch der Spritmangel bemerkbar. Und es gab tatsächlich nichts! Wir haben extra ein Navi zu Rate gezogen, doch das leitete uns bloß auf einen immensen Umweg - so dachten wir. Dieser "Umweg" entpuppte sich dann aber doch zum einzigen Weg zur nächsten Tankstelle. Saugeil! Problem an der ganzen Sache ist: Es wurde nach aufgefülltem Tank nicht besser! Mühlheim an der Ruhr hat sich bei der Anfahrt den Spitznamen "Müllheim" redlich verdient: Die Stadt ist kaputt an so ziemlich jeder Ecke, die wir passiert haben um zum Festival zu kommen und die Krönung war die verdammte Straßenbahn, die mit uns zusammen um die Kurven gegurkt ist. Sowas ist man als Kleinstadtbewohner einfach nicht gewohnt. Zum Festivalort kam man aber dann doch - dank Navi - relativ schnell. Mir persönlich hat bloß die Beschilderung gefehlt - das könnte man sicherlich nächstes Jahr noch mal besser machen.

BildInterview-Team: Nachdem ihr die Anreise also mehr oder weniger erfolgreich hinter euch gebracht habt, was waren denn eure ersten Eindrücke vor Ort?

Malte: Ja, gut, wie gesagt, Mülheim ist keine Schönheit. Die RWE-Halle an sich hat jedoch eine stattliche Größe und ist daher von innen schön geräumig. Mit dem Einlass funktionierte alles reibungslos. Als wir uns dann drinnen nach dem ganzen Stress der Anreise das erste Bier gönnen wollten, stießen wir auf einige Widrigkeiten: Anstatt Speis und Trank mit normalen Euronen zu bezahlen, musste man von selbigen erstmal einen Verzehrbon kaufen, den man dann gegen Getränke samt Pfand und Fressalien einlösen konnte. Nicht nur, dass man sich erstmal an dieses System gewöhnen musste, nein, es war auch umständlich, wenn man in seiner Schusseligkeit die Becher irgendwo vergessen hatte. Denn dann gab es keinen Pfand. Und wenn man verlorene Pfandmarken fand, musste man entsprechendes Glück haben, um auch die nötigen Becher zu finden. Oder auch nicht. Ich denke, die Sache hätte man auch etwas einfacher lösen können.

Jannes: Jau, wie Malte schon sagte, das BLACK TROLL WINTERFEST stand ganz unter dem Motto: "Der schwere Weg zum ersten Bier". Was mich persönlich noch zusätzlich gestört hat, war, dass man die Halle nach Einlass nicht mehr verlassen konnte. Es gab zwar einen Raucherpavillon, den ich als gestandener Quarzer auch regelmäßig frequentiert habe, aber dass man sich bei einer Band, die man vielleicht mal nicht unbedingt sehen wollte, nicht einmal ordentlich die Füße vertreten konnte, um vielleicht etwas von der näheren Umgebung zu sehen, war schon ungewohnt. Wobei man da fairerweise sagen muss, dass das nicht Schuld des Veranstalters war, sondern eher der Stadtverwaltung, die wohl anscheinend diverse schwarze Messen in Mühlheims inner city erwartet hat, wenn man die ganzen Schwarzgewandeten aus dem Gehege lässt. Metal stößt halt doch immer noch auf Widerstände...

BildInterview-Team: Was für einen Eindruck hattet ihr also insgesamt von der Organisation des Festivals?

Jannes: Mal abgesehen von der ziemlich nervigen Regelung mit dem Bier und den Fressalien war das BLACK TROLL WINTERFEST eigentlich ziemlich gut organisiert. Die Merchandise-Stände waren vernünftigerweise auf der obersten Etage des begehbaren Bereiches der Tribüne platziert, sodass man dort Bierbezug (wie gesagt: Nach Schwierigkeiten), Fressstände (s. Bier) und Merchandise als eigene Shoppingmeile vorfinden konnte (wieso zum Teufel hatte man eigentlich nicht das Problem mit den Coupons bei den Merch-Ständen???). Unten, auf eigentlichem Bühnenboden, fand dann das Festival statt und - wie gesagt - draußen auf dem Pavillon konnte man dann auch rauchen gehen.

Malte: Zu dem Gesagten, dem ich voll und ganz zustimme, muss man hinzufügen, dass der Sound echt gut war. Man konnte sich eigentlich bei keiner Band wirklich darüber beklagen, dass irgendwas zu verwaschen geraten war, was bei der Fülle an Bands eine ausgezeichnete Leistung ist. Für meinen Geschmack sogar zu viele Bands für einen Tag, da der Zeitrahmen doch wirklich etwas knapp bemessen war, vor allem für Leute wie uns, die von weiter her angereist sind. Die Beleuchtung war auch nicht immer der Situation bzw. Musik entsprechend angepasst, schon gar nicht für eine Black Metal Band wie NEGATOR. Sänger Nachtgarm bat den Lichttechniker dann auch ganz passend darum, doch bitte die "Partybeleuchtung" auszuschalten.


Immortal

Interview-Team: Hätten wir das also geklärt. Und welche Bands haben nun eigentlich gespielt und welche von denen habt ihr jetzt gesehen, wie waren sie, etc.?

Malte: Insgesamt haben 15 Bands gespielt. Neben gestandenen Szenegrößen wie IMMORTAL, ENSIFERUM, PRIMORDIAL, MOONSORROW und TYR bespielten auch SUIDAKRA, XIV DARK CENTURIES, WAYLANDER, CRIMFALL, CRUADALLACH, CHAIN OF DOGS, NORTHLAND, ODROERIR, DRAUGR und die bereits erwähnten NEGATOR.

Jannes: Gesehen haben wir effektiv allerdings nur die Hälfte. Pünktlich eingetroffen sind wir zu NEGATOR, die sich allerdings für mich auch direkt als unsympathischste Band des Festivals etabliert haben. Es ist ja durchaus verständlich, dass man als Black Metal Band genervt sein kann von zu farbenfroher Beleuchtung, allerdings zeugt es auch nicht gerade von Klasse, dafür den Techniker vor versammelter Fangemeinschaft zu beschimpfen. Eventuelle Vorabsprachen hätten da doch eigentlich genügen sollen. Ansonsten gesehen haben wir alles, was anschließend auf der Bühne rockte: XIV DARK CENTURIES (die mich allerdings nicht wirklich überzeugten), SUIDAKRA (die, wie schon auf dem Wacken Rocks Seaside 2009, eine Wahnsinnsperformance ablieferten), TYR (die mich eher enttäuschten), MOONSORROW (welche ich leider auf dem Summer Breeze 2011 verpasste - die mich jedoch auch nicht restlos auf dem BLACK TROLL WINTERFEST überzeugen konnten), PRIMORDIAL (dazu komme ich gleich noch - ich kenn' ja die Fragen des Interview-Teams, höhö), ENSIFERUM (die zwar immer gut, aber auch immer gleich sind) und IMMORTAL (deren Frontsänger mein Auto seinen Namen verdankt, denn Sänger Abbath ist einfach 'ne geile Sau - auch live).

BildMalte: Absolut richtig, was Jannes da schreibt, nur bei NEGATOR muss ich einhaken, denn ganz so dramatisch sah ich die Sache nicht. Sicherlich, der Ausruf "Ey Lichttechniker, mach mal die Partybeleuchtung aus, das nervt wie Arschloch" war sicherlich nicht nett, aber amüsant. Und als neuer Fronter von DARK FUNERAL muss man auch sein Image wahren (auch wenn ich diese Besetzung nicht begrüße). Aber Black Metal bei "Pagan-Beleuchtung", das funktioniert einfach nicht, sowas sollte man bedenken.
Ansonsten stimme ich mit den Fazits der Bands weitestgehend überein. XIV DARK CENTURIES haben solide ihre Show durchgezogen, ohne mich restlos zu begeistern, SUIDAKRA sind einfach immer wieder gut, TYR konnten mich bis zum abschließenden "Hold the heathen hammer high" nicht wirklich mitreißen und abgesehen von ENSIFERUM, die zwar am meisten vom Publikum abgefeiert wurden, mich persönlich aber sehr schnell gelangweilt haben, waren alle folgenden Bands erste Sahne!

Interview-Team: Und was war für euch das absolute Highlight, die definitiv beste Band des Festivals?

Jannes: Definitiv, ohne wenn und aber: PRIMORDIAL. Diese Band ist für mich schon nach dem Auftritt auf dem Summer Breeze 2011 die Liveband des Jahres, auf dem BLACK TROLL WINTERFEST haben sie diesen Eindruck nur nochmals bestätigt. Ich habe nie eine Band erlebt, die dermaßen packt und mitreißt, wie die sympathische Kombo der Iren. Sláinte!

BildMalte: Dem kann ich mich anschließen. PRIMORDIAL sind live einfach eine Macht, Aber auch wenn sie Jannes nicht restlos überzeugen konnte muss ich hier MOONSORROW erwähnen. Die Intensität, mit der die Finnen ihre Musik darbieten, ist schon stark. Die Songs sind sicherlich nicht einfach zugänglich und live ein schwerer Brocken, doch die Atmosphäre ist immens gut.

Jannes: Einigen wir uns dann doch einfach auf IMMORTAL. Denn Sänger Abbath hat uns ja nun wirklich - trotz teilweise misslungener Pyroshow und Gitarrentechnik (ständiger Ausfall) - bestens unterhalten, oder nicht? Zum Mähneschütteln hat's allemal gereicht!

Malte: Das auf jeden Fall. Das war aber auch das Mindeste, nachdem die Umbaupause von 35 Minuten auf über eine Stunde gezogen wurde. Dazu dann noch die ständigen Probleme mit der Gitarre, die Abbath sichtlich genervt haben, aber doch, das war schon geil. IMMORTAL sind einfach, egal wie groß die Widrigkeiten auch sein mögen, eine erstklassige (Live-) Band, die zurecht einen Legendenstatus im norwegischen Black Metal genießt.
Als heimlichen Sieger der Herzen können wir uns aber sicherlich noch auf SUIDAKRA einigen. Die Band ist für das, was sie leistet und live darbietet, einfach krass unterbewertet. Die Mannen um Arkadius Antonik sind einfach gut.

Jannes: Deal! SUIDAKRA = Sieger der Herzen, IMMORTAL = Sieger von uns beiden und IMMORTAL = Sieger ingesamt als die Könige des BLACK TROLL WINTERFEST!

BildInterview-Team: Womit wir schon beim Ende unseres kleinen Interviews wären. Jetzt sagt doch nochmal in ein paar kurzen Sätzen: Wie war das BLACK TROLL WINTERFEST 2011?

Malte: Alles in allem war es ziemlich geil. Die Anreise und die Sache mit den Verzehrbons waren jetzt nicht so der Knüller, wurden aber wett gemacht durch den guten Sound und die tollen Bands, die vor Ort waren. Ich denke, man bekommt nicht so oft die Chance, SUIDAKRA, MOONSORROW, PRIMORDIAL und IMMORTAL an einem Tag mit so geilem Sound zu erleben.
Für das nächste Jahr würde ich mir einen etwas lockereren Zeirahmen, eine etwas geschicktere Lösung für Speis und Trank und das Verlassen der Halle wünschen, damit man sich mal gescheit die Beine vertreten kann. Ansonsten muss ich sagen, dass sich der Ausflug nach Mülheim an der Ruhr gelohnt hat.

Jannes: Dem kann ich mich nur anschließen. Wir haben hier für einen Preis von 40 Euro eine Auswahl durchaus hochkarätiger Bands präsentiert bekommen. Wenn das Black Troll Winterfest die Problematik mit dem Bierausschank und der Nahrungsausgabe im nächsten Jahr besser mit der Stadtverwaltung abgestimmt bekommt, bzw. sich dahingehend anders organsisiert, steht dem selbst vorgesetzten Ziel, Europas größtes Indoor-Pagan-Festival zu werden, jedenfalls definitiv nichts mehr im Weg!

Bild
(Autor(en): Jannes B., Malte H.)
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