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Bericht:

18.08.2010

Devilside Campus To Hell - Nachsitzen mal anders (Blickwinkel 2)


BildWie kann man der Sonntagslangeweile auf der Couch oder im Bett nur entkommen? Richtig man sieht zu, das man sich in die Bahn setzt und den Weg nach Essen zum 2. Devilside (2009 noch in Duisburg) zu fahren um sich 11 Stunden lang von 21 Bands verschiedener Metal Genres die Ohren wegblasen zu lassen.
Pünktlich, während dem ersten Song von The Haunted stehe ich vor der Hellstage, der etwas kleineren Bühne des Festivals und darf ein zweites Mal Zeuge werden, wie die Band um den sympathisch-chaotischen Fronter Peter Dolving das zwar verhaltene aber trotzdem der Band zugetane Publikum in seinen Bann zieht und dieses auch mit dem kompletten Auftritt zu begeistern weiß. Trotz des nur 30-minütigen Auftritts kann die Band mit all ihren Hits beim Publikum mehr als punkten.
Gleich nach dem überragendem The Haunted Auftritt spielten gleich ohne Atempause für die Besucher Neaera auf. Ich werde mich mit den Münsteranern Deathcorern niemals anfreunden können, da mir die Musik nicht zusagt, dennoch versteht es die Band gekonnt mit ihrem Publikum zu kommunizieren (meist etwas zu viel Gerede meiner Meinung nach) und schafft es gleich auch eine Wall of Death auf die Beine zu stellen.


The Haunted

Die größtenteils aus etwas jüngeren Fans bestehende "Meute" feierte die Band über die gesamte halbe Stunde und man kann anschließend in sehr zufriedene Gesichter sehen.
Weiter geht es dann auf der Hellstage mit Sonic Syndicate, von denen ich mehr als angetan bin und auch sehr gespannt war, wie sich der Neuzugang am Mikro Nathan J. Biggs denn Live so macht.
Gleich zu Anfang zeigt Nathan, dass er mehr als der beste Sänger der gesamten Bandgeschichte ist. Mit einer etwas eingebildeten, coolen sowie auch gesanglichen perfekten Performance beschert er der Band noch etwas mehr Frische für die Liveshow, so dass das gesamte Bandkonzept mittlerweile richtig gut aufgeht und mit alten sowie auch den zwei neuen Songs "Revolution,Baby" und "Burn this City" die Massen zu begeistern weiß.
Insgesamt ein gelungener Auftritt, auch wenn ich leider nicht so viel von Bassistin Karin zu sehen bekomme.
Dennoch gibt es einen kleinen Kritikpunkt: Der Sound ist etwas zu heftig aufgedreht und man kann die Songs nicht im Ganzen genießen, da man zeitweise etwas braucht um überhaupt wieder vernünftig etwas hören zu können.


Sonic Syndicate

Auf der Hauptbühne gehen nun Devil Driver auf die Bretter um uns ihre Version des modernen Death Metals vorzuführen. Gleich von Beginn an kommt man nicht herum zu bemerken, dass die Band sich wohl doch leider etwas zu viel Liveperformance-Routine angeeignet hat, da alles etwas - bis auf Frontschreihals Dez Fafara der prollend über die Bühne stampft und das Publikum zu Circle Pits animiert - Bewegungsarm wirkt.
Trotzdem kann die Band mit Songs wie "Clouds Over California", "End Of The Line" und "I Could Careless" sowie diversen anderen Songs überzeugen und rockt die Stage.
Als nächstes steht die Kieler Hardcore-Punkband Smoke Blow auf der Hellstage.
Ein paar Songs kenne ich schon von früher, trotzdem war die Band meiner Meinung nach eher fehl am Platz oder nur ein Lückenfüller für den Übergang zu Mr. Irish Bastard.
Es stehen zwar schon halbwegs viele Leute vor der Bühne um sich die Band anzuschauen, aber der Funke springt nur bei den Die Hard Fans über. Mich persönlich können sie nicht überzeugen, da ich erstens mit der Musik nicht wirklich konform bin und zweitens das ständige Boygroup ähnliche auf bestimmte Parts einstudierte (das ist jedenfalls mein Eindruck) Rumgehampel die spontane Liveperformance vermissen lässt.
So langsam kann man erkennen, dass sich das Campusgelände immer mehr füllt während sich auf der Devilstage Mr. Irish Bastard den Weg in die Hörgänge der Festivalbesucher bahnen.
Den Namen hatte ich zwar schon einmal gehört, doch entzog sich mir bislang, was die Band überhaupt genau macht.


Devil Driver

Die Stadtkollegen von Neaera um den äußerst sympathischen Sänger The Irish Bastard (Himself) ziehem mit ihrem Irish Folk Punk von Song zu Song das Publikum spürbar in ihren Bann, gehören doch Coverversionen von Ricky Martin "Livin´ La Vida Loca" , The Cure´s "Why Can´t I Be You" und "Temple of Love" von den Sisters of Mercy zum festen Bestandteil der Band in ihren Livedarbietungen. Eine sehr gute Band um neben den etwas härteren Bands zu entspannen aber auch um super abfeiern zu können.
Mit "The Crown and the Ring" von Manowar als Intro kündigt sich eine weitere Band auf der Hellstage an, auf die ich sehr gespannt bin, da sie mich zum ersten Mal Live überzeugen darf. Mit diesem Intro können die Emil Bulls auch gleich ein paar Pluspunkte bei so manchem Metaller ernten. Performance-mäßig kann die Band mit Songs wie "The Most Evil Spell", "Smells Like Rock’N‘Roll" oder auch "Leaving You With This" mehr als überzeugend, ihre Show runter rasseln und zum Moshen und Headbangen animieren. Diese Band habe ich definitiv nicht zum letzten Mal gesehen.


Emil Bulls

Nun kommt eine Band, die ich schon auf diversen Events gesehen habe oder sagen wir es besser, sehen musste. Denn musikalisch passen ich und die Berliner Mad Sin zusammen wie Dieter Bohlen und Dream Theater, nämlich überhaupt nicht. Trotzdem hat die Band ihre Fans - es gibt sie ja auch schon seit 87 - und kann diese sicherlich auch begeistern.
Ich für meinen Teil begebe mich dann doch lieber auf die chillige Wiese im hinteren Teil des Geländes um einfach mal ein paar Bierchen und die Sonne zu genießen. Das tue ich bei Agnostic Front zwar immer noch, was aber nicht schlimm ist, denn man kann von dort aus jeden einzelnen Song problemlos mithören. Dem Getöse des Publikums kann man entnehmen, das dort mächtig die Post abgeht, was wohl dann der Hardcoreband Snapcase aus den USA gilt.
Nun wird es Zeit für ein Konzert, auf das ich seit den frühen 90ern gewartet habe.
Ja wohl, Fear Factory geben sich als nächstes die Ehre. Leider waren nur 2 der "alten" Crew mit an Bord, denn ich hätte statt Gene Hoglan und Byron Stroud lieber Raymond Herrera am Schlagzeug und Christian Wolbers am Bass dabei gehabt, aber naja, man kann nicht alles haben. Fear Factory schaffen es trotz alledem mit ihrem bombastischen Industrial Metal einem mehr als nur das Hirn wegzublasen.


Fear Factory

Die darauf folgende Band Zebrahead erspare ich mir, um mich etwas mehr auf dem Gelände um zuschauen und ich muss sagen, es gibt weitestgehend alles, was ein Metaller zum überleben braucht. Neben gut bedienten Bierständen gibt es ein sehr leckeres Fest-Nahrungsangebot zu Fan freundlichen Preisen.
Das Angebot an sanitären Einrichtungen in Plastikform ist völlig ok, mir fehlt jedoch die Möglichkeit, mir öfter mal die Hände waschen zu können, aber man kann nicht alles haben.
Zum Gelände selber kann man sagen, für diese Art von einem Tagesfestival ist die Uni in Essen mehr als geeignet. Es ist schön weitläufig und wenn man sich in die Mitte der beiden Bühnen stellt, muss man sich einfach nur umdrehen und bekommt alles super mit. Selbst wenn man sich an die eine Bühne stellt um eine Band zu sehen, ist es problemlos möglich bis dahin alles auf der anderen Bühne mitzubekommen. Perfekt, sage ich da nur und ich hoffe, dass das Devilside auch in Essen bleiben kann. Das finden auch viele der Besucher, die ich dort antreffe. Zurück zu Musik.
Jetzt wird es Zeit für die Veteranen des Thrash Metals namens Overkill. Den kompletten Auftritt verpasse ich zwar, bekomme aber zwei bis drei Songs im vorübergehen mit, da es zu diesem Zeitpunkt Richtung Devilstage geht um von Danko Jones genug sehen zu können.


Overkill

Mit Overkill konnte ich eigentlich, bis auf zwei bis drei Songs, nie etwas anfangen. Nur dass sie Live immer noch die Power versprühen wie sie es in ihren jüngeren Jahren getan haben, lässt sich hierbei nicht bestreiten und die Tatsache honoriert das Publikum mit viel Applaus.
Die Zeit für den Rock Hero der heutigen Zeit Danko Jones bricht an.
Es ist unglaublich, wie viel positive Energie der Herr versprüht, auch wenn er meiner Meinung nach seine Auftritte etwas ermüdend macht, indem er viel zu viel redet statt zu rocken.
Nur die Songs die gespielt werden sind absolute Granate und begeistern mich, sowie auch ein großes, vor der Bühne platziertes Publikum - trotz dem das Event nun bereits schon 9 Stunden auf dem Buckel hat.
Etwas Negatives gibt es dennoch zu vermelden. Der Rest der Band steht wie angewurzelt auf einem Fleck und Danko muss im Prinzip alleine animieren. Aber gut, lustig war es trotzdem.
Danach entern die etwas in die Jahre gekommenen Jungs von New Model Army die Hellstage. Aber alt erscheinen die Herren noch lange nicht. Auch wenn ich sie mir lieber von der Mitte ansehe, rockte die Band sogar noch mehr als andere an diesem Tag. Besondere Highlights sind "The Hunt", die Justin selbstverständlich als Coverversion von Sepultura ankündigt, "51st State" und "Here Comes The War".


Amon Amarth

Hiernach wird es Zeit für eine der angesagtesten Livebands der heutigen Zeit, die sowohl jung wie auch alt begeistert. Amon Amarth sollte allgemein ja schon als Spaß-Combo bekannt sein, die, wie ich nach dreimaligen Besuch eines ihrer Konzerte feststelle, wohl überhaupt nicht an Tourstress leidet. Die Band schafft es immer wieder mit Songs wie "Twighlight Of The Thundergods", "Death In Fire" und "Guardians Of Asgard" die Massen zu rocken wie kaum eine andere.
Auch wenn ich sie privat nicht in den CD Player lege, Live kann ich sie mir immer anschauen und freue mich, so eine motivierte und gut gelaunte Death Metal Band zu sehen, die noch weiß, dass Bösartigkeit niemals im Vordergrund stehen muss, und dies zeigen die Wikinger immer wieder gern.
Selbst zu einer Ansage aktuell zur Fußball WM, nachdem unser Team die Argentinier zerschossen hatte, ließ sich Sänger Johan hinreißen und orakelte, dass die deutsche Elf die Spanier auch noch weghauen würde (was leider nicht geklappt hat) und sorgte damit für Begeisterungstürme und Fangesänge wie zuvor auch bei Danko Jones. Mehr als gelungen dieser Auftritt.


Airbourne

Jetzt wird es Zeit noch einmal zu verschnaufen, sich frisch zu machen und dabei den Klängen von Sick Of It All zu lauschen. Viel kann ich nicht davon berichten, da auch diese Band nicht meinen Lieblingsgenre zugehörig ist und ja schließlich jetzt das Highlight des Abends ansteht.
Das Bier in der Hand, den Toilettengang hinter sich, Zigarette an und Airbourne schauen, besser geht es nach so einem langen Tag wirklich nicht mehr.
Die sympathischen Australier ziehen alle auf dem Gelände von der ersten bis zur letzten Sekunde in ihren Bann. Man kann es sich nicht verkneifen zu denken, wenn AC/DC in jungen Jahren heute hier rocken würden, dann wären sie wie Airbourne oder besser sie würden Airbourne heißen.
Mit Songs wie "Born To Kill", "Too Much, Too Young, Too Fast" und ihrem, wie ich meine besten Song überhaupt "Runnin‘ Wild", sorgten die Jungs um Dauerhüpfer und Sänger Joel O’Keeffe für den krönenden Devilside Abschluss und lässt auch heute, fast einen Monat danach einen Nostalgisch werden.
Alles in allem ist dieses Festival, auch wenn es Sonntags stattfand, eins der allerbesten - wenn nicht sogar bisher das Beste - dem ich beiwohnen durfte und werde sehr gerne jedes Mal wieder mit dabei sein.


Airbourne

Auch sehr positiv: Nachdem ich wieder zu Hause war und erst dann erfuhr, dass vom Gelände aus Shuttle Busse zum Essener Hauptbahnhof fuhren, konnte ich mir ein schmunzeln nicht verkneifen, denn diese brauchte man zum Zeitpunkt nicht, da man vom Gelände aus problemlos wegkam. Aber ich finde es gut, dass es in Erwägung gezogen wurde, um etwaige Verkehrsprobleme umgehen zu können. Die Vorsicht kann man dem Veranstaltungsteam nur hoch anrechnen. (Autor(en): Rocco M.)
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Kommentare

26.08.2010 18:09 Uhr LiahK
Wie schon gesagt, schöner Bericht
 
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