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Geschrieben: 25. Oktober. 2012CD Review

Shining

Redefining Darkness

Bewertung ( 8 von 10 ):

0123456701

Genre:

Depressive Black Metal

Spieldauer:

41:01

Label:

Spinefarm Records

Vetrieb

Land

Fahne Schweden

Release

26.10.2012

Link


Dass Genie und Wahnsinn eng beieinander liegen können, hat der Schwede Niklas Kvaforth in der Vergangenheit schon häufiger unter Beweis gestellt. Auf der einen Seite stehen unnzählige Pöbeleien (sowohl live als auch mit seiner Webpräsenz), politische Provokationen, und Selbstverstümmelungsinszenierungen zu Buche, auf der anderen Seite begeistert er seine Fans mit starken Live-Performances (sofern ihm danach ist) und auf Tonträgern mit seiner eigenwilligen Idee depressiven Black Metals. Unter dem Namen SHINING hat er sich als jene Reizfigur relativ schnell einen Namen gemacht und genießt mittlerweile die Art von Aufmerksamkeit, die er mit seinem Verhalten einfordert. Und als hätte die Band davon noch nicht genug, erscheint am 26. Oktober 2012 nur ein Jahr nach "VII: Född Förlorare" ein nicht minder polarisierendes Werk, welches typisch bodenständig auf den Namen "Redefining Darkness" getauft wurde.

Auf Zahlen hat der gute Herr keinen Bock mehr, ebenso wenig wie auf rein in schwedischer Sprache gehaltene Alben. Zumindest vorrübergehend. Dafür gestaltet sich das Cover-Artwork in der Banddiskografie so simpel wie selten zuvor. Ein schwarzer Strich gen Abgrund zeigend, umgeben von schlichtem Weiss. Hörer, denen man hier einige Schmunzler in Bezug auf den dezent arrogant, gar überheblich wirkenden Albumtitel entlocken konnte, sehen sich wohl zum ersten Mal oder gar nicht an SHINING addressiert.

Alle anderen werden ein nicht minder schwer verdaubares Stück Kunst vorfinden, denn "Redefining Darkness" wird, wie schon seine Vorgänger, vor allem im Gitarrenbereich durch 'Progressive' und 'Avantgarde' Einflüsse erweitert, mit ein paar "neuen" Ideen geschmückt und wurde definitiv mittels einer eigenständigen Grundidee kreiert. Dabei beginnt "Du, Mitt Konstverk" eher so, als hätte es die beiden Vorgänger nie gegeben. Rasanter Black Metal, ein schmerzverzerrter Schrei - man fühlt sich zunächst an diverse Passagen der "IV: The Eerie Cold"-Zeit und älter erinnert. Dann nimmt Peter Huss allerdings fließend das Tempo aus den Riffs und lässt sich einige Rythmen und Melodien entlocken, die man eindeutig seiner im Jahre 2005 beginnenden Schaffensphase bei SHINING zuordnen kann. Zunächst will weder hier noch bei den Akustikgitarren-Passagen der Funke überspringen. Zumindest bis Kvaforths Klargesang (für den er häufig viel Kritik einstecken muss) einsetzt. Weder emotionslos noch "zu warm" fräst sich seine Stimme mit ihrer ganz besonderen Klangfarbe sowohl bei englischen als auch schwedischen Texten in den Kopf. Davon profitiert das darauf folgende "The Gastly Silence" immens, da es hauptsächlich durch die klaren Gesangspassagen vorgetragen wird und dem Saxophon-Einsatz somit weitere eingängige Anhaltspunkte gegenübergestellt werden.

Was mich persönlich total überrascht und sich direkt beim ersten Hördurchgang festgesetzt hat, ist das ungewohnt temporeiche und dem Titel entsprechend brutale "Han Som Hatar Människan" (frei ins Englische übersetzt: "He, who hates humans"). Besonders stark sind die perfekt eingewobenen Soli, die schnelle, stellenweise gar verspielte Gitarre und Niklas' emotionaler Gesangsausbruch im Mittelteil. Im Kontrast dazu begibt sich das folgende "Hail Darkness Hail" zurück zum Midtempo, ehe der famose und leicht jazzige Akustikteil ein gutes Beispiel dafür abgibt, wie facettenreich SHINING in ihrer jüngeren Vergangenheit geworden sind.

Das Haupt-Problem, das ich trotz aller Euphorie sehe, wird bei "Det Stora Grå" allerdings ähnlich schamlos offenbart wie Kvaforths "gewöhnungsbedürftige" Rituale und Verhaltensweisen in diversen Alben-Trailern zu "Redefining Darkness": Die äußerst knapp bemessene Spielzeit von ca. 40 Minuten, die vor allem in Anbetracht des rapiden Releasezyklus' der Schweden einfach mehr als nur dürftig - denn: "Det Stora Grå" ist ein reines Klavier-Instrumental, welches emotional belanglos vor sich hin plätschert und daher völlig unnötig erscheint. "For The God Below" zieht im direkten Gegenzug dann nochmal alle Register, um den insgesamt positiven Eindruck abzusichern. (Autor: Pascal S.)
Fazit:
Ohne Frage, SHINING wissen auch im Jahre 2012, wie sie vor allem und trotz gelegentlicher Rückbesinnung auf ältere Veröffentlichungen die Fans ihrer jüngeren Werke ködern können. Mit einem kranken Mastermind, einer guten Portion Eigenständigkeit und starkem Songwriting schreiben die Schweden mit "Redefining Darkness" ein vorzügliches Album mit toller Atmosphäre, grandiosen Riffs und einer eigenwilligen Gesangsdarbietung. Trotz des vielen Lobs darf man allerdings nicht außer Acht lassen, dass SHINING allmählich den Eindruck erwecken, ihre Kunst lediglich nurnoch vermarkten zu wollen. Dieses Mal mag das noch gut gehen, aber spätestens wenn schon im Jahre 2013 der Nachfolger mitsamt EP folgt, sollte man ob der Glaubwürdigkeit einer in dieser Angelegenheit einst unangefochtenen Institution ein bisschen ins Grübeln kommen. Zumal "Redefining Darkness" bis auf wenige Ausnahmen eher weniger an eine musikalische Weiterenticklung erinnert.

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Cover

Trackliste


1. Du, Mitt Konstverk
2. The Ghastly Silence
3. Han Som Hatar Människan
4. Hail Darkness Hail
5. Det Stora Grå
6. For the God Below

Künstler


Niklas Kvarforth - Vocals, Guitar
Peter Huss - Lead & Rhythm Guitar
Christian Larsson - Bass

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