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Geschrieben: 20. Januar. 2012CD Review

Tenhi

Saivo

Bewertung ( 10 von 10 ):

0123456789

Genre:

Neofolk

Spieldauer:

70:03

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Finnland

Release

02.12.2011

Link


Es gab lange kein Album mehr, auf das ich so sehnsüchtig gewartet habe, wie auf "Saivo", das neue Werk der Darkfolker von TENHI. Nach dem absolut starken "Maaäet" (2006) war es viele Jahre still um die Finnen und nachdem sie "Saivo" endlich datiert hatten, verschob sich der Releasetermine ein paar Mal nach hinten. Grund hierfür waren Änderungen in den Arrangements, Umstrukturierungen innerhalb des Albums, komplette Neuaufnahmen von Songs und die Einflechtung immer neuer Ideen. TENHI wollten etwas perfektes Schaffen, eine Stimmung einfangen, die dem Albumtitel gerecht wird. Und das ist ihnen zweifelsfrei gelungen.

"Saivo" ist in der samischen Mythologie ein Teil des Totenreichs, in das Verstorbene gelangen und wo sie im Kreise ihrer Liebsten eine glückliche Zeit verbringen. Sie gehen jagen, fischen, bauen Zelte und verhalten sich so wie zu Lebzeiten auch. "Saivo" existiert nach finnischem Verständis unter Seen mit doppeltem Boden und die Toten gelangen über ein kleines Loch zwischen den Schichten in das Reich.
Bezogen auf das neue Werk von TENHI lässt sich das Album in seinem Gesamtkonzept als Weg nach "Saivo" verstehen oder zumindest als kurzer Aufenthalt dort. So ziert das Cover ein von Dunkelheit umgebenes Boot, welches auf einem See treibt. Die Besatzung hat die Ruder in die Luft gestreckt, man lässt sich treiben, gibt sich dem Schicksal hin, wohl in der Hoffnung, nach "Saivo" zu gelangen. Einem Ort, erfüllt von Glück und Zufriedenheit.

Diese Diskrepanz zwischen der Sehnsucht und der Vorfreude auf eine glücklichere Welt spiegelt sich in der Musik TENHIs ungemein wieder. "Saivo" vereint bekannte Trademarks der Band und klingt doch anders, vollkommener, aber auch wechselhafter. Mir sind bisher wenige Alben untergekommen, die so unterschiedlich wirken können, ohne das es inhomogen wirkt. Die Grundstimmung der Musik auf "Saivo" ist sehr entspannend und verträumt. Wie ein Strom im Unterbewusstsein, der einen mitnimmt - ähnlich dem Boot auf dem Cover-Artwork - der einen treiben lässt und mit Zufriedenheit füllt, so wie in "Haaksi", wo es ungewöhnlich beschwingt zugeht, ohne das es befremdlich im Vergleich zu den restlichen Songs wirkt. Vielmehr fügt sich das Spiel zwischen lauten und leisen Momenten, welches im Albumverlauf gerne genutzt wird, in das Gesamtgefüge ein.
Im anderen Moment ist da eine Sehnsucht, ein Verlangen, das unerfüllbar erscheint. Insbesondere in "Pojan Kiiski" und dem grandiosen "Paluu Joelle" breitet sich die verträumte und sehnsuchtsvolle Atmophäre aus. Erwähnung finden muss hierbei der tolle Gesang von Tyko Saarikko, der den Songs Leben und Emotionen einhaucht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Vielmehr harmoniert er intensiv mit den anderen Instrumenten.
Das Fundament für die Songs bilden häufig Gitarre, Bass und Schlagzeug, während sich darüber Instrumente wie Harmonium, Piano, Flöte (bspw. richtig stark in "Pienet Purol") und Streicher aufbauen. Vor allem die Streicher bekommen deutlich mehr Platz eingeräumt als auf den Vorgängern und auch die Chorgesänge – mal dominant ("Sees"), mal zaghaft im Hintergrund ("Saivo"), mal extrem sakral ("Sateen Soutu") – finden häufige Verwendung und erzeugen eine fesselnde Stimmung.
Unterstützt werden TENHI hierbei wie immer von vielen Gastmusikern, die das Konzept des Duos offensichtlich verinnerlicht haben und Teil des großen Ganzen geworden sind.

Die Mischung aus ruhigen, minimalistischen Passagen und rockigen, kraftvollen Momenten war stets ein Aushängeschild der Band. Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Art der Darbietung auch auf "Saivo" vernehmbar ist. Insgesamt wirkt die Scheibe dadurch ehrlich und bodenständig, macht da weiter, wo Meiserwerke wie "Kauan" (1999) und "Maaäet" (2006) aufgehört haben und fügt noch eine besondere Note durch die Beziehung zur Bedeutung des Albumtitels hinzu.
"Saivo" ist wie eine eigens geschlagene Brücke ins Reich der Toten, wo das Verweilen mit Glück beseelt. Das abschliessende "Siniset Runot" ist wie eine Aufforderung, mit nach "Saivo" zu kommen, begeistert mit seiner sakralen Schönheit und krönt eine Reise, auf die man sich immer wieder gerne begibt. Und mit jedem Mal wächst das Album an und offenbart Dinge auf dem Weg, die man vorher nicht bewusst wahrgenommen hat.

Begünstigt werden sämtliche Empfindungen durch den klaren, passenden Sound, der sowohl das erdige Spiel der Grundinstrumente einfängt und zugleich die Chöre all umfassend und einnehmend wirken lässt. Drei Jahre haben TENHI an den selbst getätigten Aufnahmen gesessen. Und es hat sich gelohnt, denn "Saivo" ist nicht weniger als ein Meisterwerk und für mich DAS Album des Jahres 2011. Wer hier nicht reinhört ist selber Schuld. (Autor: Malte H.)
Fazit:
Das lange Warten hat sich gelohnt. "Saivo" ist ein sehr intensives Album geworden, das den Hörer auf eine Reise mitnimmt und ein Stück des gleichnamigen Totenreichs in die Seele pflanzt.
Das neue Werk TENHIs präsentiert sich homogen und detailreich, dabei verträumt und entspannt, aber auch aufwühlend. Der Mix zwischen Sehnsucht und einem Gefühl von Zufriedenheit ist ebenso gelungen wie der Wechsel zwischen lauten, rockigen und leisen, minimalistischen Momenten.
Erfreulich ist immer wieder, dass TENHI es schaffen, ganz ohne Kitsch auszukommen. "Saivo" ist bodenständig, emotional und fesselnd. Viel besser kann man Darkfolk nicht zelebrieren.

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Cover

Trackliste


01. Saivon Kimallus
02. Pojan Kiiski
03. Uloin
04. Pienet Purot
05. Sateen Soutu
06. Haaksi
07. Surunuotta
08. Savoie
09. Vuoksi
10. Paluu Joelle
11. Sees
12. Siniset Runo

Künstler


Tyko Saarikko
Ilmari Issakainen

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