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Bericht:

26.08.2018

Wacken Open Air 2018 - Veränderung meets Tradition


Wacken Open Air 2018

Mittwoch, 01.08.2018

Mittwoch
Rain or Shine oder doch eher Shine or shine? Selten sind die Aussichten so heiter, wie dieses Jahr. Nach Jahren des Kampfes gegen die Fluten, mit einem unglaublichen Höhepunkt 2015, bleibe ich misstrauisch, die Gummistiefel sind immer in Reichweite. Doch schon beim Aufbau unseres neuen Zuhauses, sehen wir die ersten Zeichen, was uns erwartet ... der Campingground wird bewässert! Das habe ich hier in 10 Jahre noch nicht sehen dürfen.

Was bringt uns Wacken dieses Jahr noch? Zum einen versucht man angelehnt an das moderne Schulsystem IGS, dem Thema Inklusion gerecht zu werden, hat in diesem Zusammenhang den Wheel of Steel Bereich weiter ausgebaut und bindet in einem Pilot bei WIRTZ und SCHANDMAUL eine Dolmetscherin der Gebärdensprache mit ein. Darüber hinaus ist man sich des suboptimalen ökologischen Fußabdrucks eines Festivals bewusst und versucht hier einen Beginn für ein gemeinsam besseres Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu entwickeln. Die Umstellung auf einen E-Fuhrparks und Solarenergie auf Seite des Veranstalters ist ein Beginn, doch auch der Beitrag aller Besucher ist entscheidend, wie durch das Teilen von Ressourcen und die Bildung von Fahrgemeinschaften. Alles hilft, doch soll der Spaß deswegen nicht zu kurz kommen.

Wacken Open Air 2018, Schandmaul, DolmetscherinMetal-Dolmetscherin bei Schandmaul

Die größte Änderung auf dieses Jahr stellt dennoch die ESL Arena dar. Diese soll die Symbiose der Welten des Metal und der Videospiele nach Wacken bringen. Neben Amateurturnieren und Showkämpfen bekommen Besucher die Möglichkeit an den angebotenen Trainingssessions teilzunehmen. Aber was ist dieses ESL eigentlich? Wir werden das die Tage herausfinden.

Als erste Amtshandlung ziehen wir ins Dorf gen Metal Church los, um dem Anreisetag noch ein wenig Metal und Stimmung abzugewinnen, da dort die einmalige DORO vorab zu Ihrem großen Auftritt am Freitag zu sehen ist. Leider müssen wir feststellen, dass die wenigen Plätze schon eine Stunde vor Konzertbeginn vergriffen sind und wir drehen wieder ab. Immerhin bekommt man im Dorf das Bier mit ca. 1,50 € schon fast geschenkt, weshalb der Frust bald vergessen ist.

Den Frust ertränkt, zieht es uns zum Wheel of Steel Servicepoint, da wir die Vorsorge gegen Wespenstiche auf dem Infield anmelden müssen. Geführt werden wir zum Campingground A. Leider stellt sich am Ende heraus, dass unser gesuchtes Zelt zwei Plätze weiter zu finden ist. Hier sollte die Wacken Veranstaltung noch mal nachbessern, da nicht jedes Anliegen eine Suche nach dem Zelt erlaubt.

Wacken Open Air 2018, NazarethNazareth

Noch haben wir die Hoffnung auf ein wenig Musik am Mittwoch noch nicht begraben und ziehen weiter zur Legende NAZARETH. Von der Besetzung der Hochzeiten, ist neben dem Bassisten Pete Agnew nicht mehr viel zu sehen, doch als Eckpfeiler der Hard Rock Bewegung hat man so viele Klassiker im Gepäck, dass man diesen Umstand locker überspielt. Mit „Dream on” über „This Flight tonight” bis hin zu der Herzschmerzballade „Love Hurts” wird den Jungspunden vor der Bühne gehörig eingeheizt, wenn das bei der geballten Hitze im Zelt eigentlich gar nicht mehr nötig ist. Der letzte Funke, wie bei anderen Alteingesessenen der vergangenen Jahre (Twisted Sister, Heaven and Hell, Foreigner,…) will nicht überspringen, doch es bleibt es gutes Konzert einer Legende, welche man mitnehmen sollte, solange es noch möglich ist.

Donnerstag, 02.08.2018

In den ersten Festivalstunden des Donnerstags sind wir damit beschäftigt, die Schweißbäche in den Griff zu bekommen. Dabei fällt schnell auf, wie wenig das Trinkwasser beschildert ist. Es wurden schon doppelt so viele Wasserstellen installiert als geplant und doch gleicht das Auffinden einer kleinen Odyssee. Hier könnte der Veranstalter mit überschaubarem Aufwand, die Qualität deutlich nach oben ziehen.

Wacken Open Air 2018, Impression

Unseren musikalischen Auftakt zum Wacken Donnerstag geben TREMONTI, das Solo-Projekt von Alter Bridge Gitarrist Marc Tremonti in der brütenden Mittagshitze. Der Druck und Sound der Gitarren haut einen auch gleich weg. Leider muss der Rest noch bis zur Hälfte des Konzerts nachgepegelt werden, damit wir auch wirklich TREMONTI in allen Facetten genießen dürfen. Alles in Allem ein guter Auftritt mit einem geniealen „A dying machine” als Höhepunkt. Bleibt die Frage: ALTER BRIDGE oder TREMONTI.
Die Songs schenken sich nichts. Miles Kennedies Stimme hat den höheren Wiedererkennungswert, ist aber auch gewöhnungsbedürftig. Meine Tendenz geht schon nach einem Konzert Richtung TREMONTI, auch wenn man sich stilistisch noch mehr von ALTER BRIDGE emanzipieren sollte.

Weiter geht es OOMPH!. Die Jungs aus der schönen Region mit der höchsten Büttel Dichte Deutschlands stehen seit jeher im Schatten von RAMMSTEIN, werden nicht selten auch immer noch als Abklatsch derer gesehen. Für jeden der noch diesem Irrtum unterliegt, sei gesagt, dass die beiden Bands gemeinsam groß geworden sind. Betrachtet man das Thema genauer, besteht OOMPH! sogar schon länger als RAMMSTEIN und ja, hat eben das gleiche Genre bespielt und vom Erfolg von RAMMSTEIN später profitiert.
Da ja bekanntermaßen alle guten Dinge drei sind, gebe ich den Jungs heute noch mal eine Chance, und darf erfreut feststellen, dass aus Ihnen gestandene Männer geworden sind. Vielleicht steht das auch sinnbildlich für diesen Gig …. Alles wirkt irgendwie reifer und präsenter. Von „Sandmann”, „Crucified” über „Jetzt oder nie” bis hin zu dem Klassiker „Augen auf” fangen mich OOMPH! von Song zu Song mehr ein. Vielleicht ist RAMMSTEIN besser, OOMPH! jedenfalls überzeugen heute allemal.

Wacken Open Air 2018, BehemothBehemoth

BEHEMOTH
Laut. Schnell. Auf den Punkt ... brutal ... schlecht gelaunt ... Alles was das Black Metal Herz begeht. Wo andere gegen Einheitsbrei und Matsch kämpfen, brillieren BEHEMOTH mit Klarheit und Prägnanz auch bei höchster Geschwindigkeit. Egal, ob Operette, clean oder in Growls überzeugt dazu auch noch Nergal auf ganzer Linie. Asche auf mein Haupt, dass die Polen (unter anderem von Tiamat und Morbig Angel inspiriert) an mir vorbei gegangen sind.
Im Nachgang stelle ich fest, dass "God=Dog" und "Blow your trumpets Gabriel" mich am meisten umgehauen haben. Gruselig wird es dann im Outro, als die Black- / Death Metal Formation hinter Teufelsmasken verschwindet. Ich kann es nicht wirklich erklären, aber der Sound und die Masken bringen mich für einen Augenblick aus der Fassung. Gespenstisch. Dieser Auftritt verdient meinen Support, weshalb mich mein nächster Gang direkt zu den Bandshirts führt.

JUDAS PRIEST
Heute ist wirklich ein Tag, zu Kreue zu kriechen. Schon beim letzten JUDAS PRIEST-Wacken Auftritt wollte ich die Könige des Heavy Metal und Hard Rock genießen und mich nach zehn Minuten habe mich wieder abgewandt, da es an diesen Tag einfach nicht zwischen uns funken wollte. Heute gebe ich uns aber eine zweite Chance und meine Begeisterung steigt von Minute zu Minute, bis es ordentlich knistert. Alleine die Zugaben vom Klassiker "British Steel" mit "Metal Gods", "Breaking the law" und "Living after Midnight" sind genial. Abgerundet wird das Ganze von den Bomben "Lightning Strike", "You've got another Thing Comin'" und "Painkiler". Es bleibt bei mir die große Verwunderung, wie ich Rob Hatfords Stimme und eine der größten Bands aller Zeiten so abkanzeln konnte. Falls Ihr das hier lesen solltet, habt bitte Nachsicht mit einem Ungläubigen, Ihr habt von nun an einen Jünger mehr. Vielen Dank, für diesen Wahnsinns Abend.
Den emotionalsten Moment des Abends, erfahre ich leider erst am Nachhinein. Mit "Glenn Tippton" jammed der an Parkinson erkrankte, ehemalige Gitarrist und Background Sänger mit. Wie schön ist das denn. Da bekommt man selbst im Nachgang Gänsehaut.

Wacken Open Air 2018, Crowd, Impression, Helloween

Freitag, 03.08.2018

AMORPHIS
Meinen Auftakt des heutigen Ferstivaltages geben AMORPHIS. Nach der Co-Headliner Position auf dem Breeze 2017, mutet die Mittagszeit schon ein wenig komisch an. Die Finnen lassen sich davon aber nicht beeindrucken, sind doch immerhin um die 30000 Fans gekommen. „Bad Blood” und „The Bee” des aktuellen Releases rocken schon, doch „Casteway” bringt unser Blut in Wallung, „Death of a King” hält es schön warm. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen ... Tomi Joutsen ist einfach eine geile Sau. Er schüttelt Growls, Screams und cleane Vocals aus dem Hemdsärmel und wechselt mühelos durch, als wäre es die natürlichste Sache der Welt.

MR. BIG
Wacken ist ja gerne mal eine Überraschung gut, als ich aber Ankündigung von MR. BIG las, war ich doch überrascht, da ich die Truppe erst einmal mit dem für Wacken untypischen „To be with you” verbinde. Mit „Open your eyes” und „”Around the World” beweisen die Amis, dass sie Feuer haben und durchaus rocken können, auch wenn der Einschlag der 80er vor allem im Gesang gut hörbar ist. Bis auf wenige Töne ist dieser auch großartig, wobei man dazu sagen muss, dass Eric Martin früher Tonlagen ausgepackt hat, die für andere in Ihren besten Zeiten unerreichbar sind. Am Ende sind aber doch „Wild World” und „To be with you” die Highlights, auch wenn in Wacken eigentlich nur ganz harte Kerle und Mädels unterwegs sind ;).

Wacken Open Air 2018, SchandmaulSchandmaul

SCHANDMAUL
Im Mittelalterrock sind SCHANDMAUL schon lange Bestandteil des elitären Kreises. Heute verzücken Sie uns mit „Kaspar” und „Leuchtfeuer”, um darauf mit „Bunt ist nicht braun” zum Nachdenken anzuregen. Leider bietet die politische Verschiebung nach Rechts in Europa, ausgelöst durch die Flüchtlingsthematik, genügend Anlass. Ob das anwesende Publikum, der richtige Adressat ist, wage ich jedoch zu bezweifeln. So kann und will ich die Message höchstens als Aufruf verstehen, mit Courage andere Wachzurütteln.
Da SCHANDMAUL aber keine großen Freunde der Tristesse sind, geht es aber gleich mit einem kleinen Spiel wieder, um unsere Stimmung wieder aufzuhellen. Gemeinsam wiegen wir die Arme in vier unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Das normale Wiegen, steigern wir vom Einfrieren über die Zeitlupe bis zur „Zombie, reiß deinem Nachbarn das Herz raus” Zeitlupe.
Die „Walpurgisnacht” lässt uns noch mal lauter werden, bevor wir mit einem „Liebeslied” mit Tips und Tricks rund um das Werben entlassen werden.

Wacken Open Air 2018, DoroDoro

DORO
Weiter geht es zur Queen of Metal. DORO ist einfach eine Bank. Sicher amüsiert sich der ein oder andere über Ihre Herzlichkeit, Dankbarkeit und die Art, wie sie den Metal lebt und liebt, das genau zeichnet sie aber aus. Aufgesetzt wirkt hier nichts, sondern alles offen und ehrlich. Seit Jahren setzt DORO sich für die Metal Community ein und versucht Künstler zusammenbringen. Und auch heute wieder geht Sie mit guten Beispiel voran. Nach einem metallischen Einklang, kommen mit Andy Scott und Pete Lincoln zwei Legenden (Gitarrist und Sänger von "The Sweet") auf die Bühne um gemeinsam Ihren Hit 'Ballroom Blitz" zu zelebrieren.
Kaum ist wieder Platz auf der Bühne, füllt Johan Hegg (Frontmann Amon Amarth) diesen mit seinen Schultern quasi alleine aus und unterstützt bei zwei weiteren Songs. "A dream, that cannot be" ist ein echtes Highlight. Nach einer kurzen Verschnaufpause gibt es noch ein Tribute für JUDAS PRIEST oben drauf. Vor langer Zeit tourten die beiden Bands zusammen und Priest tat sich in den folgenden Jahren als Förderer von DORO hervor, was die Queen natürlich nicht vergessen hat. Für die entsprechende Würze sorgt der Gastauftrit von ANNIHILATOR Frontmann Jeff Waters.

Wacken Open Air 2018, DoroDoro

NIGHTWISH
Die Speerspitze des Symphonic Metal ist nach fünf Jahren und einer überragenden Wacken Live DVD wieder in Zurück. Bühnenbild und Pyro sind wieder einmalig, auch wenn die Knalleffekte in der Zahl dann wohl doch eher zu IN FLAMES passen.
Positiv verändert hat sich hingegen Floor Jansen in mehrfacher Hinsicht. Für den geneigten männlichen Zuschauer mit einem durchaus reizvollen Outfit und betont weiblicheren Bewegungen als beim letzten Wacken Gig, auf professioneller Ebene mit einer noch stärkeren Stimme. Offensichtlich ist Floor Ihre kleinen Schwächen bei den Songs, die auf Ihre Vorgängerinnen zugeschnitten waren angegangen und noch stärker zurück gekommen. Songs wie „Nemo”, „Ghost Love Score” und „The greatest Show in Earth” nimmt die alle überragende Frontfrau mit Leichtigkeit. Wieder einmal ist ein Wacken Auftritt von NIGHTWISH ein Highlight.

Wacken Open Air 2018, NightwishNightwish

Holla die Waldfee. Was für eine Atmosphäre, was für eine Frau, was für eine Stimme. Was die Blues Rocker aus Schweden Instrumental bei "Black Smoke" abliefern, ist schon groß aber die Röhre von Elin Larsson toppt nach „High Class Woman” spätestens bei „Devil man” alles. Das Zelt ist zurecht am kochen und gefühlt am Platzen. Neben GRAVEYARD habe ich heute Abend meine zweite Band gefunden, welche die 70er wieder aufleben lassen. Eigentlich gibt es diese Kombo erst seit sieben Jahren, diese Performance heute Abend spricht jedoch deutlich eine ganz andere Sprache. Leck mich am Arsch, waren die geil.

Wacken Open Air 2018, In FlamesIn Flames

IN FLAMES
Mit IN FLAMES kommt der würdige Headliner des Abends auf die Bühne. Von der jungen, Energiegeladenen Melodic Death Metal Kombo aus den 90ern ist nicht mehr viel geblieben. Auch die Einbindung des Rausschmeißers der 2000er „My Sweet Shadow” kann nicht darüber hinweg täuschen, das alles einfacher und zugänglicher,, schon fast poppig klingt. Gleichermaßen ist alles professioneller, erwachsener und wie auch Anhänger der alten Tage eingestehen müssen, live um mindestens eine Klasse besser.
Viel Nostalgie ist heute leider nicht möglich. Mit dem Disko-Klasssiker „Cloud Connected” endet die Zeitreise auch schon. Mit „Everything gone” nehmen die Schweden jedoch an Fahrt auf, um einen darauf mit dem genialen „The Chosen Pessimist” ins Reich der Träume zu entführen. Anders Friden ist heute auffallend gesprächig, sucht aber im Laufe des Gigs seine Form. Wenn man die vorbildliche Professionalität von IN FLAMES nicht kennen würde, könnte man vermuten, dass da jemand Backstage ein wenig zu viel gefeiert hat. So wird aus einem Highlight nur ein sehr gutes Konzert.

Wacken Open Air 2018, In FlamesIn Flames

GHOST
Die junge schwedische Band hat es innerhalb von zehn Jahres geschafft, vom Paradise Lost-, später In Flames- und Trivium-Support, bis hin zu einem der besten Slots in Wacken zu kommen.
Pünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen rockt die Band mit „Ashes” los. Schnell wird klar, hier spielt ein kommender Headliner. ”Cardinal Copia” hüllt und mit seiner Stimme ein, der restliche Sound könnte vom Band kommen, ist nur ein wenig rotziger. Das Bühnenbild rundet alles ab. Immer noch ist unbekannt, wer sich unter den Masken der „Nameless Ghoul” verbirgt, was sicher mit ein Grund für den Kult ist, der in dieser kurzen Zeit um die Band entstanden ist. Entlassen werden wir mit den herausragenden „Dance Macabre” und „Square Hanmer” und einer großen Zufriedenheit.

Wacken Open Air 2018, GhostGhost

SOEN
Die recht internationale Band erblickt im Jahr 2004 das Licht der Welt und geht maßgeblich auf den ehemaligen OPETH Schlagzeuger Martin Lopez zurück. Richtig in Fahrt kam das Projekt 2010, nachdem Lopez OPETH verlassen und die Band auch örtlich zusammengefunden hatte.
Das Bullhead City Zelt ist nach zwei Uhr morgens und einen Parallelgig auf der Hauptbühne recht leer, doch stört das weder Band noch die vereinzelten Verbliebenen. Inspiriert von PORCUPINE TREE und A PERFECT CIRCLE folgt eine Dreiviertelstunde Progressive Metal vom Feinsten mit einer Atmosphäre zum Greifen. Egal ob Lopez an den Drums, Joel Ekelöfmit mit seiner genialen Stimme, als auch Gitarrist Marcus Jidell mit seinen großartigen Solos machen diese kurze Zeit zum Highlight des Tages neben den BLUES PILLS.

Wacken Open Air 2018, GhostGhost

Samstag, 04.08.2018

LONG DISTANCE CALLING
Auf dem Weg zu DIABLO BOULEVARD laufen wir eher zufällig als geplant doch noch zu LONG DISTANCE CALLING (LDC) ein. Vorsichtig schaue ich meine Kollegen an ... Wie reagieren Sie wohl auf eine rein instrumentale Band, die Im Zuge der neuen Tour zu "Boundless", Sänger und Gastsänger zuhause gelassen haben.
Als wir das zelt betreten treibt der Takt bereits, nachher laden die Solis zum träumen ein. Wieder einmal versteht es LDC, die ganze Klasse auf die Bühne zu bringen. Herausragend ist der Sound. Im Bullhead City Circus diese komplexen Überlagerungen von mehreren Melodielinien, nicht zu einem sinnlosen Einheitsbrei verkommen zu lassen, ist eine echte Kunst. Trotz "Black Paper Lanes" und "Aurora", stellt, der neue Song "Out there" alles in den großen Schatten des Zeltes. Wieder im Freien, überraschen mich meine Freunde mit durchweg positivem Feedback. Besser hätte es heute nicht losgehen können.

DIABLO BOULEVARD
Bühne auf für die Premiere von DIABLO BOULEVARD. Die 2005 vom Stand-Up Comedian und sänger Alex Agnew gegründete Band kommt mit einer Mischung Metal und Rock im Gepäck und stehen vor der schwierigen Aufgabe, mit einer Handvoll Fans, im 8.000 Mann Zelt Stimmung zu erzeugen. Diese hält sich auch erst mal in Grenzen, da bei uns zu viel Gematsche ankommt. Erst nach 3-4 Songs kommt das Potential der Band auch endlich akustisch bei uns an und das Zelt füllt sich langsam. Als wir dann mit „Sing Fron the Gallows” zum Tanzen aufgefordert werden, haben das Qintett und dann auch endgültig für sich gewonnen. Die letzten Songs sind dann eine kleine Party für sich. Es bestätigt sich schon wieder, dass jede Band in Wacken Ihre Qualität hat und somit eine Chance verdient. Leider kann man sich nicht zerteilen, zumindest sei es niemandem geraten.

Wacken Open Air 2018, Steel PantherSteel Panther

ESL Arena
Auch wenn ich immer noch nicht weiß, was ich von einem Videospiele Offline Turnier auf Wacken halten soll, da es gegen alle Werte steht, welche dieses Festival für mich mit sich bringt, muss ich auch dieser Neuerung zumindest auf den Grund gehen. Innen findet man am Rand entlanggezogen unterschiedliche Spielekonsolen mit mehreren Spieleklassikern. In der Mitte des Raumes findet sich ein Loungebereich, in welchem Zuschauer den Turnieren folgen können. Für das bessere Verständnis von Neulingen, als auch der besseren Unterhaltung alt Eingesessener, wird das Spiel von einem Kommentator begleitet. Im hinteren Bereich findet sich dann das "Line-Up" des gerade stattfindenden Amateurturniers.
Hier empfängt uns ungeplant Patrick, um uns einen kleinen Einblick in die ESL Welt zu gewähren.
Die ESL Turniere sind 80 weltweite offline Zusammenkünfte. Die Preisgelder gehen von 100.00€ aufwärts , dem Gewinner des Wacken Profiturniers winken eine Million Euro. Immerhin wollen mehr als 8.000 Besucher diesem Ereignis beiwohnen.
Der heutige Amateurkampf heute hingegen, geht eher um die goldenen Ananas. Gespielt wird ein an "Die Tribute von Panem" angelehntes Spiel, in welchem in der Basisvariante in einer Arena jeder gegen jeden antritt. Verschärfend wir die Arena kontinuierlich verkleinert, um Konflikte der Spieler zu provozieren. Da wir die Spieler nicht allzu sehr in Ihrem Gefecht stören wollen, ziehen wir uns dann doch wieder recht bald zurück.

Wacken Open Air 2018, HelloweenHelloween

Für das großartige Finale von Wacken sorgen die Urväter des Melodic Speed Metal HELLOWEEN. Das Add on Punpkins United steht für drei Bandgenerationen geballte Power. Die Gründungsformation um Kai Hansen wird im Gesang von Michael Kiske und Andi Deris, an der Gitarre von Sascha Gerstner und von Daniel Loeble am Schlagzeug begleitet.
Gefühlt stehen hier drei Bands auf der Bühne. 'I am perfect" wird im AVANTASIA Stil im Duett gesungen, mit dem Medley "Starlight / Ride the sky / Judas" führt uns Kai Hansen zurück in die Anfangsjahre, während Kiskes "A tale, that was't right" in die mittleren Jahre führt. Auf die Bitte von Michael, geben wir auch unser Bestes, und versuchen mit den bescheidenen Mitteln unsere Mobiltelefone, die Sterne vom Himmel zu holen. Was ein Anblick.
Mit "Pumpkins United" folgt kurz darauf ein Song vom aktuellen Release, welches sich nicht hinter den alten Werken verstecken muss.
Emotional wird es dann beim Drum "Solo / Duett", bei dem sich Daniel Löble und der 1993 verstorbene von Band eingespielte Drummer Ingo Schwichtenberg gegenseitig hochpuschen. Nach einem Kai Hansen Solo puscht sich dann noch mal die gesamte Band mit "Future World" und dem genialen "I want out" noch mal hoch, bevor sich das Festival auf dieser Bühne verabschiedet. Begleitet wird das von einem schönen Feuerwerk, untermalt vom Braveheart Soundtrack.

Wacken Open Air 2018, HelloweenHelloween

Fazit:
Was bleibt vom 29. Wacken hängen? Die Organisation war wieder einmal Top. Einzig zu vernachlässigende Schwachpunkte waren die leicht unterschätzte Wasserversorgung und die falsche Platzierung des Wheel of Steel Servicepoints. Das Thema Nachhaltigkeit wurde ebenso erfolgreich begonnen, wie die Bemühungen um das Thema Inklusion (beispielsweise mit der Dolmetscherin für Gebärdensprache). Die Symbiose von Videospielen und Metal scheint auch geglückt, da mehr als die im Zelt vorgesehen 8.000 Metalheads am Profiturnier teilhaben wollten.
Sound, Bühne und Gelände waren top, auch wenn ich immer noch nicht ganz damit klarkomme, dass kein einziger Tropfen Regen gefallen ist und wir selbst im Schatten hier und da mit der Hitze zu kämpfen hatten.
Musikalisch spannend ist die Premiere von TREMONTI in Wacken. Wir lassen uns überraschen, ob das ein Fingerzeig in eine weitere Stilrichtung für Wacken ist. Bandtechnisch hatte ich schon bessere Wacken, konnte dennoch wieder tolle Bands kennenlernen, mit Altbekannten zusammen feiern und fahre rundum zufrieden nach Hause.
Herausheben will ich abschließend noch mal die besondere Zutat für mein Gefühl von Heimat in Wacken: die Metalheads, neue Bekanntschaften und natürlich besonders die gereiften.

Wacken rulez

Wacken Open Air 2018, In Flames, CrowdIn Flames Crowd
(Autor(en): Christian S.)
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