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Geschrieben: 10. Juli. 2012CD Review

Kreator

Phantom Antichrist

Bewertung ( 10 von 10 ):

0123456789

Genre:

Thrash Metal

Spieldauer:

45:25

Label:

Vetrieb

Land

Fahne Deutschland

Release

01.06.2012

Link


Endlich ist es wieder so weit! Nach über drei Jahren melden die Essener Thrash Götter KREATOR sich mit einem neuen Studioalbum zurück. "Phantom Antichrist" nennt sich das gute Stück und sorgte wie gewohnt schon im Voraus für Freudensprünge in den Herzen der Fans. KREATOR sind schließlich bekannt dafür, dass sie sich für ihre Alben Zeit nehmen, was sich bisher auch durch hohe Qualität auszeichnete. Nach "Violent Revolution" konnten sie schließlich auch mit "Enemy of God" und "Hordes of Chaos" auf ganzer Linie überzeugen. Die Tracks dieser Alben sind den Fans bis heute in den Ohren und dürfen natürlich auf keinem KREATOR Konzert fehlen. Umso größer die Neugier, ob die Urgesteine ihr hohes Niveau halten können und sich das neue Album problemlos neben den Vorgängern einreihen lässt.

Das phänomenale Artwork ist zumindest schon mal vielversprechend. Wie gewohnt strahlt es eine dunkle Aggressivität aus. Es ist sehr detailliert gestaltet und lässt jede Menge Raum für Interpretationen, gerade im Hinblick auf den Albumtitel. An dieser Stelle möchte ich eurer Fantasie aber mal freien Lauf lassen.

Nach dem melodischen Intro "Mars Mantra" geht es auch gleich in gewohnter KREATOR Manier wuchtig los. Der Titeltrack "Phantom Antichrist" verkörpert 100% KREATOR: schnelle, kraftvolle, thrashige Riffs, werden von einem treibenden Schlagzeug begleitet und vereinen sich perfekt mit den rotzigen Vocals von Sänger Mille. Der Refrain lädt zum Mitgrölen ein und insgesamt hat dieser Song einfach alles, was eine KREATOR Hymne braucht. Melodische Leads und großartige Soli runden das Ganze ab und sorgen dafür, dass sich dieser geniale Einstieg sofort im Gehirn fest brennt. Besser kann man es nicht machen! Der zweite Song "Death to the World" kann problemlos mithalten und reiht sich mühelos ein. Er ist zwar etwas ruhiger als „Phantom Antichrist“ aber nicht weniger kraftvoll und überzeugt vor allem durch ein eingängiges Riffing und ein sehr verspieltes Solo. Obwohl die ersten Songs ganz unverkennbar klassische KREATOR Songs sind, macht sich hier schon eine erste Veränderung bemerkbar. Der Sound klingt insgesamt ausgefeilter und runder, als auf den vorhergegangenen Alben. Dies ist vor allem Produzent Jens Bogren zu verdanken, der dem Album den letzten Schliff verpasste.

Eine weitere Veränderung kristallisiert sich erst nach und nach heraus. KREATOR klingen wesentlich melodischer als zuvor und auch die Soli erinnern an den klassischen Metal. Besonders auffällig ist dies im nachfolgenden Song "From Flood Into Fire", der wohl einer der hymnischsten KREATOR Tracks aller Zeiten ist. Vor allem der mehrstimmige Refrain und die überragenden Soloparts sind hier hervorzuheben, aber auch Mille's dunkler Klargesang besticht ungemein. Hier scheint eine zukünftige, epische Live-Hymne geboren zu sein - eine gelungene Atempause auf dem Album, denn es folgt das rasend schnelle "Civilization Collapse". Auch wenn der Anfang hier beinahe akustisch anmutet, wird es kurze Zeit später so richtig schön thrashig und die Nackenmuskeln werden stark in Anspruch genommen - dieser Song schreit geradezu nach fliegenden Haaren! Dies ist übrigens eine weitere Eigenschaft von "Phantom Antichrist" - das Album zeichnet sich durch vielfachen Spannungsaufbau und abrupte Stimmungswechsel aus. Das hat es so auf noch keinem KREATOR Album gegeben. "United in Hell" ist ein weiteres Beispiel für diese Vorgehensweise: eingeleitet von einem eher ruhigen Anfang, explodiert die Geschwindigkeit nach einem gekonnten Scream und entpuppt sich als eine wahre Mitsing-Größe. Die Hookline "we are legion united in hell" will mir einfach nicht mehr aus dem Kopf und die grandiosen Soli im Instrumentalteil runden auch diesen Song einfach perfekt ab. Ohnehin sind die Soli auf diesem Album allesamt erwähnenswert, sie sind ausgefeilter und melodischer als je zuvor. Jedes steht für sich und bereichert den Song und das obwohl es auf "Phantom Antichrist" mehr Soli gibt als auf jedem anderen KREATOR Album - eine tolle Bereicherung!

"The Few, The Proud, The Broken" ist wohl einer der facettenreichsten KREATOR Lieder bisher. Hier gibt es neben einem einzigartigen Spannungsaufbau sehr viel Raffinesse und es braucht in der Tat mehrere Durchgänge um den Song vollends erfassen zu können. Geniales Arrangement, das durch überragende Gitarrenarbeit glänzt und sich trotz der sehr melodischen Note, die nötige thrashige Eingängigkeit bewahrt. Bei "Your Heaven, My Hell" wird es dann plötzlich ungewohnt ruhig, beinahe schon balladesk, als Mille mit flüsternder Stimme in den Song einführt, bevor der Thrash mit einem Schrei zum Leben erwacht. Insgesamt stimmt der Song sehr melancholisch und regt zum Nachdenken an - ungewohnt zunächst, aber dennoch unverkennbar KREATOR und ein wahrhaft großartiger Song. "Victory Will Come" fällt für mich neben den anderen Liedern leider ein wenig zurück. Ein guter KREATOR Song, keine Frage, aber mir fehlt das kleine bisschen Genialität, die bei allen anderen Tracks einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Dennoch auch hier ein Plus für den mehrstimmigen Refrain und den großartigen Solopart. Die größte Überraschung bringt jedoch der letzte Song "Until Our Paths Cross Again". Eine epische Abschlusshymne die ihresgleichen sucht, die gleichermaßen Melancholie und Aggressivität ausstrahlt - ein gelungener Abschluss für dieses Thrash-Meisterwerk.

Anspieltipps: "Phantom Antichrist", "From Flood Into Fire", "Your Heaven, My Hell" (Autor: Bianca P.)
Fazit:
Insgesamt lässt sich sagen, dass KREATOR mit "Phantom Antichrist" nicht nur mühelos an ihre Vorgänger-Alben anknüpfen, sondern sogar noch ein Schritt weitergehen. Sie perfektionieren ihre gewohnte Mischung aus purer Aggression und unverwechselbar mitreißenden Melodien und fügen dem eine Note des klassischen Metals, bestehend aus sehr melodischen Leadgitarren Parts und gehäuften, raffinierten Soli, hinzu. Diese Mischung untermauern sie dann mit epischen Refrains und schreiben so die Thrash Hymnen von morgen. Verdammt starkes Album, das den Titel "Meisterwerk" mehr als verdient hat!

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Cover

Trackliste


01. Mars Mantra
02. Phantom Antichrist
03. Death to the World
04. From Flood into Fire
05. Civilization Collapse
06. United in Hate
07. The Few, the Proud, the Broken
08. Your Heaven, My Hell
09. Victory Will Come
10. Until Our Paths Cross Again

Künstler


Ventor - Drums
Sami Yli-Sirniö - Guitars, Guitars (acoustic), Vocals (backing)
Christian "Speesy" Giesler - Bass
Mille Petrozza - Vocals, Guitars

Gast- & Sessionmusiker:

Jens Bogren - Vocals (choirs)
Matthias Kollek - Vocals (choirs)
Tommy Johansson - Vocals (choirs)
Uffe Bejstam - Vocals (choirs)
Ronny Milianowicz - Vocals (choirs)
Henric Bellinger - Percussion (additional)

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