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Geschrieben: 18. Januar. 2013CD Review

Poema Arcanus

Transient Chronicles

Bewertung ( 8 von 10 ):

0123456701

Genre:

Doom / Death Metal

Spieldauer:

56:51

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Chile

Release

10.10.2012

Link


Wer kennt es nicht, dieses Gefühl, wenn man eine Band entdeckt und sich denkt: "Mensch, wieso habe ich die nicht schon viel früher gehört?". So geschehen bei mir und POEMA ARCANUS, die mich 2009 mit ihrem Opus "Timeline Symmetry" ziemlich vom Hocker gehauen haben. Ähnlich wie die Landesbrüdern von MAR DE GRISES (beide Bands stammen aus Chile) spielt das Quartett aus Santiago eine progressive Form des Melodic Doom bzw. Death / Dooms und kümmert sich, wie anhand dieser Beschreibung schon zu erahnen ist, eigentlich herzlich wenig um irgendwelche Grenzen.
2012, recht unbeachtet von der hiesigen Presse, veröffentlichten POEMA ARCANUS mit "Transient Chronicles" ihr nunmehr fünftes Album in der mittlerweile 20-jährigen Bandgeschichte.
Grund genug für mich, den Nachfolger von "Timeline Symmetry" mit etwas Verspätung genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bereits der Opener "Us Those Half Dead" macht dabei klar, dass es die gewohnt schwer einzuordnende Kost der Chilenen auf die Ohren gibt. Das bedeutet, die Songs variieren zwischen Down- und Midtempo, wobei das Hauptaugenmerk natürlich auf den langsamen Passagen liegt. Im Vordergrund steht die Dynamik, erzeugt durch Wechsel zwischen lauten, aggressiven und leisen, ruhigen Momenten, die einen Großteil der Atmosphäre ausmachen. Plötzlich eintretende Breaks wie beispielsweise in "Fugitive", wo ein Hauch Progressive Rock durch den Raum weht und Gitarrist Igor Leiva (der als Songwriter auch den Großteil der Musik und Texte verfasst hat) eine feine Solo-Melodie zaubert, ehe der Part durch lautere, groovig-anmutende Doom-Elemente in seinen Grundfesten erschüttert wird, sind keine Seltenheit. Hier und da darf dann auch die Doublebass durchgetreten werden, mal schneller, mal langsamer.
Über allem liegt der markante, einzigartige Gesang von Sänger Claudio Carrasco, dem es scheinbar spielend gelingt, zwischen beschwörenden Rezitaten ("Us Those Half Dead"), getragenem Klargesang ("Stream of Debris") und Screams / Growls (z.B. in "Omniscient Opponent" oder "Lambs") zu wechseln.
Ein weiteres Beispiel für den gelungenen Wechsel der Dynamik stellt "Inquilinos" dar. Eingeleitet durch ein verspieltes Gitarrenriff bricht Carrascos Gesang die Stimmung auf, ehe ein stark verzerrter und finster klingender Bass (gespielt von Neuzugang Pablo Tapia) den nächsten Doom Ausbruch einleitet. Walzend, schleppend, finster. Und auch hier zeigt Carrasco wieder, wie elegant ein Wechsel zwischen tieftönendem Klargesang und finsteren Growls sein kann. "Inquilinos" ist das einzige Stück auf Spanisch, was dem Song ein besonderes Flair verleiht.

Den Höhepunkt des gesamten Albums liefert der mittig platzierte Block bestehend aus "Fading" und "Omniscient Opponent". Der erstgenannte Track entfaltet eine extrem schwermütige Stimmung. Gesanglich wie musikalisch passt hier alles zusammen. Insbesondere Drummer Luis Moya zeigt sein gutes Gespür für ein die Atmosphäre unterstreichendes Drumming. Akzentuiert, unaufdringlich, abwechslungsreich. Schlichtweg stark!
Und auch das folgende "Omniscient Opponent" punktet vor allem durch eine dichte Atmosphäre, viel Dynamik und einigen unter die Haut gehenden Gesangspassagen. Der Song fasst das Album dadurch recht gut zusammen.

Erfreulich ist über die gesamte, fast einstündige Spielzeit, dass POEMA ARCANUS sich keine Auszeit nehmen. Sprich: Es gibt kein schwächelndes Füllmaterial. Von vorne bis hinten kriegt man das geboten, was man als Fan von der Band erwartet.
Dadurch gibt es wenig Raum für Kritik und doch vermisse ich ein wenig die death-lastigen Ausbrüche des Vorgängers, wo es beispielsweise in "Mars Lullaby" ordentlich zur Sache ging. "Transient Chronicles" präsentiert sich zurückhaltender, beinahe schon besinnlich, verträumt. "Timeline Symmetry" bot in der Hinsicht mehr Kraft, mehr Wut.
Nichtsdestotrotz ist auch der neue Output der Chilenen auf seine Art kraftvoll und tragend, dabei jedoch deutlich schwerer zugänglich als der Vorgänger. "Transient Chronicles" braucht anfangs Zeit und Geduld, ehe es sich richtig entfaltet. (Autor: Malte H.)
Fazit:
POEMA ARCANUS feiern ihr 20-jähriges Bandbestehen mit "Transient Chronicles" mehr als gebührend. Das fünfte Album der Band präsentiert sich zwar bedächtiger als der Vorgänger und scheut die richtig kraftvollen Death-Ausbrüche – deutet sie vielmehr immer mal wieder nur an – doch überzeugt das Album mit viel Dynamik und einer durchgängig subtil-dunklen Atmosphäre.
Aushängeschild ist hierbei der Gesang von Claudio Carrasco, der mit seiner variablen, tiefen Stimme den Songs sehr viel Leben einhaucht. Doch auch seine Mitmusiker müssen sich nicht verstecken.
Eine klare Empfehlung für Doomster und alle, die es werden wollen. Hier führt kein Weg dran vorbei.

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Cover

Trackliste


1. Us, Those Half Dead
2. Stream of Debris
3. Fugitive
4. Inquilinos
5. Fading
6. Omniscient Opponent
7. Lambs
8. Default Song
9. Our Little Blood

Künstler


Luis Moya - Drums
Igor Leiva Benavides - Guitars
Claudio Carrasco Garcia - Vocals
Pablo Tapia - Bass

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