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Bericht:

11.10.2011

Summer Breeze 2011 - Zwischen Sommer und steifer Brise


BildWie schnell doch die Zeit vergeht. Gerade eben hat man noch das Gefühl, man sei aus Dinkelsbühl abgereist, da steht auch schon die nächste Ausgabe des Summer Breeze vor der Tür. Für das Jahr 2011 wurden einige Neuerungen angekündigt. So sollte es die Möglichkeit geben, 0,4 Liter stilles Wasser für sagenhafte 1,50 Euro zu erwerben und auch die allgemeine Wasserversorgung auf dem Campinggelände sollte verbessert werden.
Schnell stand fest, dass meine zwei Mitstreiter und ich auch dieses Jahr wieder die rund 750 km auf uns nehmen würden, um uns das metallische Spektakel im beschaulichen und schönen Dinkelsbühl zu geben. Nachdem es letztes Jahr mit der alten Klapperkiste von Auto ungewiss war, ob wir den Weg überhaupt schaffen würden (wir haben es geschafft!), entschieden wir uns dieses Jahr für eine Anreise mit einem Mietwagen. Eine Entscheidung, die uns noch viel Ärger und Stress bescheren sollte.
Doch fangen wir ganz vorne an.

Mittwoch, 17. August 2011

Am Mittwoch ging es direkt früh los. Die vielen, vielen Kilometer legt man nicht mal eben im Schlaf zurück und so hieß es um 5.30 Uhr aufstehen. Zum Glück wurden die meistens Sachen bereits am Vortag eingepackt, sodass ich in meiner Schlaftrunkenheit dennoch recht sicher sein konnte, alles, was ich so brauche, dabei zu haben. Mit ein wenig Verspätung erreichte ich dann letztendlich auch den Treffpunkt, wo meine Mitfahrer sehnsüchtig auf mich warteten.
Nachdem wir den Mietwagen abgeholt hatten, ging es auch direkt rauf auf die Autobahn und ab Richtung Dinkelsbühl. Die passende Musik stimmte uns schon während der Fahrt auf das Summer Breeze ein und je näher wir Dinkelsbühl kamen, desto größer wurde die Vorfreude. Zwei Fahrerwechsel und einige Stopps später, brach Jubel aus, als wir endlich von der Autobahn abfahren konnten. Das Ziel war so nahe.
Doch bevor wir es erreichten, mussten wir erstmal durch den Anreisestau. Das, was uns auf der Autobahn erspart blieb, holte uns nun also kurz vor dem Ziel doch noch ein. Und ich sage euch: Für einen Norddeutschen, der keine Berge kennt, bedeutet Stop-and-Go an einem steilen Hang viel Stress. Doch auch dieses Hindernis wurde mit Bravour gemeistert.
Nach der üblichen Kontrolle des Wagens am Eingang, die sich aufgrund unserer Vorderleute, welche Unmengen an Glasflaschen (die bekanntlich auf dem Gelände verboten sind) gebunkert hatten, ziemlich in die Länge zog, ging es endlich rauf auf das Campinggelände. Kurz orientieren, unsere Leute anrufen, um deren Standort zu ermitteln, und ab ging die Post. Alles lief glatt, wir kamen an und waren erstmal froh, am Zielort zu sein. Ca. neun Stunden hat uns die ganze Tour mal wieder gekostet, doch für das überaus ansprechende Lineup dieses Jahr war uns kein Weg zu weit.


Groundsurfing

Nachdem alles aufgebaut war, alle Leute begrüßt waren und wir erstmal etwas entspannt hatten, musste der Mietwagen noch nach Crailsheim gebracht werden. Denn wir hatten wenig Lust, die ganzen Tage über Miete zu zahlen, dafür, dass der Wagen eh nur auf dem Campinggelände rumsteht. Also hieß es vor dem ersten Schluck Bier: Nochmal rein ins Auto und weg mit der Karre, damit wir endlich richtig ankommen konnten. So schwangen ich und eine Mitstreiterin uns in den Mietwagen, um vorzufahren, während eine Bekannte hinter uns her fuhr, damit wir nicht mit dem Bus zurückfahren mussten.
Doch schnell offenbarte sich das erste große Problem auf dem Breeze dieses Jahr. Wir kamen zu einem Ordner, der meinte, dass es bis Samstag nicht ginge, vom Gelände zu fahren. Wir haben ihn nur doof angeguckt, da es die letzten Jahre immer ging. Schließlich musste man ja auch mal einkaufen. Nach einem kurzen Gespräch erklärte er uns, dass er sich drum kümmern würde, damit wir unseren Wagen loswerden. Sehr nett, dachten wir und warteten. Und warteten und warteten. Doch nichts geschah. Als wir bei einem anderen Ordner nachfragten, bekamen wir nur die Auskunft, dass unser Ansprechpartner, der sich um alles kümmern wollte, gerade eben Feierabend gemacht hätte. Na klasse!
Nach zwei weiteren Gesprächen brachten wir dann in Erfahrung, dass man ganz normal, wie jedes Jahr, durch den Ausgang beim Hauptweg rausfahren konnte. Und so war es dann auch. Leider war dies nicht der einzige Fall, wo kein Ordner den genauen Plan von der Lage hatte und man sich ziemlich verarscht vorkam.
Doch zum Glück wurden wir den Mietwagen fristgerecht los und konnten dann, zurück auf dem Campinggelände, das erste Bier genießen. Eine Wohltat, das kann ich euch aber versichern!

BildEs blieb auch gar nicht die Zeit, sich mal in Ruhe am Campingplatz umzuschauen, da am späten Abend noch zwei Bands auf dem Plan standen, die ich mir geben wollte. Zwar kamen Stimmen auf, dass zu wenige Dixis vorhanden seien, doch damit sollte ich erst am nächsten Tag am eigenen Leib konfrontiert werden. Im Zuge der Nuclear Blast Labelnacht sollten DESTRUCTION und VADER das Partyzelt rocken, was ich mir nicht nehmen lassen wollte.
So machte ich mich mit ein paar anderen Leuten auf den Weg zum Festivalgelände. An den Wegen und Orientierungspunkten hatte sich nichts geändert, weshalb wir uns schnell zurecht fanden. Auffällig waren die vielen neuen Fressstände, die noch so manches Mal der Retter in der Not sein sollten. Der Einlass an der Schleuse ging vergleichsweise schnell und auch das Zelt war noch nicht so gerammelt voll, sodass wir uns einigermaßen gute Plätze sichern konnten. Im Vergleich zum letzten Jahr wurde das Zelt noch einmal etwas vergrößert und der Boden wurde mit Brettern belegt. Eine super Sache, die Schlammschlachten ersparte und Standfestigkeit gewährte.
Dafür wurde jedoch auch ein neuer Wellenbrecher installiert, der mich auf meinem Weg nach vorne überraschend bremste. Die letzten Jahre hatte ich nie den Eindruck, dass im Zelt ein Wellenbrecher erforderlich wäre, vielleicht wurde er aufgrund der Vergrößerung installiert. Auf jeden Fall sorgte das Teil nicht nur bei mir für einen komischen Gesichtsausdruck. Naja, sei es drum.

DESTRUCTION und VADER machten ihre Sache sehr ordentlich, wenngleich ich sagen muss, dass mir DESTRUCTION mal wieder gezeigt haben, dass ich wohl kein Freund vom alten Thrash Metal mehr werde. So gut es auch beim restlichen Publikum ankam, mir war der Auftritt der deutschen Thrash-Legende doch etwas zu öde.
Viel mehr freute ich mich da über VADER, die mir 2009 auf der Mainstage schon super gefallen haben und die auch dieses Jahr wieder ein richtiges Brett ablieferten. Schade war nur, dass der Sound extrem breiig war, was den Genuss milderte. Nichtsdestotrotz sind die Polen nach wie vor eine Macht und der erste offizielle Songs vom neuen Album "Welcome to the Morbid Reich" zündete extrem gut.

So ging ich am ersten Abend nach all den Strapazen zwar total geschafft, aber doch zufrieden in den Schlafsack. Relativ früh, für den ersten Festivalabend, aber nach dem Anreisemarathon ist das kein Wunder.

Donnerstag, 18. August 2011

Lange sollte der Erholungsschlaf nicht währen, denn die Sonne knallte unerbittlich auf das Zelt, was einen schon recht schnell aus selbigem trieb. So wurde dann nach dem Wachwerden im Campingstuhl der Grill angeschmissen und das erste Bierchen gezischt. Anschließend wurde ich dann, wie bereits angekündigt, mit dem zweiten Ärgernis des diesjährigen Summer Breeze konfrontiert: Den Dixis. Wo letztes Jahr noch zehn der stillen Örtchen standen, waren es dieses Jahr nur noch Sechs, plus ein von uns sogenannter "Pisspilz", der vier Männern Platz bot, die Blase zu entleeren. Nett gedacht, nur leider lief das Teil bereits nach einem Abend über, sodass man im Urin stand. Und auch die Dixis häuften ein paar Dinge an, die normalerweise nicht so einen hohen Turm bilden sollten.
Nachdem wir uns über die Situation beschwerten, wurde angekündigt, dass weitere Dixis unterwegs seien und unsere Dixis bald geleert würden. Ersteres geschah nie, letzteres erst, nachdem bereits ein halber Tag vergangen war und die Situation immer schlimmer wurde. Zwar war in unmittelbarer Nähe eine Wasserstelle samt Duschen und WCs, doch sahen viele von uns nicht ein, Geld bezahlen zu müssen, nur weil es niemand für nötig hielt, unsere Dixis regelmäßig zu säubern. Großer Unmut machte sich breit.


Das Elend

Um mich etwas abzulenken, begleitete ich zwei Damen zum Festivalgelände, um eine kleine Shopping-Tour durch die vielen Stände einzulegen. Auf dem Weg stellten wir fest, dass auch an anderen Plätzen die Dixisituation nicht unbedingt rosiger aussah. Doch immerhin waren die Dixis auf dem Festivalgelände in tadellosem Zustand. Zumindest noch, denn auch das sollte sich im Verlaufe des Tages ändern.
Aller Unmut war verflogen, als an den ersten Ständen bereits einige Schnäppchen gemacht wurden. Während die Damen an den ganzen Bekleidungsständen hängen blieben, zog es mich von einem CD-Stand zum nächsten und am Ende verließen wir drei, allesamt vollbeladen mit Tüten, glücklich die Shopping-Meile. Auf dem Weg gab es noch etwas zu beißen an den Fressständen und am Campingplatz erwartete uns schon der ganz normale Festivalwahnsinn. Zwei Kerle unserer Gruppe hatten sich bis auf einen Elefantentanga entkleidet und so den Bereich um unsere Zelte herum unsicher gemacht. Ein großer Spaß für alle Beteiligten! Auch wenn die Dixisituation nach wie vor beschissen (haha!) war, kehrte der Humor also endlich auch zu uns zurück und spätestens jetzt war jeder von uns zu 100% auf dem Summer Breeze angekommen.

Nach einigem Schabernack der Elefantenjungs zog es mich dann wieder Richtung Festivalgelände, wo ich mir die beiden Schwarzmetall-Kapellen DER WEG EINER FREIHEIT und VREID geben wollte. Wir lagen gut in der Zeit, bis, wie das eben so ist, ich an der Eingangsschleuse aufgehalten wurde. Angesprochen auf mein AGALLOCH-Shirt kam ich schnell mit einem Kerl ins Gespräch, der sich am Ende als Drummer der deutschen Black Metal Band BLUTNEBEL entpuppen sollte. Über diese und jene Band schwadronierend, kamen wir nur langsam voran. Während meine Begleiter bereits auf dem Gelände warteten, hing ich noch vor der Schleuse fest. Das sorgte dafür, dass wir den Anfang von DER WEG EINER FREIHEIT verpassten.
Letztendlich erreichten wir das Partyzelt dann aber doch noch und schnell wurde klar, dass der Sound von VADER am vorherigen Abend keine Ausnahme bleiben würde. Auch DER WEG EINER FREIHEIT hatten mit breiigem Sound zu kämpfen, der den Auftritt der Jungs etwas schwerfällig machte. So löste der Auftritt zwar keine Begeisterungsstürme bei mir aus, doch die Jungs zockten sich solide durch ihr Set.
Mehr als solide war die darauf folgende Show der Norweger von VREID. Alle Skepsis, was den Sound anging, wurde schnell ad acta gelegt, denn im Vergleich zu vorher ballerten VREID sauber und wuchtig aus den Boxen. Ein überragender Auftritt, der mit zu den besten Auftritten des diesjährigen Summer Breeze gehörte.



Nach diesem Brett brauchte es danach erstmal ein Bier, um wieder klar zu kommen. Das kühle Blonde genossen wir dann im hinteren Bereich des Zeltes, wo man sich dank des Bretterbodens niederlassen konnte. Während nebenher KVELERTAK der Menge einheizten, trafen wir auf eine Bekannte, die ich letztes Jahr auf dem Summer Breeze bereits getroffen hatte. Zufälle gibt es, immerhin war das Treffen nicht abgesprochen. Nach einem Plausch und einem kurzen Blick zu KAMPFAR, zog es uns dann allerdings auf den Campingplatz zurück. Ein paar Bier und Fleisch riefen und unsere Mägen konnten diesem Ruf einfach nicht widerstehen. Mittlerweile waren die Dixis auch endlich mal geleert. Zwar lief der Pisspilz nach wie vor über, doch das würde sich ohnehin bis zum Ende des Festivals nicht mehr ändern.
BildSo saß man gemütlich beisammen, unterhielt sich über dieses und jenes und ließ die Zeit wie im Fluge verstreichen, ehe es abermals Richtung Festivalgelände ging. Unterwegs trafen wir mal wieder auf allerhand obskure Gestalten, die entweder im Hasenkostüm oder direkt komplett nackig den Campingplatz unsicher machten. Der ganze normale Wahnsinn also, nichts ungewöhnliches. Und nachdem am Ficken-Stand einige Herren der Schöpfung mit runtergelassenen Hosen ihren Schnaps verköstigten, konnte uns ohnehin nichts mehr schocken.

Pünktlich um Mitternacht rollte dann der sinnbildliche Panzer auf die Painstage. Die schwedische Panzerdivision MARDUK sollte also die erste Band werden, die ich auf einer der Open Air Bühnen dieses Jahr sehen sollte. Leider kränkelte auch hier mal wieder der Sound, was das Publikum jedoch nicht zu stören schien. Mich hingegen schon. Mal wieder. MARDUKs Hochgeschwindigkeits-Black Metal wurde durch den matschigen Sound nicht unbedingt spannender.

So trotteten wir dann, abgesehen von unserer MARDUK-Liebhaberin, enttäuscht zum Zelt zurück. Dort wartete allerdings eine freudige Überraschung auf mich. Während der Rest sich in die Zelte zurückzog, blieb ich noch etwas in meinem Campingstuhl und bekam so mit, wie einer von unseren Mitcampern zusammen mit einem erst kürzlich kennengelernten Altmetaller ein Fass Bier heranschaffte. Super Sache! So saßen wir bis in die frühen Morgenstunden beisammen, unterhielten uns über alte Doom-Legenden und leerten das Fass. So zog ich mich einigermaßen angetrunken ins Zelt zurück, um seelig zu Schlummern. Und nichts konnte mich wecken. Nichtmal ein immenses Unwetter.



Freitag, 19. August 2011

Am nächsten Morgen wurde ich dadurch wach, dass mich jemand an den Füßen zog. Ich war etwas verwirrt, als ich feststellen musste, dass Teile meiner Zeltplane auf mir lagen. Das sollte irgendwie normalerweise nicht so sein. Also machte ich mein Zelt auf, lugte heraus und sah mich verwundert um. Unsere Pavillions waren nicht mehr da, wo sie gewesen sind, als ich ins Zelt ging. Und auch sonst herrschte reges Treiben und irgendwie war es auch ziemlich nass draußen. So schleppte ich mich aus dem Zelt, prüfte, ob es auch mein Zelt war, in dem ich schlief und ließ mich erstmal über die Lage aufklären.
Kurz nachdem ich ins Zelt ging, gab es ein extremes Unwetter, welches mehrere Zelte und Pavillons abgerissen hatte und auch das eine oder andere Zelt in einen Swimmingpool verwandelte. Meine billige Unterkunft hat erstaunlicherweise gehalten, auch wenn es paradoxerweise erst zusammenfiel, als die Sonne zum Vorschein kam. Merkwürdig, hätte man doch eher erwartet, dass es beim Unwetter zusammenklappt.
Nachdem dann alle anderen ebenfalls nach und nach wach wurden, machten wir uns daran, das Chaos, welches das Unwetter angerichtet hatte, zu beseitigen. Obwohl einer unserer Pavillons halb auf ein Zelt gefallen ist, wurde zum Glück niemand verletzt. Mit etwas Geschick und guter Anleitung wurde dann aus den Resten zweier Pavillons ein neuer errichtet. So wurde der Sonnenschutz zwar drastisch reduziert, was sich insbesondere am Samstag, dem heißesten Tag eines ansonsten so schon recht sonnigen und warmen Summer Breeze, rächen sollte.


Nachdem der Schaden einigermaßen beseitigt war, die Sachen zum Trocknen aufgehangen wurden und gefrühstückt wurde, suchten wir die Duschen auf, um uns etwas zu kultivieren. Die Schlange war zwar immens lang, doch hatte man als Mann das Glück, dass es relativ zügig voranging. Als wir drei Kerle dann mit Duschen fertig waren, standen unsere beiden Damen noch immer in der Schlange und warteten darauf, sich waschen zu können. Und was lehrt uns das? Entweder duschen Männer schneller als Frauen oder... ach, lassen wir das.
Am Nachmittag ging es dann jedenfalls mal wieder in Richtung Partyzelt. Unterwegs stellten wir fest, dass es uns noch ganz glimpflich getroffen hat, denn andere Campingplätze sahen weitaus verwüsteter aus, als unserer. Soweit ich informiert bin, gab es keine Schwerverletzten, anders als auf dem Graspop Metalmeeting, wo das Unwetter weitaus schlimmer wütete.

Im Partyzelt angekommen ging für mich dann ein regelrechter Bandmarathon los. Begonnen mit REV 16:8 gab ich mir im folgenden SALTATIO MORTIS, ENSLAVED und HELRUNAR.
Während SALTATIO MORTIS die Menge jeweils auf ihre besondere Art und Weise fesseln konnten und starke Auftritte hinlegten, kränkelte beim ersten Festival-Auftritt in der Bandgeschichte von REV 16:8 mal wieder der Sound. In diesem Fall jedoch so extrem schlimm, dass man sich die Band eigentlich gar nicht geben konnte. Nicht, weil die Musik schlecht war, nein, die war ganz okay (so gut Black Metal am Nachmittag halt funktioniert), aber alleine die Saitenfraktion übersteuerte schon so arg, dass es in den Ohren quietschte. Wir hielten bis zum Ende durch, aber die Schweden hatten den definitiv schlechtesten Sound des gesamten Festivals.
HELRUNAR hingegen legten einen der stärksten Auftritte des diesjährigen Summer Breeze hin. Nicht nur ich, als langjähriger Liebhaber der Musik, sah dies so, auch die Reaktion des Publikums sprach Bände.

Enslaved

Anschließend gab es die dringend benötigte Verschnaufpause. HELRUNAR haben mich so begeistert, dass ich mich eingenässt habe. Und zwar mit Bier. Meine Hände waren anschließend so am Zittern, dass das Bier seinen Weg nicht in meinen Mund fand, sondern direkt auf meiner Hose landete. So konnte glatt ein falscher Eindruck entstehen und so war es für mich nicht verwunderlich, dass man mich am Bierwagen darauf ansprach. Zum Glück ließ sich die Sonne noch etwas blicken, um meine Misere etwas zu lindern. Nach einem kurzen Plausch mit Kollegin Saskia und Fotograf Micha zog es mich dann vor die Mainstage.

Dort spielte die Death Metal Walze BOLT THROWER. Da meine Mitstreiterin etwas kleiner ist, machte es keinen Sinn, sich in die Menge zu stellen. So verweilten wir etwas Abseits, damit sie einen Blick auf die Bühne erhaschen konnte. Keine gute Entscheidung, denn immer dort, wo wir uns aufhielten, standen ein paar Deppen, die Spaß daran hatten, sich so lautstark zu unterhalten, dass es fast lauter war, als die Band. Und das ist bei BOLT THROWER schon ein echtes Kunststück. Als dann auch noch angefangen wurde zu tanzen, entschieden wir uns dafür, zurück zum Zelt zu gehen. So hatte es wenig Sinn und machte auch recht wenig Spaß. Leider muss man dazu sagen, dass dies keine Ausnahme war. Immer mal wieder traf man bei Bands auf Gestalten, die wohl eher Spaß daran hatten, anderen den Spaß zu versauen, als wirklich die Bands anzuhören. Dieses Phänomen trat im Laufe der letzten Jahre immer häufiger auf, was sehr schade ist.
Hinterher erfuhr ich noch, dass einige Idioten (man verzeihe mir das Wort, aber es ist so) versucht haben, die Musiker von BOLT THROWER mit Laserpointern zu blenden. Sorry, aber das geht einfach mal gar nicht!

Bolt Thrower Crowd

Zurück am Campingplatz zog ich mich auch direkt in mein Zelt zurück. Nicht nur, weil mich die Situation bei BOLT THROWER genervt hat, sondern auch, weil ich mitten in der Nacht wieder Richtung Partyzelt aufbrechen wollte, um mir zwei weitere Bands anzusehen, auf die ich sehr gespannt war.
So zottelte ich pünktlich und mitten in der Nacht los und stellte fest, dass die Fressstände selbst um 1.30 Uhr noch besetzt waren. Grandios! An dieser Stelle ein großes Lob an die Bedienungen, super Aktion.

SECRETS OF THE MOON und IMPERIUM DEKADENZ spielten nacheinander zur besten Black Metal Zeit. Von SECRETS OF THE MOON war ich eher enttäuscht, wofür die Band aber nicht ganz so viel konnte. Der Sound war mal wieder mehr als dürftig und aufgrund der schleppenden Umbauarbeiten konnte die Band erst mit einiger Verzögerung anfangen. Zwar absolvierte man professionell das gekürzte Set (der letzte Song musste gestrichen werden), doch der Band war die Unzufriedenheit anzumerken.
IMPERIUM DEKADENZ rissen das Ruder jedoch nochmal um und retteten die deutsche Schwarzmetall-Ehre an diesem Abend. Mit guten Sound und einer brillanten Atmosphäre überzeugten die Jungs auf ganzer Ebene.

So ging es dann für mich doch noch zufrieden und glücklich zurück zum Campingplatz und direkt rein ins Zelt. Alleine für IMPERIUM DEKADENZ hatte sich das nochmalige Aufstehen gelohnt.

Secrets Of The Moon

Samstag, 20. August 2011

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen der Hitze. Nachdem die brütend heiße Sonne uns alle recht schnell aus dem Zelt trieb, wurde den Rest des Tages nicht mehr sonderlich viel gemacht. Während einige abgehärtete Leute von uns es tatsächlich schafften, sich für ein paar Bands aufzuraffen, blieb der Großteil im Campingbereich hängen und suchte vergeblich irgendwo nach einem kleinen Fleckchen Schatten. Jetzt rächte es sich wahrlich, dass uns der Sturm vom Vortag einen Pavillon zerstört hatte, sodass nur noch zwei blieben. Die Sonne stand zwischenzeitlich so ungünstig, dass der Schatten wirklich nur sehr spärlich gesät war. Kein Wunder also, dass so manch einer von uns über einen derben Sonnenbrand klagte.
Irgendwann fanden wir zu viert Schatten in einem Vorzelt, wo wir auch für den Rest des Tages blieben. Lediglich um die Abreise vorzubereiten, rafften wir uns auf. Die Zelte bauten sich schließlich nicht von alleine ab. Das Organisieren des Mietwagens verlief dieses Mal reibungslos und wir konnten entspannt die Abendstunden angehen.

Nachdem wir mit nahezu der gesamten Gruppe ein letztes Mal am Campingplatz saßen, machten wir uns Richtung Festivalgelände auf, um uns PRIMORDIAL anzusehen. Und diese stellten mein persönliches Highlight dieses Breeze' dar. Die Bühnenpräsenz von Nemtheanga ist einfach der Wahnsinn und die gesamte Show in ihrer Theatralik und Emotionalität konnte selbst von HELRUNAR für mich nicht getoppt werden. Musik, Gestik, Mimik, Texte, Spielzeit um Mitternacht, es passte einfach alles. Und wer einmal "As Rome Burns" live miterlebt hat, wird diesen Moment nie wieder vergessen, das verspreche ich. PRIMORDIAL sind eine Institution und live überragend. Punkt.

Primordial

Da wir nachts nach Hause fahren wollten, ging es für uns nach PRIMORDIAL zurück zum Campingplatz und nach einer länger dauernden Verabschiedung rein in den Mietwagen und ab die Post auf den Weg nach Hause. Zumindest war das der Plan, doch ein letztes Mal machte uns die Organisation in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Anstatt, wie die Jahre zuvor, uns am Ausgang des Geländes Richtung Dinkelsbühl zu schicken, leiteten die Ordner sämtliche Wagen in die entgegengesetzte Richtung. Angeblich, weil die Polizei den anderen Weg gesperrt hatte, was ziemlich unsinnig war, denn so wurden alle Leute, die nicht aus der nahen Umgebung kamen, irgendwo in die Walachei geschickt, anstatt den einfachen, bekannten Weg fahren zu können.
So fuhren wir dann auch etwas planlos und leicht verärgert durch die Nacht, vorbei an einsamen Straßen, wo hier und dort ein unbemannter (!!) Streifenwagen stand. Da wir dadurch nicht nachfragen konnten, wo wir hin müssen, folgten wir also den Umleitungsschildern. Was in Anbetracht der Lage ja auch durchaus logisch erscheint. Schade nur, dass uns die Umleitung quer durch die Ödnis geführt hat, so dass wir am Ende, nach gut einer Stunde Fahrt, gegenüber des Ausgangs vom Campinggelände wieder rauskamen. Ganz toll!
Die Verärgerung wuchs immer weiter an und wurde noch größer, als der einzige Ordner, der dort stand, uns auch nicht sagen konnte, wo wir lang müssen, da er selber nicht aus der Gegend stammt. Der gute Mann konnte nichts dafür, immerhin wurde er so unglücklich eingeteilt, aber ein schwaches Bild gab der Umstand allemal ab. Zwar wurde sich darum bemüht, dass wir eine Karte kriegen oder man uns irgendwie den Weg mitteilen kann (das Navi wollte uns in die gesperrte Richtung lenken), doch gebracht hat das alles wenig.
Also fuhren wir wieder die selbe Straße wie eine Stunde zuvor und hofften, irgendwie den Weg zu finden. Zum Glück befand sich in einem der Streifenwagen nun ein Freund und Helfer, der uns den Weg einigermaßen erklären konnte. Und nach einer weiteren Stunde sinnlosen fahrens auf irgendwelchen Landstraßen, erreichten wir dann auch endlich die Autobahn Richtung Heimat. So wurden aus 7-8 Stunden Heimfahrt dann mal eben 9-10 Stunden. Wir kamen heile Zuhause an, doch ein fader Beigeschmack blieb haften.


Fazit:
Das Summer Breeze 2011 bot viele tolle Momente, aber auch viel Schatten. Insbesondere die Organisation war in diesem Jahr nicht so gelungen, wie die letzten Jahre. Das ging bei der Anreise los, zog sich über die schlechte Information der Ordner, äußerte sich akut in der beschissenen Dixi-Situation und mündete in der katastrophal organisierten Abreise. Auch der Sound war längst nicht so toll wie in den letzten beiden Jahren, was einiges Bands (vor allem REV 16:8 und SECRETS OF THE MOON) leider nahezu unerträglich gemacht hat. Und wenn es nicht der Sound war, dann gab es manches Ärgernis mit den Besuchern (Auftritt von BOLT THROWER).
Doch natürlich war nicht alles schlecht. So muss man die Wasserstellen- und Duschen- bzw. WC-Versorgung lobend hervorheben, ebenso wie die hinzugekommenen Fressstände auf dem Weg zum Festivalgelände. Auch das günstige Wasser und die Bretter im Partyzelt sind top gewesen.

An dieser Stelle soll ein Gruß an all jene rausgehen, die mit uns dort waren, Bierchen gezischt haben und selbst der ärgerlichsten Situationen noch etwas witziges abgewinnen konnten! (Autor(en): Malte H.)
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