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Geschrieben: 03. November. 2012CD Review

Stagnant Waters

Stagnant Waters

Bewertung ( 8 von 10 ):

0123456701

Genre:

Extreme Experimental Metal

Spieldauer:

45:42

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Keine Angabe

Release

29.10.2012

Link


Es sind, zumindest für Eingeweihte, recht klingende Namen, die sich hinter der französisch-norwegischen Kombination STAGNANT WATERS verbergen. So beherbergt das Kollektiv, das uns hier sein selbstbetiteltes Debut vorlegt, unter anderem Musiker der renommierten Avantgarde Black Metaller von FLEURETY, DODHEIMSGARD oder der aufstrebenden Band SMOHALLA. Und zusammen werden Grenzen überschritten, an die man sich nicht mal innerhalb der doch sehr weit gesetzten Grenzen dieser Bands getraut hat.

Schon der Opener "Algae" zeigt, worauf man sich mit diesem Bastard einlässt. Wenn STAGNANT WATERS loslegen, dann bleibt kein Stein auf dem anderen. Hier treffen Black Metal der verquersten und technisch höchststehenden Sorte, der an die technischen Monster der letzten DEATHSPELL OMEGA-Veröffentlichungen erinnert, auf rauschenden, fiepsenden und treibenden Industrial und elektrische Spielereien der Sorte UNEXPECT. Klingt in der Theorie verrückt, ist in der Praxis sogar noch viel verrückter. STAGNANT WATERS machen nirgends halt, vermischen die oben genannten Zutaten nach Belieben, ergänzen sie mit (perfekt inszenierten!) Streichern, wechseln innert Sekundenschnelle von elektronischen Spielereien zu rasendem, mit Industrial unterlegtem Black Metal und jagen den Hörer von einem Break zum nächsten. Scheuklappen existieren nicht, es ist Kunst um der Kunst Willen angesagt, so dass auch gerne mal ein bisschen Jazz um die Ecke schauen darf, und das steht STAGNANT WATERS sehr gut zu Gesicht. Dies nämlich, weil die Beteiligten ihre Sache jederzeit nahe der Perfektion ausführen und mit vollem Herzen hinter diesem Bastard stehen, was dazu führt, dass "Stagnant Waters" nicht wie ein durchgeknallter Lausbubenstreich klingt, sondern grundehrlich und vollends gewollt.

Die größte Stärke des Albums offenbart sich aber erst in der Gesamtheit. Denn so abgedreht und weltfremd dieses Album klingen mag, in seiner Gänze erschafft "Stagnant Waters" eine pechschwarze, abgrundtiefe und vor allem kohärente Atmosphäre, die den Hörer fesseln und ihm das Blut gefrieren lassen kann. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil am Gesamtbild dieser Scheibe nimmt auch die Produktion ein, denn diese passt schlichtweg perfekt zum Gebotenen. Während die elektronischen Parts mit der nötigen Wucht und Klarheit rüberkommen, so bestechen die schwarzmetallischen Parts mit einer wunderbar natürlichen Rohheit und Ursprünglichkeit, die dennoch eine Symbiose der beiden Komponente zulässt. Darüber wurden die großartigen Vocals von FLEURETY-Sänger "Zweizz" so in Szene gesetzt, dass sie sich zwar vollends entfalten können, aber niemals zu stark im Vordergrund stehen. So hat eine albenfreundliche Produktion zu klingen, sodass die Atmosphäre zu hundert Prozent davon profitieren kann.

Natürlich, STAGNANT WATERS werden wohl nur wenige mit ihrem atemberaubenden Mix jeglicher Stile, der den ansonsten viel zu inflationär benutzten Begriff "Avantgarde" wahrlich verdient, begeistern können. Das Album ist so unglaublich verworren, verschachtelt und, einfach gesagt, durchgeknallt, dass sich wohl nicht wenige mit einem verzerrten Lächeln blitzschnell von dieser Scheibe abwenden werden. Wer sich aber auf den (in diesem Falle nicht einmal mehr gepflegten) Wahnsinn einlässt, der wird mit einem der innovativsten, beeindruckendsten und schwärzesten Black Metal Alben der letzten Jahre belohnt. (Autor: Tizian C.)
Fazit:
STAGNANT WATERS vermischen auf ihrem selbstbetitelten Debut so ziemlich alles was geht und bringen dabei das Kunststück fertig, ihre Mischung mit einer nahezu vollständig homogenen Atmosphäre zu veredeln. Wer sich eh von seinem Verstand verabschieden wollte, der kann dies auch gleich mit diesem Debut tun. Aber auch sonst kann für scheuklappenfreie und experimentierfreudige Schwarzmetallfans eine dicke Empfehlung ausgesprochen werden. Hoffen wir nur, dass dies nicht das einzige Lebenszeichen dieser außergewöhnlichen Truppe bleibt.

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Cover

Trackliste


1. Algae
2. (-)
3. Of Salt And Water
4. Castles
5. Concrete
6. Bandaged In Suicide Notes
7. Axolotl
8. From The Breaking Neck To Infinity

Künstler


Svein Egil "Zweizz" Hatlevik - Vocals
Aymeric Thomas - Dums, Electronics, Clarinet
Camillle Giraudeau - Guitar, Bass

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