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19.04.2011

Die Musik und das Internet - Der Versuch eines kurzen Überblicks


BildDas Internet hat viel verändert. Gerade die Musikindustrie hat dies zu spüren bekommen. Schlagwörter wie Napster, eMule, Myspace, Youtube lösen bei uns Erinnerungen und Assoziationen aus. Dabei ist allen Künstlern und Plattenfirmen klar: Über dieses Medium erreicht man heutzutage die Massen. Wer hat heute die Macht kleine Künstler groß zu machen und wie steht es heutzutage um die Chancen von Newcomern? Lohnt es sich überhaupt noch für einen Musiker, den Schritt in das große Geschäft zu wagen? Denn viele haben sich bei dem Spiel mit dem Feuer auch schon die Finger verbrannt. Wer profitiert und wer verliert ist nun die Frage?

1998 ging Napster als eine der ersten Tauschbörsen ans Netz. Schnell wurde der mp3-Tausch populär und bald schon gab es auch Reaktionen aus der Industrie. Künstler wie Metallica klagten gegen Napster und versuchten dem Diebstahl entgegen zu wirken - erfolglos. Denn zu der Zeit ging es erst richtig los. Vereinzelnd wurden größere File-Sharer zwar zur Rechenschaft gezogen und erfolgreich verurteilt, aber so gut wie jeder Internetnutzer beging dann irgendwann den anonymen Daten-Diebstahl über das Internet. Die Plattenfirmen bekamen es auch bald immer stärker zu spüren. Die Plattenkäufe gingen zurück. Die Industrie reagierte zu Bildspät und richtete ihr Hauptaugenmerk erst, als das illegale Geschäft schon im Gange war, auf die Verkaufssparte Internet. Nach und nach entstanden so populäre Internetshops für den legalen Erwerb digitaler Musik. Nach und nach wurden und werden Tauschbbörse um Tauschbörse erfolgreich verklagt, verurteilt und vernichtet. Doch das Bewusstsein für die Ware Musik ist längst zu großen Teilen verloren gegangen. Die Folgen spürten nun auch die Künstler.

Künstler mit Major-Verträgen merkten auch schon bald die geringeren Einkünfte durch Verkäufe. Ihre Plattenfirmen waren auf einmal nicht mehr so großzügig und das Budget für neue Veröffentlichungen wurde schmaler. Gerade in Spartengenres, abseits der Popmusik, hatten Künstler auf einmal weniger Unterstützung. Dabei ist die Popmusik das beste Beispiel für eine Schilderung der Veränderungen. Schnell wurde auf One-Hit-Wonder zurück gegriffen, die schnell eine Single mit passender polyphoner Klingeltonmelodie veröffentlichen. Einer nach dem Anderen wurde auf die Spitze der Charts beworben und dann wieder fallen gelassen. Gute Beispiele für verkaufsfördernde Promotion in diesem Sinne sind beispielsweise deutsche sowie internationale Showformate im TV wie Popstars oder DSDS. Hier wird schon im Vorfeld kräftig Werbung für einen Künstler gemacht, der nach einem Jahr noch nicht mal mehr gut genug für Bierzeltgarnituren ist. Der große Geldfluss geht in die Industrie. Effizientes Arbeiten und Wirtschaften gilt hier genau so wie für die Autoindustrie (siehe Kurzarbeit) oder für das Gesundheitssystem.

Einige Major-Acts hatten allerdings auch gute Ideen, um Menschen weiterhin für sich gewinnbringend zu begeistern. Sie erhöhten ihre Live-Aktivitäten und erstellten Tonträger als Unikate, die auch größere optische Reize enthielten. Doch der Kampf um illegale Vorveröffentlichungen war auch im vollen Gange. Oft stellten Mitarbeiter oder sonstige Maulwürfe aus dem Umfeld der Künstler vorab angekündigte Neuveröffentlichungen ins Netz.

BildGerade die Newcomer haben es heute schwieriger. Früher war man im kleinen Umfeld aktiv, spielte Konzerte, brachte Demo's heraus und wurde dann mit Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort entdeckt. Plattenfirmen oder auch kleine Labels investierten, weil der Erfolg durch Verkäufe und Konzerte quasi gesichtert war. Diese Bereitschaft ist heute geringer und nur einige wenige schaffen heute noch den Sprung, in die erste Liga.

Heute hat man als junge aufstrebende Band selber mehr Möglichkeiten im großen Rahmen für sich zu werben. Durch viel Eigeninitiative kann man sich schnell weltweit einen Namen machen. Über soziale Netzwerke wie myspace oder youtube kann man Lieder veröffentlichen und für Konzerte werben. Allerdings gab es in den letzten Jahren die Entwicklung zur Masse. Unglaublich viele Künstler scharen sich in einem Meer der Promotion. Als Musikbegeisterter Nutzer wird man überrollt von einer Werbe-Welle und verliert schnell den Überblick und die Lust sich auf neue Bands einzulassen. Ein Grund hierfür ist eben auch die Möglichkeit , dass wirklich alle für sich werben können. So entstand mit der Zeit auch viel unattraktive Musik, die niveaulos und qualitativ miserabel war, aber quantitativ umso höher beworben wurde. Der "Musik-Spam" ist ein so produzierter Mechanismus. Umgekehrt sieht man vielleicht in seinem nahen Umfeld überzeugende Künstler und fragt sich, "warum sie es denn nicht schaffen". Die Globalisierung des Undergrounds ist vollzogen - Vorteil oder Nachteil? Man ist zwar in der Lage zu allen zu sprechen, allerdings kann man sich nicht mehr sicher sein überhaupt noch gehört zu werden.

BildHierbei ist ebenfalls die Macht von myspace und co nicht zu unterschätzen! Heutzutage dominieren die "Apple-Charts" im iTunes-Shop und das Ranking auf Youtube. Die Macher der sozialen Netzwerke haben manipulativ die Möglichkeit, ihre Nutzer zu regulieren. Kaum eine Band hat heutzutage noch überhaupt oder sogar nur eine eigene Webseite! Viele verlassen sich auf die besser Promotion die beispielsweise über myspace möglich ist - ein Fehler?

Man sollte auf jeden Fall die Augen offen halten. Als Künstler hat man es heute schwierig, man sollte sich allerdings eigene, realisierbare Ziele setzen und sollte nicht der Versuchung der Massenmedien verfallen. Wenn man, wie früher auch, einfach mal auf Popularität im kleinen Kreis setzt, kann man es eventuell noch schaffen. Persönliche Präsenz zählt mehr, als Interaktive, Digitale. Man darf sich nicht nur auf die Verlockungen einer Breitband-Online-Promotion verlassen. Vielmehr sollte man real zu den Menschen gehen, spielen und darauf hoffen, dass die Mundpropaganda oder auch die Online-Propaganda durch Dritte dazu beiträgt, dass man Fuß fasst und höhere Träume wahr werden. Und als Konsument? Heutzutage hat man Musik en mass zur Verfügung, legal, illegal aber nicht egal. Wir sollten wieder ein Gewissen für den Wert von Musik entwickeln! Für Konzerte zahlen wir schließlich auch Geld. Gerade wenn man in Subgenres wie dem Metal wieder näher zusammenrückt und Künstler unterstüzt, wird sich wieder etwas ändern. Im Großen wie im Kleinen sollte man dazu übergehen wahre Talente zu unterstützen und sich nicht manipulieren beziehungsweise vollspammen zu lassen. Erinnern wir uns an die Zeit vor dem Web 2.0!

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(Autor(en): Benedikt W.)
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