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Vorbericht:

25.06.2013

Ragnarock Open Air 2013 - Entspanntes Festival, gediegene Headliner


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Metal.tm präsentiert in diesem Jahr ein Festival, das bisher noch nicht jeder auf dem Zettel hatte. Das Ragnarock Festival in Langendorf (nahe der hessischen Universitätsstadt Marburg) wird in diesem Jahr zum zwölften Mal veranstaltet. 2002 hat man sich an zwei Tagen noch mit drei Bands begnügt und wurde teilweise aus spenden finanziert.
Lang ists her, denn mit dem Festival von damals hat das ganze nicht mehr viel zu tun, zumindest was die Bands und die Finanzierung angeht. 2013 wartet man mit 30 Bands auf und das ganze für einen Ticketpreis von grade mal 30 Euro. Headliner sind übrigens die Urgesteine DESASTER, die mächtigen Ruhrpott-Thrasher SODOM und es würde mich doch sehr wundern, wenn Onkel Tom nicht auf das eine oder andere Bier auf dem Platz auftauchen würde?! Auf dem Ragnarock erwarten euch coole Leute, eine entspannte und familiäre Atmosphäre und eine richtig fette Party.

DesasterSodom


Da ich selber noch nicht auf dem Festival zugegen war, hab ich gleich mal Veranstalter Dany zur Rede gestellt und mal gefragt was da wie abgeht.

Sascha S.: Moin auch! Stelle euch und euer Festival doch einmal kurz vor. Kennen ja bisher noch nicht so viele... inklusive mir.

Dany: Das Ragnarock Open Air ist ein kleines Metalfestival im beschaulichen Mittelhessen; sehr ländlich und durch die Mithilfe vieler Einwohner des Veranstaltungsortes Langendorf eine sehr gemütliche und familiäre Sache. Durch die geringe Besucherzahl ist der größte Vorteil neben den moderaten Preisen die unmittelbare Nähe der Bands zu ihren Fans – unsere Bühne ist nicht durch 10m Bühnengraben von den Besuchern getrennt und auch die bekannteren Musiker tummeln sich auf den Aftershow-Parties zusammen mit den Gästen auf dem Festivalgelände und schotten sich nicht im Backstagebereich ab. Das Veranstalterteam besteht aus mir, meiner Schwester Nancy, meinem Schwager Martin und unseren gemeinsamen Freunden Björn und Tobias. 5 grundverschiedene Charaktere mit ziemlich unterschiedlichem Musikgeschmack - eine interessante Konstellation, um gemeinsam ein Festival aufzuziehen!

Sascha S.: Das Ragnarock kommt so auf circa 1500 Besucher, ist das korrekt? Klingt ja ziemlich kuschelig...

Dany: Tatsächlich haben wir nur knapp 1000 Besucher, unsere Tickets sind auch auf 1200 Stück limitiert; eine so große Besucherzahl werden wir also niemals erreichen. Wir sind Underground und wollen das auch bleiben! Jedem dürfte klar sein, dass mit einer Veranstaltung dieser Größe niemand Geld verdienen kann. Würden nicht über 100 Helfer ehrenamtlich mitmachen, wäre das Ragnarock überhaupt nicht durchführbar. Lustig finde ich Gespräche mit anderen Veranstaltern, die 2-3 Mal so viele Besucher haben wie wir. Da wird mir dann beigepflichtet, dass man mit Veranstaltungen nicht reich werden kann, allein das Veranstalterteam kann ja kaum davon leben. Das amüsiert dann schon, weil wir als Veranstalter des ROA keinen Cent in die eigene Tasche wirtschaften! Wir haben alle unsere normalen Jobs und sind weit davon entfernt, dass auch nur einer von uns sich ein Gehalt von unserem Gewinn zahlen könnte. Die paar Euro, die jedes Jahr hängen bleiben, werden im nächsten Jahr re-investiert, nur so kann es funktionieren. Ein teures und arbeitsintensives Hobby sozusagen ;-)

Sascha S.: Mit so einem eigenen Festival geht doch bestimmt ein Jugendtraum in Erfüllung, oder nicht? Wie kam es dazu das ganze wirklich durchzuziehen, im Hinterkopf hat die Idee ja eigentlich beinahe jeder.

Dany: Das hat sich eigentlich eher eingeschlichen, wir haben also nicht gesagt: Wir veranstalten jetzt mal ein Festival mit 30 Bands und hoffen, dass alles gut geht. Vielmehr waren die ersten beiden ROAs privat veranstaltete Freibierparties mit befreundeten Bands aus der Umgebung, wobei jeder kommen konnte. Also war das sozusagen schon auch irgendwie öffentlich, aber das lief alles über Mundpropaganda. Zu dieser Zeit hatten wir etwa 200-300 Gäste und die haben uns dann ermutigt, das Ganze mal etwas größer aufzuziehen. An einem solchen Punkt muss man einfach mal die Eier haben, großen Reden auch Taten folgen zu lassen. Wir sind die Sache dann zusammen angegangen – sehr naiv zwar, aber irgendwie haben wir die folgenden Jahre in Sachen Qualität, Professionalität und natürlich auch in Bezug auf die Besucherzahlen deutlich aufstocken können. 2007 hat ein Sturm dann viele der Zelte zerstört, in denen unsere Besucher übernachtet haben. Sie sind dann abgereist und wir hatten an unserem Haupttag kaum noch Gäste da – ein finanzielles Fiasko! Solche Zwischenfälle stellen natürlich jedes Team auf die Probe und so stand ich nach dem GAU als letzter aus dem anfänglich 6 Köpfe zählenden Veranstaltungsteam da. Der Kredit, der aufgenommen werden musste, um die Verluste des ROA 2007 zu decken, war erst 2010 endgültig abbezahlt und bremste damit auch die Entwicklung des Festivals. Nach diversen Besetzungswechseln hat sich in diesen 3 Jahren das heutige Team gefestigt und seit 2010 läuft es tatsächlich von Jahr zu Jahr besser.

Sascha S.: Was ich extrem gut und auch nur fair finde ist, dass ihr die Getränkepreise auf der Homepage aufführt. Werdet ihr die Preise halten können? 2,50€ (oder besser 1 Chip) für 'n 0,4 Bier oder Apfelwein ist echt o.k. ...

Dany: Solange es keine dramatischen Preissteigerungen unserer Lieferanten gibt, werden auch wir unsere Preise beibehalten.

Sascha S.: Welche Bands haben euch damals geprägt und welche wäre eure realistische Lieblingsband fürs Ragnarock?

Dany: Meine Teamkollegen haben da sicherlich andere Einflüsse, bei mir haben aber die ersten Deathmetal-Bands aus Schweden definitiv den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen; hier speziell die Stockholmer Schule, also Bands wie Nihilist, Entombed, Unleashed, Dismember oder Grave. Meinen größten Wunsch habe ich mir eigentlich 2008 bereits mit der Verpflichtung von Entombed erfüllt. Das könnten für mich höchstens noch Edge Of Sanity toppen, aber die gibt es ja leider schon lange nicht mehr. Weitere persönliche Favoriten, die wir sicherlich auch irgendwann auf dem ROA haben werden, sind Napalm Death und Eye Hate God – wobei letztere kaum jemand kennen dürfte.
Wenn wir jetzt mal etwas größer denken, haben wir schon seit Jahren Hypocrisy, Kreator und allen voran Bolt Thrower im Visier. Allerdings kosten solche Bands natürlich weit mehr, als unser derzeitiges Budget hergibt und vor allem Bolt Thrower suchen sich ihre Gigs sehr gezielt aus – da werden wir mit unserem winzigen Festival wohl doch eher schlechte Karten haben...


Sascha S.: Herzlichen Dank für deine Zeit und die Zusammenarbeit. Ich hoffe wir sehen uns... Die letzten Worte gehören dir.

Dany: Vielen Dank an euch für das Interview! Das Ragnarock Open Air wird von Metalheads für Metalheads gemacht, die die Musik und eine entspannte, gemütliche Atmosphäre den überteuerten Mainstream-Festivals und der in den letzten Jahre in Mode gekommenen Ballermann-Mentalität vorziehen und einfach ein angenehmes Wochenende unter Gleichgesinnten verbringen wollen. Kommt zahlreich und unterstützt Veranstaltungen wie diese, die mit viel Herzblut von Musikfreaks wie euch gemacht werden – und nicht von gesichtslosen Investoren! Wir freuen uns auf euch!



Die bestätigten Bands:

Sodom • Desaster • Black Messiah • Adorned Brood • Gospel of the Horns • Hatred • Kryptos
Odium • Mindreaper • Mofaclub Marburg • Betrayer • Disgusting • Extinction • Contradiction
Keep Me Alive! • Hyne • The Article • Tormention • Mantra • Frigoris • Equal To Nothing
Hyems • Carnal Ghoul • Pandemic • Unwhole • The Very End • Bastardo • Corrosive
Down To Pleasure • Red Stone Chapel


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(Autor(en): Sascha S.)
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