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Geschrieben: 08. März. 2012CD Review

Sigh

In Somniphobia

Bewertung ( 9 von 10 ):

0123456780

Genre:

Avantgarde Black Metal

Spieldauer:

64:39

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Japan

Release

30.03.2012

Link


"In Somniphobia" von SIGH handelt von der Angst zu schlafen und wenn man die musikgewordenen Alpträumen, die die Band auf ihrem bereits neunten Album inszenieren, erlebt, kann man einem diese Furcht nicht verübeln. Die Ausnahme-Japaner sind dafür bekannt mit ihren eigenen Regeln zu brechen ohne jedoch ihre Fans vor den Kopf zu stoßen und so ist es nicht verwunderlich, dass die Ankündigungen des Masterminds Mirai Kawashima viele neue Instrumente bei der Aufnahme benutzt zu haben, keine große Überraschung war. "Scenes From Hell" baute sehr auf den Erfolg von "Hangman's Hymn" auf, welches weg vom Psychedelischen und mehr mit Thrash-Elementen spielte, die gekonnt in das bizarre Soundgewand der Gruppe gepresst wurde.

Das Orchester ist auf dem aktuellen Output den erwähnten Instrumenten gewichen, die von traditionellen Saiteninstrumenten bis hin zu nostalgischen Effektgeräten reichen. Vielversprechende Zutaten für eine Extravaganza, die im Gegensatz zum Vorgänger auch deutlich länger dauert. Wem also Polyrhytmik, diffuse Screams und elektronische Abstrusitäten nicht liegen, sollte schleunigst aussteigen, solange es noch möglich ist.
Nach dem noch unscheinbaren Opener, der musikalisch noch an "Scenes From Hell" anknüpfen kann, schallt mit "The Transfiguration Fear" ein schwer im Magen liegender Brocken aus den Sprechern, dass es nur so scheppert. Mit gewohnt konventionsloser Attitüde reichern die Japaner den Song mit so vielen Extra-Melodien, Samples und gekonnten Einsätzen von verschiedenen Instrumenten an, so dass das fiese Lachen inmitten des Soundszenarios noch den griffigsten Angelpunkt des Songs darstellt. Mirai präsentiert uns hier eine Orgie sondersgleichen, die durch das Saxophon-Solo des jüngst beigetretenen Mitglieds Mika perfekt abgerundet wird.

Doch der Irrsinn geht gerade erst los: "Lucid Nightmare" leitet die gleichnamige Essenz des Albums ein, die den eigentlichen Schreckensschlaf verkörpert. Wenn ich auf jeden der darauffolgenden fünf Tracks im Detail eingehen würde, würde das nicht nur den Rahmen sprengen, sondern auch der Musik nicht gerecht werden, die sich den verschiedensten Einflüssen bedient und damit den zurzeit abwechslungsreichsten Abschnitt der Bandgeschichte darstellt. Zwar wird mitunter die Geschwindigkeit gedrosselt, doch wird dies mit Leichtigkeit mit der Fülle an Eindrücken ausgeglichen und verleiht der Musik genug Spritzigkeit um nach wie vor vor Elan zu strotzen. Zuweilen schmückt man einige Überbrückungen mit Soundschnipseln, die dem bereits existierenden delirierenden Charakter der Atmosphäre mehr Tiefe verleihen. Ein dramatisches Klavierstück, natürlich nicht ohne von sämtlichen Schnörkeln und elektronischen Spielereien bestückt worden zu sein, folgt nach dem Ende des letzten Konzeptsongs, welches einem vertonten Scherbenregen noch am nächsten kommt.
Man erwacht und wird mit den zwei letzten Songs behutsam aus dem Album getragen. Die Lead-Gitarre gewinnt bei "Fall To The Thrall" wieder die Oberhand und prescht mit gemächlichen Synths durch die letzten Minuten, um zu einem weiteren Höhepunkt von "In Somniphobia" zu kommen: "Equale". Ein dreigeteiltes Monstrum, welches gleich mit den ersten Sekunden zeigt, dass man am Ende angelangt ist und außer einem letzen Aufbäumen mithilfe von mitreißenden Synths nur noch ein klassisches Klavierstück, natürlich mit den üblichen Effekten unterfüttert, als Krönung hat und hier auch beweist, dass SIGH nicht immer mit typischen Werkzeugen der Avantgarde arbeiten muss. Dissonanz und Übertriebenheit stellen sich zumindest hier hinten an und bilden einen würdigen Abschluss. (Autor: Daud B.)
Fazit:
Ein schweißtreibendes Album der vor Ideen überschäumenden SIGH, welches sich perfekt in die anderen Unikate ihrer Diskografie einreiht. Damit weisen die Japaner sämtliche Bandkollegen in die Schranken und setzen die Messlatte für kommende Releases aus dem experimentellen Bereich in diesem Jahr sehr hoch.

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Cover

Trackliste


01. Purgatorium
02. The Transfiguration Fear
03. Opening Theme : Lucid Nightmare
04. Somniphobia
05. L'excommunication à Minuit
06. Amnesia
07. Far Beneath the In-Between
08. Amongst the Phantoms of Abandoned Tumbrils
09. Ending Theme : Continuum
10. Fall to the Thrall
11. Equale I) Prelude II) Fugato III) Coda

Künstler


Mirai Kawashima - Bass, Vocals, Keyboards, Sampling, Programming, Vocoder
Satoshi Fujinami - Drums, Guitars, Bass
Shinichi Ishikawa - Guitars
Junichi Harashima - Drums
Dr. Mikannibal - Alto Saxophone, Vocals

Gastmusiker:
Kam Lee - Vocals (additional)
Metatron - Vocals (additional)
Hajime - Piano

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